In Flammen Open Air vom 10.07. bis 12.07.2025 in Torgau

Der Entenfang steht zum 19. Mal lichterloh in Flammen

Eventname: In Flammen Open Air 2025

Bands: Ahab, Altars Of Ablaze, Aschenvater, Ash Nazg Burz, Assin By Raging Rob, BAT, Belphegor, Deathless Void, Defeated Sanity, Dehuman Reign, Depressive Age, Disharmonic Orchestra, Dymna Lotva, Endstille, Graveworm, Hellhammer performed by Tom Gabriel Warrior’s Triumph Of Death, Humiliation, Lead Injektor, Lightless, Lömsk, Malevolent Creation, Marduk, Massacre, Myrdal, Perpetual, Praise The Plague, Protector, Slow Fall, Spearhead, Sublime Cadaveric Decomposition, Sunken, Turbokill, Undergang, Vader

Datum: 10.07. -12.07.2025

Genres: Thrash Metal, Melodic Death Metal, Death Metal, Post-Black Metal, Black Metal, Doom Metal, Grindcore, Goregrind

Ort: Entenfang 1, Torgau

Kosten: 99,90 €

Besucher: ca. 6.000

Nach dem IFOA im vergangenen Jahr stand für mich bereits vor Antritt der Heimreise fest, dass ich auch in diesem Jahr erneut Deutschlands Hellish Garden Party besuchen würde, unabhängig vom Billing. Das Ambiente am Entenfang ist einfach megaschön und das gesamte Team einfach nur großartig, da gerät die Bandauswahl fast zur Nebensache. FAST!

Donnerstag

Wie so oft hält ein guter Kumpel am Reisetag vor meiner Tür, um mein Equipment und meine Wenigkeit einzusacken. Danach geht’s noch kurz zum lokalen Großmarkt, hauptsächlich um die bordeigene Bar zu ergänzen. Trinken ist im Sommer besonders wichtig, zwischendurch geht auch gern mal ein Wasser. Jetzt geht die wilde Fahrt los: Bis nach Leipzig völlig problemlos, dann über Land bis Torgau natürlich immer mal wieder Lkw oder Schleicher, die sich aufgrund der oft uneinsichtigen Strecke nur schwer überholen lassen. Die Zufahrt zum Gelände und das Check-in verlaufen dieses Mal erstaunlich schnell, denn man hat die Einlasskapazitäten etwas erweitert. Danke schon mal allein für diese Verbesserung. 
Inklusive Zeltaufbau vergeht trotzdem leider zu viel Zeit, sodass ich erst zur dritten Kapelle an der Hauptbühne auflaufe.

Urtikaria Anal – IFOA 2025

Zwar hatte ich in diesem Jahr im Vorfeld deutlich weniger Zeit, mich mit dem Billing auseinanderzusetzen, entsprechend habe ich auch nicht in die mir unbekannten Bands reingehört. Allerdings weiß man manchmal einfach vom Bandnamen her, was da auf einen zukommt. Bei Urtikaria Anal ist direkt klar: Grindcore oder Goregrind. Und als ich dann des Trios ansichtig werde, weiß ich noch vor dem ersten Akkord, dass ich recht hab. Alle drei mit BDSM-Masken, Frontmann mit umgeschnallten Kunstmöpsen und auch ein Großteil des aufmarschierten Auditoriums lässt auf ein Spektakel schließen, das in besagtem Genre verortet ist. Wer mal Gast auf einem Event wie beispielsweise dem Obscene Extreme war, weiß, was ich meine. Die Musiker geben sich als Mexikaner zu erkennen und dann folgen knapp 40 Minuten lärmender, gut gelaunter Irrsinn – auf und vor der Bühne. Für mich ist das unvorstellbar, mir sowas aus der Konserve anzutun, aber live ist das faszinierend und witzig zu verfolgen, ich habe echt meinen Spaß. Aber ich versteige mich mal zu der gewagten These, dass ein ganzes Festival nur mit sowas nüchtern nicht machbar ist.

Slaughterday – IFOA 2025

Die Mucke der folgenden Kapelle ist für mich dann deutlich nachvollziehbarer. Die Niedersachsen von Slaughterday zelebrieren seit nun gut 15 Jahren feinsten Old School Death Metal. Sägende, schnelle Gitarrenläufe und bollernde Rhythmen treten ganz gewaltig Ärsche. Mit gelegentlichen melodischen, teilweise gar doomigen Einlässe sorgen die Ostfriesen für gute Abwechslung. Das Quinntett ackert sich voller Spielfreude die schwarze Seele aus dem Leib und bietet uns einen verdammt knackigen Sound. Saitenhexer Jens Finger ist für mich nicht ganz unbekannt, da er ja auch bei Temple Of Dread mitwirkt. Durfte ich im vergangenen Jahr bei der Party.San Herbstoffensive erleben; ist ebenfalls eine Empfehlung wert. Im Übrigen bringen es die norddeutschen Sympathen in ihrer unnachahmlich trockenen Art selbst auf den Punkt: „Keine Wikingerschiffe, kein Corpsepaint, keine Plastiktitten – einfach nur fucking Old School Death Metal!” Well done, Guys!

Impiety – IFOA 2025

Auch in diesem Jahr stammen die Bands wieder aus den verschiedensten Nationen, und da kann man die Singapurer Black-Death-Formation Impiety schon beinahe nicht mehr als Exoten bezeichnen. Aber genau wie ihr kleines Heimatland ein Potpourri vieler Nationen ist, hat der Extremmetal der Südostasiaten mannigfaltige internationale Einflüsse, die heut auch live sehr deutlich wahrnehmbar sind. Zwar ist die Band supergut drauf, speziell Frontröhre Shyathan scheint der Schalk deutlich im Genick zu sitzen, bedauerlicherweise überträgt sich nicht ganz so viel davon ins Publikum. Gelegentlich sehe ich artiges Headbangen, aber obwohl im zweiten Part der Show die Daumenschrauben deutlich angezogen werden, kommt kaum Bewegung in die Menge vor der Bühne. Schade, da hätte die Band mehr verdient.

Ancient Rites – IFOA 2025

Auf die jetzige Band habe ich mich schon wahnsinnig gefreut, denn es ist schon eine Ewigkeit her, dass ich Ancient Rites in Natura erlebt hab. In meinem Bekanntenkreis war die belgische Combo bösartigerweise Anfang der 2000er manchmal als Dancefloor verschrien. Keine Ahnung, wieso. Ich persönlich finde ja Black Thrash im Allgemeinen echt gut und die Folk-Metal-Variation der Flämischen absolut interessant. Bei dem Auftritt heute feiere ich am meisten die schnelleren Parts heftigst ab. Das intensive, schnelle Drumming lässt die Songs sehr oft zu einem echten Parforceritt geraten. Gelegentlich driften die Stücke in Teilen auch stark ins Maiden’eske ab, was den Old-School-Faktor noch sehr verstärkt. Alle Kuttenträger im Auditorium, mich eingeschlossen, wird das sehr gefreut haben. Jedenfalls steigt die Partystimmung vor die Bühne gerade drastisch an. Allerspätestens jetzt habe ich den Alltag komplett abgeschüttelt und bin wieder in dieser geliebten Parallelwelt angekommen.

Cancer – IFOA 2025

Mit Cancer bildet heute eine Band den Tagesabschluss, die zumindest ihre Ursprünge ebenfalls im Old-School-Sektor hat. Ich musste im Nachhinein ernsthaft nachschauen, wer überhaupt noch von der ursprünglichen Besetzung an Bord ist. Sänger John Walker, einzig verbliebenes Gründungsmitglied – na, Hand aufs Herz, wer hätte es gewusst? Nichtsdestotrotz transportieren die Jungs immer noch unheimlich viele Vipes der alten Schule in unsere Zeit. Zwar haben Cancer während ihres zweiten Frühlings ihr Hauptaugenmerk eher auf das Deathige in ihrer Musik gelegt als auf eine Thrash-Note, allerdings ist die Setlist heute Abend eine gesunde Mischung aus dem Material beider Epochen. Und egal ob kuttentragende Graubärte oder Groove-Metal-Youngster – beide Fraktionen feiern die Truppe gleichermaßen frenetisch ab, getreu dem Overkill-Klassiker: In Union we stand! Einfach herrlich.

Auf der Hauptbühne endet der Auftakt zum diesjährigen In Flammen Open Air, aber an der Froschkotze-Bar geht’s noch einige Stunden bei diversen Drinks und Dosenmucke munter weiter. Irgendwann verschwinde ich aber doch glücklich und zufrieden in meiner Folienbehausung.

Freitag

Am Morgen mache ich zunächst einmal dem Wischi-Waschi-Camp meine Aufwartung. Spültoilette und eine Dusche zum kleinen Preis sind echt nicht zu verachten, da startet der Tag gleich völlig anders. Danach noch einen Kaffee von diesem kleinen roten Mobil für Kaffeespezialitäten – eine echt runde Sache. Meine morgendliche Kaffeeinfusion setze ich dann aber an der Froschkotze-Bar fort, bei meinem Verbrauch einfach eine Preisfrage.
 Heute stehen unter anderem Raging Rob auf der Running Order. Ich erfahre, dass die Jungs bereits auf dem Gelände sind, und da ich deren Gitarristen kenne, arrangiere ich ein kurzes Treffen mit ihm. Ist ja noch eine ganze Kante Zeit, bis die erste Band des Tages Stagetime hat. Es ist echt schön, mit Dirk mal wieder einen Plausch zu halten nach so langer Zeit; seinerzeit war er ja noch Klampfer bei der Speed-Metal-Kapelle Warrant. Ich wandere danach noch etwas planlos übers Gelände; als die festivaleigene Merch-Bude öffnet, erwerbe ich dann das obligatorische Festivalnicki und warte danach Füßescharrend auf den Startschuss auf der Hauptbühne. Pünktlich zehn nach halb eins begrüßt Veranstalter Thomas die bereits beachtlich erschienene Besuchermenge und gibt die Hauptbühne frei für beinahe zwölf Stunden schwermetallischen Wahnsinn.

Mýrdal – IFOA 2025

Der Opener des Tages kommt aus meinem schönen Bundesland Sachsen. Bühne frei für die Leipziger Mýrdal. Verdammt schneller Schwarzetall pfeift über das sonnige, von Bäumen umstandene Zuschauergelände. Zwar nicht ganz dieser grim’n’frostbitten-Stil, aber nahe dran. Prinzipiell hat man den Eindruck einer Ein-Mann-Show. Der Drummer versteckt sich weitestgehend hinter seinem Kit, glänzt jedoch mit einem beinahe durchgehenden Blast-Gewitter. Nur Fronter Willy schreit seine klagenden Lyrics förmlich gegen die unbarmherzige Sonne. Dabei fliegen seine Finger über die Saiten deiner blutroten Flying V, die ebenfalls den Bass-Amp mit einem Signal versorgt. Typisch für dieses Genre – da musste ich mich seinerzeit auch erst dran gewöhnen – ist die mangelnde Kommunikation mit dem Publikum und dessen Bewegungsarmut; Zugabe? Fehlanzeige natürlich. Die Musik ist allerdings echt klasse, kann man sich mal vormerken.

Ash Nazg Burz – IFOA 2025

Wir bleiben in schwarzmetallischen Gefilden, und der Bandname Ash Nazg Burz lässt den Tolkin-Fans unter den Anwesenden sicherlich schon den Schlüppie feucht werden. Als dann in der schwarzen Sprache als Intro das Ringgedicht vom Band rezitiert wird und der Sänger in Sauronmaskierung die Bühne betritt, bricht ein ungeheurer Jubel los, der sicher die Grundfesten Mittelerdes erschüttert hätte. Insgesamt wird gutklassischer Black Metal geboten; der eine oder andere Titel trägt offensichtlich gleichfalls Titel in Mordor-Sprech, was mich als Tolkinanhänger zu der Frage führt, ob da draußen eine Art Übersetzer für diese ausgeklügelte Fantasiesprache existiert? Neben R’lyanisch und Klingonisch ist die echt wie geschaffen für Schwarzmetall, oder? BM ist zwar keine Hauptmahlzeit auf meinem schwermetallischen Speisezettel, aber das hier macht echt viel Spaß. Nach ein paar Songs ist dem Fronter die Maske dann doch zu warm oder zu unbequem. Kann man ihm bei dem schönen Wetter echt nicht verdenken.

Raging Rob’s Assassin – IFOA 2025

Auf dem in der Umbaupause gehissten Backdrop steht zwar Raging Rob, für mich sind das allerdings die wahren Assassin. Eine Thrash-Metal-Legende, deren Bandgeschichte so wechselhaft, wie ihre Musik absolut großartig war und in dieser Formation immer noch ist. Versteht mich nicht falsch, die Jungs, die heutzutage unter dem Namen Assassin unterwegs sind, machen definitiv auch keinen schlechten Job, aber was heute auf der Bühne läuft, fühlt sich schlicht und ergreifend viel echter an. 40 Minuten lang erlebe ich einen Old-School-Abriss allererster Kajüte, und wenn Rob mit seiner unnachahmlichen Ruhrpottschnauze extrem sympathisch mit den Fans parliert, weiß man, wo der deutsche Thrash Metal seine Kinderstube hat, nämlich im Pott. Und letzterem bin ich – gleichfalls aus einer Montanregion stammend, schon seit vielen Jahren tief verbunden. Übrigens ist Robs zweiter Gitarrist heute unpässlich, aber der gewählte Ersatzklampfer hat seinen Job sicht- und hörbar gut gemacht. Chapeau! Und die Show im Gesamten? Genial, hatte gelegentlich ein Tränchen im Kuttenknopfloch. Supergerne wieder!

Defeated Sanity – IFOA 2025

Die brachiale Urgewalt von Defeated Sanity ist gleichermaßen faszinierend, wie auf Dauer auch ganz leicht langweilig, das möchte ich gleich als Erstes erwähnen. Für diese Aussage könnt ihr mich jetzt gern schlachten, fühl ich aber so. Es steht ganz außer Frage, dass der Brutal Death Metal der Jungs um Josh Welshman makellos und messerscharf serviert wird und Joshs Stimme allein schon den stimmlichen Totalabriss zelebriert. Von Platte kann und will ich mir sowas aber nicht geben; selbst für die Dauer des 40-minütigen Gigs ist mir das fast schon zu anstrengend, wenn auch alles andere als schlecht. Interessant wird es für mich erst gegen Ende kurz vor den reinen Instrumentalsoli, als das Ganze deutlich ins deathdoomige kippt, davon hätte es durchaus mehr sein können. Aber das ist wahrscheinlich Jammern auf hohem Niveau, oder?

Graveworm – IFOA 2025

Auf Graveworm habe ich mich schon richtig gefreut, denn es ist mittlerweile fast zwölf Jahre her, seit ich die Tiroler zuletzt gesehen hab, damals gleichsam in einem Festivalumfeld. Seit ich die Band seinerzeit für mich entdecken durfte, sind bereits einige Gigs der Jungs durch die Zeit gegangen, und ich habe ehrlich den sicher subjektiven Eindruck, dass die Band live einfach von Mal zu Mal besser wird. Im Melodic-Death-Sektor, in dem die Band nun mal unbestreitbar verortet ist, müssen sie sich vor der nordeuropäischen Konkurrenz auf gar keinen Fall verstecken. Würde man mich heute aber vor die komplizierte Wahl „Göteborg oder Bozen“ stellen, würde die Wahl knapp ausfallen, denn schon rein emotional hätten die Grabwürmer aktuell die Nase vorn. Muss an den klimatischen Bedingungen der jeweiligen Länder liegen, die deutlich Auswirkungen auf die Art von Komposition, Songwriting und letztendlich die Art der Darbietung haben. Und ich bin nun mal ein Sonnenkind.

Undergang – IFOA 2025

Die Dänen von Undergang kenn ich bis dato überhaupt noch nicht. Die Band präsentiert uns eine wunderbare Old-School-Death Metal-Show, die zumindest für meine Wenigkeit keine Wünsche offenlässt. Teilweise schaffen es die Jungs, an gute alte Bolt-Thrower-Zeiten zu erinnern, was für mich definitiv nicht die schlechteste Hommage ist. Genauso straight forward und stumpf in die Fresse, trotz aller Aggressivität mit einer sehr virtuosen Gitarrenarbeit – echt Wahnsinn. Die Jungs sind ganz allgemein super drauf und das überträgt sich spürbar auch aufs Publikum. Der Solo-Part wird von den Kopenhagenern ausgiebig und mit der gleichen Hingabe zelebriert, wie der ganze Rest der Show. Die Zuschauer fordern schon beizeiten frenetisch eine Zugabe, die dann – man liegt ja gut im Zeitplan – auch gewährt wird. Leider sind die 40 Minuten Stagetime viel zu schnell um. Die Kapelle werde ich mir auf jeden Fall vormerken.

Malevolent Creation – IFOA 2025

Wir bleiben bei im Death-Metal-Sektor. Malevolent Creation, gute alte Bekannte der brutalen Spielart dieses Genres, betätigen sich in Torgaus schwermetallischem Gemüsegarten als Abrissbirne. Zwar ist von den Gründungsmitgliedern auch nur noch Gitarrenhexer Phil Fasciana übrig, nichtsdestotrotz liefern er und seine drei Mitstreiter eine saugeile Todesblei-Show ab. Besonders markant ist dabei der fiese bellende Gesang von Basser Jelle Jolly, der die Truppe seit letztem Jahr am Mikro verstärkt. Könnte glatt zum Trademark der Band mutieren; wir werden sehen. Der Platz vor der Bühne füllt sich nun immer mehr, die meisten Besucher dürften ausreichend ausgeruht und gestärkt sein, auch der Tank ist bei so manchem unübersehbar gefüllt – so soll’s sein. Ein oder zweimal hat die Grabensicherheit durch einschwebende Crowdsurfer mal was zu tun. Als Zugabe bringt die Band den inhaltsschweren Song Blood Brothers vom 95er-Album Eternal. Animals we are, not men.

Endstille – IFOA 2025

Jetzt ist wieder eine kleine Runde Black Metal angesagt. Die Kieler Sprotten von Endstille habe ich auch ewig nicht mehr gesehen. Aber spätestens nach der Show heute kann ich behaupten, dass bei den Jungs sehr sicher ist, dass alles gleich bleibt. Zingultus zufolge hat die Band vor zwei Jahren ein mehr oder weniger fertiges Album nicht veröffentlicht, weil es nicht nach ihnen geklungen haben soll. Sowas sagt mir, dass die Band auch on Stage hundert Prozent identifizierbar bleiben möchte, und dieses Ziel erreichen sie heute definitiv. Klassiker wie auch Stoff neuerer Alben werden von den Zuschauern gleichermaßen gefeiert, das Feld vor der Bühne ist mittlerweile bis zum FoH-Zelt gut gefüllt. Auch ich als selten Schwarzwurzeln Schälender erkenne den einen oder anderen Titel durchaus wieder; rein handwerklich sind die Jungs auf jeden Fall über jeden Zweifel erhaben. Zwar gibt’s dem Genre naturgemäß keine Zugabe, aber bei der Ankündigung des letzten Songs bricht noch einmal sowas wie Jubel aus: Endstilles Reich.

Massacre – IFOA 2025

Von Massacre mag ich zwar die frühen Alben sehr, aber die Show heute find ich eher enttäuschend. Zwar versuchen die Jungs, altem wie auch neuem Material das Old-School-Gewand zu verpassen, aber alles in allem wirkt die ganze Performance eher wenig ambitioniert. Klar, das Publikum feiert ab einer gewissen Uhrzeit eigentlich immer alles ab, was von vorn auf sie einbröselt. Aber ich persönlich empfinde das Gebotene bestenfalls als DM-Durchschnitt, dem Kultnamen Massacere eigentlich nicht so richtig gerecht werdend. Ist aber wahrscheinlich alles Geschmackssache, spricht der Affe, bevor er in die Kernseife beißt. Richtig enttäuschend ist dann erst, dass die Band zehn Minuten vor der Zeit die Bühne verlässt, darüber täuscht auch das ShakeHands mit der ersten Reihe im Publikum nicht hinweg. Alles zusammengenommen, ist der Slot auf dieser Position echt unverdient, sorry.

Vader – IFOA 2025

Meinen persönlichen Ausgleich zu gerade eben bieten auf jeden Fall die Death-Metal-Altmeister Vader. Ja ja, ich weiß, auch von denen ist Frontschwein Peter das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Aber seien wir ehrlich: Alle neueren Bandmember schaffen es trotzdem, Qualität und Spirit konstant oben zu halten, auf Platte wie auch live. Die Mucke rast mit beinahe durchgehender Geschwindigkeit durch das Set des Abends und tangiert gefühlt jedes Album des reichhaltigen Backkataloges der Band. Für eine beachtliche Menge im Auditorium scheint dieser Auftritt der persönliche Tageshöhepunkt zu sein, auch eine Freundin und meine Wenigkeit bangen sich letztendlich die Seele aus dem Leib. Gleichzeitig verfolgen wir im Publikum amüsiert das kleine Scharmützel einiger rotglühender Lichtschwerter. Total kultig. Beinahe schon traditionell beendet die Band dann ihren Auftritt zu den Klängen des Imperial March. Gänsehaut pur für jeden Nerd.

Marduk – IFOA 2025

Mir scheint, heute ist der Tag, an dem ich lang nicht erlebte Bands wieder mal sehen darf. Die schwedische Panzerdivision Marduk ist für mich zuletzt auf einer Auflage des Chronical Moshers Open Air marschiert; auf jeden Fall noch vor Corona, denn den Auftritt hatte ich bei den Moshlingen noch im Zelt gesehen. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Auf jeden Fall ist Sänger Mortuus deutlich besser gelaunt als bei dem Auftritt weiland bei den Moshers. Auch der Mischer ist heut nicht so ein Beton-Ohr wie damals im Zelt, der Sound dieser hasserfüllten, wenn auch tollen Performance der Band ist exorbitant gut. Macht richtig Spaß, dem Rausschmeißer des Tages zu lauschen. Der vordere Teil des Publikums besteht gefühlt aus den Mitgliedern eines Marduk-Fanclubs, denn das Skandieren von Songwünschen und dem Bandnamen lässt darauf schließen. Übrigens waren dann jetzt der babylonische Drachenschlächter und der gemetzelte Drache Babylons schon gleichermaßen auf dem Gelände hier am Entenfang. Ich sag’s ja nur …

Nach einem Tag voller guter bis herausragender Shows wende ich mich dann meinem Feierabendprogramm an der Froschkotze-Bar zu. Aufgrund des mittlerweile vorherrschenden leichten Regens verziehe ich mich zusammen mit einer guten Bekannten und bewaffnet mit ein paar Drinks unter das nun verwaiste Bühnendach. Als dann die Bar schließt und die Konservenmusik endet, begeben wir uns mit einem letzten Getränk ins Camp und krabbeln erst kurz vor Tagesanbruch in unsere jeweiligen Zelte, um wenigstens noch ein klein wenig Schlaf zu haschen.

Samstag

Als ich heute erwache, ist es merklich frischer im Zelt, und das pladdernde Geräusch auf der Zelthaut lässt auf Wasser von oben schließen. Vorbeugend schlüpfe ich in lange Klamotten, Regenjacke und Gummistiefel. Als ich aus dem Zelt krieche, registriere ich leichte Feuchtigkeit im Fußbereich meiner Minifolienvilla, ignoriere das aber fürs Erste, sowas kommt halt schon mal vor. Heute ist im Wischi-Waschi-Camp nur Katzenwäsche angesagt, danach gibt’s trotzdem den einen oder anderen Kaffee, den ich aufgrund des nun stärker werdenden Regens im überdachten großen Essbereich am hinteren Ende des Festivalgeländes zu mir nehme. Ich schwatze dort mit einem Besucher, der erst heut Morgen trotz der Wetterlage aus Süddeutschland – ich glaube, Stuttgart – angereist ist. Einfach weil er Bock auf gute Mucke hat, und wenn’s auch nur für einen Tag ist. Das nenn ich echt mal Hingabe an die Sache, Respekt. Eigentlich hatte ich Zweifel, ob der traditionelle Hangover-Run aufgrund der Witterung überhaupt stattfindet, aber dann sehe ich den einen oder anderen in Sportklamotten tropfnass und leicht abgekämpft zurück auf das Gelände traben. Ja ja, nur die Harten kommen in den Garten, schon klar.

Humiliation – IFOA 2025

Gegen eins betritt El Cheffe die Hauptbühne und begrüßt die Zuschauer. Sind deutlich weniger als gestern. Aber bei dem immer stärker werdenden Regen ist das auch kein Wunder. Den Startschuss geben heute die Malaien von Humiliation. Die zunächst unscheinbare, beinahe zurückhaltende Formation legt allerdings vom ersten Akkord an schön derbe los. Feinste Riffs, akzentuierte Drums und Bassläufe, vor allem aber die etwas monotonen, aber schön fiesen Growls wissen von Anfang an schwer zu begeistern. Gerade bei den Vocals staune ich sehr, wo Bear-Bee Sharizam die eigentlich hernimmt. Auch seine Mitmusiker sind die reinsten Duracell-Hasen, echte Energiebündel. Südostasiaten sind ja ein eher kleiner Menschenschlag, aber da darf man sich keinesfalls täuschen lassen. Auch wenn die Jungs bei ihren Ansagen die Sanftheit in Person sind, wo sie musikalisch zuschlagen, wächst sprichwörtlich gesehen kein Gras mehr. Ein sauberer Gig, bei dem die Nässe von oben nicht mehr wirklich ins Gewicht fällt, und ich mich schon tierisch auf einen weiteren Auftritt der Jungs vom Break Out Open Air im September im Ferienland Crispendorf in Thüringen freue.

Ein weiterer Traditionsslot auf dem In Flammen Open Air ist eher weniger musikalischer Natur. Die Rede ist von Kaffee & Kuchen. Normalerweise baut die Crew dafür in der Nähe der Froschkotz-Bar aus Bierzeltgarnituren eine Art lange Tafel auf und eine Stunde lang gibt’s für alle Besucher kostenlos Kaffee und Kuchen, solange der Vorrat reicht. Auf den Aufbau der Tafel wird zwar bei diesem Wetter verzichtet, aber eine Stunde lang gibt‘s trotzdem negroide Heißgetränke und leckeres Gebäck direkt vom Barteam ausgegeben oder auf dem Platz vor der Bühne verteilt. Freunde aus Schweden haben mir im Nachgang erzählt, dass dort die Kaffee-und-Kuchenpausen auf den hübschen Namen Fika hören. Klingt eigentlich auch ziemlich metallisch. Thomas, wie wäre es?

Sublime Cadaveric Decomposition – IFOA 2025

Bandname und Backdrop lassen zum zweiten Mal an diesem Wochenende etwas Gore-haltiges vermuten. Sublime Cadaveric Decomposition zelebrieren zum Großteil genau diese Richtung, allerdings ist bei den Franzosen auch ein Gutteil Brutal Death mit im Spiel. Anfangs benehmen sich die typischen Gore-Fanscharen auffällig gesittet, aber nach drei Songs beherrscht der Kreis das Geschehen bis zum Schluss des Gigs. Wieder mal spaßig anzusehen, wie die Meute mit Tafelzirkel, Seifenblasenmaschine, Pappaufsteller und diversen Schwimmtieren eskaliert, Ich glaub, die Mucke muss nur laut, schnell und verrückt genug sein, um die Massen derart zum kollektiven Ausklinken zu bekommen. Fakt ist, dass auch oder gerade schwermetallische Partypeople sich vom Wetter keinesfalls kleinkriegen lassen und so haben halt auch die Pariser eine ganze Menge Zuspruch von vor der Bühne.

Meine persönliche Überraschung dieser IFOA-Auflage stammt aus dem Belarus. Die Band Dymna Lotva, deren Name etwa so viel bedeutet, wie rauchende Sümpfe, hat eine großteils traurige Geschichte. Unter anderem diese prägt die Art ihrer Musik, ihrer Lyrics, und auch ihrer Art der Darbietung on Stage. Herzstück der Formation ist Katsiaryna „Nokt“ Mankevich, eine zierliche, aber nicht minder energiegeladene junge Dame mit einem Stimmumfang ähnlich der von Onielar von Bethlehem und DNS auf einem Trip als Opernsängerin. Schneeweißes, aber blutbesudeltes Kleid, eine Art Dornenkrone, einen Galgenstrick um den Hals und blutige Tränen, wie die tragische Jungfrau Maria höchstselbst. Die beiden Mitmusiker in blutrote Roben gehüllt, so performen die Weißrussen eine extrem emotional durchsetzte Bühnenshow, bei der mir mehr als einmal ein Schauer durch die Knochen fährt. Mein Russisch ist leider extrem eingerostet, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auf der Bühne insgesamt eine Art zusammenhängende Geschichte erleben. Kann das vielleicht irgendjemand bsetätigen? Das war eine großartige Dreiviertelstunde. Echter Geheimtipp!

Depressive Age – IFOA 2025

Etwas Metalhistory gehört zu einem Festival prinzipiell dazu, gerade der Osten der Republik hat davon eine Menge zu bieten. Stellvertretend dafür stellt der Veranstalter heute die wiedervereinigten Depressive Age auf die stahlharte Bühne. Zu DDR-Zeiten als Blackout gegründet und nach der politischen Wende nebst deutsch-deutscher Wiedervereinigung mehrfach unter dem Namen Depressive Age oder D-Age neu gegründet, erfreuen uns die Berliner mit einem Best-of ihrer wechselhaften Bandgeschichte. Da ich leider nicht über die Gnade der frühen Geburt verfüge, sondern nur über ein hohes Maß an Willen, etwas über die Szenegeschichte zu lernen, kenne ich zwar die Fakten, hab die Band leider noch nie direkt erlebt. Die vier Platten sind mir bestens bekannt, aber die Titel mal live serviert zu bekommen – ein Traum! Geboten wird feinster Tech Thrash und die Truppe bringt das Material so frisch und authentisch rüber, als wäre der Stoff nicht bereits Anfang bis Mitte der 90er der Retorte entsprungen. Gemeinsam mit einer Bekannten (Grüße gehen raus!) feiere ich das Geschehen auf der Bühne wahlweise headbangend oder mit offenem Mund staunend ab. Das ist ganz was Großes! Ärgerlich, dass das Publikum gerade zu dem Zeitpunkt wetterbedingt stark rückläufig ist.

Sunken – IFOA 2025

In Dänemark hat sich seit einiger Zeit eine kleine schwarzmetallische Szene etablieren können, doch während der BM in großen Teilen der Welt sich auf grim’n’frostbitten-Gekeife beschränkt, wird in diesem nördlichen Nachbarland vermehrt auf Melodisches Wert gelegt. Im Gegensatz zu den Kollegen von Afsky kommen Sunken aber mit noch einer Spur mehr Post-Elementen daher und die Saitenfraktion geht live noch deutlich intensiver und gefühlt auch wärmer zu Werke. Der Auftritt könnte für ungeübte Hörer beinahe aus nur einem Song bestehen, es handelt sich aber in der Tat um mehrere, wenn auch deutlich überlange Songs. Mit atmosphärischem, stark melodiebehaftetem Black Metal hat man mich ja relativ schnell und zu Dänemark – auch wenn das seit neuestem der Vergangenheit angehört – habe ich eh eine ganz besondere Verbindung. Hey, und gefühlt leidet keiner schöner als Sunken-Frontmann Martin Skyum Thomasen.

Lömsk – IFOA 2025

Weiter im Text geht’s mit ebenfalls deutlich melodieorientiertem Black Metal, wobei hier die Melodien nur eine stark untergeordnete Rolle spielen. Hauptaugenmerk der Schweden Lömsk liegt hörbar auf Verzweiflung und Tragik. Im vergangenen Jahr debütierten die Göteborger mit ihrem recht überzeugenden Studioalbum Act 1, woraus auch die heutige Setlist weitestgehend bestehen dürfte. In den letzten Jahren sind ja Masken beziehungsweise Kapuzen im Black Metal sehr modern geworden. Auch diese Jungs treten geschlossen maskiert auf, jedoch eher mit Gasmasken oder solchen, die an imperiale Kampfpiloten aus Star Wars erinnern. Schon wieder so etwas wie Individualismus im eher uniformen Schwarzmetall. In Verbindung mit dem großteils rot ausgeleuchteten Bühnennebel wird so eine ziemlich tolle Optik erzeugt. Mit der eher langsamen, doomig-tragischen Instrumentalisierung versetzt zumindest mich das in einen beinahe meditativen Zustand.

Disharmonic Orchestra – IFOA 2025

Auch wenn die Deathheads von Disharmonic Orchestra schon über ein Vierteljahrhundert aktiv sind, waren mir die lymphatischen Österreicher bis kurz vor dem Festival bis auf ihren Namen völlig unbekannt. Ich finde die Band – auf jeden Fall das heute Gebotene – extrem abwechslungsreich. Das ist nicht nur schlichter Old School Death Metal, wie ihn hier auf dem Platz wohl jeder liebt. Oft ist der Stoff auch sehr progressiv arrangiert und gerät in kleinen Teilen auch aufs Brutal-Death-Gleis, wenn nicht gleich auf einen grindigen Pfad. Aber alles ist technisch extrem ausgefeilt und das Trio reißt sein Programm mit viel Spaß in den Backen ab. Eigentlich muss man echt dankbar sein, dass die Südösterreicher sich 2002 entschieden haben, ihre seit Mitte der 90er andauernde Ruhepause zu beenden und wieder richtig Gas zu geben, Ich behaupte mal, nachdem ich den Auftritt heute genießen durfte, dass die Jungs absolut nix verlernt haben. Jetzt heißt es für mich, den Backkatalog nachzuarbeiten. Sowas kann ein Festival ja auch mal fürs Plattenregal bedeuten, gelle?

BAT – IFOA 2025

Halb neun und die Zielgerade der diesjährigen Festivalauflage ist leider schon in Sicht. Ich gehe noch kurz zu meinem Zelt für einen Satz neuer Akkus und stelle dort mit Entsetzen fest, dass meine Miniaturunterkunft vollständig abgesoffen ist. Schöne Scheiße. Aber ich lass mich davon nicht ins Bockshorn jagen, da findet sich zu gegebener Zeit noch ein Ausweichplan. Für alle Oldschool-Kuttenträger folgt jetzt noch mal ein absoluter Leckerbissen. Ein extrem Speed Metal-lastiger Tanztee, der Bands wie Midnight oder Venom richtig viel Ehre machen würde, peitscht eine reichliche Dreiviertelstunde aus den Boxen. Das Ami-Trio BAT gibt noch mal so richtig schön Gas und schafft es tatsächlich, die Menge noch mal ordentlich zu mobilisieren. Die Kräfte lassen langsam nach? Drauf geschissen. Die nassen Klamotten sind langsam echt unerträglich? Na und, das ist ein Metalfestival und kein Kindergeburtstag. Auf in den nächsten Moshpit! Die gleichen treibend-galoppierenden Drums wie bei geilem Ami-Thrash, dieselben peitschenden Gitarrenriffs, wie sie uns weiland schon ein Cronos serviert haben und Vocals so angepisst, wie es mit Matt Litton von Bewitcher nicht besser machen könnte – innerlich weine ich die ganze Zeit Freudentränen, so geil ist das! Wann und wo seh ich dieses Trio infernale zum nächsten Mal?

Protector – IFOA 2025

Ende der 80er waren die Grenzen zwischen Thrash und Death Metal noch fließend, wenn man den Fans aus dieser Zeit Glauben schenken darf. Und was die Old Schooler von Protector anbelangt, ist das auch heute noch so. Seit ich die Truppe vor drei Jahren auf dem CMOA das erste Mal live sehen durfte, lieb ich die Jungs um Martin Golem Missy über alles. Klar, das Material ihres zweiten Frühlings hört sich immer noch tierisch geil an, aber es ist absolut nicht zu vergleichen mit dem Stoff der ersten vier Platten aus den späten 80ern und frühen 90ern; nicht weil früher alles besser war, aber da spürt man eben auch live das ursprünglich viel stärker, da gibts nur wenig dran zu deuteln. Liegt das daran, dass man da stärker die Verbindung zu dem hört, was wir Spätgeborenen heute noch am ehesten unter Old School Thrash verstehen? Ich weiß es nicht, aber ich gebe gern zu, dass man auch Gefühl irgendwie mit erlernen kann. Und genau das bedienen Protector am heutigen Tag besonders stark.

Belphegor – IFOA 2025

Die Tour zum 30-Jährigen von Belphegor ist schon eine ganze Weile her. Der Gig damals um die Weihnachtszeit herum ist mir nur als sehr vernebelte Darbietung in Erinnerung. Aber wo vor knapp zwei Jahren eine gezielte Beurteilung der Show ob des damaligen massiven Trockeneiseinsatzes nur schwer möglich war, ist heute auch das wundervolle Bühnenbild bestens zu erkennen. Helmut und seine Truppe zelebrieren auch diesen Aufmarsch in aller Düsternis, oft teilweise regelrecht hypnotisch, dass einem oft nichts anderes üblichbleibt, als in unheilige Lobpreisungen zu verfallen. Spätestens bei den Feuerparts bekommt die Show etwas regelrecht Magisches. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Show die Gleiche wie 2033 ist, es macht jedenfalls ganz den Eindruck. Und da alles vollumfänglich zu erkennen ist und dazu die Musiker gefühlt ihr allerbestes geben, gerät das große Ganze in allen meinen Sinnen zu einer ganz extrem runden Angelegenheit. Genauso empfinde ich die Salzburger in Bestform und würde die Band in exakt so wirklich gern auch ein weiteres Mal erleben wollen. Chapeau!

Tom Gabriel Warriors Triumph Of Death performs Hellhammer – IFOA 2025

Zum Abschluss der diesjährigen Auflage des In Flammen Open Air begeben wir uns noch mal weit zurück in der Geschichte unserer geliebten Musik. Vor über 40 Jahren gründete Tom Gabriel Warrior zusammen mit verschiedenen Mitstreitern eine der ersten Extreme-Metal-Bands des deutschsprachigen Raums. Mit Hellhammer wurden er und seine Mitstreiter schon damals zu Legenden. Spätestens wenn man sich über Triptykon und Celtic Frost – die ja für sich genommen schon legendär sind – rückwärts hangelt, kommt man an Hellhammer und beispielsweise der EP Apocalyptic Raids nicht mehr vorbei. Ich weiß nicht mehr genau, wann Mastermind Warrior das Tribute-Projekt Triumph Of Death aus der Taufe gehoben hat, aber ich bin froh und schweineglücklich, heute die über jeden Zweifel erhabene Performance der Hellhammer-Klassiker zu erleben und abfeiern zu dürfen. Warriors Bassistin Vanja Šlaijh vertritt hier würdevoll das Erbe von Martin Erich Ain (Rest in Power) mit ihrer intensiven Spielweise, die ich schon von dem einen oder andern Triptykon-Gig kenne. Und über all dem thront gut gelaunt in seiner distinguierten Art und Weise Tom Gabriel Warrior, einer der letzten Gentlemen im schwermetallischen Gewerbe. Irgendwann verklingen die letzten Akkorde, und würde man mir gerade die Ohren vom Kopf hacken, ich würde im Kreis grinsen, so schön war das gerade.

Bevor ich mich der Frage eines oder mehrerer wohlverdienter Feierabendbierchen widmen kann, steht jetzt noch die Herausforderung einer trockenen Nachtruhe im Raum. Das ist aber verhältnismäßig schnell geklärt, denn die kleine Zeltbühne, die ich leider das ganze Wochenende nicht besuchen konnte, steht seit Stunden verwaist und kann mir als trockenes Notasyl dienen. Nicht wirklich bequem, aber besser als in der Sumpflandschaft meines eigenen Zeltes sein zu müssen. Mir bleibt jetzt nur, danke zu sagen an Veranstalter Thomas, seine Frau Christina und die gesamte fantastische Festivalcrew, allen alten und neu hinzugewonnenen Freunden und selbstverständlich an die zahlreichen tollen Bands, ohne die dieses tolle Festival in so familiärer Atmosphäre überhaupt nicht möglich wäre – ok, möglich ja, nur leider ziemlich sinnlos. Ich hoffe, wir sehen uns alle gesund und munter zum zwanzigjährigen Jubiläum wieder, wenn es zum zwanzigsten Mal heißt: der Garten brennt! Metal ist Freiheit!