Periphery – Live In London

Bitte nicht zu Hause nachmachen

Artist: Periphery

Herkunft: Bethesda Maryland, USA

Album: Live In London

Spiellänge: 74:20 Minuten

Genre: Progressive Metal, Djent

Release: 13.11.2020

Label: Century Media

Link: http://periphery.net/

Bandmitglieder:

Gesang – Spencer Sotelo
Gitarre – Misha Mansoor
Gitarre und Backgroundgesang – Jake Bowen
Schlagzeug – Matt Halpern

Gitarre – Mark Holcomb – Bandmitglied, jedoch nicht auf diesem Release vertreten

Tracklist:

  1. Reptile
  2. Chvrch Brvner
  3. Remain Indoors
  4. Follow Your Ghost
  5. Scarlet
  6. Marigold
  7. It´s Only Smiles
  8. Psychosphere
  9. Blood Eagle
  10. Lune

Periphery sind für mich das musikalische Äquivalent zum gesellschaftlichen Leben des letzten Jahrzehnts: technisch fortgeschritten, unbeständig und mit abschreckender Wirkung auf die ältere Generation. Bezogen auf die Band: Sie sind unfassbar versiert an ihren Instrumenten, vollziehen regelmäßig Besetzungswechsel und bereiten alteingesessenen Metalfans Kopfzerbrechen. Lässt man sich allerdings auf die komplexen Songstrukturen der Amerikaner ein, bekommt man einiges geboten. Nach zwei EPs und sechs Studioalben bekommen die Fans ein langersehntes Livealbum auf die Ohren. Gitarrist Jake Bowen erklärte dazu: „Seit Jahren wollten wir ein Livealbum machen. Wir haben immer darüber gesprochen, welches Konzert wir mitschneiden könnten. Wie würde es klingen? Am 15. November 2019 haben wir unsere Show in London aufgenommen und Antworten auf diese Fragen gefunden. London war immer einer unserer Lieblingsspielorte und diese Show werden wir sicherlich nie vergessen!“  

Das Album mit dem schlichten Titel Live In London erscheint zunächst nur in digitaler Form. Kamen die deutschen Fans zuvor noch in den Genuss der gesamten Gitarrenfraktion inklusive Mark Holcomb, mussten die Fans in UK darauf verzichten. Kurz vor der Aufzeichnung im ausverkauften Londoner O2 Forum verließ Holcomb die Tour aus familiären Gründen. Wie sich später herausstellte, sind die wahren Gründe eher für ein Klatschmagazin geeignet. Widmen wir uns also dem Geschehen auf der Bühne. Die Band trat zu viert auf, nachdem der etatmäßige Bassist Adam “Nolly” Getgood die Band bereits 2017 verließ. Neben den Bassspuren kommen bei dieser Veröffentlichung auch die Parts von Mark Holcomb vom Band.

Wer startet sein Set bitte mit einem über 16-minütigen Song? Genau die Jungs, die es schon auf ihrem letzten Studioalbum taten. Das geht nur mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. Das Stück hört auf den Namen Reptile. Mit von der Partie ist auch Mikee Goodman, der schon bei der Studioversion für die düstere Sprechpassage im Mittelteil sorgte. Gegen Ende des Songs bekommt die Saitenabteilung Unterstützung von Plini und Jakub Żytecki und mutiert zu einem vierköpfigen Gitarrenmonster. Leider geht der Livecharakter etwas verloren, da das eigentlich lautstarke Publikum im Mix verloren geht. Das kommt auf diversen Youtube-Videos besser rüber. Die Band konzentriert sich an diesem Abend hauptsächlich auf die letzten beiden Outputs Periphery III: Select Difficulty und Periphery IV: Hail Stan. Weiter geht die polyrhythmische Achterbahnfahrt mit Chvrch Bvrner – niemand sollte sich genötigt fühlen, zu dem Song zu headbangen. Während Sänger Spencer Sotelo in den cleanen Passagen nicht immer ganz sattelfest wirkt, schreit er sich hier in beeindruckender Manier die Seele aus dem Leib. Meinen größten Respekt zolle ich jedoch Drummer Matt Halpern, er liefert wirklich allerhöchstes Niveau ab.

Obwohl der nächste Song von 2016 stammt, könnte der Songtitel Remain Indoors (dt. Drinnen bleiben) nicht besser in die heutige Zeit passen. Die Gesangsleistung wird von Song zu Song besser. Mit fiesem Djent-Riffing und ultrabösen Vocals folgt Follow Your Ghost. Abwechslung gibt es mit Scarlet, Marigold und It´s Only Smiles. Periphery zeigen sich von ihrer anderen, eingängigeren Seite. Als Schmankerl serviert Spencer Sotelo in Marigold (bei ca. 3:40 Minuten) einen Schrei der Marke Rob Halford. Mit gedrosseltem Tempo rauscht Psychosphere durch die Lautsprecher und das Publikum wird zum Springen animiert, da möchte ich doch glatt mitmachen. “It´s a fucking heavy one”, verspricht Sotelo dem Publikum. Blood Eagle ist in der Tat ein Massaker und mein persönlicher Favorit vom letzten Album. “Louder”, wird skandiert, aber meine Nachbarn beschweren sich schon. Lune bildet den Abschluss des Konzerts. Der atmosphärische Song sorgt für einen harten Kontrast und lässt das Livealbum auf wundervolle Weise ausklingen.

Periphery – Live In London
Fazit
Periphery wollen mit Live In London die konzertfreie Zeit ein wenig erträglicher gestalten. Das ist ihnen auch gelungen. Fans der Band bekommen endlich ein Livealbum präsentiert und Neueinsteigern wird ein abwechslungsreicher Zusammenschnitt des Portfolios geboten. Ein bisschen mehr Liveatmosphäre hätte ich mir gewünscht. Ansonsten gibt es an der Performance und der Songauswahl nichts auszusetzen. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich laufe noch ein paar Runden im Circle Pit um den Schreibtisch.

Anspieltipps: Reptile, Marigold und Blood Eagle
Florian W.
8
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Punkte
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