Molybaron – The Mutiny

Ein irisch-französischer Hit-Cocktail

Artist: Molybaron

Herkunft: Irland, Frankreich

Album: The Mutiny

Spiellänge: 44:44 Minuten

Genre: Alternative Metal, Progressive Rock, Progressive Metal

Release: 21.05.2021 (Original), 29.10.2021 (via InsideOut)

Label: InsideOut Music

Link: https://www.facebook.com/molybaron

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Gary Kelly
Gitarre – Steven Andre
Bassgitarre – Sébastien de Saint-Angel
Schlagzeug – Camille Greneron

Tracklist:

  1. Animals
  2. Lucifer
  3. Amongst The Boys And The Dead Flowers
  4. Prosperity Gospel
  5. The Lighthouse
  6. Slave To The Algorithm
  7. Something For The Pain
  8. The Hand That Feeds You
  9. Twenty Four Hours
  10. Ordinary Madness

Was macht ein Ire in Paris? Richtig, eine Band gründen. So geschehen anno 2014, als der in Dublin geborene Sänger und Gitarrist Gary Kelly zusammen mit dem Pariser Gitarristen Steven Andre die Band Molybaron gründete. „Wir lassen uns definitiv nicht durch ein Genre definieren“, sagt Kelly. So sind die oben genannten Genres auch tatsächlich nur grobe Anhaltspunkte. Schon auf ihrem selbst betitelten Debüt 2017 loteten Molybaron die Grenzen des machbaren aus. Bereits im Mai dieses Jahres erschien das zweite Album The Mutiny in Eigenregie, welches ihnen schließlich einen Deal mit einem großen Label einbrachte. Gut, dass mein Lieblingslabel InsideOut diese Band unter Vertrag genommen hat, sonst wäre mir dieses geniale Album wohl durch die Lappen gegangen. Denn die nationale und internationale Presse überschlägt sich mit Lob zu The Mutiny. Zu Recht? Das werden die folgenden exakt 44 Minuten und 44 Sekunden zeigen.

Schon der Opener Animals zeigt, dass ich wohl noch keine Band wie Molybaron gehört habe. Progressiv anmutender Songaufbau, Elemente von Alternative Rock und Metal und dazu der hypnotische Gesang von Gary Kelly. Wow! Nach bereits fünf Minuten macht dieser Sound süchtig. Wenn man möchte, könnte man aufgrund des Gesangsstils Parallelen zu System Of A Down ziehen und dank der breit gefächerten Gitarrenarrangements Ähnlichkeiten zu Muse herleiten. Doch sämtliche Vergleiche hinken. Molybaron haben ihren eigenen Stil und verblüffen trotz des Anspruchs mit Groove und Ohrwurmqualität.

Unheilvolle Klänge leiten passenderweise den Titel Lucifer ein. Kelly könnte mir wahrlich alles vorsingen, ich könnte ihm stundenlang zuhören. Die Riffs sind etwas eingängiger und laden zum gepflegten Absteppen ein. „It’s all there in the detail“ lautet eine Textzeile und beschreibt die Band sehr gut. Die Feinheiten sind zahlreich, sorgen aber nicht dafür, dass die Kompositionen überladen wirken. Die wirklich griffigen Riffs schneiden durch den Mix und die „White Noise“ Shouts sorgen für Aufruhr im Pit.

Das leicht vertrackte Drumming von Camille Greneron zu Beginn von Amongst The Boys And The Dead Flowers öffnet die Türen für einen Proggie wie mich. Die Texte auf The Mutiny umschreiben den schwierigen Kampf gegen psychische Probleme, Schuldgefühle, Reue, Depressionen und Drogenmissbrauch. Diese Thematik zieht sich fast wie ein roter Faden durch meine in diesem Jahr rezensierten Alben. Auswirkungen der Pandemie? So oder so fühle ich mich damit wohler als mit Drachen und Elfen. Hier gedenkt man sogar den Soldaten im Ersten Weltkrieg: „Farewell my loyal brothers. I hope you all sleep well.“ Da ist sie wieder, diese unglaublich stimmige Hookline, die nahezu in jedem Stück ihren Platz findet. Ein guter Sänger reicht eben nicht immer aus, man muss ihn auch geschickt einsetzen. Das beherrschen Molybaron ohne jeden Zweifel.

Prosperity Gospel (dt. Wohlstandsevangelium) türmt sich größtenteils wie Alternative der 90er vor mir auf und hat auch einige Gitarrensoli dabei. Die teilweise eingestreuten ruhigeren Passagen zeigen die französisch-irische Formation von ihrer verletzlichen Seite. Was mich erstaunt, ist die Tatsache, dass ich schon nach dem vierten Song den typischen Molybaron-Sound erkenne. Andere Bands schwirren nicht wie sonst bei einer Rezension durch meine Gedanken.

The Lighthouse zeigt sich dann erstmals deutlich gemäßigter. Sorry für die Wiederholungen, aber diese Stimme: „Shine a light on, shine a light on.“ Fast in jedem Song finde ich diese kleine Passage, die zum einen für meterdicke Gänsehaut sorgt und zum anderen eine echte Langzeitwirkung hinterlässt. Das ist übrigens auch einer der Gründe für das etwas späte Review. Hier gibt es so viel zu entdecken. Das braucht eine gewisse Zeit der Reife. Im Mittelteil wird der Bass von Sébastien de Saint-Angel (was für ein Name!) zur Geltung gebracht. Das Arrangement wirkt wie von Wolken getragen, um an der richtigen Stelle die Sterne zum Leuchten zu bringen.

Slave To The Algorithm packt dann wieder mehr die Prog-Metal-Keule aus und driftet passend zum Songtitel ein wenig in Richtung Mathcore. Nach wildem Griffbrettgehacke ziehen sich die Riffs für kurze Zeit zurück und lassen der Rhythmussektion den Vortritt. Die wiederkehrenden Parts zermürben auch den Widerstand des letzten Zweiflers. Den Namen Molybaron wird man sich merken müssen.

Eine coole Bassline eröffnet Something For The Pain und holt dann ein paar wirre Soundeffekte aus dem Zauberkasten. Groove, Groove und nochmals Groove steht immer im Vordergrund. Egal, wie vertrackt es manchmal werden kann, der Hang zum eingängigen Rhythmus steht immer im Fokus. So auch bei The Hand That Feeds You, der zwar mit schönen Synthies aufwartet, aber als einziger Erguss nicht in meinen Gehörgängen verharren möchte.

Dafür setzt sich das Leitmotiv von Twenty Four Hours dort umso schneller fest. Nicht ganz unschuldig daran ist die raue Stimme von Whitfield Crane, die sich Molybaron hierfür ausgeborgt haben. Crane dürfte einigen Jüngern der 90er durch seine Arbeit bei Ugly Kid Joe und Life Of Agony bekannt sein. Hier wird wirklich unablässig der Groove-Bulle geritten und bis zum Abwurf durch ein stark in Szene gesetztes Solo beibehalten. Aus den Untiefen bauen sich Gitarrenwände auf und kündigen den Rausschmeißer Ordinary Madness an. Während meine Füße versuchen, den Takt zu halten, versetzt mich Gary Kelly ein letztes Mal in Trance.

Molybaron – The Mutiny
Fazit
Mit diesem Label im Rücken haben Molybaron das Zeug, Großes zu vollbringen. Den ersten Beweis dafür liefert The Mutiny. Trotz anspruchsvoller Kompositionen hat die Band ein ganzes Arsenal an Hooks mitgebracht und dazu einen Sänger mit hohem Wiedererkennungswert. Molybaron? Machen süchtig!

Anspieltipps: Animals, Amongst The Boys And The Dead Flowers und Slave To The Algorithm
Florian W.
8.3
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