In Tormentata Quiete – Krononota

Ganz großes absurdes Theater

Artist: In Tormentata Quiete

Herkunft: Bologna, Italien

Album: Krononota

Genre: (Theatrical) Avantgarde Metal

Release: 19.02.2021

Label: My Kingdom Music

Link: http://www.intormentataquiete.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Samantha Bevoni
Gesang – Marco Vitale
Gesang – Davide Conti
Gitarre – Lorenzo Rinaldi
Keyboards – Antonio Ricco
Bass – Luca Pasotti
Schlagzeug – Francesco Paparella

Gastmusiker:

Erzähler – Davide Zagnoli (Memoria Del Tempo)
Akkordeon – Daniela Taglioni
Saxophon – Alessandro Carnevali
Gitarre – Simone Mularoni (Color Daunia und Odor Mediterraneo, Schauspielstimme „I Versi“ -Vittorio Sereni (Sapor Umbro)

Tracklist:

  1. Urlo Del Tempo
  2. All’Alba: Sapor Umbro
  3. Alla Mattina: Color Daunia
  4. Al Pomeriggio: Lo Sguardo D’Anteo
  5. Alla Sera: Abbraccio D’Emilia
  6. Alla Notte: Odor Mediterraneo
  7. KronoMetro

Auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem bin ich dieses Mal bei In Tormentata Quiete gelandet. Am 19.02.2021 erscheint beim für außergewöhnliche Sachen bekannten Label My Kingdom Music deren neues Album Krononota auf CD.

In Tormentata Quiete machen sogenannten Theatrical Avantgarde Metal. Das hat mich dann doch aufhorchen lassen. Bei In Tormentata Quiete handelt es sich um ein Septett, alleine dadurch ist ja bereits großes Theater zu erwarten. Hinzu kommen Gastmusiker an Akkordeon und Saxophon. Das alles hört sich schon einmal sehr spannend an. Die Italiener, mit zwei Sängern und einer Sängerin bestens bestückt, servieren eine interessante Mischung aus Elementen aus Prog Rock, Folk, Black Metal, Gothic und Klassik. Sie bedienen sich dabei textlich ausschließlich ihrer Heimatsprache.

Das vorliegende Krononota ist bereits das fünfte Album der Italiener. Ich muss gestehen, dass sich dieses Album gewiss nicht gleich jedem Hörer erschließen wird, denn es ist sehr avantgardistisch und verarbeitet mehrere musikalische Einflüsse, die teilweise scheinbar nicht vereinbar sind.

Wir steigen verhalten, aber beschwingt in das Album mit dem Track Urlo Del Tempo ein. Der Song nimmt immer mehr an Fahrt auf. Eine männliche Stimme setzt erzählerisch ein. Obwohl ich der italienischen Sprache in diesem Sinne nicht mächtig bin, klingt es ziemlich spannend. Gegen Mitte hin setzen Streicher ein, schnell dahinter ein Saxophon und die Stimmung wird bedrohlich. Der Song wird auf einmal richtig wuchtig, denn er ist jetzt voll orchestriert.

Der zweite Song All’Alba: Sapor Umbro beginnt direkt richtig wuchtig. Männerstimmen setzen ein. Dann die Frauenstimme, die sehr theatralisch daherkommt. Die männlichen Stimmen wirken bei weiterer Dauer irgendwie irre und ein schwarzmetallischer Atem fällt in den Song ein. Als wenn dies nicht schon alles verrückt genug wäre, wird es mit dem Einsatz von einem Akkordeon noch irrer. Unversehens vernehmen wir in All’Alba: Sapor Umbro dann eine Swing Jazz Sequenz. Dann dreht sich der Song noch einmal. Erzählender Gesang mit Saxophon untermauert.

In Tormentata Quiete bewegen sich auf diesem Album weit weg von einem zuzuordnenden Musikgenre. Hier wird der Musikbegriff um den Kunstbegriff in theatralischer Form erweitert. Nehmen wir einmal den dritten Track Alla Mattina: Color Daunia. Hier werden zunächst nur ein paar Klaviertasten leicht angeschlagen und es entwickelt sich ein Popsong in Form eines Duettes, welches von beliebigen, vlt. auch bekannten italienischen Barden geträllert werden könnte (nein, ich nenne jetzt keine Namen, auch nicht den von Romina und Albano). Hier und dort vernehmen wir bereits ein schwarzmetallisches Krächzen in der Stimme. Und wirklich, dieses Krächzen wird bei weiterem Verlauf mehr, der Song wird zu einem Theaterstück. Gegen Ende hin wird der Song mit Prog Rock Einlagen gefüllt. Die stimmliche Gewalt von Frauen und Männerstimmen wird größer, bevor dieses Stück wieder mit ein paar sanften Betätigungen der Klaviertasten endet.

Ziemlich spacig wird es mit Al Pomeriggio: Lo Sguardo D’Anteo. Die Kometen schwirren im Hintergrund. Das Saxophon setzt ein. Have A Cigar kann ich da mit Pink Floyd’s bekanntem Song nur kundtun. Durch den Einsatz der Stimmen erhält die „Kometenmelodie“ einen ganz neuen Drive. Harte Bässe jagen durch den Orbit. Von wegen schwerelos im Weltraum, da kommt jetzt eine besondere Schwere auf. Dann ein absoluter Bruch. Folkloristische Streicher und ein Akkordeon setzen ein, wir sind nun plötzlich in einem ganz anderen Song. Vollkommen verrückt, was die Italiener hier machen. Ich bin richtig begeistert, denn jetzt kommt sogar noch Black Metal Geballer auf.

Beginnend mit Big Band Musik führt uns Alla Sera: Abbraccio D’Emilia auf eine ganz falsche Fährte, denn dieser Track wird gleich ein bedrohlicher Black Metal angehauchter Song. Wobei er auch Prog Rock Anteile beibehält. Die Stimmen geben dem Ganzen einen theatralischen Effekt. Die weibliche Stimme ist irgendwie betörend, sie verführt den Hörer fast wie eine Sirene, ohne dass dieser die Gefahr des Songs bemerkt.

Eine akustische Gitarre und männlicher Klargesang nehmen uns mit in den Track Alla Notte: Odor Mediterraneo, der schnell an Fahrt aufnimmt. Zunächst mit weiblicher Stimme, dann gesellt sich schwarzmetallisches Gekeife dazu. Ganz klasse hier das Zusammenspiel von Saxophon und tiefem Bass. Mit fortwährender Dauer dieses Albums erwartet man nur noch solche verrückten Sachen. Wenn man von dieser Art von Musik einmal mitgenommen wurde, dann kann man sich ihr kaum noch erwehren, denn dieses Theater, welches die Band hier aufführt, ist einfach nur faszinierend. Mitten im Song scheint ein eigenes Theaterstück aufgeführt zu werden. Ein Song im Track. Fast träumerisch versöhnlich geleitet uns KronoMetro zum Abschluss aus diesem großartigen Werk.

In Tormentata Quiete – Krononota
Fazit
Großes Kino, Pardon Theater, was die Italiener In Tormentata Quiete auf ihrem fünften Album Krononota abliefern. Avantgardistisches Musik-Theater in einem Mix aus Prog Rock, Folk, Black Metal, Gothic, Klassik und vieles mehr! Toller Einsatz von Nicht-Metal-Instrumenten wie Saxophon und Akkordeon, was die Musik für den Old School Metaller nicht leichter macht. Diese dürften sowieso nicht angesprochen sein, sondern eher die Avantgardisten unter den Metallern. Am ehesten wohl noch für Prog Rocker/Metaller verdaulich.

Anspieltipps: All'Alba: Sapor Umbro, Al Pomeriggio: Lo Sguardo D'Anteo und Alla Notte: Odor Mediterraneo
Juergen S.
9.2
Leser Bewertung8 Bewertungen
8.2
9.2
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