Proudhon – The Damaged Bodies (EP)

Die Vertonung des solidarischen Anarchismus

Artist: Proudhon

Herkunft: Frankreich

Album: The Damaged Bodies (EP)

Spiellänge: 13:36 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 01.02.2021

Label: Eigenproduktion

Link: https://proudhonbc.bandcamp.com/album/the-damaged-bodies

Bandmitglieder:

Gesang und Schlagzeug – Thomas Hagmann
Gitarre und Bassgitarre – Antoine Hillon

Tracklist:

  1. Schlass, Graisse Et Prostitution
  2. Trauma
  3. Canuts Revolt
  4. Die Rote Fahne
  5. Ravachol
  6. Chant Des Cerises
  7. The Philosophy Of Misery
  8. Have We Failed?
  9. Puits Sainte-Marie
  10. 1936
  11. Les Temps Nouveaux

Über die Franzosen von Proudhon gibt es noch nicht viel zu berichten, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Es scheint ja immer moderner zu sein, keine richtige Band im ursprünglichen Wege mehr zu gründen, sondern den Focus auf Ein- oder Zwei-Mann-Projekte zu legen. Die Franzosen aus Besancon sind seit 2020 unterwegs und veröffentlichen hier nun ihre erste EP. In 2021 wird es noch eine Zweite geben, aber erst einmal zu The Damaged Bodies.

Der Name Proudhon wurde von einer Person geliehen. Es handelt sich um einen Philosophen aus dem 19. Jahrhundert, welcher in der Region lebte, aus der die beiden Franzosen stammen. Der Ökonom und Soziologe gilt als einer der ersten Vertreter des solidarischen Anarchismus. Der Satz: „Eigentum ist Diebstahl!“, geht auf ihn zurück. Die Band stimmt zwar nicht unbedingt mit allen Ideen des Philosophen überein, findet aber die anarchistische Bewegung interessant. Nur welche Musikrichtung nimmt man dafür?

Tja, nach einem kleinen Intro, welches an Zeiten des Krieges erinnert, kommt man noch nicht zu einem Ergebnis, da muss man erst einmal den Song Trauma abwarten und durchhören. Kurze Vorspieler mit Drumbetonung. Ein Uargh erklingt und Attacke. Ja, die Bursche fühlen sich im Deathgrind zu Hause, variieren aber das Tempo und klingen dabei dreckig. Da es sich um eine Eigenproduktion handelt, ist die Produktion ein wenig zu dünn, stört aber eigentlich nicht weiter. Der Song geht knapp über eine Minute.

Canuts Revolt kommt da eher langsam und schleppend aus den Boxen. Den Kopf muss man automatisch rauf und runter bewegen und der abwechselnde Gesang (Growls und Screams) klingt gut und passend. Ein gelungenes Riff wird aus dem Ärmel gezaubert und das Tempo ein wenig erhöht. Nur kurz – danach folgt man wieder der langsamen Schrittrichtung. Kommt eigentlich ganz gut. Der Groove am Ende ist aber überflüssig. Der Song ist natürlich recht kurz.

Auch nur 90 Sekunden geht der Song Die Rote Fahne. Diese haben es aber in sich. Vorspieler und ab ins Geballer, dann Tempo raus und eine Melodie erklingt. Ein Uftatapart erfolgt, wird ausgereizt und dann ist auch schon Schluss. Ich mag ja kurze Songs, aber hier und da hätte man das Songwriting ein wenig ausweiten können.

Die Mischung aus schnellen und langsamen Parts gibt es auch bei Ravachol zu hören. Auch hier erschallt ein geiler Uftatapart, bevor man das Tempo ganz rausnimmt und den Song beendet.

Mit ordentlichem Tempo geht es bei Chant Des Cerises zur Sache. Auch hier klingt man recht abwechslungsreich.

In 60 Sekunden wird The Philosophy Of Misery runtergeballert, aber nur bis zur Hälfte, dann erklingt ein echt fetter Groovepart.

Have We Failed? holt dann mal richtig die amtliche Keule heraus. Doch, macht wohl Laune, was ich da höre. Ein melodisches Lead wird mit eingebaut und groovige Grindklänge gibt es ebenfalls zu hören.

Die Franzosen bieten soliden Deathgrind an, der gut unter die Haut geht und sehr rau und roh klingt. Beim Rausschmeißer Les Temps Nouveaux versprüht man sogar ein wenig Melancholie.

Ich bin echt mal gespannt, wie die zweite EP werden wird. Bis dahin kann man The Damaged Bodies noch einmal hören. Knappe 13 Minuten gehen ja auch schnell vorbei. Ein guter erster Schritt der Franzosen in die richtige Richtung. Jedoch ist auch noch Platz nach oben!

Proudhon – The Damaged Bodies (EP)
Fazit
Das erste Lebenszeichen der anarchistisch angehauchten Formation bietet uns in knappen 13 Minuten eine solide Deathgrind-Vorstellung. Die Songs sind sehr kurz und hätten meines Erachtens an einigen Stellen ruhig länger sein können. Hier und gibt es sicherlich Verbesserungsmöglichkeiten, aber ansonsten schockt das Album wohl. Es gibt Blastbeats, aber auch Grooves, hier und da geht der Punk ab und einige schrille Harmonien sind auch zu hören. Antesten.

Anspieltipps: Die Rote Fahne und The Philosophy Of Misery
Michael E.
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6.9
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