Darkest Hour – 25 Years Darkest Hour Europe / UK Anniversary Tour 2020 am 24.01.2020 im Logo, Hamburg

Metallisches Quintett im Hamburger Logo

Eventname: Darkest Hour – 25 Years Darkest Hour Europe / UK Anniversary Tour 2020

Headliner: Darkest Hour

Vorbands: Fallujah, Bloodlet, Lowest Creature, Une Misere

Ort: Logo, Hamburg

Datum: 24.01.2020

Kosten: ab 25 €+ Gebühr VVK, 30 € AK

Genre: Metalcore, Deathcore, Hardcore, Thrash Metal

Besucher: ca. 150 Besucher

Veranstalter: Kingstar Music

Links:
www.officialdarkesthour.com
www.facebook.com/fallujahofficial
www.facebook.com/BloodletBand
www.facebook.com/UneMisere
www.facebook.com/lowestcreature
https://www.facebook.com/logohh/
https://www.kingstar-music.com/

Setlisten:

Une Misere:

  1. Intro
  2. Grave
  3. Failures
  4. Condescend
  5. Overlooked / Disregarded
  6. Damages

Lowest Creature:

  1. Sacrilegious Pain
  2. Preachers Pedestal
  3. Reapers Fool
  4. Let The Darkness Swallow Me Whole
  5. Breach Of Peace
  6. Dragging This Chain

Bloodlet:

  1. Brainchild
  2. Something Wicked
  3. Shoot The Pig
  4. Cherubim
  5. CPAI-75
  6. Whitney
  7. Holy Rollin‘ Homicide
  8. Viper In Hand

Fallujah:

  1. Sapphire
  2. Sanctuary
  3. Ultraviolet
  4. Carved From Stone
  5. Eyes Like The Sun
  6. Amber Gaze
  7. Dopamine
  8. Cerebral Hybridization
  9. The Void Alone

Darkest Hour:

  1. With A Thousand Words To Say but One
  2. Knife In The Safe Room
  3. Demon(s)
  4. An Epitaph
  5. The Sadist Nation
  6. Tunguska
  7. A Paradox With Flies
  8. The Mark Of The Judas
  9. Man & Swine
  10. Nazi Punks Fuck Off (Dead Kennedys cover)
  11. Convalescence

Zugabe:

  1. Tranquil

Freitagabend und es geht wieder mal ins Logo. Dort ist ein munteres Core Paket angekündigt mit fünf Bands. Das Logo kommuniziert wie immer perfekt. 18 Uhr Einlass, 18:30 Uhr geht es los. Hamburg am Freitagabend um 18:30 Uhr ist quasi mitten in der Rush Hour. So sind zum Start von Une Misere bald mehr Musiker als Zuschauer anwesend. Ein Teil des Zuschauerraums wird außerdem für das Equipment der Bands genutzt. Der Andrang heute ist also überschaubar.

Une Misere kommen aus Island und spielen laut eigener Darstellung Hardcore mit einem Dark Metal Einfluss. Für mich ist das eigentlich klarer Metalcore. Die Band existiert seit 2016 und gewann 2017 die isländische Metal-Battle. Sermon heißt das Erstlingswerk der fünf Herren und erschien im November letzten Jahres via Nuclear Blast. Gerade einmal fünf Songs und 25 Minuten Spielzeit bekommen die isländischen Newcomer und müssen dann die Bühne bereits wieder räumen. Stimmung im Club ist zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht vorhanden bei der geringen Besucherzahl.

Die Umbaupause ist nicht lang. Als zweite Band des Abends gibt es nun Thrash aus Schweden. Die niedrigen Kreaturen existieren seit 2013. Mit Sacrilegious Pain haben die Schweden bisher ein Full Lenght Album auf den Markt geworfen (im Mai 2019). Los geht es auch mit dem Titelsong des aktuellen Albums. Gerade Sänger Toby kommt mit seiner Stimme etwas „punkig“ rüber. Ansonsten würde ich die Musik als Thrash mit Punk/Hardcore Einflüssen beschreiben. Sechs Tracks und ca. 30 Minuten sind den Jungs vergönnt, bevor sie die Bühne räumen müssen. Das sind jedoch nur Titel vom aktuellen Album. Für eine dann doch sechsjährige Bandgeschichte ein etwas knapper Abriss. Dafür ist der Klub mittlerweile besser gefüllt. Ca. 100 Leute dürften sich im Logo eingefunden haben.

Als drittes sind nun Bloodlet an der Reihe. Den Bandnamen noch nie gehört? Wenn man öfters mal Bandbiografien liest, dann trifft man auf den Namen. Bloodlet kommen aus dem Sonnenstaat Florida und bestanden von 1992 bis 1998. Seit 2017 ist man auch wieder auf Tour. 2001 gab es bereits eine Reunion und ein Album wurde ebenfalls veröffentlicht. Zwischen 2003 und 2014 war es still und ein Lebenszeichen gab es erst, als man auf einem Festival – welches als einmalige Aktion gedacht war – auftrat und anschließend einige bisher unveröffentlichte Songs aus den 90ern released wurden. Als richtungsweisend für Metalcore, Hardcore aber auch Punk gelten die Long Player Entheogen (1995) und The Seraphim Fall (1998). Bloodlet spielten eine Mischung aus Hardcore, Punk, Doom und Sludge (aus heutiger Sicht). In den 90ern war es einfach anders als der damalig übliche Hardcore. Scott Angelacos (Gesang), Matt Easley (Gitarre), Charles King (Drums) und Art Legere (Bass) sind alle vom 90er Line-Up heute hier auf der Bühne, einzig Jeremy Illeges ist nicht mehr mit dabei. Für Jeremy ist seit 2002 Thomas Crowther in der Band. Zunächst am Bass und seit 2014 an der Gitarre. Wenn man so möchte, wäre ein Vergleich zu Pentagram denkbar. Pentagram haben Doom stark beeinflusst, waren selbst aber nie kommerziell erfolgreich. So geht es auch Bloodlet.
Der Club ist auch jetzt noch nicht gut besucht, als die fünf Herren aus Florida auf der Bühne stehen. Es ist aber auch erst 20 Uhr. Mit Brainchild vom 95er Werk geht es dann auch gleich ordentlich zur Sache. In dem Tempo geht es mit Something Wicked dann auch weiter. Die Band versteht natürlich ihr Handwerk und sorgt für einen ersten kräftigen Abriss am heutigen Abend. Man musiziert seit mehr als 25 Jahren gemeinsam. Mit Shoot The Pig springt man dann zu The Seraphim Fall. Selbst Cherubim, welches noch vor den beiden Longplayern entstand, befindet sich in der Setlist. Als letzter Titel wird Viper In Hand gespielt. Der erschien gerade mal vor einer Woche. So ist es eine Zeitreise durch mehr als 25 Jahre Underground Hardcore. Leider ist nach gerade mal 40 Minuten und acht Songs schon Schluss. Schade, gerade die alten Sachen sind schon sehr interessant. Da hätte Scott gerne noch ein paar mehr von bringen können.

Jetzt gibt es einen Generationsumbruch – anstatt um die 50, sind die Musiker nun wieder eher um die 30 Jahre alt. Fallujah kennt man eher als Stadt im Irak und hatte bezüglich der Golfkriege der USA größere, aber eher unrühmliche, Bekanntheit erlangt. Die Band kommt aus San Francisco, wird dem Technical Death Metal zugeordnet und existiert seit 2007. Bis zum ersten Longplayer dauerte es vier Jahre. Der erschien 2011 via Unique Leader Records. 2016 der Wechsel zu Nuclear Blast und das Release von Dreamless. Im März des letzten Jahres erschien das aktuelle Album Undying Light. Nun ist es vor der Bühne doch voller geworden. Die Band kommt auf die Bühne, sehen tut man trotz geringer Entfernung sehr wenig. Fallujah spielen mehr oder weniger im Dunklen. Los geht es mit Sapphire vom Album The Flesh Prevails aus dem Jahre 2014. Nun gibt es harte Growls von Sänger Antonio Palermo. Scott Carstairs und Robert Morey sorgen für den entsprechenden Sound von Gitarre und Bass, während Andrew Baird die Felle bearbeitet. Mit Sanctuary und Ultraviolet geht es dann zum 2019er Werk Undying Light. Die Stimmung ist etwas besser als bei den Bands davor. Fallujah scheinen in Hamburg durchaus ihre Anhängerschaft zu haben. Auch Cerebral Hybridization vom Erstling The Harvest Wombs hat es in die Setlist geschafft. Insgesamt neun Titel dürfen die vier Amerikaner darbieten. Mit The Void Alone vom 2016er Dreamless geht die Show nach ca. 45 Minuten zu Ende. Dem anwesenden Publikum hat es gefallen und die Band wird mit kräftigem Applaus und Pommesgabeln verabschiedet. Ein Teil des Publikums verlässt dann auch den Club. Es waren wohl einige Besucher nur wegen Fallujah im Logo.

Nun ist also der Headliner am Zug. Darkest Hour kommen aus Washington D.C. Das aktuelle Line-Up existiert seit sieben Jahren in der gleichen Zusammenstellung. Das sind John Henry (Gesang), Mike Schleibaum (Gitarre), Mike Carrigan (Gitarre), Travis Orbin (Drums) und Aaron Deal (Bass). Gegründet wurden Darkest Hour 1995. So feiert man mit der Tour auch seinen 25-jährigen Geburtstag. In dieser Schaffenszeit hat man neun Longplayer auf den Markt gebracht. Die Musik bezeichnet die Band selbst als Mix aus Hardcore, Punk und Metal. Die letzte Scheibe ist von 2017 und heißt Godless Prophets & The Migrant Flora. Der Platz vor der Bühne ist nun auch dicht gedrängt. Die Band stürmt mit sehr viel Energie auf die Bühne. Hier tut sich von der ersten Sekunde Mike Schleibaum mit Gitarre sehr stark hervor. Der springt quasi wie ein „Duracell Hase“ auf der Bühne umher, während der zweite Mike ruhig und entspannt sein Instrument bearbeitet. Es gibt intensiven Kontakt mit dem Publikum. So werden Getränke gereicht von Publikum zur Band und in die andere Richtung. Los geht es mit With A Thousand Words To Say But One vom 2008er Werk Undoing Ruin. Der Track ist ein Hardcore Thrash Mix und vor der Bühne geht es sofort mächtig ab. Ohne Unterbrechung geht es mit Knife In The Safe Room zum 2017er Longplayer. Anschließend gibt es eine Begrüßung und ein paar weitere Ansagen von John ans Publikum und dass man mit der Tour das 25-jährige Bestehen der Band feiert. Es folgen Demon(s) (Deliver Us, 2007), An Epitaph (So Sedated, So Secure, 2001) und The Sadist Nation (Hidden Hands Of A Sadist Nation, 2003). Es bildet sich ein heftiger Moshpit und selbst ein Circle Pit gibt es im kleinen Logo auf 3*5 Meter. John Henry feiert den Circle Pit als „kleinsten Circle Pit“ überhaupt. Irgendwann ist Mike Schleibaum samt Gitarre im Publikum als Crowd Surfer. Mit dem Dead Kennedys Klassiker Nazi Punks Fuck Off und einem jungen Konzertbesucher, welcher ein T-Shirt mit der Aufschrift FCK NZS trägt, wird die politische Richtung deutlich gemacht. Nun kocht das Logo auch mit der eher geringen Besucherzahl. Anschließend folgt Convalescence vom 2005er Undoing Ruin. Dann verlässt die Band die Bühne nach ca. 45 Minuten Spielzeit. Das sorgt dann bei den meisten Besuchern doch für Fragezeichen. Die fünf Herren kommen noch mal und spielen Tranquil (ebenfalls von 2005er Werk). Nach ca. 50 Minuten war es das aber.
Dass Hardcore Konzerte etwas intensiver und daher auch manchmal kürzer sind, ist klar. Aber als Headliner keine Stunde zu spielen, ist dann doch etwas wenig. So endet der Konzertabend bereits deutlich vor 23 Uhr.

Fazit: Fünf Bands an einem Abend ist ggf. dann doch etwas zu viel. So hat man sich gerade in eine Band eingehört, ist es auch schon wieder vorbei. Dann spielt der Headliner keine Stunde – dass ist nicht nur für mein Verständnis extrem kurz. Man hat irgendwie das Gefühl, dass die Bands hier heute „durch den Club geprügelt“ wurden. Schnell mal ein paar Songs spielen und weg. Morgen steht der nächste Gig in einer anderen Stadt an. Klar, geringe Besucherzahl und alles andere als lohnenswert für die auftretenden Bands. Ob man sich mit dem quasi „Festivalauftritt“ als Clubkonzert neue Freunde macht, ist eine andere Frage. Eventuell wären hier drei Bands – und alle mit etwas mehr Spielzeit – die bessere Lösung gewesen.

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