Napalm Death und Support 07.02.2020 Kulttempel Oberhausen

Sechs Stunden Vollgas

Bands: Napalm Death, Eyehategod, Misery Index, Rotten Sound, BAT

Ort: Kulttempel, Mülheimer Str. 24, 46049 Oberhausen

Datum: 07.02.2020

Kosten: VVK 30 € (Sold Out)

Zuschauer: ca. 700

Genre: Grindcore, Sludge, Death Metal, Speed Metal 

Veranstalter: M.A.D. Tourbooking GmbH

Links: https://www.facebook.com/events/435925270399275/
https://napalmdeath.org/scum/

Der Tourauftakt hätte für die Bands nicht schöner ausfallen können, denn schon zu Beginn ist der Kulttempel zum Bersten gefüllt, sodass direkt bei den Amerikanern von BAT der Tempel bebt. Ihre Begeisterung über ihr erstes in Europa gespieltes Konzert können die drei kaum verbergen und liefern eine Performance ab, die großen Bands in nichts nachsteht. Eine knappe halbe Stunde feinsten Speed Metals haben sie für uns im Gepäck und der Laden würdigt dies mit einem Moshpit zur ersten Band.

Nach einer kurzen Pause geht es mit Rotten Sound direkt weiter. Kaum bleibt Zeit Luft zu holen, denn die Finnen beherrschen ihr Handwerk und knüppeln einen Song nach dem anderen ins Publikum hinaus. Die Masse in der Halle gerät immer mehr in Wallung und der Moshpit dehnt sich immer weiter aus. Der brutale Grindcore heizt den Fans mehr und mehr ein und die Stimmung lässt sich noch weiter steigern. Immer mehr Menschen strömen in die kleine Halle, um ihren Teil der Show abzubekommen.

Als das Death Metal Quartett Misery Index die Bühne betritt, ist der Laden überfüllt. Die Stimmung ist hoch, der Platz, um sich abzureagieren, nicht mehr vorhanden. Einige Köpfe bewegen sich zu den gekonnt schnellen Rhythmen – doch ein wahrer Moshpit ist erst gegen Ende der Show zu Songs wie The Carrion Calls und Traitors möglich, als einige Besucher den Saal selbst verlassen, und in weiser Voraussicht den Raucherbereich und die Toiletten aufgesucht haben. In den Umbaupausen war dies aufgrund der Besucherzahl fast unmöglich.

Als die Sludge Mitbegründer Eyehategod gegen 21:00 die Bühne betritt, verändert sich die Stimmung und kippt von purem Geballer in eine seltsame Atmosphäre. In meinem Kopf mischen sich die Bilder von H.R. Giger und Salvador Dali, als ich versuche, diesen Sound zu begreifen. Die über 30 Jahre auf der Bühne sind an den Männern aus New Orleans nicht spurlos vorbeigegangen. Hier steht der Rock ’n‘ Roll Lifestyle wirklich noch auf der Bühne. Umso mehr beeindruckt mich ihre Leistung. Mit voller Energie, wie am Anfang der Karriere, ziehen sie eine Show ab, die an Erfahrung ihresgleichen sucht. Mein persönliches Highlight des Abends ist ein skurriler Moment, als Gitarrist Jimmy Bower die Fans aufruft, freitags abends etwas Verrücktes zu tun – und als Beispiel vorangeht, indem er mitten auf der Bühne sein Gebiss ausbaut!

Nach fast einer Stunde, in der sich die Fans kaum bremsen können, machen Eyehategod Platz für den Headliner des Tages: Napalm Death! Für mich eine Band, deren gutturalen Klang man diskutieren kann – indiskutabel ist für mich jedoch ihr Engagement. Selten habe ich eine Band gesehen, die in jeden ihrer Auftritte so viel Leidenschaft legt und ihre Titelauswahl so abstimmt. Politisch und sozialkritisch hat Frontmann Mark „Barney“ Greenway zu fast jedem Lied eine Botschaft an die Fans, die auch bei älteren Titeln den Zahn der Zeit genau treffen. Er ermutigt uns zu einer eigenständigen Lebensführung und der Gleichheit aller Menschen bei Diktat und kritisiert immer wieder Politik, Kirche und Wirtschaft. Gegen Ende des Abends spielen sie ein Cover, welches nicht besser zu den Geschehnissen der letzten Tage hätte passen können, denn das Dead Kennedys Cover Nazi Punks Fuck Off löst in der Menge eine Art Euphorie aus und scheint für viele Gäste ein bitternötiges Ventil gewesen zu sein.

Mein einziger Kritikpunkt gilt hier dem Veranstalter, denn diese Halle war nicht aus- sondern überverkauft. Auch in den letzten Reihen war es unmöglich, sich zu bewegen, egal ob eine Band spielte oder eine Pause war. Die Herrentoiletten waren ständig überfüllt und der kleine Flur bot kaum eine Möglichkeit, diese oder den Raucherbereich zu erreichen. Mein Wunsch an den Veranstalter: 100 Karten weniger verkaufen und das finanzielle Defizit durch den Getränkeverkauf ausgleichen, denn auch das Erreichen der Theken wurde zum Geduldsspiel. Dennoch endet der Abend in einer Qualität, die ich lange vermisst habe. Alle Bands spielten pünktlich und füllten ihre Zeit voll aus, lieferten grandiose Performances ab und hatten einen wunderbaren Sound.

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