Lautstärke: halten im Video zu „Hilf Mir“ der Menschheit den Spiegel vor

Deutlicher Weckruf der Deutschrocker aus Euskirchen

Die Welt mit anderen Augen sehen, das ist das Motto der 2017 gegründeten Deutschrock Band Lautstärke aus Euskirchen. Lautstärke, das sind André Dederichs (Vocals), Tobias Schönbeck (Guitars), Tim Bielen (Guitars), Marco Rogowski (Drums) und Mavin Jordans (Bass). Auf ihrer ersten EP Zurück Zu Dir (2018) vereinten sie Elemente aus Rock, Pop, Metal und Punk zu einem vielseitigen Sound, der von deutschsprachigen Texten begleitet wurde. Lautstärke stecken gerne den Finger in die Wunde, Kritik an der Gesellschaft, an sich selbst und an sozialen Normen bildet dabei die Essenz.

Im Juni 2020 erschien das Debütalbum Vom Morgen Danach, aus dem nun das Video zu Hilf Mir präsentiert wird. Ein schriller Song, der an eine Alarmsirene denken lässt, was aber durchaus die Botschaft des Songs unterstreicht. Erneut scheuen sich die fünf Jungs nicht, den Finger tief in die Wunde zu stecken. Treibende Gitarrenriffs untermalen das Leid ertrinkender Flüchtlinge im Mittelmeer und die Dummheit der fetten Wohlstandsgesellschaft, die Longdrink saufend am Strand liegt und zuschaut. Das Thema ist natürlich nicht neu, jedoch aktuell wie eh und je.

Hohe Wellen, kalt wie Eis
Schmecken salzig vom Angstschweiß
Sie sinken leise in den Schlaf
Unter mir ein Massengrab

Hilf mir!
Ich weiß, Du hast keine Zeit
Weil Du wieder mal verreist
Und dort ist es viel zu heiß
Hilf mir!
Zieh mich bitte nur an Land
Und ich greif nach Deiner Hand
Weil ich gar nicht anders kann

Zu viel Wasser, keine Kraft
Die Lunge füllt sich, fast geschafft
Das Boot war scheinbar aus Papier
Ein Flugzeug direkt über mir

Hilf mir!
Ich weiß Du hast keine Zeit
Denn Du leckst an Deinem Eis
Schließlich ist es viel zu heiß
Hilf mir!
Zieh mich bitte nur an Land
Und ich greif nach Deiner Hand
Doch Du liegst im warmen Sand
Hilf mir!
Ein letzter stummer Schrei
Ich schließ‘ die Augen, bin bereit
Sinke in die Dunkelheit
Hilf mir!
Du liest die Zeitung, bist schockiert
Menschen sterben direkt hier
Schönen Urlaub wünsch‘ ich Dir!

In einem Interview mit Rockmagazine.net im August 2020 äußerten sich Sänger André und Schlagwerker Marco zu Hilf Mir:

André: „Ich wollte mich mit dem Thema aus der Ich-Perspektive beschäftigen. Mich fragen, wie geht es demjenigen, der da gerade um sein Leben kämpft? Der Text sollte in gewisser Weise auch schockieren.“

Marco: „Wir liegen da am Strand in unserem Jahresurlaub, sind mit All Inclusive gerade mal so zufrieden und übers Meer kommen Leute, die versuchen, ihr Leben zu retten. Die saufen gerade ab und wir stehen da mit einem Longdrink in der Hand und denken womöglich, jetzt vermiesen die uns auch noch die Laune. Darum geht es in dem Song, ohne dass wir mit dem Finger auf andere zeigen oder sie belehren wollen.“

André: „Mir kam die Idee tatsächlich in Spanien im Urlaub. Ich dachte, was machst Du hier eigentlich – ein paar Meter weiter sterben Menschen. Da hat es bei mir Klick gemacht. Der Song soll uns selbst und andere motivieren, mal darüber nachzudenken. Wir packen uns da auch an die eigene Nase und hoffen, dass der Song gehört wird. Er soll eine Art Weckruf sein. Wenn wir es schaffen, die Leute damit zum Umdenken zu bringen, dann ist der erste Schritt schon getan.“

Marco: „Von der Botschaft her ist das unser wichtigster Song auf dem Album. Etwas zu tun bedeutet für uns einerseits, klar Stellung zu beziehen und nicht populistisch zu wählen, andererseits die Menschen wahrzunehmen, die tatsächlich in Notsituationen sind. Ich glaube, viele Leute aus unserem Umfeld, die Hilf Mir schon gehört haben, hatten eine Gänsehaut und waren wirklich berührt, weil Andi es sehr gut geschafft hat, die Stimmung mit dieser Ich-Perspektive einzufangen.“

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