Eventname: Time Travel World Tour 2019
Headliner: Lacrimosa
Vorband: Kartagon
Ort: Berlin, Columbia Theater
Datum: 25.04.2019
Genre: Gothic
Man kann wohl sagen, dass die Wahl-Schweizer Lacrimosa zu einem der Urgesteine der Gothic Szene gehören. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt, besteht die Formation seit 1990. Viele wuchsen mit Songs wie Stolzes Herz, Alles Lüge oder Der Morgen Danach in die Szene hinein. Lacrimosa waren die Einsteigerband für Generationen von melancholischen Dunkelromantikern. Die „Gruftis“ von damals sind zwar mittlerweile erwachsen geworden, dennoch lockt die Band um Tilo Wolff auch nach drei Dekaden noch beständig viele junge Zuhörer und Fans an. Aktuell sind sie auf Time Travel World Tour, die zu Recht als eine Zeitreise durch 13 Studioalben und 30 Jahre Bandgeschichte gelten darf.
Am Donnerstag den 25. April macht die Tour Halt im Berliner Columbia Theater. Als Support haben Lacrimosa die Herren von Kartagon eingeladen. Überpünktlich, 30 Minuten früher als kommuniziert, beginnen die drei überwiegend elektronisch Musizierenden das Vorprogramm. Wenn man es ganz diplomatisch ausdrücken will, legen die drei Musiker für ihre Möglichkeiten einen guten Auftritt hin. Das gewisse Etwas fehlt allerdings und so ist Kartagon für mich nicht wirklich etwas Besonderes. Nach den 30 Minuten Auftritt hat sich auch nichts Nennenswertes in mein Gedächtnis eingebrannt.

Die Bühne verdunkelt sich und die Zeitreise beginnt. Doch zunächst wird ein Intro abgespielt, das trailerartig die „Best Ofs“ anreißt. Für meinen Geschmack dauert dieses Intro etwas lange und wirkt dabei noch ein wenig zu erzwungen melodramatisch. Bei den Fans steigt aber natürlich die Aufregung und Spannung bis die Idole die Bühne betreten. Als Tilo Wolff dies einige Minuten später tut, meint man tatsächlich, sich in einer Zeitkapsel zu befinden. Verändert hat er sich, abgesehen von ein paar Fältchen, zumindest nicht. Frisur, Auftreten, Bühnenoutfit – alles, wie man es schon von Beginn an gewohnt ist.

Bei den nachfolgenden Liedern passiert dann aber leider das, was bei Konzerten von Musikern wie Lacrimosa oft ein Risiko ist. Aneinandergereiht sind die Songübergänge fast nahtlos und rein objektiv betrachtet, klingen viele Lieder ähnlich. Das lässt es leider etwas eintönig und langatmig werden. Kleine „Ausbrecher“ aus dieser Songaneinanderkettung sind für mich Der Morgen Danach und Stolzes Herz. Diese Klassiker können meine Aufmerksamkeit noch einmal kurz wiederbeleben. Ob ich will oder nicht – mitsingen könnte ich hier. Zu prägend sind diese Stücke in der Szene gewesen und wenn ich mich im Publikum umschaue, sind sie es wohl immer noch. Stolzes Herz ist, schon allein wegen des Gitarrensolos, mein Highlight des Abends.














