Body Count – Carnivore

Body Count stampfen weiter auf dem eingeschlagenen, metalischeren Weg als noch zu Anfangszeiten

Artist: Body Count

Herkunft: USA

Album: Carnivore

Spiellänge: 47:56 Minuten

Genre: Rap Metal, Crossover Metal

Release: 06.03.2020

Label: Century Media

Link: https://www.facebook.com/bodycountofficial/

Bandmitglieder:

Gesang – Ice-T
Gitarre – Ernie C.
Gitarre – Bendrix
Bass – Vincent Price
Drums – OT

Tracklist:

1. Carnivore
1. Point The Finger
2. Bum-Rush
3. Ace Of Spades
4. Another Level
5. Colors
6. No Remorse
7. When I’m Gone
8. Thee Critical Breakdown
9. The Hate Is Real
10. 6 In Tha Morning (Unreleased Demo)
11. No Lives Matter (Live in Australia 2017)
12. Black Hoodie (Live in Australia 2017)

Nach dem 2017er Überwerk Bloodlust waren die Erwartungen zum dritten Album nach der Reunion im Jahr 2000 und dem Album Manslaughter (2014) sehr groß. Zumal es keine vergleichbare Band wie die mit Ice-T am Mikro gibt. Inzwischen ist klar, enttäuscht haben die Jungs nicht, was sich auch durch sehr gute Verkaufszahlen mit Chart-Einstiegen ausdrückt. Auf Carnivore brettern Body Count konsequent weiter mit ihrem explosiven Soundbastard aus donnernden Thrash Metal Riffs, geilen Slayer-mäßigen Soli, fetten Grooves sowie Hardcore und Hip Hop Einflüssen. Auch sind wieder Studiogäste dabei: Jamey Jasta (Hatebreed), Riley Gale (Power Trip), Dave Lombardo (ex-Slayer), Amy Lee von Evanescence (mit der Ice-T ein einprägsames Duett zu Ehren des im vergangenen Jahr erschossenen Rappers Nipsey Hussle eingespielt hat).

Das Album kommt zwar mit 13 Tracks daher, wovon aber zwei Live-Einspielungen von Bloodlust-Songs sind, ein unnötiges Cover von Motörheads Ace Of Spades (selbst wenn das mittlerweile zur Tradition von Body Count gehört, sich mit Coverversionen vor Szenegrößen zu verneigen, ist der Lemmy-Klassiker einfach schon zu oft gecovert worden, als dass diese Version nun einen wirklich packen könnte). Dazu gibts eine mit Metal Gitarren gepimpte Version des Ice-T mega 1988er Hits Colors, die zwar den Crossover-Anspruch der Band aufrecht hält, den man vor allem in der Frühphase der Band verfolgte. Doch wirkt der Song gegen den Rest des Albums ziemlich blass.

Die übrigen Tracks auf Carnivore haben eher was mit Thrash Metal oder Hardcore zu tun als mit Crossover oder Rap Metal (der allein zu 100 Prozent beim starken 6 In Tha Morning gezockt wird). Der Sound ist so fett wie beim Vorgängeralbum, von Beginn an donnern die Drums, braten die Gitarren und sind immer wieder kleinere Sound-Spielereien zu entdecken. Alles fein also. Und auch die Songs können einiges und sind vom musikalischen Stil her in der Bloodlust-Marschroute. Warum auch nicht, war ja super.

Der Opener und Titeltrack ist ein böser Stampfer, Point The Finger geht richtig steil mit Thrash Metal Riffs und einem immer wieder brutal schreienden Riley Gale von der (zu empfehlenden) Thrash Metal Combo Power Trip. Goiles Brett! Zumal es musikalisch zum Text passt, in dem Morde an Schulkindern und der unfähigen Polizeiarbeit in den USA angeprangert werden. Bum-Rush hält die Schlagzahl hoch, es gibt wieder ordentlich auf die Zwölf, nur mit mehr Groove. Nach dem redundanten Cover von Ace Of Spades fährt das grimmig-schleppende Another Level, wo der Hatebreed-Fronter mitbrüllt, das Tempo auf ein Minimum runter. Gute Abwechslung, aber leider packt der Refrain einen nicht so recht. Die neue Version von Colors ist recht groovy und ein ordentlicher Crossover-Song. No Remorse zieht das Tempo wieder etwas an, stampft übellaunig vor sich hin und glänzt vor allem textlich.

Bleiben nicht mehr viele Tracks. Nach dem im Duett dargebotenen When I´m Gone (feat. Amy Lee), das durchaus Potenzial hat, sich in dem einen oder anderen Gehörgang festzusetzen, kündigt Ice-T bei Thee Critical Beatdown irgendwem ziemlich eindrucksvoll eins auf die Fresse an. Mit The Hate Is Real kommt endlich wieder ein echtes Highlight. Weiterhin bitterböse im Ton und erneut eine Anklage des amerikanischen Rassismus. Neben den sehr guten Texten, werden hier Gitarrist Eddie C. und Bendrix endlich wieder von der Leine gelassen, zwar nur kurz beim Up-Tempo-Part zu Beginn und bei einem Solo gegen Ende, aber das ist einfach fett, wenn Body Count wie eine Thrash Metal Combo loslegen. Zumal das dank der sich zuvor dahinschleppenden Phasen wie eine knackige Entladung aufgrund all der Scheiße in der US-Gesellschaft daherkommt, bei der man einfach mit abgehen muss. Schmissig wird’s auch noch mal beim superrhythmischen 6 In Tha Morning, wo Ice-T zur Melodie von der TV-Serie Prinz von Bel Air (mit Will Smith) Gesellschaftskritik übt. Good Job, dude!

Body Count live 2020:
24.06.2020 Berlin, Tempodrom
27.06.2020 AT.Wien, Arena
29.06.2020 Oberhausen, Turbinenhalle
01.07.2020 München, Tollwood Festival
02.07.2020 AT-Zürich, Komplex 457

Body Count – Carnivore
Fazit
Carnivore ist quasi Bloodlust Part II: gleiche musikalische und auch textliche Ausrichtung. Wieder ist der Grundton bitterböse, überaus angepisst. Songs wie Point The Finger, Bum-Rush oder The Hate Is Real reißen einen mit. Vor allem diejenigen, die auf diese einzigartige Mixtur stehen, wie sie nur Body Count kredenzen: Rap-Vocals mit Hardcore-Einflüssen und Thrash-Metal-Riffs. Im Gegensatz zu Bloodlust hat das neue Album weniger Substanz und weniger Hits. Dennoch wird es die Fans der Band zufriedenstellen und hat auch Potenzial neue Anhänger zu finden. Und das zu Recht. Denn obwohl man sich noch den einen oder anderen Song mehr gewünscht hätte (und dafür kein unnötiges, weil sich kaum vom Original unterscheidendes Cover), es hier und da auch ein paar Durchhänger hat, ist Carnivore letztlich ein Album mit sehr guten Momenten und zumindest drei, vier richtig geilen Songs. Und dass Body Count nach 30 Jahren noch immer so angepisst gegen Missstände in der (US-)Gesellschaft glaubwürdig und kraftvoll ankeifen, gebührt großen Respekt.

Anspieltipps: Point The Finger, Bum-Rush, The Hate Is Real und 6 In Tha Morning
Tobias K.
7.5
Leser Bewertung1 Bewertung
6.5
7.5
Punkte
Podcast
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