Frozen Soul – No Place Of Warmth

08.05.2026 - Death Metal - Century Media Records - 35:45 Minuten

Die Amerikaner von Frozen Soul haben sich, ähnlich wie ihre Landleute von Sanguisugabogg, seit ihrer Gründung im Jahre 2018 einen guten Namen im Underground erspielt. Die texanische Formation ist mittlerweile, neben einigen Splits, bei ihrem dritten Album angelangt. Dieses trägt den Titel No Place Of Warmth und wird am 08.05.2026 bei Century Media erscheinen.

Mit einer bedrohlichen Kulisse, die eine Art von Untergangsstimmung erzeugt, legen Frozen Soul bei No Place Of Warmth los. Die Gitarre spielt ebenfalls eine düstere Geschichte und so startet man in das Rennen. Ein fetter Midtempopart, der groovt wie sonst etwas, wird präsentiert und die Attacke nimmt ihren Lauf. Bolt Thrower lassen ein wenig grüßen und das ist auch gut so. Das Tempo wird ein wenig erhöht und man bietet technische Elemente, die aber spürbar in den Hintergrund treten. Man kehrt zu der groovigen Attacke zurück, die eben auch melodisch erklingt, und wird dann wieder ein Stück härter, ohne schnell zu werden. Diese düstere Grundmelodie zieht sich durch den ganzen Song und wird ausgearbeitet. Bohrt sich sofort in den Gehörgängen des Zuhörers fest. Man erzeugt dabei sehr viel Druck, welcher durch die tiefen Growls und die fette Produktion natürlich erweitert und unterstützt wird. Später verwendet man noch einen fiesen, screamigen Gesang dazu und danach doppelt man den Gesang sogar. Als Unterstützung hat man sich Gerard Way (My Chemical Romance) ins Boot geholt.

Kurzes Mini-Intro und die Growls übernehmen zu Beginn von Invoke War die Herrschaft. Bei diesem Kracher hat man sich die Band Machine Head, die ja der eine oder andere kennen könnte, als Verstärkung geholt. Die Gitarrenfinger liefern einige Einzelberührungen ihres Gerätes ab, und ab geht es in den Keller, um druckvoll die Kohlen zu scheffeln und um zu grooven, was das Zeug hält. Danach wird man nicht fix, sondern erhöht nur geringfügig die Geschwindigkeit, erzeugt aber dadurch trotzdem eine extreme Aggression. So langsam baut man den Song auf und nimmt auch wieder die Geschwindigkeit mit, ohne eben auszurasten. Das Riffing ist fett, technisch und teilweise progressiv. Der ganze Song ist einfach eine fiese und zerstörerische Headbangmaschine, die einem keine Kopfschmerzen, aber Probleme im Nackenbereich einbringen könnte. Kein Übersong, aber schon ein fettes Teil.

Absolute Zero ist ein Song, der mit aggressivem Tempo beginnt, einen slammigen Bereich einbaut und dann am Ende wieder Gummi gibt. Schönes Ding zwischendurch, denn der Song geht noch nicht einmal eine Minute.

Wieder eine kleine Einleitung und nun darf der Bass vorweg agieren. Langsam und bösartig und wieder teilweise mit zwei Sängern kriecht man durch die amerikanischen Gewölbe und untermauert die Gänge, die wahrscheinlich noch von der Prohibition übriggeblieben sind. Der Bass spielt in diesem Song eine extrem wichtige Rolle und führt gekonnt durch den Song, der einfach klingt, aber technisch auf gutem Niveau agiert. Trotzdem klingt er nach einem minimalen Aufwand, erzeugt aber eine Effektivität, die Spaß macht. Immer wieder hört man den Begriff Dreadnought und dann ergibt es ja auch Sinn, dass das Stück auch so benannt wird. Hinzu gesellt sich wieder eine düstere und atmosphärische Melodie. Ja, hat was, gar keine Frage. Die Band Sanguisugabogg unterstützt dieses vernichtende Vorhaben. Nach 150 Sekunden ist diese dunkle und bösartige Musikeinheit auch schon beendet und hinterlässt deutlich Spuren.

Chaos Reign verbindet dann deutlich die Vergangenheit mit der Gegenwart oder mit der Zukunft, je wie man will. Dass die amerikanische Formation Stunden damit verbracht hat, Obituary- und Bolt-Thrower-Klängen zu lauschen, ist mehr als eindeutig. Der Lauscher hier kann dieses auch absolut nachvollziehen. Diese groovigen Old-School-Death-Metal-Einflüsse auf der einen Seite treffen auf der anderen Seite auf neuere Ergüsse, die aus technischen und progressiven Klängen, wenn auch zweitrangig, und slammigen Einlagen bestehen. Dieses kann die Band eben geschickt zu ihrem kalten, eigenen Sound umwandeln. Dabei hält man die Songs recht kurz und zieht sie nicht unnötig in die Länge.

Deathweaver handelt davon, wie man mit der Zeit langsam Teile von sich selbst verliert und neue Perspektiven gewinnt. Es geht um das Formen des Inneren und um den Kreislauf des Todes, und musikalisch hat man sich dafür natürlich wieder für das kriechende Kellerformat entschieden. Dabei bietet man am Anfang eine herrlich schaurige Melodie, steigert im Song das Tempo und liefert eine gelungene Abwechslung. Starke Riffs und dieses drückende Gefühl, welches durch das fette Drumming erzeugt wird, erzeugen eine düstere Atmosphäre. Schon geil.

Am Ende hat man mit Killin Time (Unto Its Time To Kil) noch eine treibende und groovige Nummer mit absolutem Abgehfaktor am Start. Geile Nummer!

Wer auf eine kopfnickende Zerstörungseinheit abfährt, ist beim neuen Frozen Soul-Album genau richtig. Meines Erachtens ist die Spielzeit von knappen 35 Minuten auch genau richtig, ansonsten wäre etwas von der Effektivität verloren gegangen.

Hier geht es für weitere Informationen zu Frozen Soul – No Place Of Warmth in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Frozen Soul – No Place Of Warmth
Fazit zu No Place Of Warmth
Frozen Soul gehen ihren eingeschlagenen Weg auch auf ihrem dritten Album gnadenlos weiter, und wer jetzt noch den Klimawandel leugnet, dem kann ich auch nicht helfen. Die Band stammt aus dem sonnigen Texas, aber man spürt nur eisige Winde um sich. Die Kombination aus old schooligem Death Metal, wie ihn die Bands Bolt Thrower und Obituary gelebt haben, mit slammigen Einlagen, technischen und progressiven Klängen und vielleicht schon Deathcore-lastigen Elementen führt dazu, dass sich Frozen Soul tatsächlich eine eigene, kleine Nische im weltweiten Death-Metal-Zirkus erschaffen haben. Natürlich muss auch das Songwriting stimmen und dieses ist definitiv der Fall. Man hat sich prominente Gäste mit ins Boot geholt, wäre aber überhaupt nicht nötig gewesen, denn das Material spricht für sich und dürfte so einige Nackenschmerzen und Moshpits auslösen. Und die Spielzeit von 35 Minuten ist genau richtig.

Anspieltipps: Dreadnought und Killing Time (Unto Its Time To Kill)
Michael E.
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