Hellfire Over Ilsenburg Part IV am 21.03.2026 im Haus der Vereine in Ilsenburg

Grelles Licht, Anarchie und Linsensuppe

Eventname: Hellfire Over Ilsenburg Part IV

Headliner: The Bøneshakers

Vorbands: Here I Vanish, Faces Of Fear, Zeit, Compressor

Ort: Haus der Vereine, Ilsenburg (Harz)

Datum: 21.03.2026

Kosten: 20 € VVK

Genres: Death Metal, Melodic Death Metal, Black Metal, Dark Metal, Rock ’n‘ Roll

Besucher: 150 Besucher (ausverkauft)

Veranstalter: Sven „Svenner“ Gödecke (Hellbollwerk e. V.)

Link: Facebook

Setlisten:

  1. Intro

  2. Highest Bidder

  3. Fucking Life

  4. Devil Is A Girl

  5. You Are Alone

  6. Throne Of Glass

  7. No Room For A Heart

  8. Worldwalker

  9. Soldier

  10. Of Everyones End

  1. Rand

  2. Schweigen

  3. Strand

  4. Stein

  5. Verloren

  6. Babylon

  7. Groll

  8. Nichts

  1. Intro

  2. Oblivion

  3. Rotten

  4. Xeno

  5. Warthog

  6. Rise Up & Boil

  7. Legion

  8. Collective Disease

  9. Sidewinder

  10. Desolation

  11. Death55

  12. Nailgun Preacher

  1. We Are Motörhead

  2. No Class

  3. Stay Clean

  4. Iron Fist

  5. Over The Top

  6. Civil War

  7. The Chase Is Better Than…

  8. Metropolis

  9. Rock Out

  10. Orgasmatron

  11. Going To Brazil

  12. Killed By Death

  13. Bomber

  14. Whorehouse Blues

  15. Ace Of Spades

  16. Overkill

Oh, dieses grässliche Tageslicht, welches ich auf meinem Weg zur vierten Ausgabe des Hellfire Over Ilsenburg ertragen muss. Warum bin ich noch mal so früh unterwegs? Richtig, weil dieses Jahr fünf statt vier Bands auf der Bühne im Haus Der Vereine stehen und der Startschuss somit eine Stunde früher ertönt. Zudem bin ich heute erstmals als offizieller Fotograf ein Teil der Crew. Diese Tatsache ehrt mich sehr, denn das Hellfire ist mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen. Part IV steht erstmals unter dem Banner des 2025 neugegründeten Vereins Hellbollwerk e. V. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Elbbollwerk 39 Concerts und eben dem Hellfire Over Ilsenburg. Eine Vision der vier Freunde Martin, Svenner, Sebastian und Siggi. Der Erfolg gibt dem Team recht, denn das Hellfire ist zum zweiten Mal in Folge ausverkauft.

Für Klein und Groß, Hellfire Over Ilsenburg Part IV 2026, Pic by Flo W.

Was ist noch neu? Vor dem schönsten Haus Ilsenburgs wurde ein rustikaler Grill aufgebaut, der die 150 Metalheads bis 22 Uhr mit Köstlichkeiten zu fairen Preisen versorgt. Fair sind auch nach wie vor die teils minimal gestiegenen Getränkepreise. Ich meine, drei Taler für lecker Bierchen, zwei Taler für Softgetränke, Schnappes und Kaffee, sowie fünf Euronen für Mixgetränke gehen echt klar. Ebenso wie 15 Euro für ein HOI-Shirt. Da gibt es gar nichts zu meckern. Wie immer geht es beim Hellfire auch in diesem Jahr um den guten Zweck. Eine Spendendose steht dafür bereit. Der Erlös kommt dem Förderverein der Marianne-Buggenhagen-Schule in Öhrenfeld zugute. An dieser Schule werden ca. 150 Schüler unterrichtet, die mit einer körperlichen Behinderung leben. Bevor es mit Musik losgeht, macht Veranstalter Svenner natürlich auf die Spendenaktion aufmerksam. 320 Euro sind dabei zusammengekommen, wie ich später erfahre. Auch eine Ticket-Aktion wird angekündigt: Speziell für die Gäste des HOI gibt es Karten zum bereits ausgelaufenen Early-Bird-Preis von 39,90 Euro für die erste Ausgabe des Blasting The Mountains Fest, das im November in der Harzlandhalle, ebenfalls in Ilsenburg, stattfindet. Darüber hinaus steht die Planung der kommenden beiden Ausgaben des HOI im Fokus der Rede, doch dazu am Ende des Berichts mehr. Jetzt geht’s erst mal los mit dem, was uns alle hierhergelockt hat – feinstes „Jebolze“.

Here I Vanish

Auf gute Freunde

Here I Vanish, Hellfire Over Ilsenburg Part IV 2026, Pic by Flo W.

Kurz vor dem Start haben die Jungs von Here I Vanish noch die Ruhe weg und sind mit Bier in der Hand beim Plausch zu sehen. Der Mix aus Melodic Death und Metalcore hat mir schon beim Heimburger Metalnacht Festival 2024 Freude bereitet und das soll auch heute so sein. Einen großen Anteil daran hat Frontmann Nils mit seiner sympathischen Art und starken Stimme. Vor der Bühne ist, wie fast den ganzen Abend über, viel Platz, sodass ich mir beim Knipsen wie in einem großen Bühnengraben vorkomme. Diese Tatsache bemängelt auch der Sänger und fordert die Meute immer wieder auf, näher heranzurutschen. Das Intro zu Devil Is A Girl ist einfach cool. Kurze Zeit später entert Dominik, ein ehemaliges Bandmitglied, zu You Are Alone die Bühne und feuert das Publikum zusätzlich an. Ist ja nicht so, als hätten Here I Vanish nicht ohnehin Probleme, sich zu fünft auf der engen Bühne zu koordinieren. Worldwalker wurde erst zweimal live gespielt und knallt ordentlich. Immer werden atmosphärische Parts in die Songs eingebaut, was mir sehr taugt. Die Mädels am Merch werden gegrüßt und im selben Atemzug darauf hingewiesen, dass es am Stand auch Flaschenöffner „für die durstigen Kinder“ gibt. Gefolgt von Nils’ Ankündigung, dass dort später „noch ein, zwei Pilsken oder auch Schnäppsken zusammen getrunken werden“. Beim Versuch, den Drummer vor die Linse zu bekommen, fällt mir direkt dessen Electric-Callboy-Hoodie ins Auge. Guter Geschmack! Zum Abschluss des Sets gibt es zur Nummer Of Everyones End ein weiteres Feature: Cevin von Zappenduster schnappt sich ein Mikro, welches zunächst seinen Dienst verweigert. Das hindert den energiegeladenen Shouter aber nicht daran, ordentlich abzuspacken. Ein weiterer Sympath, wie sich im anschließenden Plausch herausstellt.

Faces Of Fear

Blue Öyster Cult meets Dark Metal

Faces Of Fear, Hellfire Over Ilsenburg Part IV 2026, Pic by Flo W.

Die Magdeburger Urgesteine von Faces Of Fear haben ihr neues Album Veils Of Enchantment im Gepäck. Den starken Mix aus Dark bzw. Black Metal durfte ich bereits 2023 beim Bühnencomeback auf dem Metal Clash bestaunen. Dementsprechend groß ist meine Vorfreude. Und was soll ich sagen: Der Dark Black Metal ist live eine Macht. „Kommt mal ran … ich komme sonst runter“, lautet die „Drohung“ von Sänger Majkhen Xes. Kurze Zeit später fordert er „Applaus für die Landeshauptstadt Magdeburg“ ein und ergänzt: „Wir wurden geholt, um euch die Gehörgänge durchzupusten.“ Der Umbau nebst Soundcheck zog sich etwas in die Länge, aber optisch machen die Aufbauten einiges her. Stark, authentisch und stets mit geschwärztem Unterton scheppern die Songs aus den Boxen. Klingt ein bisschen, als wenn die legendären Blue Öyster Cult sich plötzlich dazu entschieden hätten, Black Metal zu spielen. Thematisch wird meine These durch den neuen Song Thirsty For Eternal Youth, in dem es um die Legende der „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory geht, untermauert. Zudem werden thematisch auch aktuelle Themen wie „Macht, Gier und Krieg“ behandelt. Es hört leider nie auf, aktuell zu sein. Der Zuspruch aus dem Publikum wird lauter. Der etatmäßige Bassist „hat sich beim Popeln schwer verletzt“, deshalb springt Steven heute ein. Weitere Songs vom aktuellen Album feiern in Ilsenburg Premiere und finden mit Lilith’s Curse Unveiled, dem Lieblingslied der Band, ein episches Ende.

Zeit

Zeit, Hellfire Over Ilsenburg Part IV 2026, Pic by Flo W.

Pure Anarchie

Zugegeben, der erste Kontakt zur nächsten Band aus dem Line-Up verlief etwas holprig. Zunächst habe ich das unscheinbare „Asthaufen-Logo“ auf dem Plakat schlicht übersehen. Als mir die „vergessene“ Band dann doch noch aufgefallen ist, stolperte ich über die aktuelle EP R.U.M.S., die eine „unheilige Verbindung aus Metal und Techno“ verspricht. Nach dem Reinhören war ich noch verunsicherter. Was erwartet mich heute? Das Ergebnis trifft mich von der ersten Sekunde hart in der Seele und die Band heißt seitdem bei mir nur noch „todesZEITmaschine“. Das ist Black Metal meets Doom auf Steroiden, das ist die totale Anarchie. Zuletzt fühlte ich mich so auf einem Konzert des Zweimann-Todeskommandos Mantar. Fur (Gitarre, Gesang), Flakmann (Bass) und Win (Drums) sind nichts weiter als DIE Überraschung des Abends für mich. Ganz Black-Metal-like fordert Flakmann „weniger Licht“ auf der Bühne. Licht im Überfluss kann gezähmt werden und der Nebel des Grauens liegt über allem. Auf Deutsch vorgetragene Stücke wie Stein oder Babylon klingen so roh wie zu der Zeit, als Black Metal eigentlich noch Punk war. Nach gefühlt wenigen Augenblicken, in denen ich wie in Trance vor der Bühne stehe, heißt es auch schon: „Danke Ilsenburg, wir sind Zeit und haben keine mehr.“ Am Merchstand stellt sich schnell heraus, dass sich hinter der schwarzen Fassade unfassbar nette Dudes verbergen. Davon könnt ihr euch demnächst in unserem Podcast Leise War Gestern selbst überzeugen.

In den Umbaupausen fällt mir immer wieder ein „Cowboy“ auf, der sein Outfit vom Hut bis zu den Stiefeln aus Überzeugung trägt.

Compressor

Linsensuppe an die Macht!

Compressor, Hellfire Over Ilsenburg Part IV 2026, Pic by Flo W.

Bei Compressor ist der Name Programm: Old-School-Death und Thrash stehen auf der Speisekarte. Drummer Jens konnte schon am Merchstand nicht ohne seine Sticks stillsitzen und liefert das Fundament der Hildesheimer Band. Daneben fallen mir besonders der, für einen Todesblei-Sänger fast schon zu liebe, Frontmann Andy auf sowie Gitarrist Steffen, der die Licks, Riffs und Soli mit unheimlichen Skills herausfeuert. „Wir sind Compressor aus Hildesheim. Hildesheim ist die kleine, schlecht gelaunte Schwester von Hannover. Wir versuchen trotzdem gute Laune zu bringen.“ Mit dieser Aussage bringt Andy zumindest mich als gebürtigen „Wessi“ zum Schmunzeln. Nach einer kurzen „Kabelpause“ des Gitarristen ergänzt der Frontmann, dass er heute Morgen eine Kontaktlinse verloren, hat. Deshalb müssen alle doppelt so laut sein. Klingt einleuchtend! Rise Up & Boil handelt von einer Linsensuppe, die die Weltherrschaft anstrebt. 😁 Klingt komisch, rifft aber so. Andy erweist sich erneut als der Witzbold am Mikro: „Leute, man kann sich auf nichts mehr verlassen auf dieser Welt … Chuck Norris ist tot.“ Die Melodien in Collective Disease schmecken fast so gut wie Omas Linsensuppe und in Sidewinder kommen alle Harley-Freunde auf ihre Kosten. Da die Zeit knapp wird, ruft Andy zum Innehalten auf und weist auf das Privileg hin, „dass wir hier in Frieden ein Bier trinken können“. Schön gesagt. Zum abschließenden Nailgun Preacher ist das Publikum noch einmal gefordert und grölt den Refrain wohlwollend mit.

The Bøneshakers

„Hello Ilsenburg, wir sind die Rausschmeißers“

The Boneshakers, Hellfire Over Ilsenburg Part IV 2026, Pic by Flo W.

Die teils längeren Umbaupausen führen dazu, dass der Headliner des heutigen Abends die Bühne mit fast einer Stunde Verspätung betritt. Nicht, dass die älteren Herrschaften noch müde werden. Motörhead durfte ich nie live erleben, ihre Erben The Bøneshakers dafür heute bereits zum dritten Mal. Die Mansfelder Eierlikör-Fans huldigen Lemmy und Co. bereits seit 25 Jahren und haben nach dem Tod von Motörhead-Gitarrist Phil Campbell vor einer Woche einen weiteren Grund, die Klassiker am Leben zu erhalten. Der gewählte Intro-Song erheitert den „harten Kern“, der sich zur späten Stunde noch vor die Bühne traut. Anstatt der obligatorischen „We are Motörhead. And we play Rock’n’Roll“ Ansage zum Opener We Are Motörhead gibt es heute eine knappe Referenz an die Schulzeit: „Hefte raus, Klassenarbeit“, haut Frontmann Björn lässig raus. Vor mir steht ein Motörhead-Fan, der seine Gehhilfe des Öfteren zur Luftgitarre umfunktioniert – that’s the spirit! Von der Band selbst bin ich schon etwas mehr Action gewohnt. Ist dieser Umstand doch der fortgeschrittenen Stunde geschuldet? Nichtsdestotrotz sind die Herren, allen voran „Vorturner“ Björn, unfassbar sympathisch und hauen Klassiker wie Over The Top, oder Rock Out raus. „Hello Ilsenburg, wir sind die Rausschmeißers“ tönt Björn erneut im unnachahmlichen Mansfelder Denglisch und lässt meinen persönlichen Favoriten Iron Fist von der Kette – geil! Neben Motörhead gilt die Leidenschaft der Band wie gewohnt dem goldenen Trunk. „Wenn ihr mitmacht, gibt’s ’nen Eierlikör, wenn nicht, dann auch.“ Läuft! Da die bisherigen Bands in andere Härtegrade vorgedrungen sind, legen The Bøneshakers mit Civil War Kohlen nach. Erst letztes Jahr habe ich die Knochenschüttler auf der Metalnacht gesehen. Das schnuckelige Festival unweit von Ilsenburg wird von Björn sogleich angepriesen. Neben Phil Campbell wird zum zweiten Mal an diesem Abend der kürzlich verstorbene Chuck Norris erwähnt, der bei der Beerdigung „seinen eigenen Sarg trägt.“ Harr harr. Neben den fast schon obligatorischen Stücken findet auch Going To Brazil seinen Weg ins Set und wird „all the Brazilians in the audience in Ilsenburg“ gewidmet. Zu Killed By Death wird lautstark mitgegrölt und zu Bomber das Tanzbein geschwungen. Zum Whorehouse Blues wird gejammt und die Mundharmonika ausgepackt. Gitarrist Marko zieht es ins Publikum. Zum ersten Mal an diesem langen Abend gibt es zum krönenden Finale, bestehend aus Ace Of Spades und Overkill, einen kleinen Moshpit. Geht doch! Das letzte Wort gehört wieder Legende Björn am Mikro: „Ihr könnt euch ein Faltboot bauen, die Öffis fahren nicht mehr.“ Recht hat er, wir sind hier schließlich op’n Dorpe. Jute Nacht.

Danke an das Team des Hellbollwerk e. V., danke an Svenner für das tolle Catering und danke an die Bands und Fans, die solche Veranstaltungen am Leben erhalten. In der fünften Ausgabe am 20. März 2027 geht es mit Lost (Grindcore), Maneater (Black Metal), Vel’har (Black Metal), Soul Grinder (Death Metal) und dem Bolt-Thrower-Tribute Spearhead weiter. Auch das Hellfire Over Ilsenburg 2028 wirft seine Schatten voraus: Hier konnten die Besucher der heutigen Ausgabe abstimmen, welche Bands in zwei Jahren Ilsenburg unsicher machen. Wir sehen uns!