Dieses Review wird etwas anders als die anderen. Es geht hier um die Wiederveröffentlichung der drei Soloalben von Geezer Butler, die ab dem 30.10.2020 über BMGerhältlich sein werden. Dabei gibt es alle drei Versionen erstmals als Vinyl-Ausgabe und die CDs wurden ebenfalls mit neuem Artwork versehen. Für Sammler bestimmt ein Anreiz fürBlackSabbath Anhänger mit Vorsicht zu genießen. Alle drei Alben haben so gar nichts mit den Urvätern des Heavy Rock zu tun. Als die drei Platten 1995, 1997 und 2005 erschienen, enttäuschten sie schon einige, die mit etwas anderem gerechnet hatten. Zumindest die ersten beiden Alben konnten jedoch einige Fans gewinnen, die dritte Platte blieb aber weit hinter den Erwartungen zurück.
Im Original wurden die Platten unter drei verschiedenen Namen veröffentlicht. Bei Plastik Planet lief das unter g/z/r featuring Burton C. Bell, bei Black Science war es einfach Geezer gelistet und Ohmwork kam unter GZR raus. Die Re-Issues kommen alle unter dem Namen Geezer Butler raus, was auch ggf. für neue, höhere Absatzzahlen sorgen könnte. Der Name des Bassisten hat ja schon Gewicht, dürfte vielen bekannt sein und deshalb für Beachtung und natürlich Kaufinteresse sorgen.
Wie kam es du den Soloalben? 1984, nach der Born Again Tour, verließ Geezer Butler bekanntlich BlackSabbath und versuchte mit seiner eigenen Geezer ButlerBand eine eigene Karriere. Dies war nicht sehr erfolgreich und so blieb es bei einigen Auftritten, ohne dass es ein Zeugnis z.B. in Form eines Tonträgers aus dieser Zeit gibt. Nach Gastspielen bei Tommi Iommi (Dehumanizer und Cross Purposes) ging Geezer kurz zur OzzyOsbourneBand und entschied dann, dass es erneut Zeit wird für seine eigenen Sachen. Dafür akquirierte er Drummer Deen Castronovo, den er von Ozzys Ozzmosis Platte her kannte, den ehemaligen Gitarristen der Geezer Butler Band Pedro Howseund, wer mag es glauben, den Fear Factory Sänger Burton C. Bell.
Plastic Planet
Mit diesem Line-Up wurde die erste Platte Plastic Planet aufgenommen. Stilistisch verschmelzen Blues Anteile mit Industrial geprägtem Metalsound und nur damit konnte das Genre in den 90ern noch punkten. In den Songs geht es hauptsächlich um technologische Visionen, Science-Fiction und Schreckensvisionen, was sich auch in den Titeln wiederfindet. Catatonic Eclipse, Detective 27 oder X13spiegeln diese Richtung wider und die Stimme und der Gesang von Burton geben den Songs den nötigen Ausdruck. Knallharte, gitarrenlastige Tracks, die mit den Bassläufen von Geezer harmonieren, prägen das Werk. Leider war Bell bei seiner Stammband dermaßen eingebunden, dass eine weitere Kollaboration bzw. auch Konzerte in dieser Formation nicht zu realisieren waren. Wenn ich Songs empfehlen müsste, dann wären da das sozialkritische Drive Boy, Shooting oder X13. Auch Cycle Of Sixty ist hörenswert. Ansonsten ein gar nicht so übles Album, aber eben anders als Black Sabbath, Ozzy oder Tony Iommi Alben.
Black Science
1997 wurde dann das zweite Album Black Science veröffentlicht. Burton Bell konnte nicht mehr teilhaben und wurde durch den unbekannten Clark Brown ersetzt. Das erwies sich als Glückstreffer, denn der konnte mit einem beeindruckenden, kraftvollen Gesang trumpfen. Ansonstenbleiben alle anderen Position wie gehabt besetzt. Das Ergebnis kann sich ebenfalls hören lassen. Brown war wesentlich flexibler und auch emotionaler als sein Vorgänger. Neue Strömungen wurden implementiert und so gibt es neben Nu Metal artigen Klängen auch leichte, noch nicht so auffallende Rap Anleihen, die sich beim dritten Album leider noch verstärken sollten. Bereits der erste Track auf der LP Man In A Suitcase hat es in sich und kann eindeutig als eines der Highlights auf der Platte angesehen werden. Das kann sich heute noch hören lassen und ist ein klassischer Heavy Metal Song mit einem HammerRefrain. Natürlich darf auch hier das gitarrenähnliche Bassspiel des Ausnahmebassisten nicht fehlen undspätestens in Mysterons weiß der zu überzeugen. Das gesamte Grundthema der Platte kann mit Hoffnungslosigkeit bezeichnet werden und das gekonnte Spiel auf dem Viersaiter drückt das in fast jeder Note aus. Insgesamt ein faszinierendes und auch angsteinflößendes Werk. Der absolute Höhepunkt dieses unheilverkündenden Werkes dürfte Number 5 sein, das alles, was hier ausgedrückt werden soll, in einem Stück komprimiert. Clark Brown versteht es, die Visionen und Vorstellungen von Butler gekonnt umzusetzen. Auch einige schnellere Rocker haben es neben den depressiven Songs auf die Platte geschafft und verdienen es, gehört zu werden, Da kann man Justified oder auch Xodiak nennen, die für positive Gefühle sorgen. Beachtenswert auch wieder Deen Casrtonovo, der auf den Punkt spielt und noch heute bei einigen Bands die Drums bedient.
Ohmwork
Tja, und dann ist da noch Album Nummer drei, mit dem Namen Ohmwork. 2005 erschienen, macht es mit dem industriellen Metalerst malSchluss. Es wird etwas härter und positiver und mit dem ersten SongMisfit wird die Veränderung deutlich. Leider schleichen sich immer mehr Rap Strukturen in die Songs und das macht sich dann im Verlauf der Platte negativ bemerkbar. Das Album ist an vielen Stellen sehr gewöhnungsbedürftig. Songs wie Alone oder Pseudocide können nicht gewinnen und Clark Brown hat angefangen, an vielen Stellen seinen Gesang in Geschreiumzuwandeln. Das hätte gut zu einer Hardcore Band gepasst und damit war er wohl seiner Zeit voraus. Ein Lichtblick ist noch I Believe, bei dem Brown zeigt, dass er ein guter Rocksänger ist. Leider ist die Masse der Songs so gestrickt, dass man einfach weiterskippen möchte. Man höre sich Pardon My Depression an und man könnte sofort in eine solche verfallen im Angesicht dessen, was da aus den Boxen kommt. Vielleicht mit einer der Gründe, dass an dieser Stelle das Soloprojekt nicht weitergeführt wurde.
Geezer Butler – Plastic Planet, Black Science und Ohmwork (Re-Issue)
Fazit
Das muss ein wenig gesplittet werden. Die erste Platte war zu der damaligen Zeit eben dieser etwas voraus. Gutes Album, das bei genauerem Hinhören viele gelungene Songs liefert. Album Nummer zwei liefert eine beängstigende Vision und zeigt viel Hoffnungslosigkeit gepaart mit klasse Songs. Album Nummer drei ist dann eher zum Abgewöhnen, obwohl zwei, drei Songs ok sind. Die gesamte Neuauflage dürfte für Sammler interessant sein. Insgesamt darf kein Black Sabbath ähnliches Material erwartet werden. Trotzdem kann man hier einem hervorragenden Bassisten bei der Arbeit zuhören.
Wer sich also die Platten in den Schrank stellen möchte, dem kann man das ans Herz legen. Wer sich das anhören will und vorher noch keine Berührungen mit den Solowerken hatte, sollte ggf. im Vorfeld bei den bekannten Streamingdiensten erst mal reinhören, bevor er sich danach ärgert.
Anspieltipps: Misfit, I Believe, Cycle Of Sixty, X13, Number 5 und Man In A Suitcase