Ray Wilson, Time And Distance Tour 2018, Kerzenhof in Schafstedt am 26.05.2018

“Stimmungsvoller Abend auf dem Kerzenhof in Schafstedt!”

Eventname: Time And Distance Tour 2018

Headliner: Ray Wilson & Band

Ort: Kerzenhof, Schafstedt, Schleswig-Holstein

Datum: 26.05.2018

Kosten:  34,15 € VVK, Sold Out

Genre: Rock

Besucher: 196

Veranstalter: Kerzenhof, Schafstedt

Links: http://www.raywilson.net/
https://www.youtube.com/watch?v=CSqYue3dnG8

Setlist:

  1. No Son Of Mine
  2. Wait For Better Days
  3. That‘s All
  4. Lemon Yellow Sun
  5. Another Cup Of  Coffee
  6. Another Day In Paradise
  7. Carpet Crawlers
  8. In Your Eyes
  9. The Actor
  10. Biko

Pause

  1. Solsbury Hill
  2. Change
  3. Sarah
  4. Follow You Follow Me
  5. In The Air Tonight
  6. Alone
  7. Make Me Think Of Home
  8. The Dividing Line
  9. American Beauty
  10. Home By The Sea
  11. Congo

Encore:

  1. Constantly Reminded
  2. Land Of Confusion

Was ist, wenn in ein kleines Örtchen namens Schafstedt, nah bei Wacken gelegen, an einem lauschigen Abend im Mai viele Menschen pilgern? Nicht, wie manche Einheimische vermuten könnten, zum Schleswig-Holstein Musik Festival. Nein, ein begnadeter Sänger, und ehemaliges Mitglied einer der bekanntesten Bandes, die über drei Jahrzehnte prägend waren, gibt sich die Ehre. Er lädt uns auf eine Reise durch die Vergangenheit und Gegenwart ein. Der Mann heißt Ray Wilson und beendet in diesem Ort, schon fast traditionell, seine aktuelle Time And Distance Tour durch Deutschland. Der Kerzenhof ist eigentlich ein Café, das aber auch immer wieder mit unterschiedlichen Vorstellungen und Auftritten für Aufsehen sorgt. Dorte (ist richtig geschrieben) und Borky (bürgerlich Stephan), die Betreiber des Kerzenhofes, haben diesen zu einer gut gehenden Location aufgebaut, die neben Kaffee und Kuchen in einem liebevoll eingerichteten Gasthaus auch ein Tonstudio betreibt in dem getextet, geschrieben oder gecoached wird. Diesem Umstand und den guten Kontakten ist es zu verdanken, dass hier der Abend mit eben Ray Wilson stattfinden kann.

Nach der zügigen Einlasskontrolle geht’s in den Innenhof, der schon gut gefüllt ist. Die meist älteren Zuschauer haben es sich an den kleinen Tischen oder auf Bänken und Stühlen bequem gemacht. Die Selbstversorgung mit Getränken klappt, und im Haupthaus gibt es Hot Dogs oder belegte Brötchen für den kleinen Hunger. Die Preise sind human. Das Konzert soll um 21.00 Uhr beginnen und da ist noch etwas Zeit. Der Abend ist lauschig, es ist warm und das Dithmarscher aus der Beugel Buddel kühl. So kann ein Konzertabend beginnen.

Das tut er dann auch pünktlich. Die flache Bühne, in der torlosen Remise untergebracht, lässt die Nähe zu den Künstlern sprichwörtlich werden. Die kommen quer über den Hof geschlendert und werden freundlich begrüßt, man kennt sich halt. Ray Wilson hat nur einen Teil seiner sonst größeren Begleitmannschaft dabei und so teilen sich Bassist, Saxophonist und Querflötenspieler Marcin Kajper, Schlagzeuger Mario Koszel, Keyboarder Kool Lyczek, Steve Wilson an der Gitarre und sein Bruder Ray, ebenfalls oft mit Klampfe, die Bühne. Es ist noch hell und so wird zunächst auf eine großartige Beleuchtung verzichtet. Da die Setlist eine Pause vorsieht, dürfte sich das später ändern. Auf eben dieser Liste stehen gut 23 Titel und das bedeutet, es wird spät. Mit dem Genesis Klassiker No Son Of Mine geht es los. Und durch die Auswahl der Eröffnungssongs wird auch schnell klar, dass heute Abend ein bunter Reigen aus Genesis, eigenen Songs aus der Stiltskin oder Cut Zeit auf dem Zettel stehen. Ray Wilson ist ja ein stetig tourender Musiker, der mit unterschiedlichen Programmen auftritt. Genesis vs. Stiltskin, Akustik Sessions oder reine Genesis Abende werden mit eben jenem gemischt, das heute dran ist. Somit gibt es einen Querschnitt aller Schaffenszeiten von Ray Wilson. Das ist, was alle hören wollen und sie bekommen es.

Wir haben bereits einen Blick auf die Songs werfen können und es verspricht spannend zu werden. Sofort fängt Ray die Zuschauer ein und bereis beim ersten Song wird mit den Füßen gewippt. Nahtlos schließt sich Wait For Better Days aus dem Jahre 2013 an. Danach schon gleich der nächste Genesis-Titel, Thats All. Es fällt auf, dass Ray an vielen Stellen eine eigene Interpretation in diese Lieder legt. Er spielt nicht stumpf nach, sondern eigene Abwandlungen lassen diese Songs in einem anderen Licht erstrahlen. Das gefällt auch den sich inzwischen nach vorne drängenden Gästen. Man will ja mal einen Blick erhaschen oder ein Handyfoto machen. Lemon Yellow Sun von Stiltskin macht weiter und fällt etwas sperriger aus. Ray Wilson greift tief in seinen Fundus und entzündet auf dem Kerzenhof ein warmes heimeliges Gefühl. Oftmals wird der geneigte Zuhörer für das genaue Hinhören belohnt, wenn er sich den leisen Klängen, mit manchen wunderschönen Melodien hingibt. Großartig, wie hier The Carper Crawlers intoniert wird. Dabei unterstützt Keyboarder Kool Lyczek, der das Flair des Genesis-Stückes gekonnt umsetzt.

Zwischen den einzelnen Songs erzählt Ray kleine Geschichten, wie es zu der Entstehung der Lieder gekommen ist, oder einfach nur lustige Anekdoten. Jägermeister Wilson, wie er während seiner Zeit in Stuttgart genannt wurde, (wo das wohl herkommt…), oder von dem Gefühl zu Haus zu sein zeigt, dass er diese Erlebnisse und Gefühle in seinen Liedern verarbeitet. Dabei verzichtet er auf viel Brimborium. Er steht auf der Bühne wie einer von uns. Die Jeans modisch mit Rissen, offenes Jeanshemd über einem bedruckten T-Shirt, die Haare offen. Es gibt keine große Show, sondern hier stehen Künstler, die einfach schöne Musik machen. Nach etwas über einer Stunde gibt uns Ray Wilson die Gelegenheit zu verschnaufen und verabschiedet sich in die vorgesehene kleine Pause.

Inzwischen ist es dunkel geworden und auch der leichte Wind wird frischer. Die sternenklare Nacht wird von einem fast vollen Mond erhellt, als es dann weitergeht. Nun kommt auch das dezent eingesetzte Licht auf der Bühne besser zur Geltung. Mit Solsbury Hill von Peter Gabriel wird der zweite Teil eingeläutet. Change vom gleichnamigen Album und Sarah, ein Lied seiner ersten Band Cut, schließen sich an. Im Letzteren wird über den Wunsch eine unerreichbare Schöne zu treffen gesungen. Diese Unerreichbarkeit wird durch die harten Klänge der Gitarre und der rauen Stimme von Ray meisterlich dargestellt. Man fühlt richtig den Schmerz ob dieses Umstandes. Nun kommt wieder etwas mehr Freude auf. Follow You Follow Me regt die Zuschauer zum Tanzen und Mitsingen an. Vergessen sind die melancholischen Zwischentöne von eben. Auch In The Air Tonight sorgt für mehr Spaß. Das lässt sich auch sofort an den Zuschauern bemerken, die gnadenlos einfach nach vorne drängen.

Was hier besonders auffällt ist, der bemerkenswerte Einsatz von Marcin Kajper, an Saxophon und Bass. Die eigene Interpretation dieser Genesis-Songs sorgt immer wieder für angenehme Überraschungen. Richtig gefühlvoll wird es dann wieder bei Alone. Akustische Gitarre, leichte Untermalung durch Bass und Schlagzeug singt der gebürtige Schotte von seiner Heimat. Das ist ein Liebeslied an seine Wurzeln. Wie verzaubert schunkeln viele leicht hin und her. Beim Blick über die Zuschauer sind viele geschlossenen Augen auszumachen und man vermutet nur die Träume dahinter. Und dann kommt noch diese Stimme dazu. Hier versteht es jemand, Bilder im Kopf zu erzeugen. Dann auch noch Make Me Think Of Home. An dieser Stelle muss auch Rays Bruder Steve mal erwähnt werden. Der spielt eine hervorragende Sologitarre und schafft es mühelos, Al Fergusson zu ersetzen. Seine Soli können sich hier und heute hören lassen. Dieser Track ist von der letzten regulären gleichnamigen CD, die überall gut eingeschlagen ist. Auch hier wieder Marcin Kajper mit einer gekonnten Saxophoneinlage, für die es Szenenapplaus gibt.

Nun komm wieder ein Genesis-Song. Es ist der bisher einzige von Calling All Stations, bei dem Ray Wilson als Sänger fungierte. Na klar wird noch Congo kommen, aber mehr sind nicht dabei. Der Schlussspurt kündigt sich mit American Beauty von Stiltskin an. Danach zwei weitere Genesis-Titel, nämlich Home By The Sea und das von mir erwähnte Congo. Bei Letztem darf dann Schlagzeuger Marion Koszel zeigen, dass er auch allein spielen kann. Hinter seiner Glaswand liefert er ein gutes, nicht zu langes Solo ab, das sich super in dem gesamten Track integriert hat. Dann verabschieden sich zunächst alle.

Natürlich darf eine Zugabe nicht fehlen. Sie sind ja auch nicht wirklich gegangen, nur etwas im Dunkel der Remise abgetaucht. Zwei Tracks stehen noch an. Constantly Reminded und Land Of Confusion. Die Uhr zeigt 23.30, als sich die Fünf und lautem und anhaltendem Applaus verabschieden – nicht ohne das Versprechen zu geben, im kommenden Jahr wieder hier zu spielen. Ray Wilson ist sofort beim Merchstand zu finden und steht für Bilder und Autogramme bereit. Auch Marcin Kajper ist da und signiert fleißig seine eigene CD. Nach einem kurzen Abgleich der vorliegenden Setlist (ist einiges umgestellt worden), verabschieden wir uns und werden im kommenden Jahr wieder mit von der Partie auf dem Kerzenhof in Schafstedt sein. Termin ist der 19.05.2019.

Für die guten Bilder hat mal wieder Norbert C. gesorgt.

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