Bullet For My Valentine und Silent Circus am 21.08.2019 im Z7 in Pratteln

Metalcore Institution wird gefeiert wie einst Take That

Event: Summer 2019 Tour

Headliner: Bullet For My Valentine

Vorband: Silent Circus

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 21.08.2019

Kosten: 53,00 CHF VVK / 60,00 CHF AK

Genre: Modern Metal, Metalcore, Heavy Metal, Metal

Besucher: ca. 1200

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch Good News Productions AG https://www.goodnews.ch

Link: https://www.facebook.com/events/375566689712329/

Setlists:

Silent Circus:
01. Intro
02. Burning Down
03. My Return
04. Affection
05. Save Myself
06. Breathing
07. Today
08. Inner Voice
09. Once Again
10. Outro

Bullet For My Valentine:
01. Don`t Need You
02 Over It
03. Your Betrayal
04. 4 Words (To Choke Upon)
05. Worthless
06. The Last Fight
07. Venom
08. Suffocating Under Words Of Sorrow (What Can I Do)
09. Piece Of Me
10. Scream Aim Fire
11. Alone
12. You Want A Battle? (Here`s A War)
13. No Way Out (Zugabe)
14. Tears Don`t Fall (Zugabe)
15. Waking The Demon (Zugabe)

Nachdem der August für mich bisher etwas ruhiger als gewöhnlich ablief und ich neulich das Konzert des Jahres mit Testament, Death Angel, Sacred Reich, Iron Reagan und Dust Bolt leider sehr kurzfristig absagen musste, steht heute die britische Metalcore Institution Bullet For My Valentine auf der Bühne der Konzertfabrik Z7. Die Band um Brüllwürfel Matthew Tuck hat im letzten Jahr mit dem Album Gravity ihren Status als eine der größten britischen Bands des Genres untermauert, und wird heute, vier Jahre nach dem letzten Besuch, die Grundmauern der alten Lagerhalle in Pratteln, erzittern lassen. Mit im Gepäck hat man die Aargauer Silent Circus, die mit ihrem Modern Metal die Location auf Betriebstemperatur bringen werden.

Ich bin etwas spät dran und zur besten Feierabendzeit ist die A5 Richtung Schweiz zudem auch noch ziemlich dicht. Wahre Blechlawinen schieben sich in Richtung Grenze, die dann aber wider Erwarten nicht einmal besetzt ist und ziemlich problemlos passiert werden kann. So komme ich dann doch um kurz nach 19:00 Uhr an der Konzertlocation an und bin überrascht, dass die Band aus dem walisischen Bridgend auf einem Mittwochabend doch so viele Leute anzieht. Der Einlass hat gerade begonnen, doch vor den Toren und der Abendkasse bilden sich noch lange Warteschlangen und ich muss mich in Geduld üben. Doch die Z7-Crew ist gut eingespielt und so habe ich nach gut 10 Minuten meinen Fotopass und habe auch die Einlasskontrollen hinter mich gebracht.

Mit gut 15-minütiger Verspätung entern dann die sichtlich gut gelaunten Jungs von Silent Circus die Bühne und legen nach einem kurzen Intro mit Burning Down vom Rise And Fall-Album los. Die Schweizer Formation ist seit Anfang 2011 aktiv und hat mit Into The Silence (2011) und Rise And Fall (2017) bisher zwei Alben rausgehauen, jedoch hat sich mir bisher nicht die Gelegenheit geboten, mir die Band aus Neuenhof auch mal live zu geben. Ich bin zunächst einmal überrascht, dass zu dieser frühen Stunde doch schon einige Hundert Metalheads vor Ort sind und der Platz vor der Bühne ordentlich gefüllt ist. Das habe ich hier schon ganz anders erlebt und im Normalfall kann man sich während der Supportband vor der Z7-Bühne noch recht locker bewegen, doch heute ist hier volle Hütte angesagt. Ich hätte nicht gedacht, dass die Band um Frontmann Peter Haller in der Schweiz so bekannt und beliebt ist, doch ich vermute, dass die allermeisten, wie dann bei genauerem Hinsehen auch die Anzahl an T-Shirts beweist, sich nur schon mal einen guten Platz für die anschließend folgenden Bullet For My Valentine sichern wollen. Dem Schweizer Quintett wird das jedoch egal sein, Hauptsache die Hütte ist voll. Nach dem eher seichten Einstieg geht es dann mit My Return in die Vollen, atmosphärische Parts wechseln sich mit komplexen Drumparts und fetten Gitarrenriffs ab. Auch Affection knüpft sich hier kompromisslos an und wie schon zu Erwarten war, liegt das Hauptaugenmerk auf dem noch aktuellen Rise And Fall-Album, von dem alle bisherigen Stücke stammen. Nach drei Songs im Fotograben ist nun vor der Bühne natürlich kein Durchkommen mehr möglich und ich ziehe mich in den hinteren Bereich der Location zurück. Weiter geht es mit dem Album-Rausschmeißer Save Myself, zu dem Frontmann Haller dann auch versucht, die erste Wall of Death in Gang zu bringen. Es dauert einen Moment, doch dann geht das Schweizer Publikum tatsächlich in Aufstellung. Das Ganze schläft aber schnell wieder ein, offenbar wartet das Gros eben doch auf BFMV und will sich noch nicht völlig verausgaben. War der Sound vorne im Graben noch völlig fett, fallen hier hinten nun doch stimmliche Differenzen auf. Die Growls kommen ziemlich geil rüber, doch im Klargesang hat Haller doch so seine Probleme, jedoch kann ich nicht sagen, ob es am Soundmann liegt, oder ob der Fronter mit seiner Stimme nicht so richtig hoch kommt. Der Stimmung tut das jedoch nichts an, auch wenn viele auf die Briten warten, wird zumindest im vorderen Bereich gefeiert und nicht wenige steigen auf den modernen Metal-Mix ein. Mit Breathing wird noch etwas an Härte zugelegt und mit Today und Inner Voice folgen noch weitere Tracks vom aktuellen Album. Einzig im Finale wird mit Once Again eine Nummer vom Debüt Into The Silence unters Volk gehauen. Nach nicht ganz 40 Minuten ist dann Schluss, doch die Schweizer haben eine recht ordentliche Visitenkarte hinterlassen. Nach dem obligatorischen Foto geht es an den Umbau.

Die Geduld wird auf die Probe gestellt, denn erst gut 40 Minuten später geht das Licht aus und die Waliser betreten die in blaues Licht gehüllte Bühne. Don`t Need You erweist sich als passender Opener, wobei das anfängliche Kreischen des Pubikums zunächst eher an ein Take That, New Kids On The Block oder Backstreet Boys-Konzert mitten in den 90er-Jahren denken lässt. Überhaupt ist der Frauenanteil im Publikum heute auffallend hoch und die erste Reihe ist fast durchaus in weiblicher Hand. Das Bühnenbild wird dominiert von einer Boxenwand, auf der oben drauf das Drum-Kit von Schlagwerker Michael Thomas thront. Was erst einmal ziemlich imposant aussieht, hat jedoch keinen Einfluss auf den Sound, sondern dient nur der Optik, denn in jeder Box sind weitere Scheinwerfer versteckt. Mehr ist auch nicht nötig, denn der Sound könnte besser nicht sein und jetzt fällt erst so richtig auf, dass zuvor beim Support doch nicht alles ganz so prickelnd war. Lichttechnisch hat man heute richtig fett aufgefahren und so fasziniert Over It mehr durch die Lichtshow, als musikalisch. Spätestens aber mit Your Betrayal wird dann die Abrissbirne ausgepackt und es gibt ordentlich auf die Mütze. Das Publikum ist wachgerüttelt und in den ersten Reihen wird wild gebangt, doch obwohl der Song wie gemacht für den ersten Circle Pit des Abends ist, verhält sich ein Gros des Publikums noch zurückhaltend. Zurückhaltend wirkt auch die Band, denn Bühnenshow wird hier heute nur auf Sparflamme, zuallererst durch die Lichtshow, präsentiert. Man ist perfekt aufeinander eingespielt und jede Bewegung wirkt sehr routiniert, doch man spielt in der jetzigen Besetzung mit Matt Tuck (Vocals, Guitar), Michael Paget (Guitar, Vocals), Jamie Mathias (Bass, Vocals) und Jason Bowld (Drums) auch schon seit 2017 zusammen. Mit 4 Words, Worthless, Last Fight, Venom und Suffocating folgt ein wilder Mix durch die vergangenen Alben und erst mit Piece Of Me folgt wieder ein aktueller Gravity-Song. Hier zeigt sich deutlich, dass die älteren Nummern doch noch um einiges härter und metallischer sind, als etwa die neueren Tracks, doch gerade die atmosphärischen Soundlandschaften machen BFMV zu einer innovativen und spannenden Band des Metalcore-Genres. Dann darf Drummer Jason Bowld sein Können unter Beweis stellen und drischt wie eine Furie auf die Felle ein, was erneut laut bejubelt wird. Im Solo sind dann auch schon die prägnanten Drumbeats von Scream Aim Fire herauszuhören und so folgt die Abriss-Nummer auch direkt im Anschluss und mobilisiert die letzten Kräfte. Nun wird die Stimmung hochgehalten, Alone wird genauso abgefeiert wie You Want A Battle?, doch damit geht das offizielle Set dann auch zu Ende. Mit lauten Bullet-Rufen werden die Jungs aber schnell zurückgebeamt und mit No Way Out geht es in die Zugaben. Eigentlich habe ich noch einen neuen Song erwartet, vielleicht Not Dead Yet, aber nein, die Briten kennen ihre Anhänger genau und wissen auch genau, was erwartet wird. So wird noch Tears Don`t Fall nachgelegt, bevor es mit dem Klassiker Waking The Demon ins endgültige Finale geht. Danach ist dann nichts mehr drin, aber auch so dürfte heute jeder rundum zufrieden nach Hause gehen.

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