Laceration – I Erode

Von der Sonne Kaliforniens in die Sümpfe Floridas - eine nostalgische Death Metal Reise

Artist: Laceration

Herkunft: USA

Album: I Erode

Spiellänge: 32:05 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 26.07.2024

Label: 20 Buck Spin

Link: https://www.facebook.com/lacerationofficial/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Luke Cazares
Gitarre – Donnie Small
Bassgitarre – Elias Small
Schlagzeug – Aerin Johnson

Tracklist:

1. Degradation
2. Excised
3. Sadistic Enthrallment
4. Vile Incarnate
5. Dreams Of The Formless
6. Carcerality
7. Strangled By Hatred
8. Impaling Sorrow
9. I Erode

Mit neuem Drummer im Gepäck (Faustino von Miasmic ist nicht mehr dabei, dafür jetzt Aerin Johnson von Scythe) machen sich die Amerikaner, die schon im Jahre 2006 gegründet wurden, aber ihr Debütwerk namens Demise, welches ich richtig geil fand, erst im Jahre 2021 herausbrachten, auf den Weg, um ihr zweites Album der headbangenden Meute näherzubringen. Mittlerweile ist man bei 20 Buck Spin angekommen und kann somit auch eine breitere Fangemeinde ansprechen.

Ein bedrohliches und zerstörendes Intro darf nicht fehlen und es kommt mir so vor, als ob diese sechzig Sekunden aus einem Film stammen, aber ich komme nicht drauf, aus welchem. Ist ja auch egal, Degradation ist schon einmal ein stimmungsvoller Einstieg.

Mit Excised geht man dann in die Vollen und ich bekomme genau das, was ich erwartet habe. Die Marschrichtung, die sie auf ihrem Debütalbum vorgegeben haben, wird natürlich konsequent fortgesetzt und warum auch nicht? Alles andere hätte mich enttäuscht. Wieder einmal zelebrieren sie den old schooligen Death Metal der Neunziger, so wie er in den Staaten damals praktiziert wurde. Die Band Malevolent Creation war damals absolut angesagt und der Death Metal der Ostküste im Allgemeinen. Geografisch gesehen müssen die Burschen sich zwar einiges von ihrer Heimat wegbewegen, aber was macht man nicht alles für den guten Metal? Dabei versteht man es, Riffs zu produzieren, die hängenbleiben und ein rollendes Songwriting zu präsentieren. Man drückt ordentlich auf die Tube, vergisst aber nicht, das Tempo an der richtigen Stelle zu verschleppen. Das hat alles Hand und Fuß. Die aggressiven und tiefen Vocals werden gekonnt platziert und stehen als weiteres Instrument zur Verfügung. Ja, eine runde Sache und ein gelungener Einstieg.

Sadistic Enthrallment beginnt dann erst einmal mit einer Filmsequenz, ich glaube aus dem Film Hellraiser. Und weiter geht das Konzept, welches aufgeht. Riffs werden länger gezogen und Gevatter Drummer prügelt drüber. Funktioniert in meinen Ohren einwandfrei. Das Tempo wird kurz verschleppt und dann gibt man wieder Vollgas. Ein drückender Doublebass-Groove wird eingestreut. Stehe ich voll drauf. Solstice hatten diese immer sehr stark im Gepäck. Geil, da kurz danach wieder das Tempo angezogen wird. Dann wird die Gitarre vorweggeschickt und ein kleiner, technischer Part folgt, um ein langes und wildes Solo folgen zu lassen und wieder ab in den Hauptpart. Ach ja, da fließen schon einige Tränen der Nostalgie, besonders wenn sie diese beinahe melodischen Riffs zelebrieren und die Drums langsam, aber druckvoll dazu agieren. Am Ende holt man noch einmal den Vorschlaghammer heraus. Ja, but hello, so muss das sein.

Vile Incarnate setzt dann von der Intensität noch einen drauf, zumindest zu Beginn des Songs. Die Finger flitzen sehr schnell über das Griffbrett, die Drums betonen kurz. Geil. Das Riff ist sicherlich nicht neu, schockt aber total. Und dann voll auf die Gesichtseinheit. Stakkato-Riffs und ab dafür. Das Tempo bleibt schon hoch, auch wenn man es verschleppt. Gitarrenquietscher lockern das Ganze ein wenig auf. Selbst der Midtempopart ist extrem aggressiv. Diese Doublebass machen, glaube ich, die Überzeugungsarbeit. Man groovt sogar ein wenig und geht dann wieder kraftvoll ins Midtempo, um erneut ein verspieltes Solo aus dem Hut zu zaubern. Zurück zum Midtempo und so stampft man sich nun durch das Universum. Ja, macht absolute Laune. Der Anfang muss natürlich auch noch einmal her, ansonsten hätte sich der Song auch nicht richtig angefühlt. Technisches Vermögen ist ja auch dazu da, um dieses einzubauen und so wird man zum Ende hin recht vertrackt, groovt dann aber noch einmal ganz kurz. Die wissen schon, was sie machen.

Das ging ja schon einmal gut los, also muss man die Meute erst einmal beruhigen. Aus diesem Grund haben die Laceration das Instrumentalstück Dreams Of The Formless. Aber vorsichtig! Diese trügerische Ruhe hält nicht lange an.

Carcerality unterbricht diese und geht wieder diesen typischen, amerikanischen Weg. Die Sümpfe Floridas spucken wieder Gift und Galle. Diese Riffs und diese treibenden Drums. Herrlich. Geballer, Tempoverschärfung, Geballer. Monstrosity lassen grüßen. Diese schleppende Doublebass und der dazugehörende Groove. Großartig.

Mit I Erode beendet man die geschichtsträchtige Reise und lässt einen durchaus begeisterten Musikreviewer zurück. Hier werden alle Zitate noch einmal durchgekaut und man groovt recht ordentlich, bietet aber natürlich auch genügende Knattermomente. Geile Riffs und ein gutes Händchen für das Songwriting machen auch diesen Song sehr interessant, auch wenn man hier und da ein wenig zu technisch agiert. Das verspielte Solo muss natürlich auch sein.

Die Produktion ist schön auf alt getrimmt, aber zu 100 % transparent. Lecker Ding!

Laceration – I Erode
Fazit
Die Amerikaner von Laceration sind zurück und bringen uns endlich wieder richtig geilen Florida Death Metal mit. Wie schon bei ihrem Debütalbum lassen sie es ordentlich krachen und können mich überzeugen. Erst ganz am Ende verliert man ein wenig an Energie, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Das Album schockt total und dürfte jedem eine Träne entlocken, der auf Nostalgie abfährt. Und wer steht nicht auf Bands wie Malevolent Creation, Monstrosity, Solstice, Morbid Angel oder eben Laceration.

Anspieltipps: Excised und Carcerality
Michael E.
8.7
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