Artist: Infest
Herkunft: Serbien
Genre: Death Metal, Thrash Metal
Label: Violent Creek Records
Link: https://www.facebook.com/infest.serbia
Bandmitglieder:
Gesang und Gitarre – Vandal
Bassgitarre – Storm
Schlagzeug – Zombie
Time For Metal / René W.:
Euer neues Album Ambassadors Of Aggression ist gerade erschienen. Vier Jahre nach Psychosis – warum hat es diesmal so lange gedauert, bis der Nachfolger kam?
Infest / Vandal:
Diese vier Jahre waren alles andere als ruhig. Die Welt stand Kopf, wir alle erlebten einen globalen Shutdown, Kriege nahmen zu und die Menschen veränderten sich, manche zum Besseren, viele zum Schlechteren. Für uns war die Zeit zwischen Psychosis und Ambassadors Of Aggression sowohl ein Schlachtfeld als auch eine Schmiede.
Dieses Album musste erst einmal atmen, bevor es schreien konnte. Wir wollten es nicht überstürzen, nur um eine Lücke zu füllen. Wir haben gewartet, bis die Songs eine Bedeutung hatten, bis jedes Riff, jeder Text Gewicht und Blut hinter sich hatte. Es ist nicht nur ein Album, es ist ein Spiegelbild des Überlebens, des Widerstands und der Wiedergeburt. Das braucht Zeit.
Time For Metal / René W.:
Das Album ist voll von Aggression, Energie und massiven Riffs. Was war der Hauptgedanke oder das Konzept hinter Ambassadors Of Aggression?

Das Hauptkonzept war einfach: Wahrheit als Waffe. Wir leben in einer Welt, in der Schweigen tötet und es als gefährlich angesehen wird, seine Meinung zu sagen. Also haben wir diese Gefahr angenommen und sie in Riffs verwandelt.
Ambassadors Of Aggression ist unser bisher lautester Protest. Gegen Lügen, Korruption, Manipulation, Krieg, Apathie. Es ist nicht nur Wut um der Wut willen, sondern sie ist fokussiert, informiert und persönlich. Wir sind hier, um die Ungehörten zu vertreten, diejenigen, die an der Front des modernen Wahnsinns stehen.
Time For Metal / René W.:
Mit Man-God habt ihr einen Song geschaffen, der in seiner Intensität an Krisiun erinnert, dann aber thrashiger wird. Wie entstehen solche Mischungen aus Death- und Thrash-Elementen bei euch – bewusst oder intuitiv?
Infest / Vandal:
Das ist reiner Instinkt. Wir setzen uns nicht hin und sagen: „Lasst uns diesen Song mehr Death oder mehr Thrash machen.” Wir folgen einfach dem Puls.
Man-God entstand aus roher Energie und dem Bedürfnis, Brutalität mit Groove zu verbinden. Dort liegen unsere Wurzeln, Death Metal gab uns das Feuer, Thrash gab uns die Schärfe. Sie zu mischen, fühlt sich einfach natürlich an. Und wenn diese Mischung funktioniert, schlägt sie härter zu als jedes der beiden Genres für sich allein.
Time For Metal / René W.:
Euer Line-Up hat sich verändert: Tyrant ist nicht mehr an Bord, dafür ist Cosmogen neu dabei. Wie kam es zu diesem Wechsel, und wie hat Cosmogen den Sound oder die Dynamik der Band beeinflusst?
Infest / Vandal:
Tyrant ist und bleibt ein Teil der Familie. Nach 15 Jahren, in denen wir gemeinsam die Bühnen gerockt haben, musste er aus persönlichen Gründen aussteigen. Das Leben verlangt manchmal, dass man andere Kämpfe austrägt.
Cosmogen ist nicht als Ersatz gekommen, sondern um dem Erbe neues Feuer zu verleihen. Er hat frisches Blut, neue Riffs und ein wahnsinniges Maß an Engagement mitgebracht. Er spielt die Songs nicht nur, er lebt sie. Diese Energie hat uns alle noch mehr angespornt und dazu beigetragen, den Sound dieses Albums zu schärfen. Der Geist von Infest ist intakt, nur lauter und tödlicher denn je.
Time For Metal / René W.:
Gerade live seid ihr bekannt für eure rohe Power und Energie. Wie sehr achtet ihr beim Songwriting darauf, wie ein Stück später auf der Bühne funktioniert?
Infest / Vandal:
Immer. Vom ersten Riff bis zum letzten Schrei denken wir: „Wie wird das live klingen?“
Wir schreiben Musik, die man fühlen kann, nicht nur hören. Wenn sie den Pit nicht bewegt, wenn sie nicht zum Headbangen oder zum Fäuste in die Luft recken animiert, kommt sie nicht auf die Platte. Das ist unser Maßstab. Jeder Infest-Song muss im Chaos einer Live-Show funktionieren, sonst funktioniert er überhaupt nicht.
Time For Metal / René W.:
Mit Bolje Da Umrem und Requiem For The Balkans habt ihr wieder Tracks auf Serbisch dabei. Welche Bedeutung hat es für euch, in eurer Muttersprache zu singen – und wie unterscheidet sich das Songwriting von englischen Texten?
Infest / Vandal:
Auf Serbisch zu singen, geht tiefer. Es ist, als würde man mit offenen Wunden sprechen. Die Emotionen kommen ungefiltert, roh und brutal zum Vorschein.
Englisch hilft uns, ein globales Publikum zu erreichen, und das lieben wir. Aber wenn wir in unserer Muttersprache singen, dann ist das für unser Volk, für diejenigen, die dasselbe Chaos, dieselben Narben und Widersprüche durchlebt haben. Beim Schreiben auf Serbisch geht es nicht nur um die Sprache, sondern um Identität, Erinnerung und Trotz.
Time For Metal / René W.:
Das Album wurde in Belgrad aufgenommen, das Schlagzeug in den Citadela Studios, und das Mastering hat Dan Swanö übernommen. Wie wichtig war euch dieser internationale Input für das finale Klangbild?
Infest / Vandal:
Enorm wichtig. Wir haben in Belgrad aufgenommen, um unseren Wurzeln treu zu bleiben, aber dass Dan Swanö wieder mit dabei war, hat uns die kristallklare Brutalität gebracht, die wir brauchten. Der Mann ist ein Meister.
Seine Handschrift hat dem Album Breite, Tiefe und Druck verliehen. Es ist, als wüsste er genau, wie man Chaos in Klarheit übersetzt. Die Balance zwischen unserer lokalen Energie und seiner globalen Erfahrung hat dieses Album zu einem echten Kracher gemacht. Der Großteil des Albums wurde im Vortex Studio neben Citadela aufgenommen.
Time For Metal / René W.:
Das Cover stammt von Roberto Toderico, der schon für Bands wie Sinister gearbeitet hat. Wie eng war eure Zusammenarbeit mit ihm, und wie spiegelt das Artwork die Musik des Albums wider?
Infest / Vandal:
Wir haben jahrelang eng mit Roberto zusammengearbeitet. Wir haben ihm nicht nur die Musik geschickt, sondern auch die Botschaft dahinter. Und er hat etwas geliefert, das genau das widerspiegelt, was wir fühlen.
Das Cover zeigt Chaos, Kraft und den Aufstieg von etwas Dunklem, aber Kontrolliertem, genau wie unsere Musik. Roberto ist nicht nur ein Künstler, er ist ein Gedankenleser für Bands, die mehr als nur mit Sound schreien. Er ist Teil der Infest-Familie.
Time For Metal / René W.:
Viele eurer neuen Songs wie Are You With Me? oder Seeds Of Corruption wirken sehr melodisch und technisch zugleich. Entwickelt ihr euch bewusst in diese Richtung oder passiert das einfach im Prozess?
Infest / Vandal:
Das passiert ganz natürlich. Wir versuchen immer, uns weiterzuentwickeln, aber wir erzwingen es nie.
Melodie und Technik sind Werkzeuge, nicht das Ziel. Wenn der Song nach einem eindringlichen Lead oder einer technischen Passage verlangt, folgen wir diesem Ruf. Es geht darum, die Emotion des Tracks zu unterstützen.
Seeds Of Corruption zum Beispiel enthielt viel Wut, aber es brauchte einen Kontrast, und die Melodie verlieh ihm diese verdrehte Schönheit. Dieser Kontrast macht die Wirkung noch intensiver.
Time For Metal / René W.:
Zum Abschluss: Ihr seid seit über 20 Jahren aktiv, habt fünf Alben draußen und spielt europaweit. Was sind eure nächsten Pläne – Tour, Festivals, vielleicht sogar internationale Kollaborationen?
Infest / Vandal:
Ambassadors ist unser siebtes Album und wir fangen gerade erst an. Das Album ist draußen, jetzt gehen wir auf Metal-Mission, um die Botschaft der Einheit zu verbreiten!
Wir haben bereits Festivals für Ende 2025 und 2026 in Aussicht und buchen gerade komplette Tourneen für nächstes Jahr. Deutschland, Österreich, Tschechien, Balkan, wir kommen.
Wir sind auch offen für Kollaborationen, echte, mit Bands, die es ernst meinen. Keine Spielereien. Wir haben bereits mit Legenden wie Ross Dolan und Bob Vigna von Immolation, Adrie Kloosterwaard von Sinister und anderen zusammengearbeitet. Diese Tür steht weit offen.
Unsere Mission bleibt dieselbe: Verbreitet das Feuer. Baut die Legion auf. Keine Kompromisse.
We Are Legion!


