Ghastly – Mercurial Passages

Death Metal mit warnender Packungsbeilage - psychedelische und tranceähnliche Zustände sind kaum vermeidbar

Artist: Ghastly

Herkunft: Finnland

Album: Mercurial Passages

Spiellänge: 40:21 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 28.05.2021

Label: 20 Buck Spin

Link: https://listen.20buckspin.com/album/mercurial-passages

Bandmitglieder:

Gesang – Gassy Sam
Gesang, Gitarre , Bassgitarre, Schlagzeug – Ian J. D’Waters
Gitarre und Gesang– Johnny Urnripper

Tracklist:

  1. Ouroborus
  2. Out Of The Psychic Blue
  3. Sea Of Light
  4. Perdition
  5. Parasites
  6. Dawnless Dreams
  7. Mirror Horizon

Das finnische Trio Infernal treibt sich seit dem Jahre 2011 herum. Ian und Gassy sind noch bei Garden Of Worm tätig, Johnny noch für Stench Of Decay. Keine unbekannten Bands im Underground, würde ich mal sagen. Nach einem Demo im Jahre 2011 und einer EP 2013 hauten Ghastly 2015 das Debüt namens Carrion Of Time auf den Markt und legten 2018 mit Death Velour nach. Nun muss also Album Nummer drei herhalten und wenn ich es richtig sehen, kommt dieses nur als Vinyl heraus. Wieder etwas für Sammler.

Ouroborus beginnt mit einer langsamen Bedrohung. Ein Mini-Intro leitet das Geschehen ein. Die Gitarre beginnt ebenfalls sehr bedrohlich. Die Drums setzen langsam ein. Hier wird irgendwie Angst und Schrecken verbreitet. Langsam und mit lang gezogenen Riffing bewegt man sich doomig und klingt ein wenig blackig, ohne in Black Metal Gefilde abzudriften. Das Riffing kommt schön obskur daher und befruchtet die aufkommende Dunkelheit. Mir ist das im Ganzen aber dann zu viel. Der Song geht fast sechs Minuten. Ist mir ein wenig zu lang. Kommt trotzdem gut, auch der Einsatz der Cleangitarre und der danach traurig schöne Gitarrenpart. Interessanter Song, aber zu lang für mich.

Out Of The Psychic Blue kommt da schon ganz anders aus den Boxen geknattert. Der Blastbeat ballert, das Riffing ist schnell und düster. Sehr atmosphärisch und blackig angehaucht. Das Tempo wird aber wieder rausgenommen. Diese Kombination trifft meinen Nerv und langsam ist man in der morbiden Welt von Ghastly angekommen.

Sea Of Light bietet auch dieses lang gezogene, beinahe melodische Riffing und kombiniert dieses mit langsamen Schlagzeugbetonungen. Der Kopf beim Zuhörer geht automatisch rauf und runter. Sehr melancholisch, wie man es von Finnen gewohnt ist. Der Song nimmt Fahrt auf und wirkt teilweise hypnotisch, teilweise bedrohlich. Die Band möchte bewusstseinsveränderte Albtraum-Visionen erzeugen – das gelingt ihnen definitiv mit diesem Song und mit dem ganzen Album. Man wird irgendwie in einen Bann gezogen.

So auch bei Perdition. Das Tempo wird mal wieder erhöht, aber man bleibt natürlich nicht dabei. Das Riffing ist auch hier wieder vernichtend und bohrt sich direkt ins Nervenzentrum. Mit einer bretternden Uftata wird der Song zügig vorgetragen. Sehr obskur und irgendwie angsteinflößend. Das Riffing erinnert zwar an die vorherigen Songs, aber dafür knallt es. Dann nimmt man das Tempo ganz raus und holt einen zermürbenden psychedelischen Part heraus. Sehr schleierhaft und doomig. Das Tempo wird wieder erhöht, der Gesang ist screamig, mit Hall versehen und agiert im Hintergrund. Sehr sick. Jo, das läuft.

Parasites bietet ebenfalls diese Kombination und ist definitiv ein Highlight des Albums.

Das Vorgängeralbum Death Valour ist ja zu Recht von einigen im Underground abgefeiert worden und Ghastly gehen ihren Weg gnadenlos weiter. Über allem liegt ein leichenhafter Geruch. Aus der Tiefe der finnischen Gruft werden Grüße in die Welt gesendet. Dafür verwendet man einen langsamen und dunklen Aufbau, rasante und überraschende Geschwindigkeitsausbrüche und vernichtende Doom-Passagen. Diese versetzen einen beinahe in einen tranceähnlichen Zustand und könnten hypnotische Auswirkungen beim Zuhörer bewirken. Das Cover von Riikka Pesonen passt genau zur Thematik und die Produktion dürfte wohl irgendwo in den Katakomben eines Friedhofes vorgenommen worden sein. Morbide ohne Ende. Anchecken, aber vorher die Packungsbeilage durchlesen. Wer die Death Metal Ära von Darkthrone liebt und auch mit Morbus Chron oder Execration gut klarkommt, muss hier reinhören.

Ghastly – Mercurial Passages
Fazit
Death Metal mit warnender Packungsbeilage - psychedelische und tranceähnliche Zustände sind kaum vermeidbar. Doom-Passagen und vernichtende Geschwindigkeitsausbrüche bestimmen den morbiden Alltag der Band Ghastly. Finnen halt, möchte man sagen, die sind halt so.

Anspieltipps: Sea Of Light und Perdition
Michael E.
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