Hoflärm Festival vom 14.08. bis 16.08.2025 in Marienthal (Tag 2)

Das großartige Festival in den Westwoods Of Germany!

Eventname: Heinzelmännchen Hoflärm Festival

Bands: Graveyard, Monolord, Rezn, Elephant Tree, Piece, The Warlocks, Maidavale, Khan, Lurch, Annie Taylor, Vug, Spirit Mother, Vinnum Sabbathi, Coltaine, S.U.G.A.R., Deathchant, Mantar, Zerre, Eremit, Elephant Tree, Rezn, Battlesnake, Grin, The Smokin‘ 44s

Ort: Obersalterberger Hof 1, 57577 Marienthal

Datum: 14.08. – 16.08.2025

Kosten: 139 Euro (3-Tages-Ticket)

Genre: Stoner Rock, Hard Rock, Heavy Rock, Heavy Metal, Retro Rock, Proto Metal, Doom Metal, Psychedelic Rock, Post Rock, Thrash Metal

Veranstalter: Heinzelmännchen Hofcafé

Link: https://www.facebook.com/events

Seit 2019 versammelt das Hoflärm Festival Fans von Stoner Rock, Hard Rock, Heavy Rock, Heavy Metal, Retro Rock, Proto Metal und Doom Metal auf dem idyllisch gelegenen Heinzelmännchen Hofcafé.

In diesem Jahr feiert das Veranstalterteam rund um Caspar und Rainer bereits die siebte Ausgabe – und das Festival hat sich längst einen exzellenten Ruf über die Grenzen Deutschlands hinaus erarbeitet. Sowohl Bands als auch Besucher*innen aus dem In- und Ausland schätzen die besondere Atmosphäre im Westerwald. Auch 2025 sind wieder zahlreiche hochkarätige Acts am Start – national wie international – und die Gästeliste wird von Jahr zu Jahr vielfältiger: Musikbegeisterte reisen aus ganz Europa, teils sogar von Übersee an, um dieses besondere Festivalerlebnis mitzuerleben.

Hier kommt ihr zum Bericht von Tag 1.

Impressionen, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Nach dem Frühstück geht es dann heute rechtzeitig mit Heike zum Hoflärm. Schon gestern war es heiß, heute wird es noch heißer – und das gilt nicht nur fürs Wetter, sondern auch für das Programm. ☀️

Während Heike mit ihrem charmanten Mary Poppins-Schirm bereits Freunde und Freundinnen begrüßt, mache ich mich auf den Weg in den Fotograben. Dort wartet der Opener: Lurch, eine Heavy-Psychedelic-Rock-Band aus Wien. Ich habe sie schon vor zwei Monaten auf dem Freak Valley Festival live erlebt – damals als Opener des dritten Festivaltages. Auch dort herrschte brütende Hitze, nicht unbedingt das bevorzugte Habitat eines Lurchs – aber dafür umso mehr Bühne für elektrisierende Musik.

Impressionen, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Und wieder liefern die vier Musikerinnen aus Wien eine energiegeladene Performance – trotz Mittagssonne. Schon der erste Song reißt mit. In Wien fängt man offenbar nicht nur mit Speck Mäuse, sondern auch Lurche. Beim Freak Valley war ihre Vinyl im Nu vergriffen – diesmal bin ich besser vorbereitet, denn die Damen haben ordentlich Nachschub dabei.

Lurch, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Auch Berlin ist heute musikalisch stark vertreten – mit VUG, einer Band, die hier beim allerersten Hoflärm Festival bereits gespielt hat. Damals noch auf einem Traktoranhänger als Bühne auf der anderen Hofseite. VUG zählen zu den festen Größen in der Szene und sind über Kennerkreise hinaus als echter Geheimtipp bekannt. Ihr Stil: eine starke Mischung aus Prog-, Heavy-, Retro-Rock und Proto-Metal – direkt, authentisch und mitreißend ab der ersten Minute. Einst gegründet von Elder-Drummer Nick DiSalvo, sitzt heute Leonard Vaessen am Schlagzeug – ebenfalls ein Veteran des ersten Hoflärms. Seit 2018 hat sich die Band vom Quartett zum Quintett weiterentwickelt: Neu dabei seit dem ersten Hoflärm ist Hanna Hock an den Keys. Mit im Gepäck: Songs vom kommenden Album, aber auch Klassiker. Mit Gitarrist Max habe ich 2018 hier noch einen feinen Jameson getrunken – leider haben wir das dieses Jahr irgendwie verpasst. Nächstes Mal dann, wir sehen uns im November auf der Noisolution Party in Berlin wieder!

VUG, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Dann: MaidaVale. Die schwedische Band wurde 2012 in Fårösund auf Gotland gegründet und besteht aus Matilda Roth (Gesang), Sofia Ström (Gitarre), Linn Johannesson (Bass) und Johanna Hansson (Schlagzeug). Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten MaidaVale-Gig beim Desertfest Berlin 2018 – ein Auftritt, der mich nachhaltig beeindruckt hat. 2019 war ich dann Backstage mit ihnen im Gespräch, 2022 durfte ich sie dort erneut live erleben. Heute passt alles perfekt – inklusive Temperaturen, die dem Titel ihres aktuellen Albums Sun Dog (2024) alle Ehre machen. Ein Review dazu durfte ich bereits schreiben. Die rein weibliche Band serviert uns heute feinsten Psychedelic Experimental Rock – aber auf ihre ganz eigene, erfrischend andere Weise.

MaidaVale, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Mit The Warlocks betreten nun wahre Szene-Veteranen die Bühne. 1998 in Los Angeles von Bobby Hecksher gegründet, verbinden sie in ihrer Musik klassische Psychedelia mit Elementen des Krautrocks und Einflüssen von The Velvet Underground. Breite Gitarrenflächen, düstere Klanglandschaften und eine gewisse hypnotische Atmosphäre – so lässt sich der Sound der Warlocks wohl am treffendsten beschreiben. Live wirken sie dabei wie eine moderne Ausgabe von Velvet Underground: entrückt, fast schon losgelöst von der Welt da draußen – ganz in ihrer eigenen Sphäre. Ob sie ihr Publikum damit wirklich mitnehmen? Vielleicht ist das alles ein bisschen zu cool, ein wenig zu distanziert. Aber genau das macht ihren Stil eben aus.

The Warlocks, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Nach dem Umbau folgt ein Kontrast, der kaum krasser sein könnte: Jetzt wird’s laut – richtig laut. Die Bühne gehört nun dem vielleicht extremsten Duo Deutschlands. Nein, nicht den Wildecker Herzbuben – sondern Mantar! Und ja, das „krass“ ist hier ausdrücklich positiv gemeint. Die beiden Bremer besitzen längst Kultstatus. Ihre Auftritte gelten als legendär – und das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Der Bandname Mantar stammt aus dem Türkischen und bedeutet „Pilz“ – ein Bild, das wie gemacht scheint für ihre Musik: wuchernd, sich ausbreitend, unaufhaltsam, explosionsartig. Die Interpretation überlasse ich euch.

Ihr Set beginnt mit einem AC/DC-Intro – danach bricht ein Sturm los. Sludge, Doom und Black Metal treffen auf rohe Energie, die sich vom ersten Ton an wie ein Lauffeuer über das Gelände legt. Was die beiden auf die Bühne bringen, ist unfassbar. Mehr Wucht, mehr Klang, mehr Druck als manche zehnköpfige Band. Drummer Erinc thront erhöht über dem Geschehen und bearbeitet sein Schlagzeug, als gäbe es kein Morgen. Gitarrist und Sänger Hanno agiert links außen (vom Publikum aus gesehen), ständig in Bewegung, ganz im Flow der Energie. Die beiden stehen fast abgewandt zum Publikum, agieren aber in ständigem Blickkontakt miteinander – ein intensives Zusammenspiel, fast wie ein Ritual. Zwischen den Songs richtet sich Hanno ans Publikum – und fragt: „Ist das geil, Hoflärm?“ Ja, das ist nicht nur geil, das ist absoluter Abriss! Veranstalter Rainer flüstert mir zwischendurch zu, dass er noch nie so oft das Wort Hoflärm von einer Band auf der Bühne gehört hat. Und tatsächlich – Hanno lässt keine Gelegenheit aus, um das Festival zu feiern: Hoflärm, wir sind Mantar aus Bremen. Hoflärm, danke für die Einladung. Nennt eure Kinder nach uns.“

Mantar, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Dann ist es Zeit für den vermeintlichen Headliner des Abends: Graveyard. Auch wenn sie nicht den Schlusspunkt setzen – denn eine Late Night Special Show steht noch bevor – sorgen sie für einen musikalischen Stimmungswechsel. Die Schweden feiern im nächsten Jahr ihr 20-jähriges Bandjubiläum – trotz zwischenzeitlicher Auflösung 2016 und schneller Wiedervereinigung ein Jahr später. Mit Joakim Nilsson (Gitarre, Gesang) steht nur noch ein Gründungsmitglied auf der Bühne. Doch die Band liefert: Harter Blues trifft auf soften Hardrock, melancholische Melodien verschmelzen mit treibenden Rhythmen. Perfekt zum Runterkommen nach dem Mantar-Monster.

Graveyard, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Nach Graveyard ist der Abend noch längst nicht vorbei. In der Scheune, gleich neben der sogenannten „Fressmeile“, kündigt sich ein Secret Gig an – wobei das Wort „Secret“ zu dieser späten Stunde nur noch bedingt zutrifft. Ein Bass und ein Schlagzeug stehen schon lange bereit, und wer genau hinschaut, erkennt schnell, wer sich hier gleich ins Zeug legen wird. Wer wäre besser geeignet als meine Berliner Lieblingsmenschen Sabine und Jan Oberg, um diese Instrumente zu ergreifen und ein weiteres musikalisches Ausrufezeichen zu setzen? Und tatsächlich – Grin betreten die improvisierte Mini-Bühne (von einer Bühne zu sprechen, wäre fast schon übertrieben) und starten ihren geheimen Auftritt in der Scheune.

Kaum erklingen die ersten Takte, strömen die Fans herbei, um das Spektakel hautnah zu erleben. Das Berliner Duo, bekannt für intensive Shows auf Festivals wie dem Freak Valley oder eben auch schon hier beim Hoflärm, präsentiert sich heute auf engstem Raum – roh, wuchtig, unmittelbar. Im Fokus steht ihr aktuelles, hochgelobtes Album Acid Gods, welches dieses Jahr über The Lasting Dose Records erschienen ist. Grin zeigen sich heavier denn je. Ihr Sound ist kompromisslos, ehrlich und voll roher Energie. Auch wenn sie heute nicht auf der großen Bühne stehen, zählt dieser Auftritt für viele zu den absoluten Highlights des Tages – das bestätigen mir später auch zahlreiche Fans.

Grin, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Der Abend ist längst fortgeschritten, doch das Hoflärm hat noch ein letztes Ass im Ärmel: das bereits angekündigte Late Night Special. Und es wird laut – richtig laut! Aus Würzburg sind Zerre angereist und liefern eine wüstenlastige Thrash-Metal-Show mit Crossover-Anleihen, die so manch einen Festivalbesucher erst mal verwundert die Augenbrauen heben lässt. Doch diese Skepsis verfliegt schnell, denn Zerre überzeugen auf ganzer Linie. Ihre Show ist dreckig, erdig, rau – und absolut mitreißend. Besser hätte man diesen Festivaltag kaum abschließen können. Ein würdiger Schlusspunkt mit ordentlichem Druck auf den Boxen.

Zerre, Hoflärm Festival 2025, Pic by Big Simonski

Gegen Ende machen wir uns langsam auf den Heimweg – durch die dunklen Wälder des Westerwalds zurück nach Bendorf am Rhein. Heike übernimmt das Steuer, und ich gönne mir noch ein letztes Bierchen für unterwegs. Perfekt, um all die Eindrücke Revue passieren zu lassen – und dieser Tag verdient es wirklich, gefeiert zu werden.

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