Jinjer – Wallflowers

Die Ukraine schlägt zurück

Artist: Jinjer

Herkunft: Donezk, Ukraine

Album: Wallflowers

Spiellänge: 47:22 Minuten

Genre: Metalcore, Djent, Death Metal, Groove Metal

Release: 27.08.2021

Label: Napalm Records

Link: http://jinjer-metal.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Tatiana Shmayluk
Gitarre – Roman Ibramkhalilov
Bassgitarre – Eugene Abdukhanov
Schlagzeug – Vlad Ulasevich

Tracklist:

  1. Call Me A Symbol
  2. Colossus
  3. Vortex
  4. Disclosure!
  5. Copycat
  6. Pearls And Swine
  7. Sleep Of The Righteuos
  8. Wallflower
  9. Dead Hands Feel No Pain
  10. As I Boil Ice
  11. Mediator

Jinjer – eine Band, welche unglaublich schnell den Weg auf die größten Bühnen dieser Welt gefunden hat und das innerhalb von knapp fünf Jahren, einfach faszinierend. Was macht die Band so Besonderes, dass die Gruppe solche Erfolge bisher feiern konnte? Einerseits die brutalen Riffs und Rhythmen, welche für sich selbst sprechen und bis ins letzte Detail durchdacht wurden sowie die Stimme der Frontsängerin Tatiana, welche mit brutalen Growls Dämonen beschwört. Dass das komplette Konzept funktioniert, hat sich in den letzten Alben und EPs gezeigt. Mittlerweile zählen Jinjer fünf Studioalben, drei EPs und zwei Livealben, wobei das letzte Alive In Melbourne im Jahr 2020 veröffentlicht wurde und so massiv die Stärken der Band auf der Bühne widerspiegelt – das widerspiegelt, auf was man sich in den nächsten Monaten, beziehungsweise im nächsten Jahr freuen kann. Bei der Veröffentlichung wird die ukrainische Band von Napalm Records unterstützt, die Zusammenarbeit erfolgte mit dem Album King Of Everything 2016 und damit haben Jinjer einen guten Griff gemacht. Napalm Records unterstützt die Band, wo es nur geht, und schob sie auch auf die Bühnen, auf welche die Band definitiv hingehört.

Aber widmen wir uns doch mal dem neuen Werk Wallflowers, welches am 27. August dieses Jahrs erscheinen wird. Zuerst die Keyfacts: Insgesamt sind auf der Platte elf Lieder, welche ohne Rücksicht auf jegliche Verluste getrimmt sind. Die Veröffentlichung geht wieder über Napalm Records, welche die 47-minütige Scheibe auf den Markt bringen. Die Besetzung ist erst mal gleich geblieben und wir dürfen uns auf gleichwertige Qualität freuen. Was erwartet uns aber speziell musikalisch auf dem neuesten Werk? Prinzipiell erst mal ganz klassisch Jinjer, also von ruhigeren zu brutalen Parts, ist alles dabei. Rhythmen, welche einen in die Irre führen, spielen in Kombination mit entspannten Melodieführungen einen Irrgarten der Verwirrung – was hier aber absolut positiv anzumerken ist. Man fühlt sich auf der kompletten Länge des Albums zu keinem Zeitpunkt irgendwo alleine gelassen, was mir bei komplizierteren Genres öfter mal negativ auffällt.

Sleep Of The Righteuos ist einer der abgefahrenen Songs auf der Platte, da er unglaublich viele Elemente vereint und brachial zusammenführt. Gänsehaut erzeugende Brutalität wird mit hasserfülltem Growl unterlegt und herangetrieben mit angsteinflößenden Melodien. Die Drums sorgen etwas für Entspannung, aber Vlad weiß diese Gelassenheit auch  ganz genau wieder zu zerstören. Wer abstreitet, dass die Stimme von Tatiana nicht zu der Musik passt, hat kein Verständnis für musikalisches Talent. Die Variationen zwischen Screams, bodenständigen Growls und klaren, nahezu opernartigen Gesängen ist faszinierend und in jeglichen Minuten der Platte mitreißend. Mir läuft jedes Mal ein Schauer über den Rücken, wenn sich die Musik anspannt, sich ein massives Crescendo aufbaut und auf einen stürzt und zu Boden drückt, bis er keine Luft mehr bekommt. Von Rhythmen und drastischen Melodieführungen erschlagen zu werden, finde ich beeindruckend und unglaublich berührend. Jeder, der Jinjer kennt, wird nachvollziehen können, wie dieser heftige Schlag aufgebaut wird und wie schmerzhaft er am Ende ist – dennoch immer wieder formidabel ist.

Was ist aber dieser Schmerz, den wir empfinden, wenn wir uns der Kreatur Jinjer hingeben, wie fühlen sich die Schläge an, wie sind diese zu verstehen? Naja, erklären wir es einfach mal anhand eines Rezeptes, denn bei der Herstellung versteht man erst die Kunst. Man nehme unglaubliche Energie, welche ein Atomkraftwerk nicht produzieren kann und mische diese mit jahrelangem Training, welches sich in Talent und Können widerspiegelt und vermischt es. Um den ungenießbaren Brei jetzt verdaulich zu machen, wird das Ganze in einen Mixer geschmissen und eine Prise Harmonie hinzugegeben. Nachdem alles gut vermischt ist, wird das Ganze mit Harmonie überbacken und mit Geschwindigkeit abgeschmeckt – et voilà! Jinjer machen diese Mischung perfekt, das Zwischenspiel der einzelnen Aspekte, die Perfektion von Hass und Liebe. Sie optimieren eine toxische Beziehung, von welcher man sich nicht trennen kann, obwohl es das Gesündeste wäre. Die stetigen Wechsel zwischen ruhigen und rasant schnellen Passagen ergänzen sich auf dem Album wieder einmal perfekt und lassen keinen Wunsch übrig – zumindest erging es mir so, als ich das Album das erste Mal in voller Länge genossen habe. Die Screams und phänomenalen Fills machen das Album unglaublich aggressiv und spannend, nicht zu vergessen sind hierbei die unspielbaren, fingerbrechenden Riffs von Gitarre und Bass, welche den Hörer an die Boxen fesseln. Ich habe mich selbst dabei erwischt, wie ich das Album zum dritten Mal von vorne starte, weil man davon nicht genug bekommen kann. Man entdeckt bei jedem weiteren Hören neue interessante Parts, welche einem vorher gar nicht aufgefallen sind – das macht das Album einfach faszinierend.

Jinjer – Wallflowers
Fazit
Jinjer - eine reine Wucht, was erwartet man auch? Dennoch hat mich eine kleine Sache gestört! Jedes Album hatte seinen etwas eigenen Flair und hier kommen kleinere bekannte Passagen oder Motive wieder zum Vorschein, welche ich schon kenne, so fühlt es sich an. Etwas mehr Neues und etwas mehr ausprobieren hätten das Album zu einem der besten gemacht, aber so bleibt Macro für mich erst mal das beste Album.

Anspieltipps: Wallflower, Colossus und Sleep Of The Righteuos
Paul M.
9.7
Leser Bewertung1 Bewertung
10
9.7
Punkte
Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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