Kryn – Scars Remind Me

“Besser spät als nie“

Artist: Kryn

Herkunft: Rijeka, Kroatien

Album: Scars Remind Me

Spiellänge: 53:19 Minuten

Genre: Djent, Progressive Metal

Release: 07.02.2014

Label: Eternal Sound Records / New Music Distribution

Link: https://www.facebook.com/krynband

Bandmitglieder:

Gesang – Karlo Horvat
Gitarre – Rade Malobabic
Gitarre – Mario Tomašković
Bassgitarre – Marko Vladilo
Schlagzeug – Igor Malobabic

Tracklist:

  1. And There The Scars Remain
  2. The Silent
  3. A/D/D/I/C/T/
  4. Reminder
  5. Meditiva
  6. New Disease
  7. B.l.e.a.k.
  8. Second
  9. Hurt (NIN Cover)
  10. Released

Kryn - Scars Remind Me

Bereits im Jahr 2003 wurde die Band Downfall gegründet, die vornehmlich Melodic Death Metal spielte und der von allen Seiten eine große Zukunft vorausgesagt wurde. Aber wie es nun mal so ist, manche schaffen es, andere verschwinden in der Versenkung. Der Frontmann von Downfall, Karlo Horvat, der dort noch Gitarre gespielt hatte, konzentrierte sich voll auf den Gesang und begab sich auf die Suche nach weiteren neuen Bandmitgliedern. Im Jahr 2008 war die Band Kryn dann komplett und hat schon diverse Auftritte absolviert, mit denen sie sich in Kroatien schon einen guten Ruf erspielt hat. Am 07.02.2014 erschien das Debütalbum Scars Remind Me.

Der erste Gedanke, der mir bei im Midtempo gehaltenen Song And There The Scars Remain durch den Kopf schießt, ist Meshuggah, so kraftvoll und basslastig kommen die ersten Töne durch meine Kopfhörer und jagen direkt durch die Gehörgänge bis in den Bereich des Gehirns, der für diese Klänge sehr empfänglich ist. Das geht mir auch bei einigen anderen Songs des Albums ähnlich, da formen sich dann weitere Namen aus diesem Genre, z. B. Mnemic, Uneven Structure, Charred Walls Of The Damned oder Persefone. Aber Kryn ist weit davon entfernt, irgendeine Band zu kopieren oder auch nur ansatzweise zu zitieren, dafür ist sie viel zu experimentierfreudig und eigenständig.

The Silent ist alles andere, aber nicht ruhig. Hier wird ordentlich Tempo aufgenommen, Karlo Horvat shoutet, was das Zeug hält, das Schlagzeugspiel ist beeindruckend, und auch die Saitenfraktion gibt alles.

Ich wage es einfach mal, den vierten Song Reminder als überragende Powerballade zu bezeichnen. Das eröffnende Klavierspiel wird nahtlos von den Gitarren übernommen und weitergeführt und zum so sehnsuchtsvoll und verzweifelt, dennoch so kraftvoll klingenden Gesang von Karlo Horvat fällt mir nur ein Wort ein: Göttlich!! Den fast schon als Explosion zu bezeichnenden Tempowechsel trauen sich auch nicht viele Bands, aber Kryn machen es halt einfach und es erscheint fast schon logisch.

Auch B.l.e.a.k. fängt sehr verhalten an, ich erwarte die nächste Powerballade. Aber darauf hat Kryn wohl keine Lust und wechselt mal eben kurz ins Progressive Death Lager. Das Lied spielt mit Tempo- und Rhythmuswechseln, als wäre es das Normalste und so klingt es auch. Eigentlich dürfte jetzt schon niemand mehr Zweifel an den songschreiberischen Qualitäten der Band haben, wenn doch, müssen sie jetzt allerspätestens komplett ausgeräumt sein.

Second ist eine in wunderbare Melodien gegossene Raserei, wieder gespickt mit hervorragend getakteten Rhythmus- und Tempowechseln.

Ich muss zugeben, dass ich, wenn ich es nicht gelesen hätte, nicht gewusst hätte, dass Hurt ein Nine Inch Nails-Cover ist. An diesem Cover scheiden sich ja die Geister. Sehr gelungen ist auf jeden Fall die Überblendung des Gesangs von Karlo Horvat mit Teilen aus einem Interview mit Johnny Cash. Da ich das Original nicht kenne, kann ich nur sagen, dass diese Fassung für sich gesehen nicht schlecht ist, aber etwas aus dem Rahmen des Albums fällt und für mich durchaus verzichtbar gewesen wäre.

Und dann kommt mit Released auch schon das letzte Lied des Albums, was aber zunächst einmal nicht heißt, dass Kryn das Tempo rausnehmen, im Gegenteil. Ich hatte mich zunächst über die Laufzeit von über zwölf Minuten gewundert, aber Fans der so genannten Hidden Tracks werden halt auf diesem Album ebenfalls bedient und hier zeigt sich zum Ausklang des Albums ein letztes Mal, welch hervorragender Sänger bei Kryn am Mikrofon steht.

Natürlich liefert auch jedes andere Bandmitglied eine wirkliche Meisterleistung ab, aber die Stimme von Karlo Horvat ist einfach unbeschreiblich gut. So wahnsinnig wandelbar, aber egal ob Shouts oder Clean Gesang, teilweise auch Flüstern, sie ist immer kraftvoll. Da kann ich persönlich nur Vergleiche mit Jorn Lande, Russell Allen oder Jens Carlsson anstellen, die für mich definitiv zu den besten Sängern im Metal gehören. Auf der Facebook-Seite der Band ist auch ein Gesangscover des Ark-Songs Heal The Water zu finden (leider nicht der komplette Song), das diese Worte unterstreicht.

Fazit: Bevor ich auch nur ein Wort für dieses Review geschrieben habe, lief das Album mehr oder weniger auf Dauerrotation, denn ich wollte so viel wie möglich von den Eindrücken sammeln, um sie dann hier zu verarbeiten. Irgendwann bin ich dann allerdings zu dem Schluss gekommen, dass das einfach nicht möglich ist. Die Songs dieses hervorragenden Debütalbums sind so komplex und trotzdem eingängig, so frisch und abwechslungsreich, so unvorhersehbar und darum immer wieder spannend, dass dieses Album auf jeden Fall in meiner persönlichen Top Ten für 2014 seinen Platz ganz weit vorne finden wird. Ich kann nur hoffen, dass die Band Kryn den Erfolg haben wird, den sie sich mit diesem Album definitiv hart erarbeitet und auch verdient hat. Kaufen!

Anspieltipps: And There The Scars Remain, Reminder und B.l.e.a.k.
9.5
9.5
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