Anasarca – Achlys

03.04.2026 - Death Metal - Svart Records - 40:04 Minuten

Anasarca wurden 1995 von Schlagzeuger Heiner und Gitarrist/Sänger Mike (ex-Vomiting Corpses) im wunderschönen Ostfriesland gegründet. Kurz nach ihrer Gründung nahm die Band das Demo Condemned Truth auf, gefolgt von einem weiteren Demo namens Godmachine (1996). Ihr Debütalbum lautete ebenfalls Godmachine und erschien 1998 via Repulse Records und brachte der Band ein beachtliches Ansehen innerhalb der Szene ein.

Nach mehreren Besetzungswechseln veröffentlichten Anasarca 2001 ihr zweites Album Moribund über Mighty Music. Das Album zeichnete sich durch sein einzigartiges lyrisches Konzept aus, das Texte von Todeskandidaten enthielt. Diese lyrische Herangehensweise behielt man bei und erschuf 2024 das Konzeptalbum Dying (Mighty Music). Wieder ein interessantes Textkonzept, denn die Texte basierten auf den Zeugnissen von unheilbar Kranken. Dann legte man leider eine Pause von fast 10 Jahren ein, es erfolgten einige Besetzungswechsel. Mit neuer Energie kehrten die Emder zurück. Das Album Survival Mode erschien 2017 über Sevared Records und enthielt Gastgesang von Kam Lee (Massacre). Und wieder hat man textlich etwas Besonderes parat – das menschliche Verhalten in extremen Überlebenssituationen.

Wieder änderte man die Besetzung, aber nun hat man seit dem Jahre 2021 eine ostfriesische Schlachttruppe zusammen, die es in sich hat. Also weiter und immer weiter.

Zwischen Februar und Juli 2025 nahmen Anasarca ihr fünftes Studioalbum Achlys im Wretched Noise Studio in Oldenburg auf. Gemischt wurde es von Daniel Meinzer, das Mastering übernahm Dennis Israel (Scour, Amon Amarth, Primordial, Asphyx, Legion Of The Damned). Am Ende kümmerte man sich um ein Label und den Zuschlag bekamen die Polen von Selfmadegod Records. Alle Grafiken und Artworks stammen von Robert Sindermann.

Thematisch befasst man sich dieses Mal mit dem Thema Kummer, denn in den letzten Jahren gab es mehrere Todesfälle von Freunden, Familienmitgliedern oder auch Tieren. Jeder, der so etwas erlebt hat, weiß, wie traumatisch solch ein Verlust sein kann. So suchte man nach Texten von Poeten oder sonstigen Personen, die sich mit solchen Traumata auseinandersetzten, und baute diese Erfahrungen mit ein.

Mit dem Intro Beyond The Passing beginnt das Album passend mit den bekannten Klängen eines Trauermarsches.

My Reality ist dann der heftige Einstieg in das Album. Der abgehakte und mit völliger Präzision gespielte Schlagzeugpart zu Beginn kommt schon einmal sehr geil, und im Zusammenspiel mit den Vocals weckt der Anfang bei mir Erinnerungen an das geile Stück Ice-Age Of The Common Sense von Vomiting Corpses, aber nur ganz kurz, denn dann klingt man eben wieder typisch nach Anasarca. Da die Band aber ja aus der Asche der anderen entstanden ist, sind Parallelen natürlich vorhanden. Ansonsten ist der Song typisch für den Stil, welchen die Band seit Jahren zum Besten gibt. Beachtet man die Entwicklungsphase bzw. die Entstehungszeit der Band, muss man natürlich vom klassischen Death Metal sprechen. Dieses hört man extrem beim Riffing. Wir reden hier natürlich von der brutalen Art und Weise. Die Drums ballern alles nieder und man wiederholt den Anfang und baut diesen ein wenig aus, bevor man ein kurzes Break einbaut. Ein langgezogenes und melodisches Lead folgt, welches von Drummer Alf natürlich niedergeballert wird, und ein typischer Anasarca-Uptempopart folgt. Dieser zeichnet sich durch spezielles Drumming aus. Dann bietet man einen Groove, wird wieder härter und groovt noch einmal, kurze Attacke und eine absolut geile, groovende Doubelbass-Attacke folgt. Am Ende regiert dann wieder der Blastbeat. Und wieder einmal heißt es: „Ein Leben ohne Blastbeat ist möglich, aber sinnlos“. Dann spielt die Gitarre lange vor und alle setzen noch einmal ein. Sehr bedrohlich. Der Anfangspart darf noch einmal ran und leitet das Ende ein. Starker Einstieg!

Der Song Achlys umschreibt die Göttin der Trauer und passt somit natürlich thematisch absolut ins Programm. Wer wie ich die Band in den letzten Jahren live gesehen hat, weiß, was ihn erwartet, denn diesen haben sie auch schon live präsentiert. Was Anasarca schon immer mit eingebaut haben, sind diese melodischen Gitarrenleads, und ein solches übernimmt nach einem kurzen Einlauf die Oberhand. Natürlich ballert Kollege Alf dabei alles nieder. Ein Part, der sofort hängenbleibt und an das legendäre Godmachine-Album erinnert. Im Stakkato-Schritt groovt man dann total brutal und verwendet diesen Moment als Refrain. Man denkt gar nicht daran, dem Hörer einen chilligen Moment zu gönnen. Auch wenn man das Tempo verringert, klingt man absolut aggressiv. Mit einem weiteren old schooligen, brutalen Riff, schnellem Drumming und tiefen Growls geht es weiter, bis man dann den Refrain-Part wiederholt, um dann wieder erneut eine Attacke zu fahren. Kurzes Break. Wer jetzt denkt, hier gibt es eine kleine Pause, der hat sich getäuscht. Kurze Zeit später allerdings erfolgt diese, nur um eine Melodie vorzuspielen, die dann immer schneller und schneller wird. Noch einmal der Refrainpart, kurzer Stakkato-Einsatz mit Break und wieder Geknüppel und dann noch einmal der Refrain-Part. Jo!

Basket Of Burdens basiert auf dem Gedicht This Basket Of Burdens von Debbie, das eindeutig als Trauergedicht gedacht ist und sowohl die Schwere des Verlusts als auch die Unterstützung durch Glauben, Gemeinschaft und Hoffnung thematisiert. Die Autorin Debbie bleibt ansonsten anonym, doch der Text besticht durch seine kraftvolle Bildsprache und emotionale Tiefe – insbesondere durch die Metapher des Korbes. In der Songversion von Anasarca werden jedoch alle spirituellen und religiösen Aspekte weggelassen. Musikalisch geht man den eingeschlagenen Weg natürlich weiter. Brutal wie sonst was. Der Wechsel zwischen druckvollem Groove, langsamem Zwischenspiel und absoluter Attacke macht hier besonderen Spaß. Durch das langsame Zelebrieren einer düsteren Melodie erzeugt man eine dunkle Atmosphäre. Durch Screams wird diese natürlich noch verstärkt. Anasarca wären natürlich nicht Anasarca, wenn sie nicht auch wieder den Knüppel ans Tageslicht befördern würden.

Absolut lobend erwähnen muss man, dass Kollege Daniel, der ja selber bei der Oldenburger Combo Bokor zockt und somit versteht, was er da macht, der Band einen mehr als amtlichen Sound verpasst hat. Das Ding drückt und brüllt Zerstörung!

In Memoriam war die erste Singleauskopplung, die Anasarca rausgehauen haben. Für heutige Zeiten ein wenig spät, denn die meisten Combos hauen ja locker vier Monate vorher einen Song raus. Ob das gut oder schlecht ist, mag ich nicht zu beurteilen. Muss jeder selbst entscheiden. Definitiv nicht von schlechten Eltern ist dieser Song, der eben wieder diese typischen Anasarca-Trademarks zum Vorschein bringt und zu Recht als erstes Hörbeispiel dienen darf. Da wird man schon auf den richtigen Weg gebracht. Dieses Zusammenspiel aus melodischen Leads, aggressiven und drückenden Midtempo-Grooves, Blastbeats und abwechslungsreichem Drumming und fetten Growls kommt hier gut zur Geltung. Der melodische Anfang mit der ballernden Doublebass ist fett, der nachfolgende Midtempo-Groove und dann die weitere Steigerung. Ja, kann man so machen. Sehr geil, fettes Teil. Hier hat alles Hand und Fuß.

Und so geht es weiter und weiter, und Songs wie Pain Reamains oder Broken bieten auch in einem Rahmen, den man sich selber auferlegt hat, eine gewisse und gelungene Abwechslung. Diese langgezogenen Gitarrenparts, wie z. B. bei How Can They sind einfach nur geil. Auch so ein Brutalo-Song, der einem die Gedärme herausfliegen lässt.

Achlys ist kein zweites Godmachine, aber ein verdammt geiles, brutales Death-Metal-Album. Von diesen gibt es heutzutage leider viel zu wenig.

Mit der Trauersmarsch-Melodie hat man das Album begonnen und so endet es auch, aber dieses Mal wird es geschickt beim Songwriting mit eingebaut. I Feel ist der Rausschmeißer und dieser nimmt am Anfang den Todesmarsch auf und wechselt dann in ein totales Blastbeat-Gewitter. Alf hatte wohl noch nicht genug und musste noch einmal alles kaputtkloppen. Welch ein Massaker. Nach knapp zwei Minuten wird es etwas gediegener, ohne wirklich entspannt zu sein. Break, ein Go und wieder Attacke. Dann spielen die Gitarren noch einmal vor und schnelle Uftata-Momente setzen ein. Dazu der Gesang von Mike. Hervorragend. Ach ja, das darf man alles so machen. I like it. Basser Björn gönnt sich hier Vorspieler, dann ein Break, man hört Atemgeräusche, es wird noch einmal gegrowlt und dann die absolute Vernichtung. Alter Falter. Die haben den Ostfriesentee aber sowas von drauf. Geiler Abschluss.

Hier geht es für weitere Informationen zu Anasarca – Achlys in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Anasarca – Achlys
Fazit zu Achlys
Die Ostfriesen von Anasarca sind wieder zurück und das neue Album Achlys sollte bei jedem zusammen mit der neuen Monstrosity auf der Einkaufsliste stehen, sofern man auf guten alten und brutalen Death Metal der amerikanischen Schule abfährt. Anasarca vermengen aber auch andere Einflüsse. Diese zehn Songs plus Intro gehen runter wie Öl und befassen sich thematisch mit der Trauer. Das Drumming ist trotz des hohen Blastbeatfaktors sehr abwechslungsreich, der Bass brummt und drückt an allen Ecken, die Growls sind fett und die Art des Riffings sehr geil. Diese melodischen Leads zeichneten die Band schon immer aus. Gutes Songwriting, eine fette Produktion und eine gewisse melancholische Grundatmosphäre führen dazu, dass ich dieses Album jedem Death-Metal-Fan empfehlen kann, der zum Frühstück Vader hört und mit Monstrosity ins Bett geht. Wat moi – wie man in Ostfriesland sagt!

Anspieltipps: Achlys, How Can They und I Feel
Michael E.
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