Die Thrash-Metal-Veteranen von Exodus muss man ja nun auch wirklich keinem mehr vorstellen. Sie sind absolute Legenden und gefühlt schon immer dabei. Die Burschen haben eine steile Karriere hingelegt, mich würde aber trotzdem interessieren, was wohl gewesen wäre, wenn Kirk Hammett 1983 nicht zu Metallica gewechselt wäre. Sowohl mit Exodus als auch mit Metallica. Jeff Andrews als Basser ist ja auch 1983 Richtung Possessed abgewandert. Und was wäre gewesen, wenn Paul Baloff 2002 nicht verstorben wäre? Tja, das alles werden wir nie erfahren. Aber zum Glück ist ja Gary Holt, der ja auch bei Slayer aktiv war oder ist, immer dabeigeblieben, und nun ist auch Sänger Rob Dukes, der von 2005 bis 2014 das Mikrofon festhielt, wieder mit dabei. Das klingt gut. Mittlerweile ist man bei Album Nummer zwölf angekommen. Goliath lautet jenes welches und wird bei Napalm Records erscheinen.
Mit 3111 startet man das Rennen und der Opener ist auch gleich die Singleauskopplung. Langsam und bedrohlich startet man das Rennen und baut den Song böswillig auf. Gitarrenklänge und Gelächter im Hintergrund. Die Drums begleiten das Geschehen mit sanften Schlägen, bis man dann nach 80 Sekunden die Gitarre vorspielen lässt und ein fetziges Riff herausholt – und dann geht das Thrashgewitter los. Ab geht die Post. Das Riffing bleibt hängen und die Gesangsleistung von Dukes ist echt geil. Dieses Ding wiederholt man und liefert im Midtempo einen atmosphärischen Part ab. Schön verspielt. Die eine Gitarre dreht durch, die andere liefert den Rhythmus. Nicht übel, aber ungewöhnlich, zeigt aber, dass die Amerikaner auch nach fast vierzig Jahren immer noch Ideen haben und gut im Saft stehen. Langsam und mit dunkleren Vocals beendet man den Opener und hat beim Zuhörer absolutes Interesse geweckt. Teilweise richtig fette, dissonante Akkorde, die sie verwenden.
Wer aber nun denkt, das ist ja kein richtiger Thrash Metal mehr und das drischt nicht ordentlich, ja, der sollte sich den nachfolgenden Song Hostis Humani Generis anhören. Dieser gefällt mir persönlich auch besser. Zwar fängt man auch hier am Anfang ein wenig langsamer an, haut dann aber ein schmetterndes Slayer-Riff raus, setzt ein Break und thrasht dann drauflos. Immer mit Geschwindigkeitsverschleppung am Ende des Riffs und am Ende des Parts eine Pause, damit die Vocals alleine agieren können. Sehr geil. So treibt man es bunt, bis das obligatorische Solo das Regiment übernimmt. So bleibt man erst einmal instrumental, geht aber steil und ballert fach- und sachgerecht drauflos, natürlich mit technischem Gitarrenspiel. Der thrashige Part wird wieder verwendet und wieder bin ich hellauf von der aggressiven Stimme von Rob begeistert. Wie er I Am An Enemy zum Besten gibt, ist schon geil. Immer eine Steigerung, bis er am Ende einen fetten Scream draufsetzt.
Nach zwei krachenden Songs kommt für mich erst einmal eine Überraschung. Ziemlich modern und melodisch klingt man bei The Changing Me zu Beginn. Nach einer Weile baut man einen Midtempo-Thrash-Part ein, behält aber den melodischen Weg bei und klingt so doch ein wenig anders. Kann man jetzt gut finden oder nicht, das ist ja Geschmackssache, aber musikalisch gibt es definitiv nichts zu meckern. Hier konnte man Peter Tägtgren (Hypocrisy, Pain) als Gastsänger gewinnen. Klingt dann teilweise melancholisch und eben anders, aber interessant. Man bewegt sich teilweise auf progressiven Pfaden und verlässt die Old-School-Schiene.
Promise You This zeigt die Jungs auch eher von der spielerischen und technischen Seite und weniger von der dreschenden. Nicht unbedingt meins. Das Solo von Holt ist aber schon geil. Das Ding geht schon in Richtung Hymne und bietet einen guten Mitgröl-Refrain.
Goliath, der Titeltrack, war für mich beim ersten Mal hören schwer zugänglich, entpuppt sich nach mehrfachem Hören aber durchaus als Kracher. Dukes Gesangsleistung habe ich ja nun schon mehrfach gelobt und diese ist auch hier echt sehr positiv zu bewerten. Er drückt dem Song, der ansonsten sehr langsam daherkommt und eher düster und zerstörerisch ist, den Stempel auf. Die Arrangements sind mehr als geil gesetzt und der Einsatz einer Violine klingt im ersten Moment befremdend, stellt sich später aber als ziemlich geil heraus.
2 Minutes Hate geht zwar, sofern man den Songnamen zugrundelegt, drei Minuten zu lang, ist aber ein geiler thrashiger Groover. Der sitzt und breitet sich dann aus und fühlt sich an wie ein Schlag in die Magengrube. Er dürfte wohl der dunkelste und finsterste Song auf dem Album sein.
Beyond The Event Horizon kommt dann gleich wieder mit einer geballten Thrash-Metal-Power um die Ecke und nun hört man endgültig wieder, woher die Burschen kommen und wofür sie stehen. Geiles Brett, schön straight und mit echt leckerem Riffing. Bin dann doch wohl einer, der die alten Sachen immer wieder hören möchte. Nach einem Break bewegt man sich groovig, aber technisch. Lecker Ding.
Ein sehr abwechslungsreiches Album, welches dann mit The Dirtiest Of The Dozen sein Ende findet. Hier verbindet man die Härte und die Aggression des Thrash Metal mit epischen Klängen. Schockt wohl.
Und natürlich hat das Teil einen fetten Sound. Die Band hat das Album selber produziert. Gemischt und gemastert wurde es von Mark Lewis (Whitechapel, Nile, Undeath).
Hier geht es für weitere Informationen zu Exodus – Goliath in unserem Time For Metal Release-Kalender.



