Blasphemer – The Sixth Hour

Das Leiden Christi auf Death Metal

Artist: Blasphemer

Herkunft: Italien

Album: The Sixth Hour

Spiellänge: 44:24 Minuten

Genre: Death Metal, Black Metal

Release: 24.01.2020

Label: Candlelight Records

Link: www.facebook.com/blasphemerbrutal

Bandmitglieder:

Gesang und Bassgitarre – Clod “The Ripper” De Rosa
Gitarre und Backvocals – Simone Brigo
Gitarre und Backvocals –Nicolò Brambilla
Schlagzeug – Davide Cazziol

Tracklist:

  1. Let Him Be Crucified
  2. Hail King Of The Jews!
  3. The Stumbling Block
  4. Stabat Mater
  5. Blessed Are The Wombs That Never Bore
  6. Lord Of Lies
  7. Via Dolorosa
  8. The Robe Of Mockery
  9. I.N.R.I.
  10. The Sixth Hour
  11. The Deposition
  12. De Profundis

Wer die Italiener von Blasphemer kennt, kennt diese wohl eher aus der Undergroundszene. Bisher haben seit Bandgründung 1998 eine EP und drei Alben das Licht der Welt erblickt. Blasphemer beschäftigen sich mit Death Metal, der mit einer ordentlichen Portion Black Metal durchgemischt wird. Dem aktuellen Werk der Todesmetaller, The Sixth Hour, das via Candlelight Records veröffentlicht wurde, wollen wir uns heute widmen.

The Sixth Hour erzählt in zwölf Songs vom körperlichen und seelischen Leidensweg Jesu Christi. Allerdings nicht im herkömmlichen glorifizierten Wege. Blasphemer zeigen vor allem, dass auch er nur ein Mensch wie alle anderen war, mit all seinen Ängsten und Nöten. Die Songs sind chronologisch angelegt und stehen jeweils für einzelne Stationen der bekannten Geschichte. Dabei bleibt die Atmosphäre der Scheibe überwiegend brutal und böse. So, wie es sich für ein gutes Blackend Death Metal Stück gehört.

Der Opener Let Him Be Crucified stimmt den Hörer schon einmal entsprechend ein und baut sich wunderbar auf. Chefsänger Clod The Ripper de Rosa growlt im wohl tiefstmöglichen Ton und wird von abwechslungsreichem Gitarrenspiel eingerahmt.

Weiter geht es mit Hail, King Of The Jews! Mit seinem Refrain bietet sich hier eine wunderbare Mitgrölmöglichkeit, die sicher einige Liveshows bereichern wird. Aber auch sonst kann sich das Stück hören lassen.

The Stambling Block ist der dritte Song auf The Sixth Hour und prescht herrlich voran um dann bei Nummer vier nur noch einen draufzulegen. Brutalität vom Feinsten. Nach diesem Angriff gönnen uns Blasphemer ein wenig Ruhe um die Ohren und so besteht Blessed Are The Wombs That Never Bore ausschließlich aus ein und einer halben Minute atmosphärisch akustischen Gitarrenklängen.

Von dieser Pause ist bei Lord Of Lies nichts mehr zu spüren. Energiegeladen und trotzdem eingängig wird man hier zum Headbangen verführt. Definitiv eines der Highlights von The Sixth Hour.

Ganz ohne Gesang kommt das nächste Stück daher. Via Dolorosa ist ein instrumentaler Song, der ordentlich Düsternis im Gepäck hat. Ein Ohrenschmaus für die dunklen Seelen unter uns. Dafür reißt uns The Robe Of Mockery wieder entsprechend brutal aus der düsternen Trance. Hier zeigt sich auch immer wieder das handwerkliche Können des Leadgitarristen, das aber auch schon bei allen anderen Vorgängersongs herausgestochen ist. Zum Ende hin wird The Robe Of Mockery wieder versöhnlich ruhig und klingt angenehm aus.

Mit I.N.R.I heizen Blasphemer ordentlich ein und wirkt schon fast wie eine Hymne. Auf Platz zehn der Tracklist kommen wir bei meinem Lieblingssong der Platte an. Das namensgebende The Sixth Hour ist nicht nur bitterböser Black und Death Metal, sondern wartet mit Eingängigkeit und perfekten Arrangements auf. Dazu gesellt sich eine wunderbare Stimmigkeit und Atmosphäre, die durch ein paar ganz simple Glockenschlägen unterstützt wird. Der Knaller!

Nun könnte man meinen, dass es für die weiteren Songs schwer ist, nach so einem Monster mitzuhalten. Doch The Deposition kann da gut mithalten. Natürlich nicht anknüpfen, aber es bietet einen schönen düsteren Übergang zum Ende des Albums. Mit dem letzten Track De Profundis kommt noch einmal eine ganz andere Würze ins Albumrezept. Entzerrt kreischende Gitarrensounds lassen The Sixth Hour von Blasphemer gebührend ausklingen.

Zusammengefasst haben Blasphemer mit The Sixth Hour ein erstklassiges Konzeptalbum abgeliefert. Technisch handwerklich eine großartige Meisterleistung. Man spürt die Spielleidenschaft der Italiener in jedem Ton. Das Thema des Albums ist wunderbar umgesetzt worden und mir gefällt die Grundatmosphäre, die dennoch die eine oder andere überraschende Abwechslung bereithält, sehr gut. Ich kannte Blasphemer vorher noch nicht, werde mich aber nun einmal näher mit ihnen beschäftigen.

Blasphemer – The Sixth Hour
Fazit
Wer zwischen todes- und schwarzmetallischen Klängen hin- und hergerissen ist, für den bietet The SIxth Hour von Blasphemer eine großartige Lösung für das Genredilemma. Das Konzeptalbum, bei dem der Leidensweg eines menschlichen unverherrlichten Jesus Christus brutal und ungeschönt betrachtet wird, überzeugt mit abwechslungsreicher Brutalität und Düsterkeit. Darf in keiner Plattensammlung fehlen!

Anspieltipps: Hail, King Of The Jews!, Lord Of Lies und The Sixth Hour
Martha K.
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