Draconian – Under A Godless Veil

Überzeugende Traurigkeit aus dem Westen Schwedens

Artist: Draconian

Herkunft: Säffle, Schweden

Album: Under A Godless Veil

Spiellänge: 62:19 Minuten

Genre: Doom Metal, Death Doom Metal, Dark Metal, Gothic Metal

Release: 30.10.2020

Label: Napalm Records

Links: https://www.facebook.com/draconianofficial/
https://draconianofficial.com/

Bandmitglieder:

Gesang (guttural) – Anders Jacobsson
Gesang (klar) – Heike Langhans
Gitarre – Daniel Arvidsson
Gitarre – Johan Ericsson
Schlagzeug – Jerry Torstensson

Gastmusiker:
Bassgitarre – Daniel Änghede

Tracklist:

  1. Sorrow Of Sophia
  2. The Sacrificial Flame
  3. Lustrous Heart
  4. Sleepwalkers
  5. Moon Over Sabaoth
  6. Burial Fields
  7. The Sethian
  8. Claw Marks On The Throne
  9. Night Visitor
  10. Ascend Into Darkness

Draconian aus dem schwedischen Säffle, unweit des Vänern Sees in der Provinz Värmland, existieren bereits sein 1994 und veröffentlichten bisher sechs Langeisen. Sechs Alben in 26 Jahren klingt zunächst mal nach etwas „faul“ im Songwriting. Tatsächlich dauerte es etliche Demos, bis 2003 der Erstling Where Lovers Mourn das Licht der Welt erblickte. Erst 2001 hatten Draconian das Line-Up zusammen, welches für die nächsten zehn Jahre den Sound entscheidend bestimmte. Hier ist der Name Lisa Johansson von großer Bedeutung. Von 2001 bis 2011 veröffentlichten Draconian fünf Longplayer mit Lisa als female Metalvoice und Anders Jacobsen, der den gutturalen Gesangspart übernahm. 2011 stieg Lisa aus der Band aus und bei der Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin fiel die Wahl zunächst auf Aleah Starbridge, welche einige Gastauftritte bei u.a. Swallow The Sun hinter sich hatte. Aleah lehnte jedoch das Angebot ab und so kam die Südafrikanerin Heike Langhans 2012 zu der Band. Aleah verstarb 2016 im Alter von gerade einmal 39 Jahren an Krebs (R.I.P.). Mit Heike und Anders entstand 2015 Sovran, jedoch war bei der nachfolgenden Tour häufig Lisa Cuthbert am Mikro zu sehen. Der Grund dafür ist sehr einfach, Heike konnte wegen Visaproblemen nicht in alle geplanten Länder reisen und so wurde eine alternative Lösung notwendig, damit Draconian Sovran der Welt auch live präsentieren konnte. Im Coronajahr und fünf Jahre nach dem letzten Output folgt das siebte Werk Under A Godless Veil. Die Lyrics sind entsprechend des Genres – es geht um traurige Themen, Verluste, Ängste und Zerrissenheit.

Schaurig schön startet Sorrow Of Sophia, ein dunkler Stimmungsschleier legt sich über den Hörer. Heike sorgt für den klaren, melancholischen Gesangsteil und Anders für den wütenden, gutturalen Part. Death Doom, welcher sich ohne das Gesangsduo an den bekannten Genregrößen orientiert, ohne zu kopieren. The Sacrificial Flame lässt die Saiten deutlich mehr sprechen und Heike kommt nicht so zerbrechlich und sopran rüber wie beim Vorgänger. Lustrous Heart überlässt Anders die führende Rolle und es wird kräftig geknurrt, Heike spielt den femininen Gegenpart und das Sextett zieht den Hörer in eine tiefe, dunkle Atmosphäre. Ein Track, der bei mir voll und ganz punkten kann. Sleepwalkers liefert Traurigkeit par excellence, es wird regelrecht bedrückend und klingt nach tiefem Schmerz. Schreiende Gitarren und der gutturale Anders begrüßen den Hörer bei Moon Over Sabaoth. Tief dunkler Death Doom, der durch das Gesangsduo, wo Heike quasi im Background agiert, bei mir mächtig punkten kann. Burial Fields ist Heikes Part und es erklingt die musikalische Melancholie in Moll. The Sethian liefert die musikalische Anklage für die Patriarchen dieser Welt, der wütende Anders knurrt und schreit, während Heikes Gesang der Betroffenheit Ausdruck verleiht – auch ein Ding, was mir voll und ganz gefällt. Claw Marks On The Throne ist mir ein wenig zu theatralisch und der Sprechgesang von Anders macht mir nicht so richtig viel Spaß. Zur Mitte des Songs nimmt das Ganze etwas Tempo auf und die elektronisch eingefärbte Stimme von Heike mit dem gutturalen Tönen retten das Ganze, aber insgesamt haben die Damen und Herren meines Erachtens besseres Material auf der Scheibe. Der Night Visitor kommt von Heikes Stimme begleitet tief melancholisch aus den Boxen, bevor zum guten Schluss mit knapp neun Minuten der Langläufer auf dem Langeisen ertönt. Ascend Into Darkness liefert eine Art Zusammenfassung von Under A Godless Veil: Wütende gutturale Passagen, Sopranstimme, tief traurige Elemente mit kreischenden Gitarren, die schon leicht angeschwärzt rüberkommen, aber auch melodische Bögen sind zu vernehmen. Mit dem prägenden Sound des Langeisens wird der Hörer aus dem Werk der Schweden begleitet.

Draconian – Under A Godless Veil
Fazit
Du bist als Musikfreak gerade melancholisch drauf wegen der fehlenden Live Gigs? Möchtest du deine Melancholie verstärken? Alle Zutaten dazu liefern dir Draconian. Ein schaurig schönes, tief trauriges, melancholisches Werk in Moll. Wer auf sterbende Bräute steht, sollte unbedingt mal ein Ohr in das Werk halten. Die Scheibe kommt recht „clean“ rüber vs. andere Genrevertreter, hat aber für den Genrefan einige derart trostlose und tieftraurige Dinger am Start, da sterben die Bräute selbst ohne Aarons zutun.

Anspieltipps: Sorrow Of Sophia, Lustrous Heart, Moon Over Sabaoth und The Sethian
Jürgen F.
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