Das Interview mit Lars D. von Audio-Technica in Verbindung mit dem Orden Ogan Auftritt auf dem RockHarz 2017

Time For Metal / Rene W.:
Hallo Lars,
Audio-Technica / Lars D.:
Hallo René,
Time For Metal / Rene W.:
erst einmal möchte ich mich dafür bedanken, dass Du uns auf dem RockHarz bei Orden Ogan die Möglichkeit gegeben hast, Dir im FOH Turm über die Schulter zu schauen.
Audio-Technica / Lars D.:
Immer gern.
Time For Metal / Rene W.:
Als erstes würde mich brennend interessieren, wie im allgemeinen eine Zusammenarbeit mit einer Band zustande kommt. Wie war es z.B. bei Orden Ogan?
Audio-Technica / Lars D.:
Orden Ogan
ist da etwas speziell, da Seeb und ich uns seit Jugendzeiten kennen und wir früher oft auf den gleichen Konzerten mit unseren Bands zusammengespielt haben, damals hab ich noch selber viel Musik gemacht. Später hatten Seeb und ich ein Tonstudio zusammen und dann liegt‘s auf der Hand, dass man sich auch bei solchen Konzerten wie hier zum Beispiel aus hilft.Normalerweise hört eine Band, wie man eine andere Band mischt, wie z. B. auf solch einem Festival, oder man wird empfohlen.
Time For Metal / Rene W.:
Wie muss man sich das auf einem Festival wie dem RockHarz vorstellen? Spielen alle Bands über die selbe Technik, oder bringt jeder Techniker sein eigenes Pult mit?
Audio-Technica / Lars D.:
Auf einem Festival ist immer alles vor Ort was man benötigt, um eine Show zu spielen, es gibt immer tolle lokale Crews, die einem im Zweifelsfall helfen können. Da aber, wenn eine Band etwas wächst, auch die Anforderungen an den Ton mitwachsen, bringen viele Bands eigene Pulte mit, wie z. B. in meinem Fall die Allen&Heath dLive.Mit einem eigenen Mischpult, eigenen Mikrofonen und eigenem Monitorpult haben wir die Möglichkeit, viel mehr ins Detail zu gehen und im Studio oder in einer leeren Halle die Show vorzubereiten und sich Gedanken über Kleinigkeiten zu machen, wozu man keine Zeit hätte, wenn man einfach das Material, nimmt was vor Ort ist.
Time For Metal / Rene W.:
Wie viel Vorbereitung betreibt man im Schnitt vor einem Auftritt bzw Tour gemeinsam mit der Band?
Audio-Technica / Lars D.:
Meistens sind es ein paar Tage Proben mit Technik. Dazu kommt dann noch, dass man alles Recorden und dann einen virtuellen Soundcheck machen kann, um sich in Ruhe sein Pult zu konfigurieren und einzelne Songs zu programmieren.
Time For Metal / Rene W.:
Für Besucher kommt die Umbaupause zwischen Bands teilweise wie eine Ewigkeit vor, für Dich ist die Sichtweise sicherlich anders. Wie gehst Du mit dem Stress um, und wie sehr fängt die Zeit an zu fliegen?
Audio-Technica / Lars D.:
Ich würde mal sagen: im Schnitt hat man 30 Minuten. Davor natürlich noch mehr Zeit, um hinter der Bühne alles vorzubereiten.

Da hilft nur konzentriert in Ruhe arbeiten und sich nicht stressen lassen. Auch hier hilft eigenes Equipment extrem, die Zeit sinnvoll zu nutzen, da man eigentlich nur die Signale checken muss. So hat man auch etwas mehr Zeit, sich mit dem PA System anzufreunden.

Time For Metal / Rene W.:
Während der ersten drei Songs musstest Du deutlich mehr regeln, als beim Rest der Show. Wie schwer ist es, bei einem sehr kurzen Soundcheck möglichst schnell die perfekte Abmischung zu erhalten?
Audio-Technica / Lars D.:
Da ich schon viele Shows mit der dLive gemischt habe weiß ich genau, wie der Mix klingen müsste; in der Zeit versuche ich dann, den Mix aus meinem Pult an die PA bzw. die Situation anzugleichen. Für mich gibt es immer den Punkt, wo man sich Zeit nehmen und einfach mal 30 Sekunden zuhören muss, und versuchen sollte, sich wie ein Zuhörer zu fühlen. Dabei fällt mir oft noch das ein oder andere auf, was man verbessern kann.
Time For Metal / Rene W.:
Wieso ist der Sound auf Festivals gerade schwierig, und wieso haben selbst die größten Bands mal arge Probleme? Könntest Du unseren Lesern bitte einmal kurz erläutern, wie sehr Wind, Thermik, Steigung/Gefälle des Geländes, sowie Entfernung zur Bühne den Sound stark beeinflussen, und was Du dagegen machen kannst?
Audio-Technica / Lars D.:
Wie man so schön sagt: Physik kann man nicht bescheißen. Gegen Wind kann man nichts tun. Mit modernen PA Systemen sollte die Firma, die sich um die Beschallung kümmert, aber immer in der Lage sein, den Platz gleichmäßig zu beschallen.
Time For Metal / Rene W.:
Jetzt kommen wir zum wichtigsten Punkt: welches Equipment von Audio-Technica hast Du speziell beim Auftritt von Orden Ogan auf dem RockHarz verwendet?
Audio-Technica / Lars D.:
Ich habe eine Allen&Heath dLive S5000 hier am FOH Platz und das passende stagerack DM64 auf der Bühne. Die Band hat selbst ein eigenes Allen&Heath QU-Pac im Rack, mit dem sie ihr InEar mischt. Wir nutzen Audio-Technica AE6100 für Seebs Stimme und AE4100 für Niels und Tobi. Am Schlagzeug haben wir AE3000 als Overheads, AE5100 für HiHat und Ride, AE2300 für Snare Top und ATM450 für Snare Bottom, an den Toms nutzen wir ATM230.
Time For Metal / Rene W.:
Wie viele Kanäle standen Dir beim Pult zur Verfügung, wie viele hattest Du benutzt und wofür?
Audio-Technica / Lars D.:
Mit der Allen&Heath dLive hätte ich 128 physische Inputs verwalten können, so viele braucht man aber nicht für eine Rockshow.Bei dem Konzert hatte ich 13 Kanäle Drums, 2 x Bass, 4 x Gitarren 4 x Vocals, 6 x HD, 4 x Atmos und ein paar Kommunikationskanäle, also knapp 40 Kanäle.

Time For Metal / Rene W.:

Mir ist aufgefallen, dass ein dB Monitor Dir permanent die Lautstärke anzeigte. Gibt es da einen optimalen Wert, der versucht werden soll zu halten? Gibt es von den Behörden eine maximale Lautstärke, die nicht überschritten werden darf?
Audio-Technica / Lars D.:

Ja, den gibt es. In der DIN 15905-5 steht, dass der Wert von 99dB(A) nicht überschritten werden darf.Auch hier hilft es, eigene Technik mitzubringen, da ich damit ähnlich, wie in einem Studio, mir eine Kette von Kompressoren und Limitern auf den Ausgang meines Pultes legen kann, um das besser kontrollieren zu können und einen moderneren Sound zu kreieren.

Time For Metal / Rene W.:

Hattest Du in Deiner Laufbahn bereits technische Probleme während einer Show, oder stand sogar ein Auftritt mal auf der Kippe? Wie schnell könntest Du z.B. auf dem RockHarz bei einem defekten Pult den Auftritt weiter führen?
Audio-Technica / Lars D.:
Nein, das ist mir zum Glück noch nie passiert, ich kann mich an Stromausfälle und Starkregen erinnern.

Wenn das System wirklich komplett kaputt gehen sollte, dann denke ich, sollte man mit viel Hilfe der örtlichen Techniker nach 15 min. weiterspielen können.

Time For Metal / Rene W.:
Wie hoch ist der Druck auf Dich persönlich, wenn Du daran denkst, dass unsere Leser neben der Musik auf einem Album natürlich gerne ihre Bands live sehen und natürlich hochwertig erleben möchten?
Audio-Technica / Lars D.:
Ehrlich gesagt hab‘ ich da nie drüber nachgedacht. Ich mische Konzerte eigentlich immer für mich selbst, so wie ich sie gern hören würde. Man kann es niemals allen recht machen und Musik und auch der Mix sind immer Geschmackssache.

Ich hoffe einfach, dass mein persönlicher Geschmack den von vielen anderen Zuhörern trifft.

Time For Metal / Rene W.:
Ich bedanke mich für das Interview, sowie den Einblick in Deine Arbeit und hoffe, wir sehen uns in der Zukunft noch einmal auf einem Event. Vielleicht können wir von Time For Metal dann  erneut über Deine Schultern schauen 😉
Audio-Technica / Lars D.:
Aber gern, vielen Dank!

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