Will To Power over Europe – European Tour 2019: Arch Enemy und Dreamshade am 30.06.2019 im Z7 in Pratteln

Ein wahrlich heißer Konzertabend in der ausverkauften Konzertfabrik ...

Event: Will To Power over Europe – European Tour 2019

Headliner: Arch Enemy

Vorgruppe: Dreamshade

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr.7, 4133 Pratteln, Switzerland

Datum: 30.06.2019

Kosten: 46,50 CHF VVK

Genre: Melodic Death Metal, Metalcore, Modern Metal, Melodic Metal

Besucher: 1800 (Ausverkauft)

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/403708270391737/

Setlisten:

Dreamshade:
01. Intro
02 Autumn Leaves
03. Where My Heart Belongs
04. Consumed Future
05. Dreamers Don`t Sleep
06. On My Own
07. Question Everything
08. It`s Over Sandcastles
09. Sleep Alone
10. Your Voice
11. Photographs

Arch Enemy:
01. Ace Of Spades (Motörhead) (vom Band)
02. The World Is Yours
03. Ravenous
04. Stolen Life
05. War Eternal
06. My Apocalypse
07. The Race
08. You Will Know My Name
09. Under Black Flags We March
10. Dead Eyes See No Future
11. The Eagle Flies Alone
12. First Day In Hell
13. As The Pages Burn
14. No Gods, No Masters
15. Dead Bury Their Dead
16. We Will Rise
17. Avalanche (Zugabe)
18. Snowbound (Zugabe)
19. Nemesis / Fields Of Desolation (Zugabe)

Es ist der heißeste Tag der Woche, nein, der bisher heißeste Tag des noch jungen Sommers, die Sonne bretzelt gnadenlos und das Thermometer zeigt am Nachmittag Temperaturen von bis zu 42°C an. Was macht man an solch einem Tag? Mit Flaschbier am Baggersee liegen? Oder doch direkt in den Kühlschrank setzen? Wär schon geil, doch ausgerechnet heute machen die schwedischen Melodic Death Metaller Arch Enemy auf ihrer Will To Power Over Europe – Tour in der Konzertfabrik Z7 Halt – ein Pflichttermin! Die Stunde Autobahn ist dank Klimaanlage und ordentlicher Mucke kein Problem, doch schon bei der Parkplatzsuche zeigt sich, dass ich offenbar nicht der einzige bin, der heute auf den Baggersee verzichtet. Der Einlass hat schon begonnen, als ich gegen 18:15 Uhr an der Location ankomme, und dennoch herrscht vor der Tür ein riesiges Gewusel. Vor der Abendkasse hat sich eine lange Schlange gebildet, da die Leute ihre vorbestellten Tickets abholen wollen, andere dagegen suchen noch dringend Tickets, denn das Konzert ist gnadenlos ausverkauft. Ein paar weitere haben sich mit Dosenbier noch ein kühles Schattenplätzchen gesucht, andere fotografieren sich eifrig vor dem Arch Enemy-Truck. Ich muss mich wohl oder übel einreihen und mich in Geduld üben, denn auch ich brauche noch meinen Photopass, doch dann steht einem wahrlich heißen Konzertabend nichts mehr im Wege.

Glücklicherweise ist die Konzertfabrik in einer alten Lagerhalle untergebracht, die mit großen Toren versehen ist, die heute bei den Temperaturen auch weit geöffnet sind und auch während der Konzerte geöffnet bleiben. Die Z7-Verantwortlichen tun alles, um es den Gästen bei der Hitze so angenehm wie möglich zu gestalten, und so wurde ein Sonnenschirm draußen mit einer Berieselungsanlage versehen, unter der sich die Metalheads eine nasse Abkühlung holen können.

Drinnen ist es mittlerweile Zeit für die erste Band des Abends. Bereits um 19:00 Uhr entern Dreamshade aus dem schweizerischen Lugano die Bühne, denn um 22:00 Uhr muss heute schon Schluss sein, da Arch Enemy im Anschluss an ihren Auftritt noch eine weite Fahrt bis ins französische Bordeaux vor sich haben, wo sie dann morgen auf der Bühne stehen werden. Nach dem Intro steigen die Schweizer mit Autumn Leaves in ihr Set ein, und gleich stellt sich mir die Frage, ob ich vielleicht auf dem falschen Konzert gelandet bin. Ich kannte die Band bisher nicht, aber ich meine, ich hätte neulich gelesen, dass die Jungs den eigenen Sound auf ihrer Facebook-Seite als Alternative / Melodic Metal bezeichnen. Was hier aber nun aus den Boxen dröhnt würde ich allerdings eher im Metalcore / Modern Metal-Sektor einordnen, auch wenn das ganze durchaus melodisch klingt. Der Soundmensch ist der Hitze zudem offenbar auch erlegen, denn alles klingt etwas matschig, und Frontmann und Schreihals Kevin Cali ist kaum zu hören. An der Bühnenperformance ist jedoch zu sehen, dass die Band bereits seit 2006 aktiv und aufeinander eingespielt ist. Von Beginn an wird hier Vollgas gegeben, und die fünf Musiker springen auf der Bühne herum, als würden sich die Temperaturen irgendwo um die 20° und nicht knapp unterhalb der 40° bewegen. Da wird einem schon beim zuschauen ganz schwindelig, und ehrlich gesagt, mir ist das ganze bei den Temperaturen alles etwas too much und zu stressig. Auch die nächsten Songs gehen in die gleiche Richtung, und offenbar wurde der Mixer reaktiviert, denn der Sound wird nun besser. Harter Metalcore / Modern Metal mit aggressiven Growls, bei denen Cali Unterstüzung durch die beiden Gitarristen Fernandi Di Cicco und Luca Magri bekommt, und teils cleanen Vocals bringt das anwesende Publikum ordentlich auf Betriebstemperatur. Auch wenn bei dem Wetter heute viele noch draußen stehen und sich mit kalten Getränken und der Berieselungsanlage vergnügen, ist das Infield vor der Bühne schon früh bestens gefüllt, da sich viele einen guten Platz für die Schweden Arch Enemy sichern wollen. Und wenn man schon mal da ist, dann kann man auch mitmachen und so ist die Stimmung bestens. Ich für meinen Teil ergreife allerdings erst einmal die Flucht und versorge mich draußen mit etwas kühlem Flüssigen. Damit stehe ich natürlich bei dem Wetter nicht alleine da, und obwohl die gut eingespielte Theken-Crew alles gibt, komme ich erst zum Ende des Auftritts wieder vor die Bühne. Cali sagt gerade den letzten Songs an und ruft die Meute zum Circle Pit auf, was meiner Meinung nach total unvernünftig ist und bei den Temperaturen ja gar nicht geht. Stattdessen sollte man das Publikum in den ersten Reihen, wo richtig Party gemacht wird, lieber mit Wasser versorgen. Nichtsdestotrotz kommt zu Photographs tatsächlich ein Circle Pit zustande, auch wenn dieser relativ schnell wieder einschläft, letztlich scheint das Publikum vernünftiger zu sein, als die Band – gut so.

Während der Umbaupause sorgt dann schwarzer Rauch, der hinter der Konzertfabrik aufsteigt, für etwas Unruhe. Fast sieht es aus, als würde der Qualm aus dem Dach des Z7 aufsteigen und das würde bedeuteten, Arch Enemy sind schon dabei, die Bude abzureißen, doch dafür ist es irgendwie zu leise. Dann werden erste Sirenen laut und es wird wild spekuliert, ob vielleicht die Tankstelle, die ein Stück hinter der Konzertlocation liegt, brennt. Letztlich geklärt werden kann dies aber nicht mehr, denn um 20:30 Uhr steht der Headliner-Gig kurz bevor. Aus den Boxen dröhnt Motörhead`s Ace Of Spades als Intro und die Bühne wird extrem eingenebelt. Und wenn ich sage extrem, dann meine ich extrem, denn der Nebel kommt nicht aus einer gewöhnlichen Nebelmaschine, sondern schießt aus zwei dicken Rohren rechts und links am Bühnenrand. Die Tour läuft unter dem Namen Will To Power und so stammt auch der erste Song, The World Is Yours, von eben diesem Album aus dem Jahr 2017. Die Band um den schwedischen Gitarren-Gott Michael Amott und die sexy blauhaarige Frontlady Alissa White-Gluz präsentiert sich von Beginn an als Einheit. Die Band ist ja quasi schon seit 2018 dauernd auf Tour, und die zahlreichen, absolvierten Konzerte machen sich nun bemerkbar, denn alle Abläufe und Posen sind ins Blut übergegangen und wirken nicht einstudiert. Nach dem ersten Song schießt wieder dichter Nebel aus allen Rohren, doch glücklicherweise zieht dieser, dank der offenen Tore, genauso schnell wieder ab. Mit Ravenous und Stolen Life wird auch musikalisch gut nachgelegt, und die Fans gehen trotz der großen Hitze bestens mit. Es wird gegröhlt und gebangt und kaum noch einer steht nun noch draußen. Leider kommen auch schon früh am Abend immer wieder einige Crowdsurfer im Fotograben an, so dass es da teilweise ganz schön eng wird. Die Konzertfabrik ist mit 1800 Besuchern bis auf den letzten Platz ausverkauft, was auch noch einmal dazu beiträgt, dass es im Inneren des Z7 so richtig schön kuschelig warm ist. Dass die hübsche Alissa sich nicht besonders gerne fotografieren lässt und das fotografieren auch schon mal komplett verbietet, ist ja allgemein bekannt, doch heute scheint ein guter Tag zu sein, denn wir dürfen während der üblichen drei Songs ran und Showlady Alissa agiert auch recht viel am Bühnenrand. Die Lady wirbelt wie ein wilder Derwisch über die Bühne und post mal mit Michael Amott, mal mit Gitarrist Jeff Loomis, oder auch mit Bassist Sharlee D`Angelo. Kaum haben wir den Fotograben verlassen, rückt auch schon die Security an und versorgt das Publikum mit Wasserflaschen und zum Übel aller Handyfilmer auch noch mit dem Wasserschlauch, der zwecks Abkühlung voll in die Menge gehalten wird. Was nun folgt ist ein Best of-Programm durch die gesamte Bandgeschichte, in das ab und an ein Song vom letzten Output Will To Power eingestreut wird. Das Programm wird stramm durchgezogen, da bleiben für Ansagen und Interaktionen mit dem Publikum keine Zeit. Die Band hat es eilig und will sich heute Nacht möglichst früh auf den Weg nach Bordeaux machen, das ist anhand der fehlenden Interaktionen zu spüren, doch ansonsten stimmen Show und Sound und das Publikum bekommt 100% Arch Enemy. Um 22:00 Uhr bleibt dann sogar noch Zeit für einen Zugabenblock in Form von Avalanche, Snowbound und dem Doppel Nemesis / Fields Of Desolation. Danach ist aber endgültig Schluss, doch Arch Emeny haben auf ganzer Linie überzeugt, und niemand wird hier heute unzufrieden nach Hause gehen. Nach dem Konzert klärt sich dann auch, dass ein paar Straßen weiter die Lagerhalle einer Kunststofffabrik brennt und dass auch der naheliegende Bahnhof gesperrt ist, so das sich die Heimreise für einige Konzertbesucher eventuell etwas schwierig gestalten könnte.

 

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