Marco Hietala und Oceanhoarse am 14.02.2020 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Entspannter Folk Rock zum Valentinstag

Event: Tour Of The Black Heart 2020

Headliner: Marco Hietala

Support: Oceanhoarse

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 14.02.2020

Kosten: 38,80 CHF VVK

Besucher: ca. 250

Genre: Rock, Folk Rock, Hard Rock, Heavy Metal, Modern Metal

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch und Contra Promotion GmbH https://www.contrapromotion.com

Link: https://www.facebook.com/events/365131881062331/

Setlisten:

Oceanhoarse:
01. Feed The Sirens
02. Fading Neons
03. Death Row Center
04. Waves
05. Bass Solo
06. The Damage
07. Duality (Slipknot Cover)
08. Guitar Solo
09. The Intruder
10. The Oceanhoarse

Marco Hietala:
01. Star, Sand And Shadow
02. Dead God`s Son
03. The Voice Of My Father
04. For You
05. Death March For Freedom
06. Olet Lehdetön Puu (Hector Cover)
07. I Dream
08. I Am The Way
09. Runner Of The Railways
10. Starman (David Bowie Cover)
11. Stones
12. War Pigs (Black Sabbath Cover) (Zugabe)
13. Truth Shll Set You Free (Outro)

Ein megalanges Wochenende in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln steht vor der Tür, beginnend heute Abend mit Marko Tapani Hietala, bevor es morgen mit Dragonforce weiter und am Sonntag mit Battle Beast und Hammerfall zu Ende geht. Besser bekannt ist Marco Hietala als Stimme und Bassist der finnischen Symphonic Metaller Nightwish. Wer jedoch heute Abend symphonische und klassische Metalklänge von Nightwish, Tarot oder den Northern Kings erwartet, der wird sicherlich enttäuscht. Obwohl Hietala aus der finnischen Metalwelt schon seit vielen Jahren nicht mehr wegzudenken ist und mit den verschiedensten Kapellen erfolgreich war, so erschien doch erst im Mai 2019 sein erstes Soloalbum unter dem Namen Mustan Sydämen Rovio in Finnland in rein finnischer Sprache. Marco lieferte damit ein sehr persönliches Album ab, das alles ist, nur kein Metal! Im Januar 2020 kam dann auch der Rest der Welt in den Genuss der Platte, denn sie wurde mit englischen Vocals noch einmal neu eingespielt und als Pyre Of The Black Heart veröffentlicht.

Der Ansturm auf das Konzert lässt arg zu wünschen, denn als ich um kurz vor 19:00 Uhr an der Location ankomme, stehen nur ein paar Leute wartend vor der Tür. Dementsprechend findet der Auftritt auch im Midi-Z7 statt, einer abgespeckten Version der Kult-Location. Wo sonst Platz für etwa 1.600 Besucher ist, tummeln sich heute gerade einmal etwa 250 Nasen. Eigentlich habe ich an einem Freitagabend bei so einem großen Namen wie Marco Hietala mehr erwartet, doch der Nightwish Bonus scheint in der Schweiz niemanden zu interessieren.

Gegen 20:00 Uhr ist es dann jedoch erst einmal an der Zeit für den Support Oceanhoarse, eine finnische Metalband aus Helsinki, die erst 2016 ins Leben gerufen wurde. Die vierköpfige Band steigt mit Feed The Sirens von ihrer EP Voluntary Bends in ihr Set ein, doch hat man es heute gleich doppelt schwer. Nicht nur, dass die Band in unseren Breitengraden ein völlig unbeschriebenes Blatt ist, über das sicherlich kaum einer der anwesenden Headbanger bisher gestolpert ist, so ist auch die genannte 5-Track-EP das einzige Lebenszeichen, das man bisher vorzuweisen hat. Mit diesen Voraussetzungen eine durchaus überschaubare Menschenmasse zu begeistern, ist kein ganz einfaches Unterfangen. Auch fragen sich nicht wenige, was ein Oceanhoarse eigentlich ist, worauf aber niemand wirklich eine Antwort weiß. Dennoch steckt die Truppe um Frontmann Joonas Kosonen den Kopf nicht in den nicht vorhandenen Sand, sondern geht mit viel Elan an die Sache heran. Aus den Boxen knallt moderner, schnörkelloser, kompromissloser, lauter Fucking Heavy Metal mit ordentlich Wumms, der durchaus Spaß macht und so bahnt sich hier die erste Überraschung des Tages an. Manch einem klappt bei dem Sound aber auch der Kiefer runter, denn rein musikalisch verbinden Oceanhoarse so ziemlich gar nichts mit dem Hauptact des Abends. Neben Frontmann Kosonen ist besonders Bassist Jyri Helko, der auch bei For The Imperium und beim Children Of Bodom Ableger Warmen aktiv ist, ein echter Hingucker, der beim Spielen seine gut meterlangen Dreadlocks gekonnt durch die Luft wirbeln lässt. Ex-Amoral Gitarrist und Bandgründer Ben Varon bedient sich währenddessen eines Ventilators, um seine Matte fliegen zu lassen, weil selbst Schütteln macht bekanntlich Nackenschmerzen, was ziemlich uncool ist, wenn die Tour noch ein paar Tage weitergeht. Neben der Voluntary Bends-EP hat die Band auch noch ein paar Singles in petto, so auch Fading Neons, ein Song der auch als Soundtrack auf dem Wreckfest Videospiel zu hören ist, bevor Death Row Center wieder von der EP stammt. Der Vierer kennt definitiv nur ein Gas, und zwar Vollgas. Engagiert erkämpft sich die Truppe jedes Kopfnicken und jede erhobene Faust und liefert eine tolle Show. Auch Waves wurde als Single veröffentlicht, bevor dann im Anschluss Bassist Jyri an den Bühnenrand tritt und ein sauberes Basssolo abliefert. Mit The Damage und besonders dem folgenden Slipknot Cover Duality haben die Finnen es dann geschafft, denn in den ersten Reihen fliegen die Fäuste in Richtung Hallendecke und nicht wenige schütteln zum Sound ihr Haupthaar. Die Mitsingchöre lassen zwar noch zu wünschen übrig, aber das liegt sicherlich am etwas gehobenen Altersdurchschnitt heute Abend. Anschließend darf auch Gitarrist Ben noch solieren und kann ebenfalls begeistern. Auch wenn es sich hier um völlige Newcomer handelt, so versteht doch jeder einzelne der Musiker sein Handwerk. Einzig der bandeigene Fotograf, der die ganze Zeit über die Bühne turnt, nervt ziemlich. Mit The Intruder und The Oceanhoarse folgen noch zwei weitere Singles und nun wird auch endlich aufgelöst, was ein Oceanhoarse denn eigentlich ist, denn der Fotograf turnt auch jetzt wieder über die Bühne, allerdings mit der Gummi-Maske eines Kraken oder Oktopus, eines Oceanhoarse. Gut, dass auch das noch geklärt ist. Der Krake darf noch ein paar Mal an der Gitarre von Ben Varon zupfen, bevor die Band sich nach ziemlich genau 45 Minuten verabschiedet und eine durchaus brauchbare Visitenkarte hinterlässt. Die finnischen Underdogs dürften heute den einen oder anderen Fan hinzugewonnen haben.

Danach ist dann um kurz nach 21:00 Uhr die Bühne frei für den Hauptact des Abends und somit das Kontrastprogramm, passend zum Valentinstag. Gelassen spazieren die Musiker auf die Bühne und steigen mit Star, Sand And Shadow, einer der schwächsten Nummern mit leicht orientalischem Einschlag vom Pyre Of The Black Heart Album, in das Set ein. Nightwish gelten zwar als eine der größten Symphonic Metal Bands überhaupt, doch als Musiker dieser wegweisenden Band verdient man offenbar nicht ganz so gut, denn Marco kann sich nicht einmal ein Paar Schuhe leisten und steht barfuß auf der Bühne. Von Ärger oder Enttäuschung über die wenigen Besucher ist den Musikern nichts anzumerken, stattdessen witzelt Marco darüber, dass man das Ding schon trotzdem schaukeln werde. Um es gleich vorwegzunehmen, es stehen heute Abend keine Nightwish und Tarot Songs auf der Setlist, sondern ausschließlich Pyre Of The Black Heart Nummern und der eine oder andere Coversong. Auch mit Dead God`s Son gibt es eher nur Durchschnitts-Hausmannskost auf die Lauscher, doch die eingefleischten Fans, die sich heute hier versammelt haben, kann das nicht wirklich abschrecken und so ist in den ersten Reihen Feierstimmung angesagt. Einige haben sich aber offenbar doch etwas ganz anderes von dem Abend erwartet, denn vereinzelte Besucher treten schon zu diesem frühen Zeitpunkt die Heimreise an. Für den Nightwish Bassisten ist es auf dieser Tour sicherlich ein ganz neues und völlig unbekanntes Gefühl, vor so wenig Leuten aufzutreten, dennoch kombinieren Hietala und Kumpane Spielfreude und Leidenschaft. Zwischen den Songs erzählt Marco immer wieder kleine Anekdoten, so auch die Geschichte zum nächsten Song, der sehr gefühlvollen Ballade The Voice Of My Father. Überhaupt ist das Tempo zunächst sehr niedrig gehalten, was aber an dem sehr persönlichen Hintergrund der Songs liegen soll, laut Marco. Gefühl und große Emotionen, gepaart mit der außergewöhnlichen Stimme des Finnen. Auch in For You wird das Tempo noch nicht angezogen und die Nummer plätschert ein wenig vor sich hin, dennoch wird im Publikum eifrig getanzt und gefeiert. Während bei Marcos Spiel jeder Ton perfekt sitzt, so fehlt ihm bei seinen kleinen Geschichten das eine oder andere Mal das richtige Wort und so wurschtelt er sich mit englisch und ein wenig finnisch irgendwie durch und das kleine Wörtchen Sex funktioniert sogar schon in deutsch, wenn auch noch ohne Schweizer Dialekt. Mit Death March For Freedom wird es dann aber doch langsam etwas rockiger und Gitarrist Wäinölä spielt sich in einen wahren Rausch. In der Location, die sonst eher für harten Rock und Metal Sound steht, entsteht heute eine ganz besondere Atmosphäre, was nicht zuletzt an der völlig entspannten Art des Frontmannes liegt. Da die eigenen Songs des Albums kaum für einen ganzen Abend ausreichen, wird das Set nun etwas gestreckt und mit der Hector Nummer Olet Lehdetön Puu gibt es sogar ein paar finnische Töne zu hören. Mit I Dream und I Am The Way gibt es wieder typischen balladesken Hietala Folk Rock auf die Lauscher, bevor dann mit der fröhlichen Klassic Rock Nummer Runner Of The Railways etwas Schwung in die Bude kommt. Die David Bowie Nummer Starman kann auf ganzer Linie begeistern, kündigt jedoch langsam das nahende Ende des Abends an. Dass der Album-Opener Stones ganz am Ende steht, hat durchaus seine Berechtigung, denn der langsame aber kraftvolle Stampfer geht noch einmal gut ins Bein und wirbelt das Publikum durcheinander. Danach steht ein verschmitzt grinsender Hietala am Mikro und verabschiedet sich, doch kann an dieser Stelle wirklich schon Schluss sein? Das Publikum verlangt nach mehr und nach nur zwei-drei Minuten bekommt das Z7 mehr. Die Zugabe, in Form des Black Sabbath Klassikers War Pigs, geht an die Kriegstreiber in Korea, Taiwan und im Rest der Welt. Die unsterblichen Kriegsschweine können auf ganzer Linie überzeugen und begeistern, zumindest mich und einige andere, wiederum andere, die vorher fröhlich das Tanzbein geschwungen haben, verfallen jetzt in verhaltene Euphorie. Mit dem gefühlvollen Truth Shall Set You Free wird der Sack zu gemacht.

Alles in allem haben die wenigen Zuschauer einen ganz besonderen Konzertabend mit einem anderen Hietala erlebt. Marco scheint die Auszeit bei seiner Hauptband sichtlich zu genießen und so ist heute Abend jeder auf seine Kosten gekommen.

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