Our Mirage – Lifeline

“Gefühlvoll, wenn auch einseitig!“

Artist: Our Mirage

Herkunft: Germany

Album: Lifeline

Spiellänge: 62:39 Minuten

Genre: Metalcore, Deathcore

Release: 24.08.2018

Label: Arising Empire

Link: https://www.facebook.com/OurMirageBand/

Bandmitglieder:

Gesang – Timo Bonner
Gitarre – Steffen Hirz
Bass, Gesang – Manuel Möbs
Schlagzeug – Daniel Maus

Tracklist:

01. Lost
02. Believe
03. Revivor
04. Lifeline
05. Nightfall
06. My Distress
07. Honesty
08. Fading
09. December
10. Heartbeat
11. The Unknown

Manchen Werken kann man sich erst nach einiger Zeit wirklich widmen – auch wenn sie dann schon einige Monate auf dem Buckel haben. Letztes Jahr veröffentlichte die deutsche Post-Hardcore Band Our Mirage mit Lifline ihr Debütalbum. Mit schwierigen Themen, u.a. Depression, soll das Album vor allem junge Menschen ansprechen. Die Band sagt dabei selbst: „hard hitting lyrics with heart hitting music“. Ob das Konzept auch aufgeht?

Der Opener Lost lässt nicht lange Zeit, um darüber nachzudenken, was kommen könnte. Sanfte und stimmige Gitarren sowie die entsprechenden Clean Vocals sorgen für die passende Stimmung, die man von Post-Hardcore eben so erwartet. Our Mirage bewegen sich dabei gradlinig auf das genannte Genre zu, was aber einem Debütalbum natürlich keinen Abbruch gibt. Lost sorgt für einen sehr klaren Sound, der es perfekt versteht, die ausgedrückten Gefühle zu verpacken und die notwendige Melancholie zu entfalten.

Der zweite Track Believe legt quasi los, wo Lost aufgehört hat. Die hier präsentierten Vocals scheinen noch gefühlvoller und unkontrollierter sich zu präsentieren. Die Verbindung zwischen Cleans und Screams funktioniert für Our Mirage gut, wobei sie es verstehen, das Letztere nicht zu übertreiben, sondern passend für sich zu nutzen. Revivor schließt nahtlos an, wodurch der Flow des Albums bisher wunderbar erhalten bleibt. Während sich Revivor vor allem instrumental abzuheben versteht, so wird man dennoch das Gefühl nicht los, dass sich die bisher präsentierten Songs stark aneinanderlehnen. Die kleinen Variationen, die man in Revivor findet, sorgen dafür, dass der Song einem stärker im Kopf bleibt.

Der Titeltrack Lifeline lässt sich zumindest kurz Zeit durch instrumentale Klänge in den Song zu führen, bevor Gesang und Gitarren auch direkt wieder einsetzen. Insgesamt scheint der Song aber ‚poppiger‘ bzw. eingängiger als seine Vorplayer, wodurch hier ein wenig die Energie rausgeht – etwas schade, da trotz dieses Verlustes der Abstand zu den bisherigen Songs nicht groß genug wird, um hier eine wirkliche Wandlung zu fühlen.

Nightfall bietet hier wieder etwas mehr Energie, was vor allem auch den gesanglichen Wechseln zu verdanken ist. Der Song nimmt sich selbst zurück, nur um dann wieder stärker ins Rollen zu kommen. Ein wenig langatmig erscheint es doch zum Ende hin, hier hätte eine Bridge in der zweiten Hälfte wohl nicht geschadet, um noch mehr Farbe und Individualität erklingen zu lassen.

Den Ausbruch gibt es dann endlich mit My Distress, in welchem Our Mirage zeigen, dass sie doch etwas härtere Klänge auffahren können und sich ein wenig aus der Bahn schubsen lassen. Dieser Ausbruch sorgt für den Schwung, der Lifeline bis jetzt eher gefehlt hat, und macht My Distress auch gleichzeitig zu einem der stärksten Songs der Platte. Ein wenig fühlt man sich doch an der einen oder anderen Stelle an Linkin Park erinnert.

Sanftere Klänge liefert wieder December, der wohl zur momentanen Winterzeit perfekt passt und dabei aber auch ein wenig versteht, sich selbst von den negativen Gefühlen zu befreien. Die Gefühlslage, welche Our Mirage konstant aufrechterhalten, erinnert ein wenig an Alazka (ehemaliges Burning Down Alaska), deren Musik hier wohl am Nächsten ist. Vor allem für ein Debütalbum schaffen es Our Mirage aber durchaus, einen Eindruck zu hinterlassen. Auch der Closing Song The Unknown verbreitet noch einmal dieses überaus melancholische Gefühlsbild mit einem leichten Hoffnungsschimmer. Die Stärke im Album bleibt vor allem textlich haften und verlangt regelrecht, dass man sich mit jedem Song genaustens auseinandersetzt.

Fazit: Mit Lifeline präsentiert die deutsche Post-Hardcore Band Our Mirage ein Debütalbum, welches seine Stärken vor allem textlich fixiert und dabei aber musikalisch fast ein wenig zu einseitig daher kommt. Die Songs bewegen sich alle mehr oder weniger auf einer Welle, ohne groß auszubrechen, wodurch die Tonalität eher stocken bleibt. Das Gesamtbild ist daher eher ein großes Gefühlschaos, während die Songs einzeln durchaus stark sind. Dennoch fehlt an der einen oder anderen Stelle noch die gewisse Eigennote, um nach Our Mirage und dem entsprechenden Song zu klingeln. Als Debütalbum funktioniert Lifeline jedoch und Our Mirage haben es zumindest geschafft, auf sich aufmerksam zu machen.

Anspieltipps: Nightfall, The Unknown, My Disstress
Anabel S.
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