Bands: 1914, Katla
Ort: Nachtleben, Kurt Schumacher Str. 45, 60313 Frankfurt am Main
Datum: 08.04.2023
Kosten: 32,50 €
Genre: Death Metal, Death Doom, Doom, Sludge
Veranstalter: Nachtleben Frankfurt
Link: https://www.facebook.com/events
Mit der The War That Never Ends Tour 2026 kehren 1914 auf die europäischen Bühnen zurück und wir sind heute Abend in Frankfurt am Main mit dabei. Im Zentrum steht das aktuelle Album Viribus Unitis, erschienen am 14. November 2025 über Napalm Records. Thematisch bleibt der Fokus auf den Schrecken des Krieges, ergänzt um Aspekte wie Zusammenhalt und Menschlichkeit. Live verspricht das Ganze ein dichtes, eindringliches Erlebnis zu werden, perfekt ergänzt durch Katla, die den Abend eröffnen. Bedingt durch die aktuelle Verkehrslage treffen wir etwas verspätet ein, und es wird direkt am Eingang klar, dass es heute Abend brechend voll wird bzw. ist.
Der Support-Slot bei der kompletten Tour gehört Katla und schon im Vorfeld sorgt diese Konstellation bei mir für Vorfreude. Genau diese Kombination mit 1914 war bereits in den vergangenen Jahren geplant, musste jedoch ausfallen. Umso besser, dass es nun endlich klappt – und sich als absoluter Glücksgriff entpuppt.
Katla ballern aus allen Doom-/Sludge-Gräben
Der Name Katla könnte durchaus für Verwirrung sorgen, denn es existieren mehrere Bands mit dieser Bezeichnung. Es handelt sich allerdings hier um das Kopenhagener Trio Katla, bestehend aus Rasmus Bang (Gesang/Drums), Marc Christensen (Gitarre) und Theis Roed Stenberg Thorgersen (Bass). Die Band ist seit einigen Jahren aktiv und hat mit ihrem 2025 erschienenen Debütalbum Scandinavian Pain erstmals ein vollständiges Statement abgeliefert.
Wer sie – wie ich – bereits 2023 an gleicher Stelle als Support von Crypta gesehen hat, weiß: Hier wartet kein gewöhnlicher Opener, sondern eine massive Wand aus Doom und Sludge mit schlammiger und roher Energie. Kaum betreten die drei Musiker die Bühne, wird es direkt ernst. Mit Dead Lover startet das Set schleppend, dreckig und mit genau der zähen Wucht, die man sich von diesem Genre erhofft. Der Sound ist schwer, die Riffs walzen alles nieder und trotz der ohnehin schon drückenden Hitze im Keller wird es noch intensiver.
Songs wie Grim Jesus, Dragonlord, Satan oder Taurus folgen und treiben die Stimmung weiter nach oben. Schnell wird klar: Das Publikum ist nicht nur höflich interessiert, sondern voll dabei. Die Mischung aus wuchtigen Grooves und düsterer Atmosphäre funktioniert hervorragend.

Auffällig ist die Bühnenaufstellung: Frontmann Rasmus Bang sitzt mittig am Schlagzeug, direkt am Bühnenrand positioniert, während seine beiden Mitstreiter links und rechts flankieren. Dass der Sänger gleichzeitig hinter den Drums sitzt, sieht man selten – und noch seltener funktioniert es so gut wie hier. Rasmus Bang überzeugt mit enormer Energie, während Marc Christensen immer wieder mit stoischer Ruhe seine Riffs ins Publikum schiebt oder gedankenverloren nach oben blickt. Neben ihm wirkt Theis Roed Stenberg Thorgersen wie entfesselt, bearbeitet seinen Bass mit wilder Intensität. Die ohnehin schon extreme Hitze im Keller erreicht während des Sets fast schon absurde Ausmaße, hier unten fühlt sich selbst die Hölle gut aufgehoben. Doch genau das verstärkt die Wirkung der Musik noch zusätzlich. Alles wirkt roh, direkt und ungefiltert. Hitze, Nähe und Authentizität sind die Attribute, die diesen Gig beschreiben.
Katla liefern einen überragenden Gig ab, der den Abend perfekt eröffnet. Ihr kompromissloser Doom/Sludge-Sound, gepaart mit einer ehrlichen und energiegeladenen Performance, macht sie weit mehr als nur zur Vorband. Wer früh da ist, wird hier definitiv belohnt. Besonders sympathisch: Direkt nach dem Auftritt stehen die drei Musiker bereits am Merchstand, suchen den Kontakt zu den Fans und nehmen sich Zeit für Gespräche, sowohl während der Umbaupause als auch nach dem Konzert.

1914 – Enge, Hitze und gespannte Erwartung
Der Raum ist proppevoll, es müssen wohl noch ein paar Fans mehr gekommen sein, seit der Umbauphase. Die Luft steht förmlich. Es ist heiß, stickig und eng, jeder freie Zentimeter ist belegt. Sich überhaupt zu bewegen, wird zur Herausforderung. Mit Kamera bewaffnet wird der Weg nach vorne praktisch unmöglich, sodass die Fotos zwangsläufig aus einiger Entfernung entstehen müssen. Doch genau diese dichte, fast klaustrophobische Atmosphäre passt erstaunlich gut zur Musik von 1914.
Das Set beginnt mit dem eindringlichen Intro War In (The Beginning Of The Fall) vom aktuellen Album Viribus Unitis, das sofort die düstere Grundstimmung vorgibt. Direkt im Anschluss folgt mit FN .380 ACP#19074 ein markanter Track vom Vorgänger Where Fear And Weapons Meet, bevor der Fokus klar auf dem neueren Material liegt. Im weiteren Verlauf dominieren Songs wie 1914 (The Siege Of Przemysl), 1915 (Easter Battle For The Zwinin Ridge) oder 1916 (The Südtirol Offensive), die live eine enorme Wucht entfalten und das thematische Konzept der Band eindringlich transportieren.
Als die Band richtig Fahrt aufnimmt, kippt die ohnehin gespannte Atmosphäre endgültig. Wuchtige Gitarren, donnernde Drums und düstere Klangflächen rollen durch den Raum und treffen das Publikum mit voller Intensität. Durch die klangliche Wucht entsteht eine beklemmende Stimmung. Die Mischung aus Death-, Black- und Doom-Elementen entfaltet live eine rohe Gewalt, die gleichzeitig strukturiert und durchdacht wirkt.

Frontmann Dmytro Kumar steht dabei im Zentrum des Geschehens und zieht mit seiner eindringlichen Präsenz alle Blicke auf sich. Seine Vocals wirken aggressiv und kontrolliert zugleich, während die Band hinter bzw. neben ihm ein massives Klangfundament errichtet. Ein spannendes Detail am Rande für die Leser: Die Bandmitglieder treten auf den Veröffentlichungen unter wechselnden Namen auf, die das erzählerische Konzept rund um den Ersten Weltkrieg widerspiegeln. Hinter diesen Rollen stehen jedoch feste Musiker. Live stehen an diesem Abend Armen Ohanesian am Bass sowie das Gitarrenduo Oleksa Fisyuk und Vitaliy Vygovskyy und der bereits erwähnte Dmytro Kumar am Mikro auf der Bühne. Am Schlagzeug sitzt Igor Kovalenko, der seit dem letzten Jahr unter dem Pseudonym Reich Teil der Band ist. Gemeinsam sorgt diese Besetzung für die massive und zugleich präzise Live-Umsetzung des komplexen Sounds. Zwischen den Songs richtet Dmytro Kumar immer wieder das Wort ans Publikum und spricht über das Leid des aktuellen Krieges in seiner Heimat Ukraine. Diese Momente verleihen dem Konzert eine zusätzliche emotionale Tiefe, die weit über die Musik hinausgeht.
Als schließlich deutliche Worte gegen Krieg und Unterdrückung fallen – „Fuck war, fuck fascism and fuck Putin“ – reagiert das Publikum mit lautem, langanhaltendem Applaus. Die Unterstützung im Raum ist spürbar und macht den Abend auch zu einem Moment der Solidarität, der sich auch in einer gut gefüllten Spendendose oben am Merchstand fortsetzt.
Die Songs leben von ihren Kontrasten: schleppende, bedrückende Passagen wechseln sich mit plötzlichen Ausbrüchen ab. Gerade diese Dynamik sorgt dafür, dass das Set nie eintönig wirkt. Jeder Break, jeder Tempowechsel sitzt und verstärkt die ohnehin dichte Atmosphäre zusätzlich.
Der Gig von 1914 im Nachtleben ist ein schweißtreibendes, intensives Konzerterlebnis, das von der ersten bis zur letzten Minute unter die Haut geht. Trotz – oder gerade wegen – der extremen Enge und Hitze entsteht eine Atmosphäre, die perfekt zur Musik passt. Die Kombination aus musikalischer Wucht, thematischer Tiefe und emotionaler Ehrlichkeit macht diesen Abend zu etwas Besonderem, das noch lange nach Ende des Gigs nachwirkt. Die Musiker bauen anschließend ihre Bühnendeko selbst ab und unterhalten sich dabei gerne mit ihren Fans.

Fazit
Katla und 1914 liefern ein starkes Gesamtpaket: druckvoller Einstieg, intensive Headliner-Show und eine Atmosphäre, die trotz Hitze und Enge perfekt zur Musik passt. Ein rundum eindrucksvoller Konzertabend.
















