Immorium – This Too Shall Pass

Phänomenaler, facettenreicher Melodic Death aus Down Under

Artist: Immorium

Herkunft: Canberra, Australien

Album: This Too Shall Pass

Spiellänge: 56:41 Minuten

Genre: Melodic Death Metal

Release: 31.07.2020

Label: Eigenproduktion

Link: https://immorium.bandcamp.com

Bandmitglieder:

Gesang – Dave Smith
Gitarre – Jared Williams
Gitarre – Dan Norton
Bassgitarre – Nick McCauley
Schlagzeug – Chris „Dutch“ Vandermark

Tracklist:

  1. Vale
  2. Diamonds Of The Fire
  3. Echoes
  4. Trainwreck
  5. Demiurge
  6. Only Cinders Remain
  7. Pride
  8. Across The Fade
  9. This Too Shall Pass
  10. Waves Of Damnation

Immorium dürften für die meisten von uns noch ein unbeschriebenes Blatt auf der Metal-Landkarte sein, obwohl sie schon seit 2008 aktiv sind und auch mit bekannten Größen wie Dragonforce oder den australischen Landsmännern von Be’Lakor bereits die Bühne teilen durften. 2011 brachten sie mit Existence To Dust eine Demo-EP heraus. Vier Jahre später kam dann mit Universum ihr erstes, komplett in Eigenregie fertiggestelltes Full Length Album auf den Markt, welches meinen ersten Berührungspunkt mit der Band darstellte. Wenn auch die großen Aha-Momente noch rar gesät waren, so konnte mich ihre Interpretation von Melodic Death Metal mit ihren abwechslungsreich gestalteten Songs aufhorchen lassen. Das songwriterische Talent war unüberhörbar und der Grundstein für weitere Großtaten war somit gelegt.

Nun schreiben wir das Jahr 2020 und Immorium legen in Form ihres zweiten Longplayers This Too Shall Pass endlich neues Material nach. Insgeheim erhoffte ich mir eine Steigerung zum Debüt. Doch dass die fünf Männer aus Canberra so einen Quantensprung hinlegen und qualitativ die Messlatte aber so was von hoch ansetzen würden, konnte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen. Doch wie kann man sich die Musik des Quintetts nun vorstellen? Als Einflüsse werden seitens der Band Insomnium (oh jaaa!), Wolfheart (check), Soilwork (ja, nur besser…), Omnium Gatherum (check) und Opeth (na ja, vielleicht die Frühwerke) angegeben. Das musikalische Grundgerüst besteht aus Modern Melodic Death Metal, ähnlich bekannter Genregrößen wie eben Soilwork oder auch die eher unbekannteren Finnen von Bloodred Hourglass. Und eigentlich brechen sie auch kaum aus dem typischen Strophe-Refrain-Muster aus. Nur dass Immorium ihre Songs mit viel Liebe bis ins kleinste Detail ausgetüftelt haben und mit perfekt gesetzten Breaks, zweistimmig gespielten, Gänsehaut erzeugenden Soli, eingestreuten Akustikpassagen, leicht progressiven Einsprengseln und vor allem durch geschickte Tempowechsel, diese so abwechslungsreich gestalten, dass der geneigte Hörer immer wieder neue Feinheiten entdecken kann.

Mit Vale starten wir nun in die gut 56 Minuten dauernde musikalische Reise. Die Nummer ist halb Intro, halb Song und bereitet stimmungsvoll den darauffolgenden „echten“ Opener vor. Diamonds Of The Fire geht dann mal tempomäßig gleich in die Vollen und gipfelt in einen gottgleichen Insomnium-Gedächtnis-Refrain, der bei mir sämtliche Körperbehaarung zum Aufstellen bringt und nur einen Kommentar zulässt: Mein Gott, wie geil ist das denn?! Herrlich! Kaum erholt, wird im Mittelpart der volle Einsatz der Nackenmuskulatur verlangt. Hier streuen die Aussies einen Bangerpart ein, der so klingt, als würden Machine Head zusammen mit Kataklysm den legendären Schluss von Davidian neu einspielen. An dieser Stelle muss man den großartigen Sound gebührend loben. Aufgenommen wurde die Scheibe in den Monolith Studios von Chris Themelco (Orpheus Omega), der dem Album einen klaren, transparenten und ungemein druckvollen Sound verpasst hat, sodass vor allem die Rhythmusgitarren aber so was von fett aus den Boxen donnern.

Echoes und Demiurge schlagen in eine ähnliche Kerbe wie der Opener und wissen ebenfalls mit variablem Tempo und grandiosen Refrains zu überzeugen. Hier muss unbedingt Schlagzeuger Chris „Dutch“ Vandermark erwähnt werden, der gerade durch sein präzises Drumming und geschickten Rhythmuswechseln das sprichwörtliche Salz in der Suppe ausmacht und großartige Arbeit verrichtet.

Mit Only Cinders Remain wird die zweite Hälfte des Albums eingeläutet, welche mit längeren Songs jenseits der Sechs- bzw. Sieben-Minuten-Grenze aufwartet und zu den weiterhin sehr abwechslungsreich gestalteten Abschnitten mehr und mehr epische Passagen zu bieten hat. In Pride bekommen wir es erstmals mit einem klar gesungenen Refrain zu tun und dann dieses Solo: wirklich grandios! Ansonsten gibt Sänger Dave Smith mit seinen abwechselnd einsetzenden Growls sowie Kreischgesang eine gute Figur ab und lässt damit den Gesang nie eintönig werden. Mit ruhigen Klängen wird Across The Fade eingeleitet und was soll ich sagen: Kopfhörer auf und genießt die knapp acht Minuten. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Meilenstein! Hier wird Melodic Death Metal in all seiner Schönheit geboten.

Nach dem etwas experimentellen Titeltrack folgt mit Waves Of Damnation der perfekte Abschluss von This Too Shall Pass. Akustisch, melodisch, episch, majestätisch erhaben, rasant, verspielt – einfach alle Stärken des Albums nochmals in diesem einen Song vereint und den Rezensenten mit einer Träne der Rührung zurücklassend.

Immorium – This Too Shall Pass
Fazit
Immorium liefern mit This Too Shall Pass ein nahezu perfektes Werk ab. Hier stimmt einfach alles. Angefangen vom facettenreichen Songwriting über grandiose Melodiebögen, erhabene Refrains sowie der mehr als amtlichen Produktion bis hin zum hervorragenden Cover-Artwork. Man hat viel Zeit und Arbeit in die Ausarbeitung der einzelnen Songs gesteckt, und das hört man in jeder Tonfolge und Silbe. Umso beachtlicher ist hierbei, dass es sich um eine Eigenproduktion handelt. Also, Labels dieser Welt: Schnappt euch diese geniale Band, denn sie hat das musikalische Potenzial, ganz groß zu werden. Alle, die mit den oben beschriebenen Bands in irgendeiner Weise was anfangen können: Holt euch dieses Meisterwerk, denn Immorium haben eure Unterstützung mehr als verdient! Ich ziehe vor dieser Glanzleistung meinen virtuellen Hut!

Anspieltipps: eigentlich alles, besonders Diamonds Of The Fire, Across The Fade und Waves Of Damnation
Christian K.
9.7
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9.7
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