Rock Im Park 2019, 7. – 9. Juni 2019 in Nürnberg

Ein Festival nicht ganz ohne Probleme

Festivalname: Rock Im Park

Bands: Die Ärzte, Slipknot, Tool, Alice In Chains, Bastille, Bring Me The Horizon, Die Antwoord, Dropkick Murphys, Foals, Marteria & Casper, Sabaton, Slayer, Tenacious D, The 1975, The Smashing Pumpkins, Adam Angst, Against The Current, Alice Glass, Alle Farben, Alligatoah, Amon Amarth, Arch Enemy, Architects, Atreyu, Badflower, Bad Wolves, Beartooth, Behemoth, Blackout, Problems, Black Rebel, Motorcycle Club, Bonez Mc & Raf Camora, Cage, The Elephant, Coldrain, Deadland, Ritual, Drangsal, Eagles Of Death Metal, Feine Sahne Fischfilet, Godsmack, Graveyard, Halestorm, Hot Water, Music Idkhow, I Prevail, Juke Ross, Kadavar Kc, Rebell, Kontra K, Kovacs, Kvelertak, Left Boy Like A Storm, Nothing Nowhere, Power Trip, Ryan Sheridan, Sdp, Seiler Und Speer Slash Feat. Myles Kennedy And The Conspirators, Starset, The BossHoss, The Fever 333, The Struts ,Three Days Grace, Trivium, Underoath, Welshly, Arms, While She Sleeps

Ort: Nürburgring, Eifel (Rock Am Ring) – Zeppelinfeld Nürnberg (Rock Im Park)

Datum: 07.06. – 09.06.2019

Kosten: 191 € (zzgl. Gebühren)

Besucher: ca. 80.000 (Rock Im Park)

Veranstalter: Marek Lieberberg Konzertagentur

Link: Rock Im Park

Rock Im Park

Die Zwillingfestivals Rock Im Park und Rock Am Ring, welche jedes Jahr Anfang Juni stattfinden, dürfen wohl definitiv zu den beliebtesten Festivals im deutschen Raum zählen, unter anderem aufgrund ihrer musikalischen Variation. Rock Im Park, welches in Nürnberg stattfindet, kann dabei als kleiner Bruder zum etwas bekannterem Festival Rock Am Ring angesehen werden, kann dabei jedoch vor allem durch eine zentrale Lage in Nürnberg punkten.

Anreise

Normalerweise ist es üblich, dass Festivals bzw. die Tickets für die Festivals bereits eine Bahnfahrt beinhalten, sodass Besucher stärker animiert sind, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Die letzten Jahre hatte man sich bei Rock Im Park dagegen entschieden und es gab auch keinen Shuttle vom Hauptbahnhof zum eigentlichen Gelände. Wer also mit der Bahn ankam bzw. wahlweise mit dem Bus, musste sich die letzten Kilometer zum Gelände noch selbst erarbeiten – kein Meisterwerk, dennoch hätte man hier wohl durchaus eine bessere Lösung finden können, als gar keinen Service in Bezug auf Fahrt anzubieten, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Preise für das Festival trotz des Wegfallens der öffentlichen Verkehrsmittel nicht entsprechend niedriger geworden sind.

Die Lage in Nürnberg ermöglicht es zumindest mit der Bahn, quasi vor den Eingangstüren abgesetzt zu werden, womit man zumindest nicht ganz so weite Wege zurücklegen muss. Nach kurzer Zeit hat man es also dann auf den Campingplatz geschafft, der sich bereits seit den Morgenstunden gut gefüllt hat. Teilweise recht eng und vor allem am Hang zeigt sich der eine oder andere Standort als leicht ungeeignet, was wohl das Gelände mit sich bringt.

Freitag

Der erste Festivaltag lässt sich für die meisten Besucher wohl nutzen, um unter anderem zunächst das Festivalgelände, welches bis dato noch geschlossen war, aufzusuchen und dieses etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Etwas vorab Ärger zeigt sich auch bereits innerhalb der entsprechenden Social Media Kanälen des Festivals, wird doch die unzureichende Lage der Sanitäranlagen kommentiert und darauf hingewiesen, dass man sich „schnellstmöglich“ kümmern würde. Dass solche Gegebenheiten bei Festivals durchaus vorkommen können, ist die eine Sache – dass Rock Im Park nicht zum ersten Mal stattfindet und entsprechend nicht vorher im Detail offenbar kontrolliert wurde, jedoch die andere Seite. Aber die Organisation soll ja auch erst beurteilt werden, wenn dann auch alle drei Tage durchlaufen sind. Am ersten Tag freut man sich einfach erst einmal auf die ersten Bands.

The Fever 333

Fast pünktlich um 13 Uhr geht es mit The Fever 333 auf der Beck’s Park Stage los, wobei sich hier bereits eine ordentliche Menge an Menschen verzeichnen lässt, die sehr fit und sehr gut gelaunt dem ersten Gig des Tages entgegensehen. The Fever 333 lassen auch nicht wirklich zu, dass sich ein Festivalbesucher der Müdigkeit oder dem ersten Kater hingibt, denn von der ersten Sekunde legt die Band mit Energie los und sorgt auch für die ersten Mosh Pits des Festivals. Durchaus ein gelungener Start, wenn auch das Set etwas kurz ausfällt so früh am Tag, und bei dem einen oder anderen Besucher dann doch die frühe Energie fehlt.

 

Starset

Wenig später lassen sich auf derselben Stage Starset genießen, die dann etwas sanftere Töne erklingen lassen, aber dennoch eine ganz andere Seite der Rockmusik zu präsentieren wissen. Leicht futuristisch mit zusätzlichen Instrumenten ausgestattet, lässt sich diese Band auf jeden Fall auch für Nicht-Kenner empfehlen, schließt man die einzelnen Songs doch schnell ins Herz aufgrund ihrer musikalischen Besonderheit. Starset sind dabei natürlich vielen Festivalgängern bereits bekannt und werden entsprechend von den Festivalbesuchern freudig erwartet.

Architects

Eigentlich hätten Architects auf der Beck’s Park Stage zur selben Zeit wie Bring Me The Horizon spielen sollen – eine Überschneidung, die natürlich bei vielen Festivalbesuchern und Anhängern der Metalcore-Szene eine schwierige Entscheidung mit sich brachte. Ob nun mit Glück oder Unglück sei dahingestellt, dennoch durften Architects ihre Stagezeit aufgrund der Verspätung von Dropkick Murphy entsprechend ändern und spielen früher auf der Zeppelin Stage, wodurch diese Überschneidung wegfällt. Architects sind dabei keine seltenen Gäste im deutschen Raum und seit ihrem neuem Album Holy Hell konnte die Band auch bereits auf mehreren Konzerten genossen werden. Dennoch scheint die Freude der Fans, welche den Wechsel entsprechend mitbekommen haben, doch groß. Das Set, welches hier etwas kleiner ausfällt, als man gern hätte, enthält dabei sowohl neue Songs als auch alte Klassiker und trotz der etwas ‚frühen‘ Stunde gelingt es Architects dennoch spannende, mysterische Atmosphären zu schaffen und das Publikum für die komplette Setzeit zu fesseln. Hier geht wohl keiner unberührt davon, womit die britische Band wohl den ersten, emotionalen Höhepunkt für einige Besucher bedeutet.

Bring Me The Horizon

Dieser Act sorgt, egal ob in oder außerhalb der Metal-Szene, wohl stets für Gesprächsstoff und auch an dieser Stelle dürfen Bring Me The Horizon natürlich nicht fehlen. Nachdem das letzte Album amo sich weiter von dem Metalcore entfernte, präsentierte die britische Band dennoch ein, subjektiv betrachtet, höchst interessantes und vor allem vielseitiges Album, welches sich nicht sonderlich dafür interessiert, welches Genre es denn nun eigentlich repräsentiert. Und genau diese Mentalität zeigt sich bei Bring Me The Horizon auch im Set. Ob neue, poppige Songs wie Mother Tongue oder ältere Klassiker wie Diamons Aren’t ForeverBring Me The Horizon bringen auf die Bühne, was sie haben, egal ob das nun Rock, Metal, Pop oder ein großer Mix aus allem ist. Und aufgrund dieser Vielseitigkeit sticht die Band auch noch immer hervor, zeigt sich doch der Auftritt durchaus sehenswert, egal ob man nun Langzeitfan ist oder eben nicht. Neben der mehr als gelungenen Bühnenshow zeigt sich die Gruppe insgesamt als wohl eine der vielseitigsten Bands, die durchaus eine interessante Zukunft haben dürfte.

Die Ärzte

Es ist wohl einer der Auftritte, die am sehnlichsten erwartet werden vom Großteil der Festivalbesucher: Die Ärzte kehren auf die deutschen Bühnen zurück und zeigen dabei auch, wie sehr sie ihre Fans vermisst haben. Das Set zieht sich dabei durch die gesamte Diskografie und wird dabei wohl jeden Fan, egal welcher Generation, zufriedenstellen. Das Gelände ist jedenfalls vollgepackt und man könnte meinen, ein internationaler Superstar wäre zu Gast – umso schöner scheint es zu sein, dass auch deutsche Headliner entsprechend ankommen und gefeiert werden. Für die Metalfans mag eventuell hier die Headliner-Auswahl insgesamt weniger passen, dennoch muss man die Größe der Band sowie die Wichtigkeit innerhalb der deutschsprachigen Musikszene anerkennen.

 

Samstag

Der zweite Tag startet für den einen oder anderen Festivalbesucher entweder spät oder früh, je nachdem, welche Bands gesehen werden wollen und natürlich auch, wie lange denn der vorherige Abend noch lief. Das Line-Up des Samstags zeichnet, so zumindest die subjektive Betrachtungsweise, leider etwas wenig interessante Acts im Rock- und Metalbereich, weshalb hier dann doch einige Lücken aufkommen, die das gesamte Line-Up des Festivals für dieses Jahr etwas abschwächen. Dennoch lassen sich natürlich durchaus einige Acts genießen.

Coldrain

Der erste Act des Tages kommt aus dem asiatischen Raum, um genauer zu sein aus Japan und versüßt die ‚frühen‘ Stunden mit Post-Hardcore Klängen, die wohl jedem Kenner des Genres sofort gefallen werden. Coldrain scheinen dem einen oder anderen Festivalbesucher durchaus bekannt, dennoch könnte sich die Band ruhig öfter im deutschsprachigen Raum blicken lassen, weiß die Band doch auf der Bühne zu überzeugen. Trotz der japanischen Herkunft zeigen sich alle Songs in englischer Sprache, womit auch die linguistische Barriere gering ausfällt und die lyrische Essenz genossen werden kann.

Amon Amarth

Während Coldrain wohl eher selten zu Gast sind innerhalb der deutschen Festivals, so kann die nächste Band durchaus als Stammgast jeglicher Festivals bezeichnet werden. Die schwedische Death Metal Band Amon Amarth ist nicht nur regelmäßig zu genießen, sondern wohl für die Mehrheit der Metalfans immer wieder gern gesehen – das Konzept der ‚Wikinger‘ kommt auf der großen Bühne an und funktioniert auch beim wiederholten Male immer wieder. Die stets aussagekräftige Show der Schweden kann dabei auch für Nicht-Kenner und Nicht-Metalfans interessant sein.

Slipknot

Der Headliner des Samstags und wohl einer der begehrtesten Acts des gesamten Festivals ist niemand anderes als Slipknot. 20 Jahre Bandgeschichte und dennoch scheint sich die Gruppe mit ihren Masken mit jedem Album wieder neu ins Rollen zu bringen, wodurch auch hier das Publikum entsprechend groß und gebannt ausfällt. Und was auf der Bühne gezeigt wird, darf durchaus als großes Kino bezeichnet werden. Alte und auch neue Songs heizen den Fans entsprechend ein und die Bühnenperformance liefert eine grandiose Bühnenshow. Auch wenn die Musik eventuell nicht jedermanns Sache ist, so scheint sich hier doch das geschlossene Rock Im Park Publikum einig, dass Slipknot wohl zu den unterhaltsamsten Livebands innerhalb der Metalszene zählen und wahrlich als sehenswert bezeichnet werden können.

Sonntag

Und schneller als man denkt, kommt dann auch schon der letzte Festivaltag. Spätestens jetzt fühlt man auch bereits die ersten beiden Tage etwas und freut sich fast schon, bald wieder ein normales Bett nutzen zu können. Aber zunächst steht natürlich die Vorfreude auf noch mehr Acts im Vordergrund, denn der letzte Tag hält noch mal so einiges bereit.

IDKHOW

Der Tag geht los mit IDKHOW oder auch unter ihrem eigentlichen Namen I Don’t Know How But They Found Me, wobei hier wohl allein der Name für die erste Neugierde und das Interesse gesorgt hat. Das amerikanische Duo ist dabei auch schon häufiger Gespräch innerhalb der Alternative-Szene gewesen und wird hier auch entsprechend von einem gemischten Publikum begrüßt – irgendwo zwischen Rock, Alternative und Indie scheint für jeden Musikfan etwas dabei zu sein. Dabei wissen IDKHOW durchaus die Bühne für sich zu nutzen und ihre Authentizität auf der Bühne zum Ausdruck zu bringen. Wer also mal Lust auf etwas Neues hat, sollte hier mal genauer hinhören.

Bad Wolves

Bad Wolves dürften den meisten Besuchern wohl noch ein Begriff sein aufgrund ihres recht populären Covers des Klassikers Zombie. Umso schöner zeigt sich, dass es die Band nun auch entsprechend innerhalb der deutschen Festivals zu bewundern gibt, denn hier zeigt sich neue Energie, die der Szene gut steht und entsprechend Lust auf mehr macht. Die Musik der Band hat diese gewisse Note Individualität, die man manchmal etwas vermisst, obwohl die Formel dennoch vertraut zu sein scheint. Vor allem emotional überzeugen Bad Wolves auf der Bühne und man möchte am Ende des Sets eigentlich nur etwas mehr hören.

While She Sleeps

Bring Me The Horizon sind nicht die einzige Metalcore Band aus der Stadt Sheffield, so kommen doch While She Sleeps genau aus derselben Ecke, wobei hier der extreme Soundwechsel (bisher) ausgeblieben ist. Dennoch kann man erwarten, dass sich Fans der Bands BMTH sowie Architects auch While She Sleeps ansehen werden, um noch einmal auf die vollen Kosten des Metalcores zu kommen. While She Sleeps sind live eine Wucht und reißen die Zuschauer von der ersten Sekunde an mit. Nach zwei extrem starken Alben haben sich die Briten den Platz innerhalb der wohl stärksten, europäischen Metalcore Bands definitiv verdient und beweisen dies auch auf der Bühne bzw. in Momenten innerhalb des Publikums. Hier darf man gespannt sein, wie sich diese Band weiterentwickeln wird.

Tool

Als letzter Headliner des Festivals betreten Tool nach einigen Jahren die Festivalbühnen innerhalb Europas und man kann wirklich sehen, wie hier verschiedene Generationen zusammenkommen. Zusätzlich scheint hier eine allgemeine Neugierde zu herrschen, wobei Tool als Band wohl den meisten zumindest ein Begriff sein sollten. Das neue Album, welches schon seit einigen Jahren sehnlichst erwartet wird, soll nun endlich dieses Jahr erscheinen und allein die gegenwärtigen Liveauftritte lassen die Hoffnung verweilen, dass es auch tatsächlich den Tatsachen entspricht. Auf der Bühne natürlich komplette Profis, lässt sich die Show auch für Neulinge entsprechend nutzen, um bleibende Eindrücke der Band zu sammeln. Vor allem Fans scheinen die Performance hier mit vollen Zügen zu genießen und eventuell bleiben Tool ja in Zukunft etwas aktiver, auch was ihre deutschen Konzerte angeht.

 

Wetter

Das Wetter, welches dann doch immer wieder eine Sondererwähnung für Festivals erhält, zeigte sich durchaus wechselhaft während Rock Im Park, wobei vor allem die Nacht von Freitag auf Samstag von Stürmen geplagt war, härtere Unwetter aber ausblieben. Ab und zu mal Regen und windige Böhen sollte man ja inzwischen bei Festivals gewohnt sein, dennoch lässt sich hier insgesamt eine durchaus positive Bilanz ziehen. Auch gab es seitens der SNS Kanäle der Veranstalter regelmäßige Updates und Hinweise zur Lage, wodurch hier entsprechende Vorkehrungen rechtzeitig getroffen werden konnten.

Organisation

Es sorgte für viel Gesprächsstoff und auch einige, interessante Kommentare innerhalb der entsprechenden Social Media Kanälen des Veranstalters. Rock Im Park hatte dieses Jahr leider mit den Sanitäranlagen zu kämpfen und musste hier vor allem zu Beginn einige Beschwerden der Besucher zu Recht hinnehmen. Auch wenn sich um das Problem entsprechend intensiv gekümmert wurde, so bleibt dennoch ein bitterer Beigeschmack zurück, wie es bei solchen Großveranstaltungen überhaupt zu solchen Situationen kommen kann und ob hier die vorherigen Kontrollen nicht entsprechend anders ausfallen sollten, um solche organisatorischen Probleme von Beginn an zu vermeiden.

Insgesamt zeigt sich Rock Im Park im Jahr 2019 zwar nicht ganz ohne Probleme, kann jedoch mit einem positiven Fazit und Gefühl überblickt werden. Die Acts zeigten sich vielseitig, wenn auch die Timeline so einige Lücken bzw. Überschneidungen dieses Jahr bereithielt, wobei diese Problematik natürlich von Zuschauer zu Zuschauer unterschiedlich ausfällt. Die Besucher scheinen sich dabei in jedem Jahr treu zu bleiben und genießen das Festival in vollen Zügen, ohne sich zu sehr auf Kleinigkeiten wie Organisation oder Wetter zu fokussieren. Und so blickt man nicht nur positiv auf dieses Wochenende zurück, sondern sagt sich auch: Bis nächstes Jahr!

Kommentare

Kommentare

Weitere Beiträge
Full Force Festival 2019 vom 28. – 30.06.2019 in Ferropolis