Artist: Repressed
Herkunft: Kassel/Magdeburg
Album: Spiral
Spiellänge: 18:37 Minuten
Genre: Death Metal / Hardcore
Release: 11.07.2025
Label: Eigenproduktion
Link: https://repressedhc.bandcamp.com
Bandmitglieder:
Gesang – Julian Göttlich
Schlagzeug – Nick Meyer
Bass – Thorben Spindler
Gitarre – Emanuel Oropesa
Gitarre – Sebastian Balk
Tracklist:
- Spiral
- Crushed Existence
- Misery
- Interlude
- Mindless Thoughts
- Labeled
- Rot
Was dreht sich denn da auf meinem digitalen Plattenteller? Eine Mischung aus Hardcore und Death Metal klingt auf dem Papier erst mal nach ordentlich Stress. Doch tatsächlich schaffen es die fünf von Repressed, nicht nur rohes Gebolze an den Tag zu legen, sondern auch mit mehr Sinn und Verstand an die Nummer heranzugehen.
Dabei ist die bisherige Diskografie schon sehr interessant: Seit 2018 schlagen sich Repressed mit den EPs Desist und Chapters Of Dissimulation und einzelnen Singles durch die Szene und konnten sich so schon mal einen Namen machen.
Besonders ist mir aufgefallen, dass die fünf ganz offensichtlich experimentierfreudig sind und die Single Chains Of Faith in zwei Versionen veröffentlicht haben (die zweite Version ist eine LoFi-Variante). Ideen gibt es also genug und man scheint sich nicht vor „unkonventionellen“ Ansätzen zu fürchten.
Und genau das ist auch der Dreh- und Angelpunkt für Spiral. Erst mal ist die EP der längste Release mit sieben Songs, und dann haben sich Sound und Songwriting weiterentwickelt. Zwar ist der Sound eher „klassisch“ organisch, also es klingt tatsächlich wie eine Gitarre, die aus einem Verstärker kommt, ohne totproduziert und komprimiert zu sein. Im Gegenteil! Es klingt sowohl warm als auch düster, was gerade den einzelnen Liedern zugutekommt und instrumental im Gegensatz zu Julians Stimme steht. Das macht den ganzen Mix erst mal extrem spannend zu hören. Hier hat Gitarrist und Backgroundsänger Emanuel gute Arbeit geleistet, was bei Eigenproduktionen keine Selbstverständlichkeit ist. Entweder klingt meist das Schlagzeug wie ein Maschinengewehr, oder die Saiteninstrumente sind so durchgenudelt, dass hier jeglicher Charme verloren geht.
Und dann kommt da dieses Songwriting um die Ecke. Um es kurz mit einem Wort zusammenzufassen: aushalten. Denn gleich beim Opener Spiral wartet man als Zuhörender darauf, dass es endlich „losgeht“, da sich der Song mit der Zeit aufbaut und die Stimmung immer mehr türmt. So wird immer wieder mit den stehenden Gitarrenakkorden zwar Fläche erzeugt, doch dieses leichte Andeuten bei den Drums von Nick lässt immer erwarten: „Ah! Jetzt kommt der Blastbeat!
Aber er kommt nicht …
Bis er dann endlich kommt und es nur noch aus den Rohren feuert!
Dieser dramatische Aufbau, dieses bewusste In-die-Länge-ziehen von Parts, macht die Songs so extrem interessant. Klar, ich will hier die Kirche im Dorf lassen, und Repressed kombinieren geschickt Death-Metal- und Hardcore-Elemente, was man mal mehr und mal weniger gehört hat. So kann Crushed Existence als ein „normaler“ Hardcore-Song bezeichnet werden.
Doch liegen die Stärken von Repressed gerade darin, wenn die fünf anfangen, Stimmung aufzubauen. So ist zum Beispiel der Introteil von Misery eine so düstere Schelle und endet in einem brachialen Slam-Part (eingeleitet durch die schöne Ansage „Life Is Misery!“), der jedem Violent-Dancer die Tränen in die Augen drückt.




