Iatt – Magnum Opus

Theaterliche Atmosphäre bei düsterem Black Metal

Artist: Iatt

Herkunft: Philadelphia, USA

Album: Magnum Opus

Spiellänge: 55:07 Minuten

Genre: Progressive Black Metal

Release: 27.05.2022

Label: Black Lion Records

Link: https://iamthetrireme.bandcamp.com/music

Bandmitglieder:

Bassgitarre – Jay Briscoe
Gitarre – Alec Pezzano
Gitarre – Joe Cantamessa
Schlagzeug – Paul Cole

Tracklist:

  1. Servitude Subjugate
  2. Ouroboros
  3. Prima Materia
  4. Elixir Of Immortality
  5. Exculpate Exonerate
  6. Demiurgos (Architect Of Disaster)
  7. Planes Of Our Existence
  8. Seven Wandering Stars
  9. Chrysopoeia (Bonustrack for CD)

Die noch recht junge Band Iatt veröffentlicht den Nachfolger von Nomenclature, welcher sich Magnum Opus nennen darf. Das Album wird von Black Lion Records vertreten, erscheint Ende Mai und hat neun neue Tracks mit im Gepäck, die nicht gerade langsam daherkommen.

Das Album fällt den Deckmantel des Progressive Black Metal, und selbst wenn man von dem Genre prinzipiell nicht angetan ist, kann niemand erzählen, dass das Album schlecht wäre. Die Elemente aus komplizierten und verschachtelten Rhythmen treffen auf die kalten Winde Norwegens. Prima Materia beispielsweise veranschaulicht das Ganze absolut. Der siebenminütige Track prescht voran und reißt ausnahmslos alles um. Die schnellen Riffs und die kaum nachvollziehbaren Fills kombinieren sich zu einer Wand voller Hass, die vom Vokalisten übertrumpft werden. Wie vom Pferd gerissen fällt die Stimmung ab und ruhige, suizidale Melodien machen sich breit – die Atmosphäre von Verlust. Eine Trauerweide wie im Bilderbuch und dennoch empfindet man keine negativ belasteten Gefühle, man fühlt eher Verständnis und dazu kann man jegliche angestaute Energie abbauen, welche sich in den letzten Jahren angestaut hat. Die Scheibe ist ein krasses Ventil und nicht nur Aggression, Aufregung, Hektik, Trauer und Leid, sondern auch Talent sind in dieses Album eingeflossen und die Kombination der verschiedensten, auch positiven Emotionen macht dieses Album vermutlich so extrem einzigartig. Elixir Of Immortality beginnt mit Geräuschen, die nach einem Messer klingen, welches auf volle Gläser trifft, eine Soundkulisse, welche sich am Anfang hinstellt, die ich so nicht kenne und eher einem spielerischen, gelangweilten Kind zuordnen würde – hier ein außergewöhnliches Stilmittel. Iatt machen mit Magnum Opus definitiv etwas Abgefahreneres, aber nicht zu extrem, dass man meinten könnte, es wäre zu experimentell. Dies ist vermutlich aber schwer zu erreichen, da die Amerikaner bei den letzten Alben immer wieder neue Atmosphären ausprobierten und die Grenzen des Black Metal leicht überschritten – bin gespannt, was bei dem nächsten Album zu hören sein wird.

Die übergebliebenen Möglichkeiten werden nämlich immer weniger, denn es wurde erstens schon viel benutzt, und zweitens bedient sich Opus Magnum auch nicht gerade wenig an dem großen Pool der Ideen. Mir gefallen besonders die dynamischen Riffs, die auf auffrischende Blastbeats treffen, prinzipiell nichts Neues, aber die jeweilige Umsetzung ist so kreativ, dass ich mir wirklich nicht sicher sein kann, ob es überhaupt solche Riffs in diesem Genre so schon mal gab – oder so etwas überhaupt erlaubt ist. Manchmal muss man vielleicht auch einfach mal die Augen zudrücken und hinnehmen, wenn etwas gut ist. Aber dies möchte ich dann doch nicht ganz so stehen lassen!

Die vielen verschiedenen Elemente spielen teilweise nicht miteinander, so kommt es einem nicht gerade so vor, als würde man ein Album, eher verschiedene Singles vor sich liegen haben. Die Struktur ist zwar ähnlich, aber die ständig wechselnden Klänge, Geräuschkulissen oder die Effektinstrumente sorgen für ein nicht ganz sauberes Bild. Dies ist Ansichtssache, mir hätte ein etwas deutlicherer rote Faden über das komplette Album besser gefallen, aber es ist auch möglich, dass ich ihn einfach nicht gesehen habe.

Iatt – Magnum Opus
Fazit
Alles in allem ist das Progressive Black Metal Album auch eins - bloß müsste man dafür manche Stellen entfernen. Nein, es ist einfallsreich und voller Ideen, Energie und phänomenalen Rhythmen, aber ein gleichbleibendes Motiv über das Album hinweg wäre doch die Kirsche auf der Sahnetorte gewesen.

Anspieltipps: Elixir Of Immortality und Prima Materia
Paul M.
7.9
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