“Positive Melancholie“
Artist: Soen
Herkunft: Schweden
Album: Tellurian
Spiellänge: 52:47 Minuten
Genre: Progressive Rock
Release: 03.11.2014
Label: Spinefarm Records
Link: https://www.facebook.com/SoenMusic
Bandmitglieder:
Gesang – Joel Ekelöf
Gitarre – Joakim Platbarzdis
Bassgitarre – Stefan Stenberg
Schlagzeug und Percussions – Martin Lopez
Tracklist:
- Komenco
- Tabula Rasa
- Kuraman
- The Words
- Pluton
- Koniskas
- Ennui
- Void
- The Other’s Fall
Bereits im Jahr 2004 fanden sich Martin Lopez und Joakim Platbarzdis und gründeten die Band Soen. Aus verschiedensten Gründen wurde das Vorhaben zunächst auf Eis gelegt und erst im Jahr 2010 wieder reaktiviert, als Joel Ekelöf und der ehemalige Bassist Steve DiGiorgio zu der Band stießen. Im Jahr 2012 wurde das Debütalbum Cognitive veröffentlicht, am 03.11.2014 erscheint wieder über Spinefarm Records das zweite Studioalbum Tellurian.
Das mit südamerikanischen Percussionrhythmen angereicherte Intro Komenco geht nahtlos über in Tabula Rasa. Und der Name ist Programm, denn trotz der immer irgendwie leicht melancholischen Stimme von Joel Ekelöf sehe ich einen sehr zornigen Mann vor mir, der nun endlich mal reinen Tisch machen will. Auch der sehr gitarrenlastige Zwischenpart unterstreicht diese Stimmung. Bei ca. 3:45 Minuten gibt es allerdings so eine Art Breakdown, und diese ruhige Melodie wird dann auch bis zum Ende des Songs durchgezogen.Mit einem fast schon djentartigen, aber auf jeden Fall sehr ruppigen Gitarrenspiel startet Kuraman. Im weiteren Verlauf geben sich dann die ruhigeren Parts, die mich ein wenig an Tool erinnern, mit dem Aufbäumen der gesamten Band und einer teilweise fast schon als Klangexplosion zu bezeichnenden Dynamik die Klinke in die Hand. Auch wenn die grundsätzliche Stimmung des Albums ja sowieso eher im ruhigeren Bereich liegt, so würde ich The Words trotzdem als eine klassische Ballade bezeichnen. Und obwohl ich nach wie vor kein Fan davon bin, verursacht die Stimme von Joel Ekelöf bei mir doch einen wohligen Gänsehautschauer nach dem anderen. Beim Gitarrenspiel vom zunächst sehr ruhig gehaltenen Koniskas muss ich sofort an Enochian Theory denken, wo Ben Harris-Hayes es ebenfalls vorzüglich versteht, die Saiten anscheinend wirklich nur zu streicheln. Im letzten Drittel nimmt der Song dann doch noch Fahrt auf, und die drei Jungs von der Instrumentalfraktion dürfen mal richtig zeigen, was sie drauf haben. Ennui und Void legen dann insgesamt an Härtegrad zu, arbeitet aber ansonsten mit den wohlbekannten und -vertrauten Tempowechseln, mit einem Schlagzeugspiel, das teilweise seinem eigenen Takt zu folgen scheint und mit dem Gesang von Joel Ekelöf, der über allem zu schweben scheint und doch alles zusammenhält. Mit dem längsten Song, The Other’s Fall, endet das Album. Hier fährt Soen noch einmal alles auf und fasst zusammen, wofür das gesamte Album steht. Obwohl die Band ja doch mehr oder weniger klassisch mit Gitarre, Bass und Schlagzeug besetzt ist, bin ich doch überrascht, wie präsent das Schlagzeug auf diesem Album ist, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Ich weiß nicht, ob das schlicht und ergreifend an der guten Produktion liegt oder doch dem Umstand geschuldet ist, dass mit Martin Lopez ein ausgewiesen guter Mann die Stöcke schwingt. Das soll die Leistung von Joakim Platbarzdis und Stefan Stenberg in keiner Weise schmälern, aber dermaßen gut hörbar, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, habe ich ein Schlagzeug noch nicht erlebt.



