In Extremo, Schandmaul und Beyond The Black am 20.07.2019 bei den Z7 Summer Nights in Pratteln

Mittelalterliche Klänge bei Z7 Open Air

Event: Z7 Summer Nights Open Air 2019

Headliner: In Extremo, Schandmaul

Vorband: Beyond The Black

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr.7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 20.07.2019

Kosten: 75,00 CHF / 66,00 €

Besucher: ca. 1600

Genre: Mittelalter Rock, Folk Rock, Symphonic Metal, Melodic Metal, Power Metal

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/209527213317163/

Setlist In Extremo:
01. Sängerkrieg
02. Vollmond
03. Störtebeker
04. Feuertaufe
05. Gaukler
06. Unsichtbar
07. Quid Pro Quo
08. Liam
09. Lieb Vaterland, Magst Ruhig Sein
10. Mein Rasend Herz
11. Frei Zu Sein
12. Spielmannsfluch
13. Küss Mich
14. Himmel Und Hölle
15. Moonshiner
16. Sternhagelvoll
17. Pikse Palve


Das Z7 Summer Nights Open Air ist in vollem Gange und nachdem ich gestern Abend schon bei Tarja, Rage & Lingua Mortis Orchestra und Serious Black war, steht der heutige Samstag mit In Extremo, Schandmaul und Beyond The Black etwas im Zeichen des Mittelalters. Nachdem sich gestern der Besucherandrang etwas in Grenzen gehalten hat, scheint es heute, trotz extremer Hitze, eine volle Hütte zu geben. Schon als ich an der Konzertfabrik ankomme, ist der Andrang an der Abendkasse recht groß und das, obwohl ich spät dran bin und der Einlass schon eine Weile läuft.

Pünktlich gegen 18:00 Uhr steht dann mit Beyond The Black die erste Band auf der Bühne. Obwohl die Großen des Genres wie Nightwish und Within Temptation nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, boomt Symphonic Metal wie eh und je. Anfangs noch als Castingband verschrien, hat die Band um Frontfrau Jennifer Haben eine Wahnsinns Karriere hingelegt und ist nach wie vor ein Phänomen. Mit In The Shadows legt das Quasi-Solo-Projekt von Jennifer Haben vor den Toren des Z7 einen Einstand nach Maß hin und zieht die anwesenden Besucher schnell auf ihre Seite. Nun werden sicherlich einige der Meinung sein, dass es sich bei BTB um eine Band und nicht um ein Soloprojekt handelt, aber der Eindruck entsteht, wenn man den Karriereverlauf beobachtet. Jennifer ist hier nicht nur das Aushängeschild einer Band, sondern hat die Fäden fest in der Hand. Sie präsentiert die Band, sie schreibt die Songs, sie stellt die Band ganz nach Belieben zusammen. Früher lief es ganz ähnlich bei Doro, doch während die Band um Doro Pesch mittlerweile zu einer festen Einheit zusammengewachsen ist und seit Jahren Bestand hat, dreht sich bei Beyond The Black regelmäßig das Bandkarussell. Dennoch präsentiert sich die momentane Besetzung heute zumindest als routiniert und macht einen guten Job. Die Songs sind recht einfach gestrickt und allesamt im radiotauglichen Bereich zwischen Rock und Metal angesiedelt, wobei weder die harten Riffs noch die Ohrwurmqualität vernachlässigt werden. Auch wenn heute überwiegend Mittelalterfans vor Ort sind, die in erster Linie wegen In Extremo und Schandmaul da sind, so ist die Stimmung doch sehr gut und Nummern wie Songs Of Love And Death, Heaven In Hell oder Heart Of The Hurricane werden lauthals mitgesungen. Jedes Mal, wenn sich Jennifer an das Publikum wendet, brandet lauter Jubel auf. Die Fronterin kann live überzeugen, sowohl stimmlich als auch von der Präsentation her. Einzig an ihren Ansagen sollte die Gute vielleicht noch etwas feilen, denn die wirken teilweise recht unbeholfen und gekünstelt. Mit ihrer Mischung aus Symphonic und Melodic Metal hätten sie jedoch besser in den gestrigen Abend und ins Vorprogramm von Tarja gepasst, denn da hat die Zusammenstellung mit Rage und Serious Black auch so gar nicht gepasst.

Eigentlich war ich der Meinung, In Extremo wären heute Abend Headliner, doch ich muss mich eines besseren belehren lassen, denn die Berliner und die Gröbenzeller von Schandmaul sind heute gleichberechtigte Headliner mit 90 Minuten Spielzeit. Da aber eine Band notwendigerweise beginnen muss, geht es nun mit Schandmaul weiter. Ich muss gestehen, ich habe die Band um Frontmann Thomas Lindner erst einmal live gesehen, vor einigen Jahren auf dem I EM Music Festival im Vorprogramm von Unheilig und damals konnten sie mich nicht wirklich überzeugen. Die Songs sind mir zu soft und auch auf der Bühne passierte nichts Wesentliches, was mich in den Bann ziehen konnte. Somit erwarte ich auch heute nichts von dem Auftritt und lasse es eher über mich ergehen. All das ist aber meine ganz persönliche Meinung und spiegelt nicht die Meinung des Z7 Publikums, denn das geht vom ersten Moment an voll mit und feiert die Mittelalter Recken aus der Nähe von München. Zu Songs wie Kein Weg Zu Weit, Bunt Und Nicht Braun und Drachentöter wird getanzt und wild gefeiert, während ich mich in die schattige Kühle des Z7 zurückziehe und mich mit einer kalten Schaumkrone beschäftige. Erst zum Ende bei Walpurgisnacht werde ich noch mal aufmerksam und schaue noch einmal draußen vorbei, denn der Song macht Spaß. Nun war es die ganze Zeit über laut draußen und es wurde gefeiert, aber bei diesem Klassiker rasten die Fans regelrecht aus. Auch sieht das Publikum recht zufrieden aus und ist bestens aufgeheizt für die zweite Headliner Band des Abends.

Die kommen dann auch mit einem großen Knall, denn zu Sängerkrieg und Vollmond wird aus vollen Rohren geschossen, vor der Bühne werden Pyros gezündet und unzählige Feuerfontänen steigen in den Schweizer Nachthimmel, sodass wir Fotografen erst zum dritten Song Störtebeker in den Graben dürfen. Während Schandmaul, mit Ausnahme von Lindner, oftmals wie angewurzelt auf der Bühne standen, ist nun bei In Extremo von Beginn an richtig Bewegung angesagt. Die letzten paar Mal habe ich die Mittelalterrocker um Frontmann Michael Robert „Das letzte Einhorn“ Rhein im völlig überhitzten Zirkuszelt des Freiburger ZMF gesehen, was jedes Mal genial war, doch an einem schönen Sommerabend lässt es sich draußen doch besser aushalten. Die Band ist perfekt aufeinander eingespielt, fast 25 gemeinsame Jahre ohne großartige Wechsel im Band Line-Up machen sich halt doch bemerkbar. All die Sackpfeifen, Flöten, Schalmeien, Harfen und sonstigen Instrumente kommen klar rüber und auch Das letzte Einhorn ist gewohnt gut drauf. Im Vergleich zu gestern Abend, wo die Instrumente des Lingua Mortis Orchester beim Rage Auftritt fast überhaupt nicht zu hören waren, ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Songtechnisch geht die Reise heute quer durch die Bandgeschichte, wobei es natürlich die großen Hits wie Quid Pro Quo, Liam, Mein Rasend Herz, Spielmannsfluch und Küss Mich sind, die von den Fans besonders euphorisch aufgenommen und abgefeiert werden. Während der ganzen Zeit wird natürlich auf und vor der Bühne allerlei Pyro abgefackelt, was leider dafür sorgt, dass heute wieder viel zu viele YouTube Hobbyfilmer aktiv sind und anderen ihr Handy vor die Nase halten. Zwischendurch wird natürlich auch wieder allerlei Quatsch fabriziert, denn Michael Rhein ist ja der geborene Entertainer und hat immer einen Spruch auf den Lippen. Heute hat er es besonders mit den Schweizer Zöllnern und überhaupt mit dem Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern, wobei Rhein zur Vernunft mahnt, man solle sich doch vertragen. Der obligatorische Schreiwettbewerb wird zwischen Weiblein und Männlein angezettelt, den ganz deutlich das männliche Geschlecht für sich entscheiden kann, wobei das heute nicht wesentlich merklich in der Überzahl ist. Ein weiteres Highlight ist gegen Ende Sternhagelvoll, das vom Publikum völlig textsicher und inbrünstig mitgesungen wird und auch nach Ende des Songs wird vor der Bühne weiter geschunkelt und der Song weitergetragen. Beim Rausschmeißer Pikse Palve zeigt die Band dann noch einmal, wie gut mittelalterliche Instrumente und härtere Rockmusik zusammenpassen, bevor die Besucher in die laue Sommernacht entlassen werden. Die Setlist lässt kaum Wünsche offen, einzig Herr Mannelig und das Zigeunerskat haben mir vielleicht noch gefehlt, aber man kann halt nicht alles haben, oder aber, niemals geht man so ganz, denn das nächste Konzert mit den Berlinern kommt bestimmt.

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