Event: Loom World Tour
Headliner: Imagine Dragons
Vorbands: Declan McKenna
Ort: Volksparkstadion Hamburg
Datum: 16.07.2025
Kosten: ab 70 Euro – gute Plätze deutlich teurer
Genre: Pop
Besucher: Um die 45.000
Setlisten: Imagine Dragons
Dass der Einlass um 16:30 Uhr beginnt, stellt sich im Nachhinein als sehr gute Idee heraus: Mit dem Bus um 18:00 Uhr bekommt man von der Vorband rund um Singer-Songwriter Declan McKenna jetzt nur noch einen Teil mit. Dafür sorgen die knapp 40 Minuten Verspätung – was fast schon Glück ist. Denn die Truppe zeigt – von dem, was ich mitbekomme – kaum Bühnenpräsenz.
Es ist fast so, als ob sie – auch Sänger McKenna – am Zentrum der Bühne festgeklebt wären und nur so vor sich hin spielen würden. Ihre weichgespülte Synth-Musik reißt dabei nicht einmal die ersten Reihen mit, kaum jemand applaudiert lautstark – nur eine Crew-Person im Graben feiert sie richtig. Bei allem guten Willen: Auch von einer Pop-Vorband muss man mehr erwarten.
Kinowerbung vorm Konzert – geht’s noch!?
Kurz zum Volksparkstadion, dem Schauplatz des Konzerts: Es ist ein riesiges Fußballstadion und die Heimat des HSV. Zehntausende Gäste passen hinein und nun steht eine große Bühne mit Runway darin. Zur Bühne gehören gigantische Videowände, damit alle im Stadion etwas sehen können. Spätestens jetzt wünsche ich mir allerdings, dass der Bus noch später gekommen wäre … dann hätte ich mir die fade Videowerbung in der Pause sparen können.
Laubbläser beim Konzert
Nun denn, um 20:06 Uhr geht es dann wirklich los, Imagine Dragons betreten die Bühne und starten mit Fire In These Hills. Ein ruhiger, generischer Song vom aktuellen Touralbum Loom. Kein Ohrwurm, aber auch nicht schlecht. Währenddessen füllen sich die Ränge im Stadion noch – es wirkt nicht ausverkauft, aber sehr gut gefüllt. Und sie zünden schon ihren Lieblingseffekt: Eine Konfettiexplosion, die bis zur “Decke” des Stadions fliegt. Hübsch – aber die Crew, die sofort mit Laubbläsern den Runway freiräumt, ist einfach noch unterhaltsamer.
Von den folgenden Songs hat Thunder Thunder dann mehr Druck und bringt Energie in die Menge. Take Me To The Beach plätschert dann zwar dahin. Aber das Publikum feiert trotzdem. Es tanzt und kann überdimensionierte Wasserbälle durchs Stadium stoßen. Die landen sogar so oft auf dem Runway, dass Sänger Dan Reynolds sie immer wieder wegkicken muss. Das Ganze wird derweil von Palmen gerahmt: Auf den Videowänden fügen sich bei jedem Song andere Assets mit einem Feed der Musiker zu ganz stimmigen Kulissen zusammen. Beach Party light.
Basssolo ohne Tiefgang
Beim nächsten Song, Shots, hüpfen auch sehr, sehr viele motiviert mit – sie haben offensichtlich Spaß. Direkt darauf folgt ein nettes Solo des Bassisten Ben McKee – Imagine Dragons spielen immerhin noch echte Instrumente. Es klingt gut, aber nicht umwerfend: das Motto des Abends?
Hier gibt es auch eine der wenigen Botschaften ans Publikum: McKee präsentiert am Ende der Kamera seine Bassgitarre, mit der Transflagge und einem Regenbogenherz auf der Rückseite. Wer jedoch mehr gesellschaftliche Statements von Bands gewöhnt ist, wird hier enttäuscht rausgehen.
Mitnicken, Pyro, Sternenhimmel
Bei I’m So Sorry kann man dann sogar ganz gut mitnicken, der Song macht Spaß und verbreitet Energie. Den nackten Oberkörper des Sängers hätte ich nicht gebraucht, aber dafür gibt es neben übertriebenen Videofiltern ein bisschen echte Pyro. Die fehlt nur leider bei Whatever It Takes direkt darauf: Meterhohe Flammen, aber ausschließlich auf den Monitoren. Kein Funken Feuer – so viel verschenktes Potenzial!
Zum Glück kommt dann mit Next To Me die Atmosphäre, die ich von einem Pop-Konzert erwartet habe. Die ganze Band geht auf den Runway, ein Keyboard wird aufgebaut und selbst der Drummer kommt mit Cajon nach vorne: Und jetzt gehen die Handytaschenlampen an. Sie bilden das Gegenstück zum Sternenhimmel, der zusammen mit einem Windows-XP-artigen-Hügel auf den Monitoren zu sehen ist. Eine rührende Szenerie.
Nette Musik, aber keine bombastische Show
Aber trotz all des Pomps und der riesigen Menschenmasse, die die Musik liebt, bleiben große Momente jetzt rar. Es ist nett, wenn Sänger Reynolds von der Bühne in den Graben geht, Hände schüttelt und von Kameramenschen verfolgt wird. Richtig mitreißend ist es aber nicht. Und der Gitarrenpart am Ende von Bad Liar ist schön, aber extrem kurz. Radioactive ist stark und einer der Songs, für die ich wirklich da bin. Es eskaliert aber trotzdem nichts. Und das, obwohl Sänger Reynolds jetzt zusätzlich zum Drummer trommelt, also wirklich genug Beats da sind.
Und so geht es weiter. Für viele Fans ist es sicher die magische Nacht, die die Band beschwört. Aber insgesamt hätte ich mehr erwartet: mehr Bühnenpräsenz, mehr (echte) Effekte, eine bessere Soundqualität. Kurzum: Eine mitreißendere Perfomance. Ich finde einige Songs durchaus nett, aber ich habe schon akustische Sets erlebt, die mit viel weniger Effekten stärker fetzen. Wo bleibt die Party?
Abriss statt Abrissparty?
Wer ihre Lieder liebt, wird hier glücklich, kann klatschen, feiern und sich die Seele aus dem Leib singen. Aber wer die Songs nur nett findet und sich mitreißen lassen möchte, bekommt von der Show nicht genug geboten, um ein Believer zu werden. Auf diesen Song endet das Set nach nicht einmal zwei Stunden mit einem großen Funkenregen – ziemlich kurz, verdammt teuer. Und von den Musikern, vor allem von ihren Ansprachen, bleibt ziemlich wenig hängen. Dafür wartet der Abriss, den das Konzert nicht geboten hat, draußen vor der Tür: Elf Gabelstapler und dutzende Crewmitglieder in Warnwesten stehen bereit, um alles einzutüten.



