Mastodon – Hushed & Grim

Werden für das hohe Risiko belohnt

Artist: Mastodon

Herkunft: Atlanta, USA

Album: Hushed & Grim

Spiellänge: 70:07 Minuten

Genre: Heavy Metal, Progressive Metal, Metal, Sludge

Release: 29.10.2021

Label: Reprise Records / Warner Music

Link: https://www.facebook.com/Mastodon

Bandmitglieder:

Bass, Gesang – Troy Sanders
Gitarre, Gesang – Brent Hinds
Gitarre – Bill Kelliher
Schlagzeug – Brann Dailor

Tracklist CD 1:

  1.  Pain With An Anchor
  2. The Crux
  3. Sickle And Peace
  4. More Than I Could Chew
  5. The Beast
  6. Skeleton Of Splendor
  7. Teardrinker
  8. Pushing The Tides

Tracklist CD 2:

  1. Peace And Tranquility
  2. Dagger
  3. Had It All
  4. Savage Lands
  5. Gobblers Of Dregs
  6. Eyes Of Serpents
  7. Gigantium

Mastodon setzen für ihr achtes Studioalbum Hushed & Grim alles auf eine Karte. Troy Sanders, Bassist und Sänger der Truppe, führt die Amerikaner mit Gitarrist und ebenfalls Sänger Brent Hinds auf eine düstere Reise aus progressiven Metal Klängen und groovenden Sludge Attacken. Andächtiger als gewohnt nehmen sie mehr als einen Gang heraus und haben scheinbar an akustischen Klängen Gefallen gefunden. Die Erinnerung an die Captured Live im Georgia Aquarium Show von vor drei Monaten wiegen noch schwer und passen wunderbar in die heutige Session. Veröffentlicht wurde das neue Geschoss am Freitag, dem 29.10.2021 über Reprise Records und Warner Music und kommt nicht nur auf zwei CDs, sondern auch auf 15 Songs, die über 70 Minuten mit Leben füllen.

Nach dem ersten Durchlauf wieder mit Pain With An Anchor gestartet, bleibt ein Gedanke fest im Kopf. Mastodon springen mehr als einen guten Meter an die Kunst von Devin Townsend heran und specken ihre korpulenten Riffs hörbar ab. Mehr Einklang statt gegenläufige Melodien dominieren die Werke auf Hushed & Grim – hat das Quartett aus Atlanta in etwa seine eigene Mitte gefunden? Das Chi im Einklang hat nicht nur eine beruhigende Wirkung auf die Stücke The Crux oder Sickle And Peace. Vielmehr wirken die Amerikaner losgelöst und konnten durch die Kurskorrektur die belastenden Ketten sprengen. Jetzt vom besten Songwriting in der Bandgeschichte zu sprechen, wäre bei der Diskografie hart. Doch wenn man ganz ehrlich auf die einzelnen Stücke blickt, muss man dieses, ob man möchte oder nicht, kopfnickend absegnen. Letztmals haben sie wohl auf Blood Mountain frei aufspielen können, wobei die Ausrichtung noch eine andere war. Emotional viel gefestigter trauen sich vor allem Troy und Brent gesanglich ganz andere Wege zu gehen. Der Cleangesang ist nicht nur ergreifend, hochwertig und stimmungsvoll, sondern ein absoluter Motor wie auch Antreiber des neuen Studioalbums. Locker tänzelt Sickle And Peace daher. Von schwermütigen Sludge Klötzen spürt man nichts mehr. Obwohl das Artwork ein dunkles Album vermuten lässt, ist es eher so vielseitig und detailverliebt wie das Cover. Wo wir schon über das Kunstwerk sprechen. Für mich eins der Besten in diesem Jahr und das liegt wiederum an den vielen kleinen Eyecatchern, die eins zu eins auf die Musik übertragen werden können. Emperor Of Sand und Hushed & Grim kann man nur schwer miteinander vergleichen. Zwei Gesichter prallen da auf den Mastodon-Fan ein. Für mich war das letzte Werk viel unzugänglicher als die neuen 15 Kompositionen, die einen ohne Probleme berühren können. Die Atmosphären leben jedoch nicht nur von den beiden bereits genannten Musikern. Bill Kelliher an der zweiten Gitarre reißt richtig was weg und brilliert im Duett mit Brent Hinds. Brann Dailor hinter der Schießbude zündet immer wieder kleine Feuerwerke ab. Gedanken an den skandinavischen Metal unterstreichen unter anderem Titel wie More Than I Could Chew oder Skeleton Of Splendor. Das amerikanische Image abgeschüttelt, agieren Mastodon 2021 wie eine Band, die kaum weltoffener ihre Klänge zelebrieren könnte. Mystisch, magisch und mit viel Charme leben die progressiven Auswüchse in den Boxen und treffen das schwer erreichbare Herz des Konsumenten. Alle Einflüsse aufgeführt, würde dieses Review bereits in der Aufzählung sprengen. Ein Beispiel dafür ist The Beast. Rockig mit Stoner Rock Grundierung laufen die sechs Minuten herunter, wie ein gut gekühltes Bier die Kehle. Mit dem zweiten Langeisen gibt es den erwarteten kleinen Cut. Experimenteller und teilweise sehr weich drehen die Jungs verstrickter auf. Diese Differenzen wiegen gar nicht mal so schwer und schnell geht auch der zweite Silberling in den Kopf. Dagger wächst zu einem der Höhepunkte von Hushed & Grim. Rauchige Vocals verschlingen mit ihrem elektronischen Gegenspieler ganze Soundfolgen, wie eine habgierige Schlange die kleine Maus in einem Bissen vertilgt. Nichts wird ausgelassen, Barrieren gibt es keine – was funktionieren kann, wurde auch ausprobiert. Angst dürften die vier keine gehabt haben. Wobei sie mit dieser Veröffentlichung auch negatives Feedback von alteingesessenen Fans erwarten müssen.

Mastodon – Hushed & Grim
Fazit
Das wohl kompletteste Album des Jahres liefern Mastodon mit Hushed & Grim. In allen Belangen perfekt, kann man einfach nichts Negatives finden, und die Musiker werden für ihren Mut belohnt, ihre Handschrift anders fortzusetzen, als man es gewohnt war. Mit dem Herz am rechten Fleck begeistern sie von der ersten Sekunde an und lassen mich persönlich nach 70 Minuten mit einem offenen Mund zurück. Wer mich kennt, weiß, dass es mir nicht oft die Sprache verschlägt, aber Mastodon haben dieses völlig unvorhersehbar geschafft. Die glorreichsten Zeiten der Amerikaner längst abgeschrieben, zeigen sie auf, dass die ihren Zenit doch noch lange nicht erreicht haben. In der langsam abfallenden Leistungskurve legt Hushed & Grim ein musikalisches Abenteuer an den Tag, das man in diesem Herbst erst einmal sacken lassen muss. Mehr geht nicht und hier könnte uns das Album des Jahres vorliegen. Das Potenzial dafür haben die 15 Tracks allemal, schließlich gibt es nicht einen einzigen Filler und nur Killer! 

Anspieltipps: More Than I Could Chew und Savage Lands
René W.
9.8
Leser Bewertung17 Bewertungen
7.1
9.8
Punkte