Bands: Sanguisugabogg, Fulci, Gates To Hell,Celestial Sanctuary
Ort: Kulturtempel Oberhausen, Mülheimer Straße 24, 46049 Oberhausen
Datum: 01.03.2026
Kosten: 30 € VVK, 40 € AK
Genre: Death Metal
Veranstalter: Kulturtempel Oberhausen, Positive Records
Link: https://www.kulttempel.com/kkt-kalender/sanguisugabogg
Heute, am 01.03.2026, verwandelt sich der Kulttempel in Oberhausen in ein Zentrum kompromissloser Härte, wenn vier der derzeit aufregendsten Death-Metal-Acts die Bühne übernehmen. Mit der rohen Wucht von Sanguisugabogg, den cineastisch-brutalen Horror-Vibes von Fulci, der finsteren Energie von Gates To Hell und dem wuchtigen UK-Death-Metal von Celestial Sanctuary erwartet das Publikum ein Abend voller maximaler Intensität. Ein Pflichttermin für uns von Time For Metal, aber auch für alle, die echte, ungefilterte Extreme-Music erleben wollen. Dementsprechend platzt die Location heute, an einem Sonntagabend, auch aus allen Nähten.
Celestial Sanctuary eröffnen den Abend mit wuchtigem Old-School-Death-Metal
Pünktlich um 19:00 Uhr fällt im Kulttempel der Startschuss. Ohne großen Schnickschnack betreten Celestial Sanctuary die Bühne und legen direkt los: roh, druckvoll und auf den Punkt. Die Band wurde 2019 gegründet und hat sich seither mit einer wuchtigen, klassischen Death-Metal-Ausrichtung einen Namen gemacht. Ihr Sound vereint die chirurgische Schärfe von Carcass, die brutale Durchschlagskraft von Dying Fetus und die kompromisslose Direktheit von Cannibal Corpse, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken. Stattdessen entsteht eine eigene, kantige Mischung, die sofort zündet.

Dass Celestial Sanctuary längst mehr sind als ein Geheimtipp, haben sie bereits auf Tourneen und Festivalbühnen neben Szenegrößen wie Obituary, Cattle Decapitation, Gatecreeper, Frozen Soul und Undeath unter Beweis gestellt. Man merkt vom ersten Ton an: Hier steht eine Band auf der Bühne, die weiß, was sie tut. Ich selbst durfte die Truppe bereits beim Dortmund Deathfest im vergangenen Jahr erleben und schon dort hinterließen sie einen bleibenden Eindruck. Besonders Gitarrist Matt Adnett ist mir im Gedächtnis geblieben: dieser fast schon finstere, konzentrierte Blick, der wirkt, als würde er jeden im Raum einzeln mustern. Auch heute steht er wieder mit unbewegter Miene auf der Bühne, während seine Riffs messerscharf durch den Saal schneiden. Mit inzwischen zwei veröffentlichten Alben im Gepäck verzichten Celestial Sanctuary auf überflüssige Ansagen oder lange Pausen. Song reiht sich an Song, die Gitarren sägen, das Schlagzeug treibt unerbittlich nach vorne, der Gesang kommt tief und druckvoll. Der Sound ist klar, direkt und erstaunlich wuchtig für einen Opener-Slot.
Das Publikum, anfangs noch vorsichtig, taut schnell auf. Bereits nach wenigen Minuten bilden sich erste Moshpits, die Stimmung zieht spürbar an. Die Band wirkt fokussiert, fast stoisch, keine großen Gesten, sondern pure musikalische Überzeugungskraft. Als der letzte Ton ihres Sets verklingt, ist klar: Das war ein Auftakt nach Maß. Celestial Sanctuary liefern einen druckvollen Startschuss für den Abend im Kulttempel und setzen die Messlatte hoch – für alles, was danach noch kommen soll.
Gates To Hell treiben die Energie mit Death-Metal- und Metalcore-Wucht weiter nach oben
Nach dem starken Auftakt von Celestial Sanctuary geht es ohne lange Leerlaufphase weiter. Die Bühne im Kulttempel wird umgebaut, letzte Checks am Schlagzeug, ein paar Gitarren werden gestimmt – dann übernehmen Gates To Hell das Ruder. Das Quintett aus Louisville, Kentucky, ist – wie einige Bands des heutigen Abends – noch gar nicht so lange aktiv. Seit 2019 unterwegs, haben sie sich mit ihrem selbst betitelten Debüt von 2022 erstmals deutlich positioniert. Mit dem im letzten Jahr erschienenen Death Comes To All legten sie eindrucksvoll nach und schärften ihr Profil weiter.

Frontmann Ryan Storey treffe ich bereits vor dem Gig am Merchstand. Sympathisch, entspannt, absolut bodenständig. Wir wechseln ein paar Worte, und ich lasse mir direkt ein Exemplar des aktuellen Albums zurücklegen. Ein kurzer, persönlicher Moment, bevor es wenig später auf der Bühne deutlich rauer wird. Musikalisch servieren Gates To Hell eine packende Mischung aus Death Metal und Metalcore. Massive Riffs treffen auf knallharte Breakdowns, wuchtige Midtempo-Passagen wechseln sich mit aggressiven Highspeed-Parts ab. Das Ergebnis ist gleichermaßen brachial wie mitreißend. Ryan Storey erweist sich dabei als echtes Energiebündel. Zwischen den Songs sucht er immer wieder das Gespräch mit dem Publikum, lockert die Stimmung mit kurzen Kommentaren auf, nur um im nächsten Moment wieder ins Mikro zu brüllen. Diese Mischung aus Nahbarkeit und ungebremster Aggression funktioniert hervorragend. Das Publikum ist inzwischen spürbar auf Betriebstemperatur. Wo zu Beginn des Abends noch vorsichtig genickt wurde, wird es jetzt deutlich „unruhiger“. Kaum setzen die ersten Breakdowns ein, öffnen sich die Reihen. Moshpits entstehen, drehen sich, verdichten sich wieder. Bodies fliegen, Schultern stoßen zusammen, und trotzdem wirkt alles kontrolliert-chaotisch, wie es sich für einen gelungenen Metalcore-Death-Mix gehört. Songs vom aktuellen Album zünden besonders stark. Die neuen Tracks klingen noch fokussierter, noch druckvoller und sorgen für ordentlich Bewegung im Saal. Von vorne bis hinten wirkt das Set kompakt und zielgerichtet, eine klare Ansage. Als Gates To Hell ihren letzten Ton setzen, ist der Kulturtempel endgültig wachgerüttelt. Die Fans sind aufgeheizt, der Boden klebt, die Luft ist schwer. Spätestens jetzt ist klar: Der Abend nimmt Fahrt auf und das Fundament für die folgenden Abrisskommandos ist gelegt.
Fulci verwandeln den Kulttempel in ein blutiges Horror-Death-Metal-Spektakel
Nun wird der Kulttempel zur düsteren Kathedrale des Death Metal. Fulci betreten die Bühne – und ab der ersten Sekunde ist klar: Das hier ist kein gewöhnlicher Gig, das ist ein blutiges Ritual zwischen Konzert und Horrorfilm. Gates To Hell haben eben bereits ordentlich eingeheizt und sinnbildlich die Pforten zur Unterwelt geöffnet. Fulci gehen durch genau diese Höllentore, die zuvor weit aufgestoßen werden, und treiben alles noch eine Stufe weiter. Passender könnte es kaum sein, schließlich trägt schon ihr Debüt von 2016 den programmatischen Titel Opening The Gates Of Hell. Heute Abend wirken diese Tore sperrangelweit offen.

Hinter der Band laufen auf der großen Leinwand ein wilder Reigen ikonischer Filmszenen. Die Italiener huldigen Horror-Meister Lucio Fulci mit jeder Faser ihres Schaffens, und live entsteht daraus ein audiovisuelles Erlebnis von höchstem Kaliber. Splatter-Ästhetik trifft auf erstklassigen, brutalen Death Metal. Bild und Ton verschmelzen zu einem Gesamtwerk, das einen förmlich in modrige Gruften und verlassene Friedhöfe zieht. Songs vom aktuellen Album Duck Face Killings (2024) walzen alles nieder. Der Sound ist druckvoll, differenziert und gnadenlos präzise. Blastbeats peitschen durch den Raum, während die Gitarren eine messerscharfe Wand errichten. Sänger Fiore growlt sich mit abgrundtiefer Stimme durch das Set und verleiht den morbiden Geschichten eine bedrohliche Intensität. Immer wieder fühlt man sich, als würde man direkt in einen klassischen Italo-Horrorfilm hineingezogen.
Auf der Bühne stimmt heute jedes Detail. Edoardo hämmert mit chirurgischer Präzision, Klem legt ein wuchtiges Fundament, Ando und Dome liefern sich ein infernalisches Wechselspiel aus Riffs und Leads. Fulci erschaffen eine dichte, finstere Atmosphäre, die weit über reinen Old-School-Death-Metal hinausgeht. Hier wird nicht nur gespielt, hier wird inszeniert, zelebriert und beschworen. Der Kulttempel bebt, der Pit rotiert unaufhörlich, und als die letzten Töne verklingen, bleibt das Gefühl, Zeuge von etwas Besonderem geworden zu sein. Fulci beweisen erneut, dass sie Horror und Death Metal nicht nur kombinieren, sondern zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk verschmelzen lassen. Großes Kino, nur eben lauter, härter und deutlich blutiger. Stage Diving eingeschlossen. Im Publikum geht es schon wüst zu. Ich durfte die Band letztes Jahr zum ersten Mal beim Dortmund Deathfest live erleben. Damals blieb nach dem Gig Zeit für ein längeres Gespräch mit Schlagzeuger Edoardo und Gitarrist Ando – zwei leidenschaftlichen Musikern, die ihre Begeisterung für Horror und Death Metal spürbar leben. Dieses Mal ist es noch besonderer: Nach der Show steht die komplette Urbesetzung beisammen – neben Edoardo und Ando auch Bassist Klem, Gitarrist Dome und Frontmann Fiore. Trotz schweißtreibender Performance nehmen sie sich für die Fans Zeit, wirken nahbar und authentisch. Sie signieren mir als Die-Hard-Fan sogar die mitgebrachten Vinyl-Scheiben, die längst schon ausverkauft sind.
Nachdem Fulci ihr Set im Kulttempel unter tosendem Applaus beendet haben, kehrt nicht sofort die nächste Abrissbirne ein. Stattdessen folgt die übliche Verschnaufpause: Roadies wuseln über die Bühne, Boxen werden verschoben, Kabel neu verlegt, Drumteile ausgetauscht. Das Licht im Saal bleibt gedimmt, aus den Lautsprechern läuft Konservenmusik, eine kurze Phase zum Durchatmen, Bierholen und Wundenlecken nach dem intensiven Fulci-Set.
Sanguisugabogg setzen mit brutaler Intensität den finalen Abriss
Für mich persönlich steht schnell fest: Noch einmal ganz nach vorne ins Getümmel? Heute lieber nicht. Bereits bei Fulci war es vorne in den ersten Reihen extrem eng, das Publikum ging ordentlich zur Sache. Mit meinem ohnehin schon lädierten Rücken muss ich mir das kein zweites Mal geben. Also wechsle ich die Perspektive und ziehe mich auf die Empore zurück. Von dort habe ich einen hervorragenden Überblick – und werde Sanguisugabogg diesmal ausschließlich von oben fotografisch begleiten.
Als die Umbauarbeiten abgeschlossen sind, zieht Nebel auf, ein dumpfes Intro wummert durch die Boxen und dann stehen Sanguisugabogg da. Die Band aus Ohio, seit 2019 aktiv, hat sich in erstaunlich kurzer Zeit in die obere Liga des modernen Death Metal gespielt. Bereits ihr Debüt Tortured Whole schlug ein wie eine Abrissbirne, mit Homicidal Ecstasy legten sie noch eine Schippe Brutalität drauf. Ihr jüngstes Werk Hideous Aftermath festigt diesen kompromisslosen Kurs eindrucksvoll. Auf der Bühne agiert das Quartett wuchtig. Frontmann Devin Swank ist sofort im Modus: diabolisches Grinsen, tiefe Growls, direkte Ansagen ins Publikum. Er dirigiert das Chaos vor der Bühne mit sichtbarer Freude.

An den Saiteninstrumenten stehen Ced Davis und Drew Arnold, die sich die massiven Riffs gegenseitig zuschieben. Mal schleppend und doomig, dann wieder abrupt und brutal – ein Wechselbad aus zähem Groove und plötzlicher Explosion. Am Schlagzeug sorgt Cody Davidson für das stabile Fundament, treibt mit Blastbeats an und lässt die Songs dennoch atmen, wenn das Tempo gedrosselt wird. Von der Empore aus wirkt das Ganze fast noch intensiver. Das dunkle Licht, die Nebelschwaden, der kreisende Pit unter mir – es hat etwas von einer archaischen Höhlenzeremonie. Songs wie Repulsive Demise, Rotted Entanglement, A Lesson In Savagery, Face Ripped Off, Felony Abuse Of A Corpse oder Dragged By A Truck verwandeln den Innenraum in ein wogendes Meer aus Haaren, Fäusten und verschwitzten Shirts. Spätestens bei Permanently Fucked brüllt der komplette Saal mit. Auch wenn ich diesmal nicht mitten im Getümmel stehe, ist die Intensität ungebrochen. Das Spektakel endet so kompromisslos, wie es begonnen hat. Ein letztes Dröhnen, ein paar abschließende Worte von Swank und dann gehen die Lichter an.
Dieser Abend im Kulturtempel mit vier sensationell guten Bands war eine eindrucksvolle Demonstration moderner Death-Metal-Gewalt. Dreckig, dumpf, gnadenlos – und selbst von der Empore aus absolut überwältigend.






















