Event: M72 World Tour 2023
Headliner: Metallica
Support: Epica, Ice Nine Kills
Ort: Volksparkstadion, Hamburg
Datum: 28.05.2023
Kosten: 75,90 € – 350,75 € VVK
Genres: Heavy Metal, Thrash Metal, Symphonic Metal, Metalcore
Besucher: ca. 50.000 Besucher
Veranstalter: Live Nation
Setlisten:
- Savages
- Wurst Vacation
- Hip To Be Scared
- Ex Mortis
- Welcome To Horrorwood
- The Shower Scene
- The American Nightmare
- Abyss Of Time – Countdown To Singularity
- The Essence Of Silence
- Unleashed
- The Final Lullaby
- The Obsessive Devotion
- The Skeleton Key
- Code Of Life
- Beyond The Matrix
- Consign Of Oblivion
- Tape: Its A Long Way To The Top (If You Wanna Rock ‚n‘ Roll) (AC/DC Cover)
- Tape: The Ecstasy Of Gold (Ennio Morricone Cover)
- For Whom The Bells Toll
- Ride The Lightning
- Through The Never
- King Nothing
- Lux Aeterna
- Screaming Suicide
- Fade To Black
- Sleepwalk My Life Away
- Orion
- Nothing Else Matters
- Sad But True
- The Day That Never Comes
- Blackened
- Fuel
Zugabe:
- Seek And Destroy
- Master Of Puppets
Heute also Metallicas zweites Konzert im Hamburger Volksparkstadion. Nachdem bereits am Freitag die Hütte mehr als nur gerockt wurde, steht heute das zweite Konzert des Doppelpackages an. Durch einen glücklichen Zufall haben wir als Magazin einen der begehrten Pressezugänge inklusive Fotoerlaubnis erhalten und ich freue mich wie Bolle auf das Event. Das Volksparkstadion ist dicht umlagert von Metallica-Fans, wie man unschwer an den eindeutig darauf hinweisenden Shirts feststellt und das geschäftige Treiben vor dem Volksparkstadion hat Volksfestcharakter. An diversen Ständen gibt es laute Einstimmmusik. Der Merchstand ist dicht umlagert, um noch die letzten Shirts für heute zu ergattern. Ein Tourshirt gibt es bereits für 35 €, was eigentlich noch akzeptabel ist. Die leichte Hoffnung, dass der HSV heute sein erstes Relegationsspiel gewinnt, wird schnell zunichtegemacht, denn der VFB Stuttgart gewinnt mit 3:0. Somit kann sich ungetrübt oder auch betrübt auf das Konzertereignis gefreut werden. Dadurch entfällt die anstehende Erneuerung des Rasens im Stadion.
Wir werden zu unserem Arbeitsplatz geführt, der sich am Rand des Innenraumes befindet. Dort dürfen wir leicht erhöht stehen und können zumindest die Musiker in ca. 150 Meter Entfernung mit den mitgebrachten langen Objektiven ablichten. Leider ist das Ausmaß der aufgebauten runden Bühnenkonstruktion nicht erkennbar. Aber wir geben uns zufrieden, denn immerhin sind wir überhaupt hier. Um die Bühne sind riesige Masten mit Leinwänden aufgestellt, die, zumindest zunächst für uns, die Sicht auf die Musiker einschränken, aber für die Gäste auf den Rängen gute Bilder liefern.

Um 18:00 Uhr stehen bereits Ice Nine Kills auf der Bühne. Das Stadionrund ist noch nicht so voll, als die Mannen um Sänger Spenver Charnas die runde Bühne in der Mitte des Stadions betreten. Die mit schwarzen Hosen, weißen Hemden und Hosenträgern bekleideten Musiker haben viel Platz, denn sie nutzen das aufgebaute Rund, auf dem später Metallica unterwegs sein werden. Nur das Schlagzeug steht fest an einer Station und der Drummer ist für Bilder bedauerlicherweise viel zu weit weg. Trotzdem schaffen es die Jungs, mit ihrem Metalcore einige der Jüngeren zu erreichen und so werden sie ihrer Rolle als Anheizer zumindest bei dem Publikum gerecht. Die Restlichen versorgen sich mit Getränken, wobei ein Pils für 6,50 Euro zu haben ist. Möchte man dann noch einen Metallica-Becher, kommen noch 3 Euro dazu. Ansonsten wird auf Plastik gesetzt, welches dann in den vielen Tonnen entsorgt wird. Gleich beim ersten Song ist ein mit Kettensäge bewaffneter Maskierter unterwegs und untermauert die Inhalte der Songs. Dieses setzt sich fort und nicht selten sind großklingige Messer zu sehen. Warum das Management gerade Ice Nine Kills ausgesucht hat, wird ein Geheimnis bleiben, aber musikalisch hätten die bestimmt besser zu Bands wie Heaven Shall Burn oder Parkway Drive gepasst. Aber, so what?

Viel umzubauen ist nach der halben Stunde Spielzeit nicht, da nur das Drum Kit entfernt werden muss. Um 18:50 Uhr kommen Epica als Ersatzband zum Zuge. Five Finger Death Punch mussten ihre Teilnahme an der Tour absagen und die Holländer haben den Zuschlag erhalten. Bereits in Paris haben sie ihren ersten Auftritt absolviert und heute ist ihr nächster Einsatz dran. Der Keyboarder Coen Janssen ist die zweite starre Position und liefert die symphonischen Bestandteile der Musik. Die Gitarristen Isaac Delahaye und Marc Jansen sowie Bassist Rob Van Der Loo sind dafür im Rund unterwegs. Rotschopf Simone Simons liefert den Klargesang, während bei einigen Stücken Marc seine tiefe Stimme für die gutturalen Parts beisteuert. Simone versucht die Stimmung weiter anzufeuern und mit fast akzentfreiem Deutsch versucht sie die Menge zu motivieren. Ihre Animation zu springen und zu klatschen wird zwar angenommen, aber erfolgreich ist es nicht wirklich. Trotzdem sind Epica mit einem Querschnitt ihrer Songs die bessere Wahl für die ältere Generation, auch wenn der Sound an der einen oder anderen Stelle etwas breiig erscheint. Nach einer guten Stunde verabschieden sich Epica und hinterlassen ein gut eingestimmtes Publikum. Wieder ist nicht viel abzubauen und nach Running Order sollten Metallica gegen 19:30 Uhr anfangen.
Unser Betreuer von Live Nation meldet uns eine Verzögerung von gut zehn Minuten, die dann letztendlich doch zwanzig Minuten beträgt. Zum Glück weiß man aber, wie sich das Ganze abspielt und als dann AC/DCs Its A Long Way To The Top vom Band ertönt, knistert es im Stadion. Die Reminiszenz an AC/DC stammt noch aus einer Zeit, als Metallica Vorgruppe der Australier waren. 1991 muss das gewesen sein. Dazu gibt es auf der Leinwand Bilder, die vor allem aus der Zeit stammen. Man, waren sie damals noch jung. Das sind jetzt immerhin über 30 Jahre her. Nun kommt die „Einlaufmusik“. Zu Ennio Moricones The Ecstasy Of Gold, unterlegt mit Bildern aus dem dazugehörigen Western Zwei Glorreiche Halunken, kommen die vier Musiker an unterschiedlichen Stellen auf die Bühne. Lars Ulrich sitzt mit Front zu uns an seinem sich ganz langsam drehendem Drum Kit und mit Faxen und Grimassen wird Fort Whom The Bells Toll eingeläutet. Das Publikum ist sofort Feuer und Flamme und geht ab. Der Refrain wird bereits lautstark mitgesungen und auf den Rängen sitzt kaum noch jemand. Wir Fotografen müssen sehen, dass wir unsere Bilder machen, wobei zunächst nur noch Kirk Hammet und Bassist Roberto Trujillo zu sehen sind.

James Hetfiled ist, für uns gut versteckt, hinter einem der Masten positioniert und erst beim folgenden Ride The Lightning bewegt er sich an eine andere Position. Für das Publikum ist es aber relativ egal, da sich die Musiker im Laufe des Konzertes an allen Positionen auf der langen Bühne aufhalten und man so in den Genuss kommt, sie von näher zu sehen. Wer auf der Tribüne Platz hat, der orientiert sich eher an der Leinwand, denn da werden die Konterfeis oder auch mal nur Teile der Musiker wie Arm, Gitarre oder Bein gezeigt. Als Drittes folgt Through The Never, ein Song vom selbst betitelten schwarzen Album. Dieser Track wird heute als Tourdebüt dargeboten. Danach müssen wir Fotografen den Innenraum und auch das Stadion verlassen. Einige haben die Möglichkeit, zurückzugehen, nachdem sie ihre Ausrüstung im Auto verstaut haben. Im Volksparkstadion gibt es keine Aufbewahrungsoption, keine Garderobe, keine Locker, nichts, was es erlaubt, Sachen aufzubewahren. Vor der gegenüberliegenden Barclays Card Arena existiert zumindest ein Aufbewahrungscontainer, der aber heute nicht geöffnet hat. Nun ja, das ist einfach so und somit gehe ich zum Auto und verpasse die ersten Songs des neuen Albums 72 Seasons, das der Tour ja auch den Namen gegeben hat.
Danach geht es noch mal zum Ride The Lightning Album. Mit Fade To Black wird der guten alten Anfangszeit Tribut gezollt und gerade die ältere Generation feiert das ab. Was nicht ganz so spannend ist, ist die Gesamtperformance. Durch die Konstruktion der Bühne sind die vier Musiker oftmals in alle Himmelsrichtungen verteilt. Ab und zu gesellt sich mal der eine oder andere zum Schlagzeug, aber ansonsten ist es immer schwierig, die einzelnen Musiker zu verfolgen. Soundtechnisch haben die Macher schon einiges aufgefahren, aber ab und zu ist die Technik mit Tücken behaftet. Aber das stört hier wirklich niemanden ernsthaft und so geht es munter und thrashig weiter. Zu Nothing Else Matters wird es dann emotionaler. Ein Lichtermeer (meist Handys) ist in der Halbdämmerung schon imposant anzusehen und so darf bei der Ballade auch gern mal geschunkelt werden. Danach ist aber Ende mit Gefühlsduselei und Sad By True lässt den Metaller wieder frohlocken. Der …And Justice For All Ära wird mit Blackened gedacht und Reload wird durch Fuel repräsentiert. Dabei kommen auch einige Pyros zum Einsatz, die dann aber die vier Protagonisten vollkommen auf der Bühne verschwinden lässt. Dann geht es auch schon dem Ende entgegen. Seek And Destroy, angekündigt von James Hetfield, sorgt für lauten Jubel und mit Master Of Puppets endet gegen kurz vor 23:00 Uhr das Spektakel.
Was bleibt? Eine gut geölte Maschinerie, die es versteht, Alt und Jung zu vereinen. Natürlich ist alles nicht mehr so ungeschliffen und rau wie vor 40 Jahren, aber die Herren sind auch keine zwanzig mehr. Dem Fan hat es gefallen, und wer beide Konzerte gesehen hat, der wurde durch die musikalische Geschichte von Metallica geführt und die ist schon recht groß. Ich hatte nun den direkten Vergleich mit früheren Konzerten, denn ich habe Metallica bereits vor Jahrzehnten gehen und auch immer mal wieder, bis heute, ein Konzert besucht. Die Entwicklung zu einer der größten Metalkapellen auf der Welt ist hart erarbeitet und somit ernten sie nun den Lohn dieser Mühen. Ich fahre zufrieden nach Hause, bin aber froh, mir keine Karte für die Konzerte gekauft zu haben.


























