Lucy Without Diamonds – Alternate Reality (EP)

Sehr eigenwillig

Artist: Lucy Without Diamonds

Herkunft: Frankfurt/Main, Deutschland

Album: Alternate Reality

Spiellänge: 18:55 Minuten

Genre: Alternative Rock

Release: 30.08.2019

Label: Eigenproduktion

Link: http://lucywithoutdiamonds.de/

Produktion: von Julian

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Alex
Gitarre und Gesang – Julian
Schlagzeug – Zottel

Tracklist:

  1. Arrival
  2. Nevada Nightmare
  3. Unskilled
  4. Time
  5. Cereal Killer
  6. Alternate Reality

 

Dass meine – mittlerweile recht selten gewordenen – Reviews tatsächlich gelesen werden, durfte ich vor geraumer Zeit durch die Mail der Frankfurter Band Lucy Without Diamonds feststellen. Die haben sich nämlich auf eines meiner Reviews bezogen und angefragt, ob ich mir denn auch mal ihre im August veröffentlichte EP Alternate Reality anhören würde. So werde ich also zunächst mit den mp3-Dateien und einem Infoflyer versorgt, der mir mit der Einleitung „Überschüttet mit Hass, Wut, Zerstörungssucht oder auch glücklicheren Themen wie Melancholie, Depression und Selbstzweifel, ist die Show von Lucy Without Diamonds ein Spaß für die ganze Familie“ gleich mal ein Grinsen ins Gesicht treibt. Dass ich dann auch noch eine sehr sorgfältig verpackte CD erhalte – die ich tatsächlich beinahe gar nicht ausgepackt gekriegt habe – finde ich dann doch sehr nett. Danke dafür! Leider hat es jetzt ein wenig länger gedauert, bevor dieses Review fertig ist, aber so ist das mit den Plänen und dem wahren Leben. Das hat auch bei Lucy Without Diamonds zugeschlagen, denn der Platz des Bassisten wurde während der Aufnahmen zur EP frei, und der Bass wurde von Julian mit eingespielt. Live ist Mike allerdings noch dabei und zupft dann die dicken Saiten.

Warum ich bei dem Bandnamen nun ausgerechnet an den Beatles-Song Lucy In The Sky With Diamonds denken muss, wird mir mein Hirn wohl nie offenbaren. Das ist auch definitiv nicht die Richtung, die die Hessen einschlagen.

Wohin es auf Alternate Reality geht – oder gehen könnte – lassen die dreißig Sekunden von Arrival erst einmal nur erahnen. Klingt für mich wie eine Mischung aus Zombie-Apokalypse und Kettensägenmassaker 😀 Dass der folgende Song dann Nevada Nightmare heisst, passt zu dem Thema, das die Jungs hier verarbeitet haben. Wie sie nämlich in ihren Track-by-Track-Kommentaren erzählen, geht es um ein Mädchen, dass während eines Festivals in der weiten Wüste von Nevada zunächst vergewaltigt, dann getötet und mit der Kettensäge zerstückelt wird. So hat der Song neben der rotzig-frechen Punk-Attitüde auch seinen ruhigen Moment.

Was die technischen Fähigkeiten der Jungs angeht, passt der Songtitel Unskilled überhaupt nicht. Hier legen sich nämlich alle richtig ins Zeug und liefern ein ordentliches Alternative Rock-Brett ab, das ein ganz klein wenig an die früheren Werke von Muse denken lässt. Die verschiedenen Gesangslinien laufen zum Ende hin alle zusammen, es gibt „normalen“ Gesang – wobei bei Lucy Without Diamonds eher nichts normal ist –, eine leicht wirr klingende Linie, die an den Joker denken lässt, und sehr geile Screams und Shouts.

Um zum nächsten Track Time zu kommen, müssen wir dann eine Haarnadelkurve meistern. Der Song kommt nämlich ziemlich minimalistisch, fast schon jazzig/experimentell angehaucht daher. Den Gesang im Chorus würde ich mal als „mutig“ bezeichnen.

Zurück zum Punk, oder zumindest in die Richtung, gehen die Jungs dann wieder mit Cereal Killer. Irgendwie muss ich an The Blood Album von AFI aus 2017 denken, das ich ja eher im Alternative Rock verortet hatte. Eingängig, aber nicht besonders nachhaltig.

Dann kommt auch schon der letzte Song, es ist der Titeltrack Alternate Reality. Der kann mit einer schönen Basslinie aufwarten und erinnert mich streckenweise tatsächlich ein wenig an einen Hybrid aus The Clash und The Cure.

Die komplette EP kann man sich unter anderem auf YouTube anhören, ich habe aus der Playlist mal meinen Anspieltipp Unskilled rausgegriffen:

Lucy Without Diamonds – Alternate Reality (EP)
Fazit
Ich dachte ja, wenn man, so wie ich, nur in der Underground-Szene unterwegs ist, kann einen nichts mehr überraschen. Falsch gedacht. So, wie mich Painkiller Party beim Toxic Blend Festival im April dieses Jahres mit ihrer Bühnenshow überrascht haben, haben das auch Lucy Without Diamonds mit ihrer EP geschafft. Auch wenn beides nicht so ganz meins ist, finde ich es trotzdem bewundernswert, auf welche Arten man sich kreativ betätigen und die Gedanken, die so im Kopf kreisen, nach draußen tragen kann. Abgesehen vom Song Time machen die Jungs auch nicht allzu große Sprünge durch die Genres, schaffen es aber trotzdem, jeden Song anders klingen zu lassen. Der Gesangsstil verlangt dem Hörer dabei zwar streckenweise so einiges ab, aber das gehört wohl zum Gesamtbild. Das kann man im Übrigen auf der Homepage von Lucy Without Diamonds auch sehr schnell erfassen. Für die breite Masse ist das eher nichts, so ist das aber wohl mit der Modernen Kunst. Wer damit was anfangen kann, sollte zumindest mal ein Ohr riskieren.

Anspieltipp: Unskilled
Heike L.
6
Leserwertung25 Bewertungen
9.1
Pro
Contra
6
Punkte
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