Epica, Amaranthe & Charlotte Wessels am 06.03.2026 in der Inselpark Arena, Hamburg

Epischer Metal – vom Feinsten durchorchestriert

Event: Arcane Dimensions Tour 2026

Headliner: Amaranthe & Epica

Vorband: Charlotte Wessels ‘The Obsession’

Ort: Inselpark Arnea Hamburg

Datum: 06.03.2026

Genre: Epic / Symphonic / Melodic Metal

Besucher: Ein paar tausend

Setlisten: Amaranthe, Epica, Charlotte Wessels ‘The Obsessesion’

Für Symphonic-Metal-Liebhaber:innen ist eine Epica-Tour natürlich Honig. Und mit Charlotte Wessels und ihrem The-Obsession-Projekt gibt es direkt noch eine Spitzen-Vorband. Ein Kollege kommentiert das Projekt als Ex-Delain und das trifft’s ganz gut: Die namensgebende Ex-Delain-Sängerin Wessels eröffnet in Kettenhemd-Top mit ein paar alten Bandkollegen und anderen den Abend, darunter beispielsweise Timo Somers an der Gitarre. Der bietet eine tolle Show, genau wie und gerade auch zusammen mit Wessels. Man merkt die Erfahrung, die Freude am Spielen. Sie kommt in all den kleinen Gesten und den Späßen in der Band, an den rausgestreckten Zungen und akrobatischen Einlagen rüber.

Klanglich ist The Obsession nicht extrem überraschend – aber das ist nicht negativ gemeint. Harte Gitarren, schnelle Rhythmen, ruhige Melodien und der klare Gesang tanzen miteinander. Sie erfinden den Melodic Metal nicht neu, tragen aber starke Songs dazu bei. Alles mit einer schönen Lichtshow, loderndem Rot an der Wand hinter ihnen und im Scheinwerferlicht erstrahlenden Blumen. Sie spielen klar über der Gewichtsklasse einer normalen Vorband.

Charlotte Wessels 'The Obsession' in der Inselpark Arena Hamburg | 2026
Charlotte Wessels ‚The Obsession‘ in der Inselpark Arena Hamburg | 2026

Wenn ich Kritik habe, dann nur diese: Live löst keiner der Songs direkt einen Ohrwurm aus und die Texte, gerade ihre Bedeutung, gehen für mich im Klangteppich unter. Dabei sind gerade die Verse das, was die Songs besonders macht: Ängste, Zwänge, Störungen, Verlangen, Verletzlichkeit und Leid. Wessels Obsession trifft mit Textkenntnis dreimal so hart.

Epica: Perfekt durchorchestriert

Epica in der Inselpark Arena Hamburg | 2026
Epicas Coen Janssen läuft auch mal mit umgehängten Keyboard über die Bühne

Bei Epica kommt genau das, was man kennt und erwartet: durchgehender Spaß und eine perfekt orchestrierte Show. Das ist eigentlich auch der größte Kritikpunkt: Zwischen all den geplanten, getimten Momenten, der bildgewaltigen Videoshow, den fetzenden Riffs und Bässen, dem vor Drums vibrierenden Boden – wo ist der Moment, den es nur heute gibt? Der Raum, dass sich live etwas Einzigartiges, Neues ergibt?

Ich finde den Moment heute nicht, aber ich habe trotzdem einen Heidenspaß an dieser bild- und tongewaltigen Show. Das fängt schon beim ersten Song an: Die Videowand fordert – mit mittlerem Erfolg – dazu auf, den Moment zu leben, die Smartphones wegzustecken. Dann tritt eine verschleierte Simone Simmons mit Kollegen auf die Bühne und zu einem Stroboskop-Gewitter beginnt Apparition. Damit geht’s sofort richtig los und danach einfach immer weiter. Auch alte Traumstücke wie Cry For The Moon finden ihren Platz. Für Sirens – Of Blood And Water verschwinden fast alle von der Bühne, während für Coen Janssen ein Flügel auf die Bühne gerollt wird. Erst spielt er nur mit Simone Simmons, ehe eine, wie Simmons in glitzerndes Schwarz gehüllte, Charlotte Wessels dazutrippt und einstimmt.

Später zeigen Epica auch noch einen schwarz-weißen Live-Feed einer Kamera auf ihren Videowänden, während eine Videografin über die Bühne rennt und all die kleinen Momente einfängt. So sehe ich auch das erste Mal, dass es in der Masse einen kleinen Moshpit gibt. Der ging bisher unter, allgemein ist es nicht das eskalativste Konzert – aber ein sehr schönes.

Epica in der Inselpark Arena Hamburg | 2026
Epica in der Inselpark Arena Hamburg: Ein bildgewaltiger Auftritt.

Amaranthe: Nice, aber da geht noch mehr

Amaranthe in der Inselpark Arena Hamburg | 2026
Amaranthe haben nicht nur eine Sängerin, sondern auch zwei Sänger.

Ein weiterer Pluspunkt: Nach Epica ist noch nicht Schluss. Jetzt kommen Amaranthe auf die Bühne. Die bringen ihren Melodic Death Metal mit, hier kann man sich garantiert nicht über fehlenden Druck beklagen – bei (Sing Me) That Song beben im Wechsel Drums, Klatschen und Publikumspart durch die Halle. Das Publikum sind übrigens ein paar tausend Leute. Deutlich mehr, als in die Markthalle passen würden, aber nicht genug, um mehr als einen Rang mit Sitzplätzen zu füllen. Hier ist noch Luft in der Halle.

Lediglich Amaranthes Bühnenshow fällt zurück. Trotz Lasern über unseren Köpfen. Epica haben da einfach mehr aufgefahren. Ein wunderbares Beispiel dafür: Auch Olof Mörck und Elize Ryd von Amaranthe haben ihr Duett: Wie bei Epica haben die beiden die Bühne für sich, eine schöne Lichtshow und alles – aber Mörck hat anders als Janssen nur ein Keyboard, keinen Flügel. Dieses gewisse Etwas fehlt mir immer wieder. Da hilft auch nicht, dass auf Ryds Ansage, dass sie im Januar in Köln und München gestartet sind, ein lautes „Buh!“ durch die Halle geht. Das kann die Sängerin zwar nutzen, um die Crowd zum lauten Singen zu triezen, aber es reicht nicht für den einen außergewöhnlichen Moment. Insgesamt ein tolles Konzert, aber noch nicht ganz top.

Amaranthe in der Inselpark Arena Hamburg | 2026
Amaranthe in der Inselpark Arena Hamburg | 2026