Ein unerwarteter Weg zu einer langjährigen Bandliebe
Mit Washer veröffentlichen Cleaning Women ein Werk, das einen markanten Entwicklungsschritt dokumentiert und zugleich ihre unverwechselbare Handschrift bewahrt. Das Album erschien am 03.10.2025 über das exzellente finnische Label Svart Records und ist als CD sowie in den Vinylfarben Black, Orange und Green erhältlich.
Meine persönliche Verbindung zur Band reicht Jahre zurück: Als regelmäßiger Svart-Besteller wanderte einst eher zufällig eine ältere Cleaning Women-Scheibe in meinen Warenkorb – damals schlicht, weil sie im Angebot war. Dieser spontane Griff entwickelte sich zu einer langjährigen Begeisterung für ein Trio, das sich bereits 1996 in Finnland gründete und seitdem beharrlich seine eigene Klangsprache formt.
Der lange Entstehungsweg von Washer
Washer ist das fünfte Album der Band und entstand bereits 2020 im selbstgebauten Vacuum Sound Space. Die Arbeit daran war intensiv, doch keineswegs ein ununterbrochener Fünfjahresmarathon. Cleaning Women verbrachten diese Zeit nicht ausschließlich im Studio – im Gegenteil: Seit dem Vorgängeralbum Intersubjectivity widmete sich das Trio zahlreichen weiteren Projekten. Dazu gehören Kompositionen für Film, darunter auch Arbeiten für den oscarnominierten italienischen Kurzfilm Le Pupille, sowie verschiedene Live-Filmmusiken, bei denen die Band ihre ungewöhnlichen Klangapparate mit bewegten Bildern verschmelzen ließ. Zwischen diesen externen Projekten kehrten die Musiker immer wieder zu Washer zurück, bearbeiteten Material, verwarfen es, ordneten es neu und passten es an, bis das Album jene Form erhielt, die heute so geschlossen wirkt.
Die Alter Egos und ihre einzigartigen Klangwerkzeuge
Wie seit jeher legen sich die Musiker bewusst künstliche Alter Egos zu, die Teil ihres Gesamtkonzepts sind – halb performative Figur, halb klangliche Identität:
CW01
Bouzouki [Electric Coffee Bean Can Bouzouki], Bass [3-String Sub Bass & 4-String Enamel Wash Tub Bass]
CW03
Percussion [Percussion Set, Melodic Kling Klang, Thunder Plate, Wooden Box], Backing Vocals
CW04
Percussion [Customised Laundry Rack], Bass [Electric Hammered Dulcimer Bass Rack with Melodic Metal Rods], Bass [3-String Closet Hanger Rod Bass], Percussion [Metal Box], Vocals
Diese Instrumente – teils aus Haushaltsgegenständen, teils aus metallischen Fundstücken gebaut, erzeugen ein eigenwilliges Klangspektrum. CW03 erweitert sein Repertoire zunehmend um Saiteninstrumente, CW04 kombiniert robotergleiche Rhythmik mit melodischen Impulsen, und CW01 verwebt seine Hybridklänge zu einem verbindenden Geflecht.
Ein Sound wie eine vielkammerige (Wasch)Maschine
Washer wirkt wie ein akustischer Apparat mit verschiedenen Kammern, in denen krautige Grooves, psychedelische Höhenflüge, jazzige Verästelungen und druckvolle rockige Passagen gegeneinanderstoßen und doch ein gemeinsames Ganzes ergeben. Die Vielfalt des Materials führt nicht zu Zersplitterung, sondern zu einem organischen Gesamtbild. Und aus ganz persönlicher Sicht: Ich zersäge diese „Waschmaschine“ bewusst nicht in ihre Einzelteile, sprich Songs. Einerseits, weil ich nicht sicher wäre, ob ich sie anschließend jemals wieder richtig zusammenbekäme. Andererseits, weil das Album bei mir ein so intensives „Brainwashing“ ausgelöst hat, dass jeder Versuch einer analytischen Demontage nur in Verwirrung münden würde. Dieses Werk entfaltet seinen Reiz vor allem als zusammenhängender, rotierender Gesamtprozess.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Cleaning Women – Washer in unserem Time For Metal Release-Kalender.



