A Day To Remember – Bad Vibrations

“Achterbahnfahrt!“

 

Artist: A Day To Remember

Herkunft: Ocala, Florida

Album: Bad Vibrations

Spiellänge: 41:43 Minuten

Genre: Metalcore, Post-Hardcore, Pop-Punk,

Release: 02.09.2016

Label: Eigenproduktion, Epitaph

Link: http://adtr.com/

Produktion: Bill Stevenson, Jason Livermore

Bandmitglieder:

Gesang – Jeremy McKinnon
Gitarre (Rhythmus) – Neil Westfall
Gitarre – Kevin Staff
Bassgitarre – Joshua Woodard
Schlagzeug – Alex Shelnutt

Tracklist:

  1. Bad Vibrations
  2. Paranoia
  3. Naivety
  4. Exposed
  5. Bullfight
  6. Reassemble
  7. Justified
  8. We Got This
  9. Same About You
  10. Turn Off The Radio
  11. Forgive And Forget
  12. Negative Space
  13. In Florida

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Wenn man als Band nicht hält, was man verspricht, ist dann die jeweilige Platte schlecht? Diese Frage muss man sich wohl oder übel bei dem neuen Album von A Day To Remember – Bad Vibrations stellen. Ein Album, welches als sehr hart angekündigt worden ist und am Ende wohl doch einige Fans enttäuschte. Doch ist diese Kritik berechtigt?

Der erste Song des Albums trägt auch bereits den Titel der neuen Platte: Bad Vibrations beginnt gewaltig und kracht direkt in die Tür bzw. ins Ohr hinein. Der Anfang ist dabei sogar reiner Screamo, der hier schon fast mehr einem Schlachtruf ähnelt. Der Song ist insgesamt sehr ernst, enthält größtenteils Screamo, während in dem Refrain zu Clean Vocals gewechselt wird. Die Instrumentalität ist gekonnt angesetzt und weiß nur an gegebenen Stellen etwas auszubrechen. Ein gelungener Auftakt also, aber ob das Niveau halten wird?

Paranoia ist melodisch etwas chaotischer und wirkt weniger dunkel, was auch an der freier ausgewählten Instrumentalität liegen könnte. Der instrumentelle Zwischenteil gibt dem Song einen schönen Aufschwung, der ihn zu einem perfekten Live-Song macht. Nach ein paar Mal Hören kann man bereits sehr gut mitscreamen.

Naivety unterscheidet sich im Stil noch einmal deutlich von seinen Vorgängern. Der Gesang ist hier sehr viel eindeutiger und man scheint den Metalcore, der definitiv präsenter war in den ersten Songs, gegen Pop-Punk eingetauscht zu haben. Dass A Day To Remember eine Pop-Punk-Band ist genauso wie eine Metalcore-Band, ist natürlich kein Geheimnis und die Abwechslung ist hierbei sehr erfrischend.

Und wenn man schon von Abwechslung spricht, so wird diese mit Exposed gleich weiter durchgeführt. Der Metalcore kehrt zurück und zwar mit einer ähnlichen Intensität wie Bad Vibrations zu Beginn. A Day To Remember eskalieren nicht, sondern wissen es, ihre Instrumente gezielt einzusetzen, um dem Song einen passenden Rhythmus zu geben und dabei trotzdem eine nötige Tiefe entstehen zu lassen.

Mit Bullfight dreht sich das Rad weiter, obwohl der Song keine Pop-Punk-Feelings aufkommen lässt, so verzichtet er doch fast gänzlich auf lautes Geröhre. Dadurch entsteht ein rockiger Song, der eine interessante Mitte zwischen Metal und Punk einnimmt. Dennoch wirkt Bullfight etwas blasser als seine Vorgänger, was aber auch am persönlichen Gefallen liegt. Seit Common Courtesy, welches insgesamt lockerer angelegt war, sind hier ein paar deutlich tiefere Songs entstanden, die zumindest in der ersten Hälfte sehr hart und zynisch auftreten.

Reassemble stellt dann noch einmal alles auf den Kopf und lässt den davor schwachen Bullfight schon fast vergessen. Schon der Anfang des Songs lässt einen Gänsehaut verspüren und er versteht es, zwischen den harten Gesangspassagen und dem berührendem Chorus hin und her zu wechseln. Hier versteht die Band es, dass ein Song hart sein kann und gleichzeitig tausend Gefühle transportiert. Der Zwischenpart, der aus fast reinem Gesang besteht, passt dabei zur Achterbahnfahrt, die das komplette Album bisher präsentiert hat.

Nach diesem energiegeladenem Chaos braucht jeder Zuhörer eine punkige Pause. Diese wird sogleich mit Justified geliefert. Und dennoch verlässt er sich nicht komplett auf lockeren Punk. Vor allem in der zweiten Hälfte nehmen härtere Passagen wieder mehr Einfluss und zeigen, dass die Kombination, für die A Day To Remember legendär sind, noch immer funktioniert.

Vor Glücksgefühl lächeln muss man irgendwie bei We Got This. Vielleicht weil der Song nach dieser emotionalen Achterbahnfahrt von Zynismus und Wahrheit Hoffnung gibt – und man endlich mal mit reinstem Pop-Punk aufatmen kann. Der Höhenflug an positiver Energie kann man auch mehr als gut gebrauchen. A Day To Remember haben es bis hierher geschafft, jedem Song eine andere Note oder auch Charakter zu verpassen und sind dabei doch stimmig geblieben.

Same About You ähnelt ein wenig einer rockigen Ballade, die mit einem herrlich schönen, aber nicht zu tiefen oder emotionalen instrumentellen Part auffährt, bevor sie dann doch etwas mehr Härte in genau diesen rein legt und dann wieder zur Ballade zurückkommt. „Ballade“ ist hier vielleicht das falsche Wort, aber der Zwang zum Mitsingen ist garantiert.

Etwas gänzlich Eigenes bietet auch Turn Off The Radio. Die Diversität des Gesanges nimmt hier noch einmal zu und der Song hat etwas gänzlich Befreiendes. Nicht zynisch negativ, aber auch keine positive Ausstrahlung wie We Got This. Der Song liefert Energie und Entschlossenheit.

Nach Energie folgt die Ruhe – so zumindest innerhalb des Albums Bad Vibrations. Mit Forgive And Forget kommt wohl der emotionale Höhepunkt, der auch dem Zuhörer die Chance zum Durchatmen, Nachdenken, aber vor allem auch zum Genießen gibt.

Negative Space kehrt wieder etwas stärker zurück – jedoch nur etwas, da der Song sich auch größtenteils noch zurückhält. „Everyone eventually lets you down!“ – eine sehr negative Ansicht verpackt in einem Song, der es dennoch schafft, dabei eine Art positive Atmosphäre zu erzeugen.

Mit welchem Ton beendet man nun ein solches Album? Wie endet diese Reise? Es kommt darauf an, welche Version des Albums man durchhören möchte. In der normalen Fassung endet Bad Vibrations bereits mit Forgive And Forget, jedoch bilden Negative Space und In Florida noch zwei sehr schöne Bonustracks. Mit In Florida endet es dann sehr ruhig und positiv. Wie der Titel auch schon vermuten lässt, hat der Song eine lockere Atmosphäre, die ein wenig an einen langen Sommertag erinnert, der sich langsam dem Ende neigt. In diesem Fall vielleicht nicht ein Tag, sondern eher ein langer Sommer. Und egal, wie verrückt er war und gefühlsgeladen,  am Ende erscheint alles gut und man ist zufrieden.

Fazit: A Day To Remember mussten sich einiges an Kritik anhören als Bad Vibrations veröffentlicht wurde. Kritik, die bei intensiver Beschäftigung mit dem Album nicht wirklich verständlich ist. So bietet es doch alles, was man sich von der Band wünschen könnte: Die perfekte Kombination zwischen Metalcore und Punk, zwischen Energie und Fröhlichkeit, zwischen Härte und schöner, positiv angehauchter Trauer, Zynismus und positiven „We got this“-Einstellungen im Gleichklang. Und obwohl das Ende mit Forgive and Forget am schönsten wäre, so sind es auch die zwei Bonustracks Negative Space und In Florida definitiv wert, gehört zu werden, A Day To Remember schaffen es, Wahrheiten zu präsentieren, ohne dabei den Zuhörer komplett negativ zu stimmen. Bad Vibrations ist damit vielleicht sogar das bisher aufregendste Album der Band – und definitiv eins der besten im Jahr 2016.

Anspieltipps: Reassemble, We got This, Forgive and Forget, Justified
Anabel S.
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