Hatebreed und Carcass am 10.06.2025 im Backstage Werk, München

Death Metal trifft Hardcore

Eventname: European Savagery 2025

Headliner: Hatebreed & Carcass

Vorbands: Skeletal Remains, Waves Like Walls

Ort: Backstage Werk, München

Datum: 10.06.2025

Kosten: 42 €

Genre: Death Metal, Hardcore

Besucher: ca. 1.100 Besucher

Veranstalter: M.A.D. Tourbooking GmbH & Backstage Concerts GmbH

Link: https://mad-tourbooking.de/hatebreed-june-august-2025/

Ein Blick aufs Thermometer reicht. Es ist Sommer. Für Metalheads heißt das: Festivalzeit. Für die Bands heißt das: Busfahren, Duschen im Backstage, Essen aus der Aluschale. Hatebreed nehmen das sportlich und stopfen zwischen ihre Festivaltermine ein paar Clubshows. Dafür haben sie sich das Grindcore-/Death-Metal-Urgestein Carcass mit ins Boot geholt. Halt macht der Tross unter anderem in München, weshalb ich mich an einem sonnigen Dienstagspätnachmittag auf den Weg ins Backstage mache. 

Bevor die Stars des Abends das Werk zum Kochen bringen, dürfen Waves Like Walls ran. Eine Viertelstunde früher als geplant, der Saal ist zu diesem Zeitpunkt etwa zur Hälfte gefüllt. Der Grund: Man hat kurzfristig einen vierten Act ins Billing gequetscht. Skeletal Remains, eigentlich mit Cattle Decapitation unterwegs, wurden nach deren Tour-Absage kurzerhand von Hatebreed adoptiert. Metal-Familie halt. Oder Notlösung, je nach Blickwinkel.

Waves Like Walls

Da des deutschen Knaben Pünktlichkeit bekanntlich fünf und nicht fünfzehn Minuten vor der Zeit ist, verpasse ich die ersten beiden Songs von Waves Like Walls. Wobei – „verpassen“ ist relativ. Bassisten haben sie keinen, Breakdowns dafür reichlich. Für meinen Geschmack klingt das alles eine Spur zu modern, zu klinisch. Der Auftritt ist dennoch engagiert. Als im halbleeren Werk keine rechte Bewegung aufkommt, springt der Sänger einfach selbst in die Menge und startet seinen eigenen Pit. Einsatz kann man ihm nicht absprechen.

Ob Skeletal Remains denselben Einsatz zeigen, bleibt unklar. Noch vor dem ersten Ton vernebeln sie die Bühne so gründlich, dass beim Einmarsch nur noch Silhouetten zu erkennen sind. Ihr oldschooliger Death Metal macht durchaus Laune, erfindet das Genre aber nicht neu. Muss er auch nicht. Als kurzfristiges Tour-Add-on fügen sie sich solide ins Line-Up ein. Beschweren wird sich wohl keiner – aber viel bleiben tut auch nicht.

Pünktlich zu Carcass hat sich auch der letzte Freund derber Klänge aus dem Biergarten in die Konzert-Location begeben, um Jeff Walker und seinen Mitstreitern den nötigen Respekt zu zollen. Mit Kurzhaarfrisur und weißem Hemd sieht Walker zwar eher aus wie ein Vater, der seine Kids zum Konzert bringt als eine Death-Metal-Legende. An Attitüde mangelt es ihm aber nicht. Souverän arbeitet er sich durch das Set. Ebenfalls ein Hingucker: Bill Steer, wie immer in 70s-Schlaghose, sorgt für den nötigen Groove und überzeugt mit ungezwungener Lässigkeit. Die Band spielt tight, die Songs sitzen, das Publikum ist jetzt wach. Plektren fliegen, Wasserflaschen auch. Letzteres ist zwar gut gemeint, aber angesichts des schummrigen Halbdunkeln vor der Bühne nicht unbedingt die beste Idee.

Carcass

Wer nicht komplett hinter dem Mond lebt, weiß, dass Carcass musikalisch eine nicht unerhebliche Entwicklung durchgemacht haben. Los ging’s mit Grindcore und Metzel-Texten, auf Heartwork ließ man dann mehr Melodie und lyrischen Tiefgang zu. Das wurde damals als radikaler Wandel wahrgenommen, heute fügen sich alte und neue Nummern wie von selbst zu einer organischen Show zusammen. Alt und neu, wild und kontrolliert – live wirkt das wie aus einem Guss. Eine gute Stunde stehen Carcass auf der Bühne, und das scheint allen zu reichen. Der Applaus jedenfalls klingt nicht nach Höflichkeit, sondern nach echter Wertschätzung.

Dass der Großteil der Leute wegen Hatebreed da ist, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf die Shirts der Anwesenden. Da dominiert Connecticut. Mir ist Death Metal glücklicherweise näher als Hardcore, weswegen ich mich in den hinteren Teil der Halle begebe. Hier habe ich das Bühnengeschehen noch immer gut im Blick, stehe aber nicht eingeklemmt zwischen zwei schweißtriefenden Stiernacken, die sich auf die Vollkontakt-Tanzeinlage im Pit vorbereiten. 

Hatebreed

Und den gibt es. Beim ersten Ton des Openers I Will Be Heard bricht vor der Bühne die Hölle los. Der Saal explodiert, aber Jasta hat das Ding komplett unter Kontrolle. Egal, ob er es langsamer, schneller oder im Kreis will – das Backstage liefert. 19 Songs in 60 Minuten, darunter alle Pflichtstücke. Live For This,This Is Now, Perseverance. Der Sound sitzt, die Riffs sind herrlich simpel und der Bass drückt wie eine Faust in die Magengrube. Letzteren bedient allerdings Matt Bachand. Chris Beattie hat erst vor kurzem unfreiwillig die Band verlassen, genaue Gründe kennt außer Hatebreed noch niemand. Der Neue passt optisch zwar nicht ganz rein, das Zusammenspiel klappt aber hervorragend.

Als zum Abschluss Destroy Everything in den Raum geballert wird, gibt das Backstage noch einmal alles. Danach ist Schluss. Keine Zugabe, kein Schnickschnack. Nur glückliche Gesichter und eine Menge verschwitzter Menschen, die sich in die warme Frühsommernacht ergießen.