Eisregen – Marschmusik

“Auf dem Weg zum Dutzend“

Artist: Eisregen

Herkunft: Thüringen, Deutschland

Album: Marschmusik

Spiellänge: 49:35 Minuten

Genre: Dark/Black Metal

Release: 14.08.2015

Label: Massacre Records

Link: https://www.facebook.com/eisregen.official

Bandmitglieder:

Gesang – Blutkehle
Gitarre, Bass – Bursche Lenz
Schlagzeug – Yantit

Tracklist:

  1. Marschmusik
  2. Blutkreis
  3. Bunkertür
  4. Leichensack
  5. Gott der Panzer
  6. Adlerhorst
  7. Fleischbrand
  8. Mein Leben auf deiner Haut
  9. Foltergeist
  10. Was von dir bleibt
  11. Panzerschokolade

Eisregen - Marschmusik

Das eigentlich auf sechs Alben ausgelegte Projekt Eisregen ist langlebiger als so mancher Selbstmordattentäter und liefert mit Marschmusik den nunmehr 11. Langspieler ab. Nach wie vor scheiden sich die Geister an der Gruppe, kaum eine Kapelle weiß so zu polarisieren wie der selbsternannte „Tod aus Thüringen“.

Das liegt vor allem an den teilweise schon ins unerträglich Plakative gehenden Texte, für die die Gruppe vor allem in ihrer Anfangszeit als frauenfeindlich bezeichnet wurde und die dafür sorgten, dass viele der Werke nicht mehr in Deutschland erhältlich sind. Hinzu kommen zwei – drei Totalausfälle pro Album, die den Kritikern natürlich in die Hände spielen.

Damit wird man der Formation allerdings nicht im Geringsten gerecht. Es liegt auf der Hand, dass die Zielgruppe meistens mit einer 1 im Alter beginnt, das zeigt sich schon daran, dass die ach so bösen Texte im direkten Vergleich zu Grindcore oder Hip-Hop-Texten sehr human wirken. Musikalisch ist die Band viel zugänglicher als die meisten Genrekollegen und – das macht einen großen Teil des Erfolges aus – auch viel kreativer.

Bisher klang kein Album wie der Vorgänger und auch in der 11. Runde liefert man keine Kopie des bereits Veröffentlichten ab. Seit 2009 hört man zwar, dass die Mitwirkenden viel Spaß am Nebenprojekt Panzerkreutz gehabt haben, da man einige Elemente der beiden Lieder immer mal wieder hört, aber das tut der Komplexität der Werke keinen Abbruch, im Gegenteil.

Marschmusik ist zwar das bisher harmloseste Album und wirkt mehr wie ein Übergangsalbum, um nicht allzu lange von der Bildfläche verschwunden zu sein, liefert aber musikalisch viele frische Ideen, die die Qualität der Liveauftritte erhöhen wird. Textlich gibt es einige Schmunzler, wenn ein Soldat z.B. auf die Idee kommt, sich ein neues Kleid aus einer Frau zu bauen, aber wirklich neu oder kreativ sind die Texte diesmal leider nicht.

Auffällig ist, dass Blutkehle stark an seinem klaren Gesang gearbeitet hat. So stark und betont klang der Frontmann bisher noch nie. Galt der klare Gesang auf den Vorgängern oft als störend, bringt der Einsatz dieses Mal einen Mehrwert. Vor allem Gott der Panzer belegt diese Aussage, im Vorfeld wurde die EP Brummbär veröffentlicht, auf der das Lied in einer Version existiert, die mit dem gewohnten Gesang eingesungen wurde. Erfrischender Weise taugen beide Versionen einiges, die Kombination aus schnellen Gitarrengeschrammel und schleppenden Schlagzeug ist in dieser Version einmalig, durch den Gesang erhalten beide Variationen ihre eigene Note.

Fazit: Mit Marschmusik veröffentlicht Eisregen zum ersten Mal ein Album, das keinen Aufschrei verursachen wird, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Im besten Fall kann man von einer Erweiterung des Livematerials sprechen, im schlimmsten Fall von einer Pflichtveröffentlichung ohne Ecken und Kanten. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: Liedmaterial mit gewohnt abwechslungsreichen und kompositorisch vielschichtigen Charakter, der diesmal auch keinen körperlich oder geistig eingeschränkten Flötenspielern auf den Schlips treten wird.

Anspieltipps: Bunkertür, Marschmusik, Gott der Panzer
Gordon E.
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