Alazka – Phoenix

“Jedes gesungene und geschriene Wort auch gefühlt wird!“

Artist: Alazka

Herkunft: Recklingshausen

Album: Phoenix

Genre: Melodic Hardcore, Post Hardcore

Release: 25.08.2017

Link: https://www.facebook.com/alazkaofficial/

Bandmitglieder:

Gesang – Tobias Rische
Gesang – Kassim Auale
Gitarre – Dario Sanchez

Gitarre – Marvin Bruckwilder
Bassgitarre – Julian Englisch
Schlagzeug – Tobias Lotze

Tracklist

  1. Echoes
  2. Ghost
  3. Empy Throne
  4. The Witness
  5. Everglow
  6. Ash
  7. Phoenix
  8. Everything
  9. Haerts of Gold
  10. Legacy
  11. Blossom
  12. Fading Flame

Groß war die Überraschung, als Capture The Crown auf Facebook ihr Ende verkündeten – nur wenig später wurde daraus Crown. Als wenige Tage später plötzlich die deutsche Gruppe Burning Down Alaska ihr Ende bekannt gab, handelte es sich um den gleichen Grund: Aus der Gruppe wurde die Band Alazka, welche mit Phoenix nun ihr lang ersehntes Debütalbum herausbringt. Und auch wenn der Namenswechsel durch das nicht geplante Nachziehen wohl für nicht ganz die Aufmerksamkeit sorgte wie erhofft, so kann man doch gespannt sein, was die Jungs aus Recklinghausen zusammen produziert haben.
Das Album beginnt mit dem kleinem Intro Echoes, welche sofort die für die Band bekannte mystische, leicht traurige Atmosphäre herbeizaubert. Von der Instrumentalität hält sich dieser Track noch komplett zurück und nimmt nur zum Ende etwas Fahrt auf.
Der Übergang zu Ghost, eine der Singles, die schon vorab veröffentlicht wurden, fällt eigentlich kaum auf. Sofort geben Alazka zum Besten, was sie hervorhebt: Die Kombination von Screamer Tobias sowie die Cleans, welche von Kassim in extrem hoher präziser Qualität gesungen werden. Ghost selbst ist unglaublich melodisch, hält sich mit Riffs, Härte und Tempo aber auch stark zurück. Die Atmosphäre ist gebannt und insbesondere der instrumentale Zwischenpart weiß durch das natürliche, fast schon fliegende Tempo zu überzeugen, da er den Text und die Tiefe des Songs perfekt unterstützt.
Auch der nächste Song Empty Throne dürfte einigen Hörern bereits bekannt sein – aus gutem Grund. Ist dieser Song doch definitiv eines der Highlights innerhalb des Albums. Sänger Kassim schafft es auch hier wieder, mit fast schon engelsgleichem Gesang, durch den ersten Part des Songs zu leiten. So sanft, dass man sich schon fast fragen muss, wo denn hier der Metal bzw. Hardcore geblieben ist – zum Glück wird dieser dann doch von Tobias geliefert. Auch hier hält sich die Härte jedoch extrem zurück. Die Band scheint sich definitiv im Bereich Post Hardcore mehr als wohlzufühlen – und Fans dieses Genres werden auch auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, da jedes gesungene und geschriene Wort auch gefühlt wird.
The Witness ist dann der erste Song innerhalb des Albums, welcher nicht zuvor released wurde und fällt sofort durch den etwas leichteren und lockereren Beginn auf. Die Instrumentalität ähnelt jedoch Ghost und Empty Throne – ein kleines Manko, welches jetzt bereits im Album auffällt. Die Songs ähneln sich instrumental und von der Struktur, weshalb man als Zuhörer ein gewisses Gefühl von Wiederholung hat, auch wenn sich The Witness mehr auf die Screams zu konzentrieren scheint.
Everglow beginnt schon etwas stark poppig, sodass jeglicher Gedanke an Hardcore zunächst verloren scheint. Insgesamt zeigt das Debütalbum der Band, dass sie sich wohl definitiv im etwas sanfteren Genrebereich von Post Hardcore gefunden hat – eine Tatsache, die wohl einige etwas stören wird. Aber auch Everglow nimmt zwischendrin immer wieder an Tempo und Geschrei zu. Eine richtige instrumentale Explosion lässt allerdings auf sich warten. Dafür scheinen sich Alazka innerhalb ihres Albums vor allem auf das Gefühl zu konzentrieren. Die etwas positivere Note von Everglow wird vom Interlude Ash unterbrochen, welches tiefernst und fast schon traurig wirkt – eine Gefühlsbasis, welche im gesamten Album überwiegt.
Passend zu diesem folgt dann auch der Titeltrack Phoenix, welcher nicht nur bereits veröffentlicht ist, sondern auch den Höhepunkt des Albums ausmacht: Hier ist die Kombination zwischen Scream und Clean Gesang perfekt ausgewogen – so erscheint der Song nicht komplett in Gefühlsduselei unterzugehen und dennoch mehr als genug Cleans bereitzuhalten. Auch wenn sich die Instrumentalität weiterhin mehr im Hintergrund hält, so wirkt Phoenix insgesamt etwas mehr ausbalancierter als seine Vorgänger.
Everything könnte man auch als Ruhepause nach dem Sturm, welcher Phoenix darstellte, beschreiben. Die Instrumente treten noch etwas stärker zurück. Der Zeitpunkt im Album liegt zwar gut für solch einen ruhigen Song, dennoch muss auch hier wieder die gewisse Eintönigkeit, die das Album bisher präsentiert hat, kritisiert werden. Die zweite Hälfte des Songs schafft es dann, aber sich zumindest instrumental endlich etwas stärker abzuheben.
Hearts Of Gold sorgt etwas für diese ersehnte Abwechslung mit einer anders angelegten Instrumentalität, da dieses Mal deutlich Schlagzeug und Scream im Vordergrund zu stehen scheinen. Dadurch wird nicht nur die tieftraurige Atmosphäre (endlich) etwas aufgebrochen, sondern auch die Spannung des Zuhörers wieder etwas stärker geweckt. Legacy setzt ähnlich gut ein wie Hearts Of Gold, versteht es also, sich von der ersten Hälfte des Albums durch veränderte Gesangsstrukturen hervorzuheben. Auch wenn noch immer die Zugehörigkeit bzw. die Ähnlichkeiten untereinander unverkennbar bleiben.
Blossom innerhalb dieses Albums zu finden wird viele Kenner der Band erfreuen – so befand sich das Stück doch bereits auf der EP, als die Gruppe noch als Burning Down Alaska unterwegs war – und zeigt die Band noch immer von ihrer stärksten Seite. Blossom schafft es traurig und antreibend gleichzeitig zu sein, hart und dennoch sanft, bewegend, melodisch und ein Ohrwurm, der für immer im Kopf bleibt. Es ist der Song, der Alazka wohl am besten beschreibt, weil er einfach so unverkennbar ist.
Mit Fading Flame wird dann auch das Ende des Debütalbums eingeleitet – deutlich durch das kleine, instrumentale Intro, welches zunächst ruhig und dann ganz laut weitermacht. Der Song schafft es nach nur wenigen Sekunden den Zuhörer noch einmal zu fesseln, zum Bewegen zu animieren und wirkt, ähnlich wie Blossom und Phoenix, perfekt ausbalanciert. Die Position des Songs ist dabei mehr als gut gewählt, da ein starker Song stets am Schluss stehen sollte. Fading Flame schafft es das Gefühl zu erwecken, dass diese Platte eben nicht aus dem Gedächtnis “faden” wird.

 

Fazit: Alazka haben im Zuge ihres Debütalbums einiges richtig gemacht: Sie sorgten für PR durch ihre Namensänderung, veröffentlichten mehr als starke Songs mit ebenso mitreißenden Videos und das Album gleicht einem kompletten Stück - mehr als andere Alben dies normalerweise tun. Die Songs für sich alleine klingen hochwertig produziert, vermitteln Gefühl und wissen zu berühren, dennoch scheinen sie fast zu nah aneinander inspiriert, um als komplettes Album dennnoch einzelnd zu wirken. Insbesondere in diesem Punkt hat das Debüt Phoenix seine Schwäche, da es fast so erscheint, als ob Alazka nur wenige Seiten von sich zeigen und man nicht genau weiß, was sie noch bereithalten.

Anspieltipps: Phoenix, Blossom, Empty Throne
Anabel S.
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