Apocalyptica – Plays Metallica By Four Cellos, Krusenkoppel, Kiel am 17.06.2018

“Mal gewaltig leise, mal gewaltig laut!“

Eventname: Apocalyptica – Plays Metallica by Four Cellos

Headliner: Apocalyptica

Ort: Freilichtbühne Krusenkoppel, Kiel

Datum: 17.06.2018

Kosten:  20 € VVK,  Ausverkauft

Genre: Heavy Metal

Besucher: 2. 200

Veranstalter: Gewaltig Leise auf der Krusenkoppel

Links: https://www.freilichtbuehne-kiel.de/de/ueber_uns.html
https://www.apocalyptica.com/en/

  1. Enter Sandman
  2. Master Of Puppets
  3. Sad But True
  4. The Unforgiven
  5. Creeping Death
  6. Wherever I May Roam
  7. Sanitarium
  8. Fade To Black
  9. For Whom The Bells Tolls
  10. Fight Fire With Fire
  11. Orion
  12. Battery
  13. Seek And Destroy

Encore:

  1. Nothing Else Matters
  2. One

Im Rahmen der Kieler Woche 2018 gibt es ein Projekt, das sich Gewaltig Leise nennt und meist für ruhigere Töne sorgt. So sind dieses Jahr neben Donovan, Silly und anderen Künstlern auch Apocalyptica dabei. Diese haben vor 20 Jahren mit ihrer auf Celli vorgetragener Interpretation von Metallica Songs weltweit für Furore gesorgt. In der Zwischenzeit haben sie sich aber auch mit eigenen Liedern und in wechselnder Begleitung von Sängern etabliert und sind ein fester Begriff in der Musikwelt. Hier und heute wird nun nochmals den Wurzeln des Erfolges gedacht und so steht der Abend im Zeichen von Metallica-Liedgut. Der Einlass beginnt leicht verspätet und so dauert es natürlich schon eine Weile, bis die ausverkaufte Krusenkoppel gefüllt ist. Die gut 2200 Zuschauer sind keine homogene Gruppe, sondern setzen sich zusammen aus Eltern mit ihren Kindern, Musikschülern, die sehen und hören wollen, was auf dem Instrument gemacht werden kann, Metallern in kultigem Outfit oder ältere Semester, denen das Kulturprogramm am Herzen liegt. Sitzkissen und Decken sind dabei, denn gesessen wird auf den kalten Steinen des Amphitheaters. Glücklicherweise regnet es nicht, sodass zumindest von oben alles trocken bleibt. Vor der Waldbühne stehen noch Hunderte ohne Karten, um zumindest dem Konzert zu lauschen. Der Veranstalter entschließt sich den Beginn etwas zu verschieben, damit auch alle Karteninhaber problemlos vor Beginn der Sause auf den Plätzen sind.

Da wir recht weit vorne in der Schlange standen, ergattern wir einen Platz recht weit unten und haben, wie alle anderen, einen freien Blick auf die Bühne. Da sieht es relativ aufgeräumt auf. Im Hintergrund thront ein mächtiges Schlagzeug und davor stehen vier Stühle und vier Mikros. Ein paar Verstärker und Lautsprecher zieren die Seite und das war es. Noch ist es hell, sodass von der Lightshow zunächst nicht so viel zu sehen ist. Das wird sich aber noch ändern, da die Bühne im etwas Dunkleren liegt und in Bälde die Dämmerung einsetzt.

Als die Band mit ihren vier Violoncelli das Halbrund betritt, werden sie lautstark begrüßt und fangen recht verhalten mit Enter Sandman an. Zunächst fällt es schwer, sich darauf einzulassen. Zu abstrakt klingt diese Version. Aber bereits mit Master Of Puppets löst sich die Scheu vor diesen akustischen Klängen. Schon bei Sad But True ist der Wiedererkennungswert wesentlich höher, da sich das Ohr an die Klänge gewöhnt hat. Eicca Toppinen, Paavo Lötjönen, Perttu Kivilaakso und Antero Manninen verstehen es, diese Songs erkennbar und doch andersartig zu intonieren. Fast zärtlich erklimmen die Töne das Freilichttheater und lassen die Zuhörer schweigsam genießen. Fast schon andächtig erscheinen die über 2000 Zuschauer bei dieser Interpretation der ansonsten doch harten Metallica-Tracks. Laut wird es nur kurz, wenn einer der Songs zu Ende ist. Und ganz anders als bei sonstigen Rockkonzerten bleiben alle brav sitzen und lassen sich einfach von den Klängen verzaubern. Bei The Unforgiven kommt dann noch eine leichte Gänsehaut dazu. Nicht dass es frisch wird, nein, es ist einfach schön, wie dieser Song voller Gefühl gespielt wird. So werden dann noch Creeping Death, Sanitarium und Fade To Black in dieser fast schon heimeligen Atmosphäre gespielt. Dass die Jungs sich ins Zeug legen, zeigt sich an der Vehemenz mit der gespielt wird. Mitten im Set reist eine Saite des Cellos, bei nur vier Saiten ist das schon unangenehm – aber ganz Profi, wird der Schaden schnell behoben. Die drei anderen können das kompensieren. Kommunikativ sind sie auch, zumindest Eicca Toppinen beweist Charme und Witz und lässt auch die eine oder andere Anekdote von Stapel. Witz. Der langhaarige Finne erobert so die Herzen der Zuschauer. Ein sehr sympathischer Zeitgenosse, der am Cello oftmals den Basspart übernimmt. Links außen sitz dafür Antero Manninen mit runder Sonnenbrille und wirkt nur einfach cool, wenn er auf seinem Cello Leadparts übernimmt.

Nach 45 Minuten schickt uns Eicca dann auch alle erst mal in die Pause zum Kaffee und Kuchen holen. Einige hier packen auch tatsächlich ihre Thermoskannen aus und ein leichter Teegeruch weht durch das Publikum. Draußen gibt es zum Glück auch einen Stand mit Hopfenkaltschale, der schwer umlagert ist. Trotzdem geht es zügig voran, denn die Damen und Herren haben nur auf diesen Einsatz gewartet. Nun aber wieder flugs rein und die Plätze aufgesucht. Jetzt wird es etwas härter. Die vier Cellisten haben Verstärkung bekommen. Das selbst gebaute, leicht futuristische Schlagzeug, bestehend aus Milchkannen, Kochtöpfen und Abfalleimern wird von Mikko Serén bedient. Dies tut den folgenden Songs gut. Nicht falsch verstehen. Was in den ersten 45 Minuten abgeliefert wurde, hat meine Vorstellung bei Weitem übertroffen. Aber mit dem Schlagzeug im Hintergrund gibt es erst den richtigen Wumms. For Whom The Bells Tolls bekommt den richtigen Drive. So gefallen mir die Lieder noch mal so gut. Der Aufforderung durch die Musiker den bis dahin leeren Paltz direkt vor der Bühne zu füllen, wird nur zu gern entsprochen. So macht auch Headbanging mehr Spaß. Im Sitzen ist das schon etwas mühselig.

Fight Fire With Fire, Orion und Battery schließen sich an. Dazwischen gibt es dann auch die längst fällige Vorstellungsrunde. Jeder der Vier ist mit freundlichen Worten bedacht und das Publikum spendet den dazugehörigen tosenden Applaus. Es hält auch kaum noch jemanden auf den Plätzen. Überall stehen die Zuschauer und wippen, tanzen oder bangen. Erst einmal aufgetaut sind die Norddeutschen kaum zu bremsen. Das steckt dermaßen an, dass die Musiker mitmachen. Was an und auf diesen vier doch eher sperrigen Instrumenten gemacht wird, ist kaum möglich. Selbst im Liegen ist das Instrument händelbar, und viele Gitarristen können da mal zur Schule gehen. Klar werden auch die Mähnen geschüttelt, zumindest zwei haben da noch genügend von, und Headbanging kennen die Herren aus Finnland auch. Mit Seek And Destroy wird nochmals von beiden Seiten alles gegeben und die Zuschauer liefern, zumindest beim Refrain, den Gesang dazu. Danach wollen sich Apocalyptica schon verabschieden. Aber so schnell geht das nicht und zwei Zugaben sind noch drin. Nothing Else Matters und dann das krönende One hallen durch das Halbrund und hinterlassen glückliche Menschen. Die Musiker bedanken sich mit den Worten, dass wir das Leben, uns und die Welt schätzen sollen. Eine passende Aussage zu einem passenden Abend.

Fazit: Zunächst mit gemischten Gefühlen auf das Abenteuer eingelassen. Wie kann man mit vier Streichinstrumenten der Klasse und Härte von Metallica-Songs gerecht werden? Dass es geht, wird hier bewiesen. Der erste Part ist da eher noch verhalten, aber wenn dann der hämmernde Takt der Drums dazukommt, dann ist das einfach nur geil. Trotzdem hatte die erste Hälfte des Sets auch ihre tollen Momente. Ansonsten gelungenes Konzert im Rahmen der Kieler Woche.

Pics wie immer bei diesen Gelegenheiten von Norbert C.

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