Toothgrinder – Nocturnal Masquerade

“Nicht leicht zugänglich, aber es lohnt sich“

Artist: Toothgrinder

Herkunft: Asbury Park (NJ), Vereinigte Staaten von Amerika

Album: Nocturnal Masquerade

Spiellänge: 42:07 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 29.01.2016

Label: Spinefarm Records

Link: https://www.facebook.com/toothgrinder.usa

Bandmitglieder:

Gesang – Justin Matthews
Gitarre – Jason Goss
Bassgitarre und Gesang – Matt Arensdorf
Schlagzeug – Wills Weller

Tracklist:

  1. The House (That Fear Built)
  2. Lace & Anchor
  3. Coeur d’Alene
  4. I Lie In Rain
  5. Blue
  6. The Hour Angle
  7. Dance Of Damsels
  8. Diamonds For Gold
  9. Nocturnal Masquerade
  10. Dejection/Despondency
  11. Schizophrenic Jubilee
  12. Waltz Of Madmen

Toothgrinder - Nocturnal Masquerade

Ich verkneife mir jetzt mal irgendwelche Wortspielchen zum Bandnamen, sondern komme gleich mal zu den spärlichen Fakten, die ich zu Toothgrinder gefunden habe. Gegründet im Jahr 2010 haben die vier Männer bereits einige EPs veröffentlicht und auch einige lokale Awards gewinnen können. Am 29.01.2016 erscheint nun über Spinefarm Records das Full-Length-Album Nocturnal Masquerade.

Mit der Abrissbirne The House (That Fear Built) gibt es gleich mal richtig einen vor den Latz. Dabei schaffen es Toothgrinder aber auch tatsächlich, durch die eingeschobenen ruhigeren Parts jedes Mal aufs Neue einen kleinen Spannungsbogen aufzubauen. Und trotz des teilweise recht hohen Tempos gelingt es Jason Goss noch, seinen Fingern sehr schöne Gitarrenläufe abzutrotzen. Justin Matthews schreit sich durch den Song, als ob es kein morgen gäbe, dazu im krassen Kontrast der Klargesang von Matt Arensdorf. Klasse Einstieg!

Gesteigert wird das allerdings noch beim noch aggressiveren Lace & Anchor, hier gibt es nämlich nur eine richtig ruhige Passage, und einen eventuell gestarteten Pit müsste man wahrscheinlich alle zehn Sekunden umorganisieren. Nach dem ähnlich gehaltenen, wieder mit ziemlich krassem Gitarrenspiel und einem sehr gut zusammen arbeitenden Bass und Schlagzeug versehenen Coeur d’Alene lassen es Toothgrinder bei I Lie In Rain sehr viel ruhiger angehen. Hier kann man dann mal tief durchatmen. Sehr gelungen sind die gegeneinander laufenden Gesangspartien im wuchtigen Refrain. Ganz krasse Stil- und Rhythmuswechsel gibt es bei Blue auf die Ohren. Wabern Gitarre und Bass eben noch schön gleichförmig vor sich hin, wird dies abrupt durch eine kurze Mathcore-Einlage abgelöst, die dann in einen fast schon melodiösen Part überleitet. Gestört wird dieser eigentlich nur durch wiederum ziemlich schräge Gitarrenklänge. Auf die Spitze treiben es Toothgrinder aber mit The Hour Angle, das für mich streckenweise pure Kakophonie ist. Das allerdings auf hohem Niveau, und die Instrumentalfraktion lässt da keine Wünsche offen.

Da die Songs auf diesem Album teilweise direkt ineinander übergehen, fällt mir zunächst gar nicht auf, dass mit Dance Of Damsels schon ein neuer Song läuft. Das ist für mich allerdings auch einer der wenigen vernachlässigbaren. Definitiv nicht vernachlässigbar ist der doch eher ruhig gehaltene, im Refrain fast schon hymnenartig daherkommende Song Diamonds For Gold. Auch das folgende Titelstück Nocturnal Masquerade zeigt, dass Toothgrinder in der Lage sind, richtig klasse Songs zu schreiben. Der Einstieg erinnert mich ein wenig an den Start des Songs Frost von Uneven Structure, nur eben durch das Gebrüll von Justin Matthews ungleich härter. Unaufhaltsam wie ein dickbreiiger, zähflüssiger Lavastrom wälzt sich das Teil aus den Boxen. Schade, dass es der kürzeste Song ist, das könnte gern noch was länger sein.

Voll auf das Fressbrett gibt es dann wieder bei Dejection/Despondency, auch hier wieder ruhige Parts, die mich, je länger sie dauern, immer kribbeliger machen. Mittlerweile weiß ich ja, dass Toothgrinder gern mal die Spannungsbögen richtig straff ziehen, um sie dann kurz vor dem Zerreißen endlich freizugeben. Auch hier geht es dann direkt über in Schizophrenic Jubilee, der eigentlich gar nicht klingt, wie ein neuer Song, sondern direkt alles von Dejection/Despondency übernimmt. Hier geht mir dann allerdings irgendwann das ständige „Safe Yourself“ auf den Geist, und so konzentriere ich mich lieber auf das wieder einmal sehr geile Gitarrenspiel.

Auch beim letzten Song Waltz Of Madmen beherrschen Toothgrinder noch einmal, dass sie die Gratwanderung zwischen Aggressivität auch bei gedämpftem Tempo, fast schon hymnisch ausgerichtetem Refrain und wohltemperierter Kakophonie beherrschen. Ein würdiger Abschluss für ein denkwürdiges Album, das erschlossen werden will.

Fazit: Nachdem ich gerade das Review zum neuesten Album von Dream Theater geschrieben habe, nun also Progressive Metal der ganz anderen Sorte. Und genau deswegen liebe ich dieses Genre so, denn hier klingt selten eins wie das andere. Natürlich gibt es ab und zu mal Anleihen bei ein paar anderen Bands zu hören. So haben mich einige Stellen an Periphery oder auch The Dillinger Escape Plan erinnert, und beim Titeltrack Nocturnal Masquerade musste ich an Uneven Structure denken. Aber Toothgrinder bringen immer noch genug eigene Ideen ein, um dieses Album abwechslungsreich zu halten und nicht wie ein Klon von XY klingen zu lassen. Insgesamt richtig gut gelungen, die Scheibe und der Hörspaß wächst bei jedem Durchlauf.

Anspieltipps: The House (That Fear Built), I Lie In Rain, Diamonds For Gold und Nocturnal Masquerade
Heike L.
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