Gorleben – Menetekel

Die Warnung vor dem Untergang unserer Zivilisation – der Countdown läuft, die Apokalypse ist längst Gegenwart

Artist: Gorleben

Herkunft: Dresden, Deutschland

Album: Menetekel

Genre: Death Metal, Doom Metal, Black Metal

Spiellänge: 43:32 Minuten

Release: 15.10.2025

Label: Darkness Shall Rise Productions

Link: https://www.facebook.com/GorlebenUran236

Bandmitglieder:

Gesang & Gitarre – 60CO
Bassgitarre – 232TH
Schlagzeug – 239PUs
Keyboards & Synths – 85KR
Gesang & Gitarre – 235U

 Tracklist:

1. Countdown
2. Sarkophag
3. Erg
4. Menetekel

Gorleben existieren seit 2010, verwurzelt in Dresden, aber stets mit Blick auf ein größeres Bild, das weit über ihre lokale und regionale Szene hinausgeht. Der Name verweist auf jenen niedersächsischen Ort, der untrennbar mit radioaktivem Abfall und Fragen von Endlagerung verbunden ist – ein Sinnbild für Vergänglichkeit, Gefahr und menschliche Hybris.

Musikalisch hat sich die Band von Beginn an dem Grenzbereich zwischen Doom, Death und Black Metal verschrieben, mit einer klaren Hinwendung zu apokalyptischen Visionen. Nach ersten digitalen Veröffentlichungen – der EP Sleepless / Contaminated (2021) und dem Debütalbum Game Over (2022) – ist Menetekel nun der erhoffte eigentliche Durchbruch. Es ist ein Werk, das mehr als nur Songs präsentiert: Es ist ein klingendes Menetekel, ein Vorzeichen, ein unheilvoller Fingerzeig in Richtung einer Zukunft, die längst begonnen hat. Veröffentlicht wird Menetekel am 15. Oktober 2025 über das deutsche Undergroundlabel Darkness Shall Rise Productions.

Mit vier langen, aber nicht langweiligen Stücken über 43 Minuten erschaffen Gorleben keine klassischen Songs, sondern Kapitel eines pessimistischen Weltentwurfs. Die Band wollte bei den Aufnahmen bewusst auf eine sterile Glättung verzichten und stattdessen einen organischen, räumlichen Sound einfangen, der die Schwere und Dichte der Kompositionen noch verstärkt. Das Artwork zeichnet in einer kargen, fast sakralen Bildsprache die thematische Ausrichtung des Albums visuell verdichtet: ein mahnendes Symbol für den drohenden Untergang, eingefangen zwischen Zeitlosigkeit und bedrückender Gegenwart.

Schon der eröffnende Countdown markiert eine Schwelle: Naturgeräusche und ruhige Gitarrenflächen täuschen kurz über das heraufziehende Unheil hinweg, bevor der Klangraum von schweren Basslinien, harschen Vocals und bissigen Riffs durchzogen wird. Hier wird nichts beschönigt, hier kündigt sich der Beginn des Endes an – der Countdown läuft, unwiderruflich.

Sar­kophag setzt diesen Faden fort und zieht den Hörer tiefer in das Dystopische hinein. Der Titel spricht von Einmauerung, von Stillstand, von der Kälte einer endlosen Gruft, und genau so klingt das Stück: doomig schleppend, bedrückend, aber immer wieder durchzogen von psychedelischen Fragmenten, die wie Wahnvorstellungen an den Mauern eines Grabes kratzen. Es ist ein Track, der Spannung nicht auflöst, sondern konserviert – wie ein Leichnam in Stein.

Im dritten Kapitel Erg weitet sich das Bild: die Wüste, das Meer aus Sand, das unaufhörlich alles verschlingt, was Menschen je erbauten. Musikalisch ist es das vielleicht melodischste Stück, getragen von Wechselgesängen, die zwischen Verzweiflung, Anklage und Trauer changieren. Die Melodie wirkt wie ein kurzer Griff nach Halt, doch sie versinkt wieder im tosenden Strom von Gitarren, die alles fortreißen. Hier ist kein Trost, nur die Erkenntnis der eigenen Unbedeutsamkeit inmitten einer unbarmherzigen Leere, und genau das spiegelt das Klangbild in jedem Ton wider.

Das abschließende Titelstück Menetekel bündelt schließlich die gesamte apokalyptisch dystopische Ästhetik des Albums. Die Worte aus dem biblischen Buch Daniel – „gezählt, gewogen, für zu leicht befunden“ – werden musikalisch übersetzt in ein wuchtiges, dunkles Finale. Ein letzter, schwerer Block, der sich auf den Hörer legt, ohne ihn jedoch vollends zu erdrücken. Denn zwischen den monumentalen Riffs öffnen sich immer wieder kleine melodische Fenster, als ob die Band sagen wollte: Der Abgrund ist da, er ist unübersehbar, doch wir schauen ihm nicht passiv entgegen – wir reißen den Vorhang selbst auf.

Lyrisch wie musikalisch wird hier eine Endzeitstimmung gezeichnet, die nichts beschönigt Romantisches, nichts Verklärtes hat. Die Texte sprechen von der Gier des Menschen, vom zerstörerischen Hunger, der alles verheizt, bis nur noch verbrannte Erde übrigbleibt. Gleichzeitig ist Zeit das zentrale Motiv – Zeit, die wie eine unaufhaltsame Welle anrollt, gegen die man keine Mauer errichten kann. In Kombination mit der klaren, aber bewusst ungeschönten Produktion, die weder Effekte noch übertriebene Kompression nötig hat, wirkt das Album unmittelbar und real. Menetekel ist kein entfernter Albtraum, es ist ein Spiegel der Gegenwart, nur wenige Schritte weitergedacht.

Zur Veröffentlichung werden Gorleben auch live präsent sein und ihre Botschaft direkt in die Clubs tragen. Am 26. September beginnt die Releasetour im Hühnermanhattan Klub in Halle, gefolgt von Terminen in Kranj, Zadar, Graz und Wien. Im Oktober geht es weiter nach Erfurt, Hildesheim und schließlich in die Heimatstadt Dresden, wo im Club Puschkin das Skullcrusher Heavy Metal Dresden e.V. Festival den Abschluss bildet.

Gorleben – Menetekel
Fazit
Am Ende und zusammenfassend bleibt ein Album, das nicht nur durch seine Musik, sondern durch sein Gesamtkonzept überzeugt. Menetekel verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und mehrfaches Hören, doch genau das macht seine Qualität aus: Schicht um Schicht fügen sich Doom, Death, Black und experimentelle Versatzstücke zu einem organischen Ganzen. Es ist ein Album, das gleichzeitig erhaben und bedrückend, aber niemals langweilig ist. Die Produktion ist klar, strukturiert und doch von einer düsteren Patina überzogen. Menetekel ist keine Platte für den schnellen Konsum – es ist ein Manifest des Untergangs, ein Echo aus einer Zukunft, die näher ist, als uns lieb sein kann.

Anspieltipps: Countdown, Sarkophag, Erg und Menetekel
Dave S.
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